Gibt es verschiedene Wellensitticharten? Diese Frage wird von vielen Wellensittichhaltern,
vor allem von Neulingen, immer wieder gestellt. Sie ergibt sich meist dann, wenn Vogelhaltern der Begriff
"Standardsittich" zu Ohren gekommen ist. Die Antwort auf diese Frage ist einfach:
Nein, aber es kommen unterschiedliche Erscheinungsformen vor, denn der Wellensittich hat sich
durch die Zuchtbemühungen in Menschenobhut sehr verändert.
Trotzdem gehören alle Wellensittiche derselben Art an, die den wissenschaftlichen Namen
Melopsittacus undulatus trägt. Sie weisen aufgrund der langjährigen
Zuchtbemühungen inzwischen verschiedene
Farbschläge auf.
Auch die Körpergröße unterscheiden sich bei einigen speziell gezüchteten
Vögeln stark von der in Australien
lebenden, so genannten Wildform oder Nominatform der
Wellensittiche.
Einige Jahre nach ihrer Entdeckung
durch den Naturforscher George Shaw im Jahre 1805 wurden die Wellensittiche
mit Schiffen nach Europa gebracht. Rasch stellten sich Zuchterfolge
ein und die ersten farblichen Mutationen traten auf: blaue Sittiche mit weißen
Gesichtern, siehe Foto rechts, Albinos (rein weiße Vögel mit roten Augen)
und Lutinos (rein gelbe Vögel mit roten Augen). Mit der Zeit entwickelten sich auch
gescheckte Mutationen und andere Zeichnungen des Gefieders. Besondere Farbmerkmale
wurden gezielt herausgezüchtet, und man legte immer mehr Wert auf bestimmte
Körperproportionen. In England gab man dem angestrebten Ideal einen Namen: Standardsittich.
Der Name "Standardsittich" ist durchaus ein wenig irreführend. Er bezeichnet keineswegs
die Standardform, also den wilden Wellensittich, sondern ein vom Menschen festgelegtes,
künstliches Zuchtideal.
Besonders große Wellensittiche werden meist für Vogelausstellungen gezüchtet,
weshalb man sie auch als Schauwellensittiche bezeichnet. Schauwellensittiche
sind in aller Regel Standardsittiche. Umgekehrt gilt aber nicht, dass ein Standardsittich
automatisch auch ein Schauwellensittich ist! Nur sehr selten gelangen
Schauwellensittiche in den Zoofachhandel, weil sie für die Züchter in aller
Regel zu wertvoll sind, denn mit diesen Vögeln lassen sich bei den Ausstellungen mit
etwas Glück Preise gewinnen. Deutlich eher trifft man im Zoofachhandel hingegen
Standardsittiche an.
Standardsittiche sind etwa einen (Wellensittich-)Kopf größer
als die Wildform. Sie wirken insgesamt bulliger und wiegen ca. 50 bis 55 Gramm, ohne
dabei übergewichtig zu sein. Durch ihre wulstige Gefiederform am Kopf
sieht man ihre Augen aus einigen Perspektiven nicht. Vielen Menschen
gefällt dieses Schönheitsideal nicht, weil es mit der Wildform
nur noch wenig gemeinsam hat. Andere wiederum empfinden die Standardsittiche als
wunderschöne Geschöpfe, denen die wilden Wellensittiche nicht das Wasser
reichen können. Wie so vieles, ist dies eine Frage des persönlichen Geschmacks,
über den sich bekanntlich nicht streiten lässt. Die Abbildung in diesem Absatz
zeigt links einen Standardsittich und rechts ein zierlicher Stubenwellensittich, der
nur geringfügig größer ist als die Wildform.
Neben den Standardsittichen und Schauwellensittichen kommt eine weitere Variante der
Wellensittiche vor: der so genannte "Hansi-Bubi". Menschen, deren
Leidenschaft das Züchten von Standard- und Schauwellensittichen ist, haben diesen Begriff geprägt.
Er bezeichnet jene Wellensittiche, die vergleichsweise zierlich sind, also nur geringfügig
größer als die Wildform der Wellensittiche. Es sind vor allem diese kleineren
Wellensittiche, die im Zoofachhandel als Haustiere verkauft werden. Da Hansi und Bubi
zwei der häufigsten Namen der Stubenvögel sind, wie auch meine
Wellensittichnamen-Statistik
bestätigt, erhielt diese kleine Zuchtform des Wellensittichs ihren Namen.
