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  Erfahrungsbericht von Gaby Schulemann-Maier

Zunächst einmal soll an dieser Stelle eine genaue Erläuterung des Begriffs "Kralle" gegeben werden. Viele Vogelhalter verwenden das Wort Kralle in einem falschen Zusammenhang. Immer wieder hört man, dieser oder jener Vogel habe eine steife Kralle oder ihm würde eine Kralle fehlen. Bei genauem Nachfragen stellt sich dann nicht selten heraus, dass ein kompletter Zeh gemeint ist und nicht nur die aus Hornmaterial bestehende Kralle. Das, was bei uns Menschen der Zehnagel ist, ist bei einem Vogel die Kralle, siehe Foto unter diesen Zeilen.

Erläuterung Zehen und Krallen

Aufgrund eines angeborenen Defekts oder durch einen Unfall können einem Vogel eine oder mehrere Krallen fehlen. Meine Beobachtungen haben gezeigt, dass der Grad der hieraus entstehenden Behinderung von drei Faktoren abhängig ist, die einander zudem beeinflussen:

Kletternder Wellensittich

  • Anzahl der fehlenden Krallen
  • Position der fehlenden Kralle(n)
  • Länge des jeweils (verbliebenen) Zehenstumpfes

Wellensittiche haben im Normalfall vier Zehen und ebenso viele Krallen an jedem Fuß. Die beiden inneren Zehen weisen nach vorn, die beiden äußeren nach hinten. So können die Vögel Äste umgreifen und finden beim Klettern idealen Halt, siehe Foto rechts.

Fuß mit fehlender Kralle Je mehr Krallen fehlen, desto schlechter kann ein Vogel klettern. Dies erklärt sich dadurch, dass er mit jeder fehlenden Kralle einen "Widerhaken" weniger zur Verfügung hat, mit dem er sich am Ast oder Untergrund festhalten kann. Fehlen die Krallen der vorderen Zehen, kann der betroffene Vogel schlechter von unten nach oben klettern, weil ihm die Krallen zum Einhaken im Untergrund oder zum Umgreifen eines Astes fehlen. Rechts ist ein Foto eines Vogels zu sehen, an dessen linkem Fuß eine der vorderen Krallen fehlte. Dieser Defekt führte dazu, dass das Tier beim Erklimmen von Ästen oft abrutschte und stürzte. Würden beide vordere Krallen des linken Fußes fehlen, könnte sich der betroffene Vogel damit gar nicht mehr am Untergrund "festkrallen" und wäre erheblich mehr in seiner Mobilität eingeschränkt.

Nach hinten gerichtete Zehen, die keine Krallen aufweisen, verursachen meist weniger Probleme, aber im Einzelfall kann es auch hierdurch zu massiven Einschränkungen der Kletterfähigkeit der Vögel kommen. Sind die Zehenstümpfe beispielsweise obendrein extrem kurz, können sich die betroffenen Vögel kaum noch auf der Stange halten, sie kippen oft nach hinten oder rutschen auf einem schrägem Untergrund nach unten (hinten).

Kletterhilfen anbieten
Wellensittich auf einer Kletterhilfe Um auf diese Weise gehandicapten Vögeln das Leben zu erleichtern, sollte man im Käfig bzw. in der Voliere sowie im Freiflugzimmer neben den gängigen Kletterästen auch Klettergelegenheiten aus griffigem und vor allem rutschfestem Material anbieten, weil sich darauf auch mit Zehenstümpfen ohne Krallen Halt finden lässt. Bestens geeignet sind hierfür Korkplatten oder zurecht gesägte Korkrinden. Stellt man diese schräg auf, können Vögel ohne Krallen auch problemlos kleinere Höhenunterschiede kletternd überwinden, was ihnen sonst nur schwer möglich wäre. Der rechts gezeigte Vogel ist flugunfähig und darüber hinaus aufgrund fehlender Krallen in seiner Fähigkeit zu klettern eingeschränkt. Korkplatten nahm das Weibchen deshalb gern als Kletterhilfe an.

Linktipps: Möchten Sie sich mit anderen Vogelhaltern über gehandicapte Tiere austauschen? Dann besuchen Sie das Forum Externer Link von Welli.net. Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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