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Home > Vögel mit Handicap > Augenprobleme: Bericht über blinden Wellensittich Nisha | |||
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Erfahrungsbericht von Gaby Schulemann-Maier, Januar 2008
Ständig erschrak der Vogel und er schien unbeholfen. Bald keimte deshalb der Verdacht auf, dass das Tier eventuell nicht richtig sehen kann. An einem Wochenende besuchte Petra und warf einen Blick auf die Augen des Wellensittichs. Indem ich mit einer Taschenlampe hinein leuchtete und den Pupillenreflex testete (er war leider nicht mehr vorhanden), stellte ich fest, dass der Vogel auf das Licht praktisch nicht reagierte.
Aus der geplanten Vermittlung des Weibchens wurde nichts, das Männchen zog kurze Zeit später zu einer lieben Vogelfreundin und lebte sich in deren Schwarm prächtig ein. Petra hatte entschieden, das Weibchen zu behalten und den Versuch zu starten, das Tier in ihren Wellensittich-Schwarm zu integrieren. Bedauerlicherweise war Nisha, die zu diesem Zeitpunkt noch Bonny hieß, extrem unsicher, was ein anderes Weibchen offenbar als Einladung für einen Konflikt ansah. Hella stürzte sich auf die wehrlose Schwarmgefährtin und verprügelte sie. Glücklicherweise konnte Petra sofort eingreifen, sonst wäre es vermutlich zu einem Blutvergießen gekommen, bei dem die Siegerin sicherlich Hella gewesen wäre. Nach dem Vorfall war Nisha noch verstörter und bewegte sich nicht mehr von ihrer Schaukel. Auch fraß sie nur Hirse, die Petra so anbringen musste, dass der Kolben direkt vor der Schaukel baumelte. Anderes Futter und auch das Wasser fand sie nicht.
Das frische Obst und Gemüse, welches ich immer an zwei bestimmten Stellen im Vogelzimmer auslege, fand sie hingegen eher zufällig. Sie lief gegen ein Stück Apfel, begann neugierig daran zu knabbern und merkte sich die Position des Futterplatzes. Nach nicht einmal zwei Wochen steuerte sie zielsicher das Körnerfutter und auch die Frischkost an, wenn sie hungrig war. Fortan benötigte sie die Fressgeräusche ihrer Schwarmgefährten nicht mehr als Orientierungshilfe. Den Trinknapf fand sie ebenfalls nur zufällig, aber auch seinen Standort prägte sie sich ein.
Die Nächte verbringen meine Vögel normalerweise alle in ihren Schlafkäfigen, weil ich Unfälle vermeiden und vor allem den Raum lüften möchte. Nisha bekam einen Schlafkäfig für sich allein, in dem sie niemand von ihrer Schaukel schubsen würde. Sie in den Käfig zu schicken, war allerdings anfangs kompliziert. Nach wie vor hatte sie große Angst vor Menschen, insbesondere vor Händen. Vermutlich ist sie vom Vorbesitzer öfter angefasst worden, was ihr panische Angst bereitet haben muss.
Weil ich in den ersten Monaten befürchtete, sie würde zu wenig trinken, habe ich sie daran gewöhnt, abends vor dem Schlafengehen ein paar Tröpfchen Wasser aus einer Spritze zu trinken. "Nisha, Trinken" lautet der entsprechende Befehl. Zu Beginn ließ ich vorsichtig Wasser an ihrem Schnabel entlang perlen, sie erschrak während der ersten Male leider sehr, gewöhnte sich aber nach einigen Wochen daran. Rund ein halbes Jahr später hat sie damit begonnen, ein erstaunliches Verhalten an den Tag zu legen. Ist sie durstig und hört sie den Befehl zum Trinken, öffnet sie sofort den Schnabel und tastet mit der Zunge erwartungsvoll in der Luft, weil sie auf die Spritze und das Wasser wartet. Findet sie die Spritze, beißt sie sich daran fest und nuckelt regelrecht daran.
Der entsprechende Befehl lautet "Nisha, runter" und ich klopfe mit der freien Hand auf die Kugel, weil die Weidenzweige dann ein charakteristisches Geräusch verursachen und Nisha so weiß, wo sie sich befindet. Wenn sie nicht aus der warmen Hand aufstehen mag, muss ich sie manchmal mit der anderen Hand greifen und auf der Weidenkugel absetzen. Glücklicherweise bereitet ihr dies schon lange keine Angst mehr. Bei den akustischen Befehlen achte ich darauf, den Vogel zunächst mit seinem Namen anzusprechen. Weil ich manchmal auch mit anderen Tieren spreche (sie verstehen mich vermutlich nicht, aber wenn sie Unsinn machen, muss ich meinem Unmut einfach Luft machen ;-) ), soll sie in jedem Fall wissen, dass sich meine Aufmerksamkeit in den jeweiligen Situationen auf sie richtet. Außerdem ist es meiner Erfahrung nach wichtig, die Befehle immer in derselben Stimmlage und Betonung vorzutragen, damit sich Wellensittiche den Klang der Worte einprägen und mit den einzelnen Situationen verknüpfen können.
Aus dem einstmals so verstörten Federbündel ist inzwischen ein selbstbewusster Wellensittich geworden, der seine Behinderung perfekt meistert und wie alle anderen Vögel agil am Schwarmleben teilnimmt. Zu Nishas Lieblingsbeschäftigungen gehört es übrigens, die Korkröhre zu zernagen - typisch Weibchen eben! Nachtrag: Wenige Wochen nach dem Verfassen dieses Berichts versagten Nishas Nieren plötzlich. Innerhalb von nur drei Stunden baute sie so sehr ab, dass keine Rettung mehr möglich war. Um ihr weiteres Leid zu ersparen, wurde sie eingeschläfert.
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