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Liebe Vogelfreunde,
ein weiteres Mal musste ich heute Abschied nehmen.
Lucy,
um deren Leben ich seit Wochen gekämpft habe, hat heute Mittag ihre Augen für
immer geschlossen. Seit einigen Tagen war ihr Gesundheitszustand endlich stabiler geworden,
so schien es zumindest. Es ist drei Tage her, dass ich sie zum ersten Mal zwitschern
hörte. Auch hat sie zum ersten Mal auf einem Bein sitzend geschlafen. Sie wirkte
rundum zufrieden und glücklich. Aber das alles war wohl nur ein letztes Aufbäumen
gegen das Unvermeidliche. Die lange Krankheit hat Lucy zu sehr geschwächt, ein
Überleben war allem Anschein nach nicht mehr möglich. Wie alt sie war, weiß
ich nicht. Als sie zusammen mit den 42 anderen Vögeln Anfang September 2005 aus ihrem
vorherigen Zuhause geholt worden war, da war sie schon erwachsen, und das sicher seit
geraumer Zeit. Ich schätze, dass Lucy einige Jahre alt gewesen ist.
Obwohl Lucy monatelang krank war, war sie doch meist recht agil und man sah ihr an, dass
sie kämpfte, um zu überleben. In ihren Augen war immer dieser Glanz, der mir
verriet, dass sie voll und ganz bei der Sache war. Ihr Blick war stets neugierig, manchmal
wirkte er fragend. Als sie noch bei den Tierschützern in meiner Heimatstadt untergebracht
war, da hatte ich sie schon ins Herz geschlossen. Seit sie zum Päppeln und für eine
intensive Pflege in meiner Obhut war, noch viel mehr. Mit ihrem zurückhaltenden und
trotzdem charmanten Wesen hat sie meine Zuneigung gewonnen und ich habe mir gewünscht,
für sie ein ganz besonders schönes Zuhause zu finden, in das sie nach ihrer
Genesung ziehen sollte. Leider hatte das Schicksal andere Pläne mit der freundlichen
blauen Vogeldame. Mir blieben nur die vielen
Fotos und meine Erinnerungen an bessere Tage. Ich hoffe, Lucy hat gespürt, wie gern ich
sie hatte.
Essen, 7. Januar 2006
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