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Home > Vögel mit Handicap > Augenprobleme: Fehlsichtige Vögel | |||
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Erfahrungsbericht von Gaby Schulemann-Maier
In meinem Vogelschwarm lebte lange Zeit ein Wellensittich, der im Alter von etwa fünf Jahren auf einem Auge fast nichts mehr sehen konnte, obwohl seine Pupille nach wie vor normal auf Änderungen in der Umgebungshelligkeit reagiert hat. Auch eine Trübung der Linse lag nicht vor, das Auge sah vollkommen normal aus, siehe Abbildung oben rechts. Umbriel schien nur dann etwas bewusst mit seinem rechten, fehlsichtigen Auge wahrzunehmen, wenn er sich ganz dicht am entsprechenden Objekt befand. Mit Hilfe seines Lieblingssnacks - das waren grüne Blattläuse - habe ich ihn einem Sehtest unterzogen. Auf meiner Fingerkuppe präsentierte ich Umbriel eine Blattlaus in der Weise, dass er sie nur mit dem rechten Auge erblicken konnte. Ich musste den Leckerbissen bis auf weniger als zwei Zentimeter an sein Auge heranbringen, bis er auf den kleinen Leckerbissen reagierte. Sein gesamtes Verhalten sowie das Ergebnis dieses "Sehtests" legte die Schlussfolgerung nahe, dass Umbriels rechtes Auge von einer extremen Kurzsichtigkeit betroffen war. Hielt ich eine Blattlaus hingegen in Sichtweite seines gesunden Auges, reagierte er erheblich früher auf das ihm angebotene, begehrte Insekt und nahm es bereits aus einer Entfernung von mehreren Zentimetern wahr.
Als er sich noch fliegend fortbewegte und sein Sehfehler bereits vorhanden war, waren seine Landungen im Unterschied zu einst vergleichsweise plump geworden. Befand er sich in etwa dort, wohin er hatte fliegen wollen, ließ er sich einfach fallen. Glücklicherweise hat er sich aufgrund seiner bedächtigen Flugweise trotz des Sehfehlers nie ernsthaft verletzt. Im Umgang mit einseitig stark fehlsichtigen Vögeln muss man einen entscheidenden Aspekt beachten: Die Tiere nehmen es nicht wahr, wenn man sich ihnen mit der Hand von der Seite her nähert, auf der sie nicht richtig sehen können. Nicht selten kommt es daher vor, dass ein ansonsten zahmer Vogel sich durch eine für ihn ohne Vorwarnung über ihn hereinbrechende Berührung bedroht fühlt und nach dem vermeintlichen Angreifer hackt. Umbriel hat mich schon oft gebissen, weil ich ihm von seiner fehlsichtigen Seite her für seinen Geschmack zu nahe gekommen bin. Böse Absicht oder gar hinterlistiges Verhalten steckt hinter derlei Bissen garantiert nicht. Die Vögel verteidigen sich lediglich gegen eine für sie plötzlich auftauchende, nahezu unsichtbare Gefahr. Man darf daher nicht heftig auf solche Bisse reagieren, vor allem dann nicht, wenn der Vogel ansonsten zahm und anhänglich ist. Ein wenig Nachsicht und ein behutsamer Umgang mit den Tieren sind eher angebracht als wütende Schimpftiraden. Am besten nähert man sich einem fehlsichtigen Vogel immer nur auf seiner "gesunden" Seite und spricht ihn - zum Beispiel mit seinem Namen - an, damit er nicht erschrickt, wenn unvermittelt eine Hand in seinem Gesichtsfeld erscheint.
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