Sie hat in Bezug auf ihre Statur noch relativ viel mit der Wildform der Wellensittiche
gemeinsam. In Australien lebende wilde Wellensittiche
tragen ein grünes Gefieder mit gelben Gesichtern. Sie sind etwa 18 Zentimeter
groß und rund 35 Gramm schwer. In der Abbildung in diesem Absatz ist ein "Hansi-Bubi"
zu sehen, der den wilden Wellensittichen in seinem Aussehen recht nahe kommt.
Wo es verschiedene Formen einer Tierart gibt, treten auch Mischformen auf:
Oft findet man in Zoofachgeschäften eine solche Mischung aus Standardsittich und
Hansi-Bubi. Solche mittelgroßen Wellensittiche werden als Halbstandardsittiche oder
kurz Halbstandards bezeichnet.
Unterscheidungshilfe
Mit ein wenig Übung lassen sich die verschiedenen Erscheinungsformen der Wellensittiche
relativ leicht unterscheiden. Das folgende Bildmaterial sowie die Begleittexte sollen als
Unterscheidungshilfe dienen.
So sieht ein "Hansi-Bubi" aus:
Wie die wilden Wellensittiche tragen Hansi-Bubis nur sechs schwarze, kleine Punkte, die so genannten
Kehltupfen, im Gesicht. In jeder Gesichtshilfe sind es jeweils drei. Bei manchen Farbschlägen
fehlen die Kehltupfen allerdings teilweise oder ganz. Der Abstand der zwischen der
Spitze des Oberschnabels und der unteren Kante der Gesichtsfedern, also der Abstand bis zu
jener Stelle, an der das Brustgefieder beginnt, ist vergleichsweise klein. Er ist meist
kürzer als die Länge des Oberschnabels. Das Stirngefieder ist zierlich, die Augen
der Vögel sind aus jeder Perspektive sichtbar. Die Körpergröße der
Hansi-Bubis liegt normalerweise zwischen 18 und 20 Zentimetern (Kopf bis Schwanzspitze). Ihr
Normalgewicht variiert zwischen 35 und 40 Gramm.
So sieht ein Halbstandard-Wellensittich aus:
Bei Halbstandard-Wellensittichen (oder kurz Halbstandards) trägt das Gesicht deutlich
mehr Kehltupfen. In der Abbildung rechts ist ein Halbstandard zu sehen, dessen Kehltupfen
deutlich größer sind als die der Hansi-Bubis, ferner trägt das Weibchen
in jeder Gesichtshälfte mindestens fünf Tupfen. Der Abstand zwischen der Spitze
des Oberschnabels und der Kante der Gesichtsfedern ist bei Halbstandards normalerweise etwas
größer als bei Hansi-Bubis. Er kann in etwa so groß sein wie der Oberschnabel
lang ist. Deutlich wulstiger ist das Stirngefieder. Die Augen der Halbstandards sind nicht mehr
aus jeder Perspektive gut zu erkennen. Halbstandards sind zwischen 20 und 21 Zentimeter
groß. Im Bereich zwischen 40 und 45 Gramm liegt das Normalgewicht dieser Erscheinungsform
des Wellensittichs.
So sieht ein Standardsittich aus:
Die Kehltupfen der Standardsittiche sind sehr groß und zudem ausgesprochen zahlreich.
Manche Vögel tragen eine dichte Reihe schwarzer Punkte, die fast wie eine durchgehende
"Halskette" aussehen. In jeder Gesichtshälfte können acht und mehr Kehltupfen
vorhanden sein. Sehr groß ist der Abstand zwischen der Spitze des Oberschnabels und
der unteren Kante des Gesichtsgefieders. Er kann bei Standardsittichen im Extremfall doppelt
so lang sein wie der Oberschnabel. Sehr wulstig und buschig ist das Stirngefieder, die Federn
sind zudem sehr lang und bedecken die Augen mehr oder minder stark. Betrachtet man
Standardsittiche direkt von vorn, sind die Augen nicht sichtbar. Man kann sie nur erkennen,
wenn man die Tiere von schräg unten betrachtet, siehe Abbildung rechts. In besonders
extremen Fällen, also beispielsweise bei zahlreichen Schauwellensittichen, sind die
Augen unter dem buschigen Kopfgefieder noch nicht einmal von der Seite betrachtet zu erkennen.
Standardsittiche sind meist mindestens 21 Zentimeter groß, ihr Normalgewicht liegt
zwischen 45 und 55 Gramm.
Weitere Beispiele:
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