Birds Online
     
  Home > Allgemeine Informationen > Wellensittich entflogen!
     
  Wellensittich im Geäst Eines der größten Schreckgespenster für jeden Vogelhalter dürfte der Gedanke an das Entfliegen des geliebten Heimvogels sein. Eine kleine Unachtsamkeit genügt, und schon macht sich der gefiederte Hausgenosse aus dem Staub - meist ohne sich nach dem verzweifelt rufenden Vogelhalter umzuschauen. Ist der Sittich erst einmal nach draußen entwischt, ist guter Rat teuer, und es ist unwahrscheinlich, dass der Besitzer sein Tier wieder zurückbekommt. Deshalb sollte man peinlich genau darauf achten, dem Vogel nicht die geringste Chance für ein Entfliegen zu bieten, auch wenn er noch so zahm sein mag.

Das Verhalten entflogener Wellensittiche
Wie die meisten Papageienarten leben Wellensittiche in ihrer natürlichen Heimat, also Australien, als Nomadenvögel. In großen Schwärmen durchstreifen sie riesige Gebiete auf der Suche nach Nahrung, Wasser und geeigneten Brutplätzen. Dabei richten sie sich überwiegend nach lokal vorherrschenden Umweltbedingungen und meiden zu trockene oder anderweitig unwirtliche Areale. Um als nicht standorttreue Vögel überleben zu können, verfügen Wellensittiche über ein gutes Flugvermögen, das ihnen die Bewältigung weiter Strecken problemlos ermöglicht.

Anders als etwa bei entlaufenen Katzen, die sich gern in ihrem bevorzugten Territorium aufhalten, ist es daher bei entflogenen Vögeln eher so, dass sie sich innerhalb kürzester Zeit recht weit vom ehemaligen Zuhause entfernen. Oft sitzen die Sittiche anfangs in Sichtweite ihres einstigen Heims, erkennen dies aber aufgrund der abweichenden und für sie unbekannten Perspektive nicht. Erschrickt ein entflogener Vogel oder packt ihn einfach die Lust aufs Fliegen, verliert er binnen weniger Sekunden das alte Heim aus den Augen und damit jeglichen Bezug zum Vogelhalter, den er bis dahin vielleicht noch von einem Baum aus beobachtet haben mag.

Eventuell hält sich der Vogel kurz nach dem Entfliegen in einem Radius von bis zu einem Kilometer um sein altes Heim auf. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass er sich, spätestens wenn er hungrig wird, einfach durch die Gegend treiben lässt und sich auf diese Weise immer weiter vom ehemaligen Zuhause entfernt. Ihn zu finden oder gar einzufangen, ist dann ein überaus schwieriges Unterfangen. Man hat entflogene Wellensittiche in bis zu 50 km Entfernung von ihrem alten Heim aufgegriffen, was deutlich zeigt, wie gut die kleinen Papageien fliegen können.

Überlebenschancen entflogener Wellensittiche
Immer wieder stellt sich der Besitzer eines entflogenen Vogels verzweifelt die Frage, ob der Sittich draußen überhaupt überleben kann. Das hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Ist das Wetter schlecht mit niedrigen Temperaturen und viel Regen, kann der Sittich nur wenigen Tage in freier Natur überleben. Bei Minusgraden und geschlossener Schneedecke gelingt es ihm mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal, die erste Nacht im Freien zu überstehen.

Entflogener Unzertrennlicher Im Sommer und Herbst stehen die Chancen für gefiederte Ausreißer am besten. Die Natur bietet den Tieren Nahrung im Überfluss, sofern sie diese erkennen. Vögel, die außer Körnerfutter nie etwas Frisches zu Gesicht bekommen haben, werden sich draußen schwer tun, etwas Essbares zu finden. Kennt der Sittich von Zuhause beispielsweise Wildgräser als leckere Nahrung, wird er sich schnell an die Begebenheiten in freier Natur anpassen. Aufgrund der moderaten Temperaturen im Sommer und frühen Herbst können Wellensittiche einige Wochen in der Wildnis überleben. Es kommt jedoch bedauerlicherweise ebenso vor, dass ein entflogener Wellensittich etwas für ihn Ungenießbares oder Schädliches frisst und an einer Vergiftung stirbt. Genau dies geschah beispielsweise mit meinem Wellensittich Ceti, der mir 1993 zugeflogen und wenige Monate später an den Folgen einer Vergiftung verstarb.

