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| Home > Allgemeine Informationen > Raclette - tödliche Gefahr für Wellensittiche | |||
Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen unangenehm niedrige Gefilde erreichen
und der Grill bis zum nächsten Sommer in die hinterste Kellerecke verbannt worden ist,
beginnt die Zeit der "Tischbruzzler". Kochgerätschaften wie zum Beispiel
Raclette-Pfännchen haben im Winter Hochsaison, wenn es darum geht, in geselliger Runde
gemütlich und ein wenig ausgefallener zu speisen.
Dass dieses für den Menschen kurzweilige und leckere Vergnügen für Wellensittiche eine tödliche Gefahr darstellen kann, ist leider nur den wenigsten Vogelhaltern bewusst. Wie ließen sich sonst anders die vielen E-Mails entsetzter, trauriger Birds-Online-Leser erklären, die der Webmaster dieser Site am Neujahrstag 2004 erhalten hat? Am Abend zuvor hatten viele Leute zusammen mit Freunden zu Silvester eine Raclette-Party veranstaltet. In der Zeit bis Mitternacht waren teils ganze Vogelschwärme mit bis zu acht Wellensittichen binnen weniger Minuten verstorben, wie die verstörten Leser in ihren Mails schrieben.
Schuld am massenhaften Dahinscheiden jener Wellensittiche und zahlloser weiterer gefiederter
Opfer in deutschen Wohnzimmern sind im Falle von Raclette-Partys die sehr gefährlichen
Ausdünstungen der Antihaftbeschichtungen in den kleinen Pfännchen sowie die
Ausdünstungen verbrannten Fetts. Die Beschichtung der Pfännchen
wird von den meisten Leuten übrigens schlicht
nach einem Produkt der Firma
DuPont
Pfannen und Kochgeräte werden beim Gebrauch naturgemäß sehr heiß, und genau darin liegt das Problem. Unter großer Hitzeeinwirkung zersetzt sich Polytetrafluorethylen (PTFE) in seine chemischen Einzelteile. Bis eine komplette Beschichtung durch die Hitzeeinwirkung zerstört ist, vergehen sehr viele Jahre, so dass man sich um die Wirksamkeit der Beschichtung auch bei häufigem Gebrauch der Kochgeräte keine Sorgen zu machen braucht. Problematisch sind jedoch die Ausdünstungen (Dämpfe), die durch die chemische Zersetzung aufgrund der Hitzeeinwirkung entstehen. Jene Dämpfe sind in hohen Konzentrationen für den Menschen schädlich, sie können zu schweren Vergiftungen führen. Bei einem normalen Gebrauch der Kochgeräte ist die frei werdende Menge giftiger Gase für den Menschen unbedenklich, nicht jedoch für kleine Tiere. Vor allem Vögel sind aufgrund ihrer geringen Körpergröße und Anatomie extrem anfällig für derlei Gasvergiftungen. Während ein erwachsener Mensch in ausgeruhtem Zustand zwischen 16 und 20 Atemzüge pro Minute tätigt, atmen Wellensittiche in derselben Zeit zwischen 75 und 96 Mal ein und aus. Die Atemluft gelangt bei ihnen nicht nur in die Lungen, wie es beim Menschen üblich ist. Vögel verfügen darüber hinaus über ein weitläufiges System so genannter Luftsäcke, die wie die Lunge mit Schleimhäuten ausgekleidet sind. Somit findet sich im Körper eines Wellensittichs eine vergleichsweise große Schleimhautfläche, über die die mit der Atemluft eingeatmeten, giftigen chemischen Verbindungen in den Organismus gelangen können. Das heißt im Klartext: Wellensittiche, die sich in der Nähe erhitzter Raclette-Pfännchen aufhalten, atmen permanent große Mengen für sie hochgiftiger chemischer Verbindungen ein. Die toxische Wirkung setzt schnell ein und die zerstörerische Wirkung der Gifte im Körper schreitet rasch voran. Erste Anzeichen einer typischen PTFE-Gasvergiftung sind Taumeln und Orientierungslosigkeit, manche Vögel atmen zudem schwer. Meist stürzen die Tiere innerhalb weniger Minuten mit schweren Muskelkrämpfen - in manchen Fällen unter lautem Geschrei - von den Sitzstangen. Sie liegen schwer atmend, taumelnd und krampfend am Boden, der Todeskampf dauert dann maximal noch einige Minuten. Eine Rettung ist in diesem Stadium der Vergiftung nur noch in den seltensten Fällen möglich! Entdeckt man die Vergiftung im Anfangsstadium, also wenn ein Vogel auf der Stange sitzt und taumelt, sollte man ihn sofort an die frische Luft setzen - egal, wie kalt es draußen auch sein mag. Also: Fenster auf und den Vogelkäfig an die Luft stellen, zum Beispiel auf die Fensterbank. Damit das ohnehin angeschlagene Tier bei kalten Außentemperaturen nicht erfriert, sollte man einen Infrarot-Dunkelstrahler auf den Vogel richten, damit er einerseits gewärmt wird, andererseits aber auch die nötige Menge Sauerstoff einatmen kann. Außerdem sollte man umgehend Kontakt zu einem Tierarzt oder tierärztlichen Notdienst aufnehmen, eventuell ist die entsprechende Praxis mit einem Sauerstoffzelt ausgerüstet, in das ein vergifteter Vogel nach Möglichkeit schnell gebracht werden sollte.
Danksagung: Vielen Dank an
Silvia Hempel |
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