In einigen deutschen Städten schließen sich in den Stadtgärten jeden Sommer ganze Schwärme entflogener Wellensittiche zusammen, die die Anwohner in ungläubiges Staunen versetzen. Im Schwarm sind die Tiere weit weniger durch Beutegreifer gefährdet. Ein allein umherziehender Wellensittich ist durch Greifvögel, Katzen und einige weitere Fleischfresser ständig bedroht - und sein Instinkt ist durch die Heimhaltung meist so sehr abgestumpft, dass er die Gefahr erheblich zu spät erkennt.

"Erste Hilfe" nach dem Entfliegen
Meist entwischen Wellensittiche dann in die Freiheit, wenn der Vogelhalter in der Nähe ist und unachtsam oder fahrlässig war. Sollte Ihr Sittich draußen in der Nähe ihrer Wohnung in einem Baum oder Strauch sitzen, ist die Chance am größten, ihn einzufangen. Wichtig ist dabei jedoch, dass Sie Ihren Vogel auf gar keinen Fall erschrecken und zum Auffliegen veranlassen sollten! Vermeiden Sie jedwede hektische Bewegung oder schrille Rufe. Viel mehr sollten Sie beruhigend auf ihn einreden und ihn beispielsweise mit seinem Lieblingsfutter anlocken.

Noch besser ist es, wenn Sie einen Lockvogel in einem Käfig mit nach draußen nehmen, den Ihr Wellensittich bestenfalls kennen sollte. Ruft zum Beispiel der gefiederte Partner seinen entflogenen Freund, wird dieser mit großer Wahrscheinlichkeit zu seinem Lebensgefährten zurückkehren. Sitzt der entflogene Sittich dann tatsächlich auf dem Käfig, in dem sich der Lockvogel befindet, sollten Sie sehr vorsichtig zurück ins Haus gehen. Erst wenn Sie in geschlossenen Räumen sind - zum Beispiel im Hausflur -, ist es ratsam, den entflogenen Vogel mit der Hand oder einem Kescher einzufangen. Falls Sie ihn nicht erwischen sollten, hat er im Haus keine Chance, Ihnen gänzlich zu entkommen, was draußen zweifelsohne der Fall wäre.

Das Einfangen hat nicht geklappt. Und nun?
Ist der Sittich aus Ihrer Sichtweite verschwunden, ist es reine Glücksache, ob Sie Ihren Vogel jemals wieder sehen werden. Sie sollten umgehend Annoncen in Tageszeitungen in Ihrem Wohnort und in den umliegenden Städten schalten. Außerdem sollten Sie das örtliche Tierheim benachrichtigen und Ihren Vogel dort als vermisst oder entflogen melden, da viele Leute, die ein Tier finden, umgehend im Tierheim anrufen. In der näheren Umgebung Ihres Hauses sollten Sie Zettel aufhängen, die darauf hinweisen, dass Ihnen ein Wellensittich entflogen ist. Darüber besteht auf einigen Internetseiten die Möglichkeit, eine meist kostenlose Online-Annonce aufzugeben:

Auch in der Onlineausgabe Ihrer regionalen Tageszeitung oder einer ähnlichen Publikation sollten Sie eine Anzeige schalten beziehungsweise nach einer Anzeige Ausschau halten, denn eventuell hat der Finder Ihres Vogels dort inseriert.

ZZF-Flyer Eine weitere kompetente Anlaufstelle ist der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e. V. (ZZF), der in Deutschland einen speziellen Vogelsuchdienst Externer Link betreibt, bei dem man entflogene sowie zugeflogene Vögel wahlweise per Postkarte, telefonisch (06103/9107-24) oder via E-Mail (ringstelle@zzf.de) melden kann. Entsprechende Formulare erhält man ferner in Zoogeschäften, die dem ZZF angehören.

Die ausgefüllte Meldekarte schickt man an die ZZF-Ringstelle, wo sie rasch bearbeitet wird. In dieser Zentrale verwalten die Mitarbeiter des ZZF die Daten ent- und zugeflogener Vögel, wobei die Ringnummer die wichtigste Angabe ist. Deshalb ist es ratsam, die Ringnummer Ihres Wellensittichs ständig parat zu haben, falls er Ihnen trotz aller Vorsicht doch eines Tages entwischen sollte. Wofür die einzelnen Angaben auf dem Fußring stehen, können Sie im Kapitel über Fußringe nachlesen.

Durchstöbern Sie außerdem einschlägige Sittichforen:

Es bleibt zu hoffen, dass Sie Ihren entflogenen Vogel auf diese Weise irgendwie zurückbekommen. Die Chancen dafür stehen allerdings eher schlecht. Vermeiden Sie also lieber von vorne herein ein Entfliegen, denn Vorbeugen ist bekanntlich besser als Heilen.
 
 
Sämtliche Inhalte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Bilder-, Video-, Tondatei- und Textdiebstahl werden rechtlich verfolgt.