|
Erfahrungsbericht von Gaby Schulemann-Maier
Einen möglichen Ursachenkomplex für die Flugunfähigkeit von Vögeln stellen Erkrankungen der Haut dar. Manche dieser Krankheiten kommen bei bestimmten Vogelarten häufig vor, bei anderen treten sie hingegen gar nicht auf. In Bezug auf Wellensittiche sind es vor allem die Xanthomatose und das
EMA-Syndrom, die zum Verlust der Flugfähigkeit führen können.
Im Rahmen einer Xanthomatose-Erkrankung bilden sich so genannte Xanthome, also Verdickungen der Haut, die oft die Flügel betreffen. Dadurch werden die Flügel zu schwer, um den Vogel tragen zu können.
Beim EMA-Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung, die neben Wellensittichen vor allem Unzertrennliche betrifft. Die
Buchstaben "EMA" stehen dabei für "Ekzema Melopsittacus et Agapornis". Melopsittacus ist das lateinische Wort für Wellensittich,
Agapornis steht auf Latein für "Unzertrennliche". Ist ein Vogel am EMA-Syndrom erkrankt, bilden sich zunächst meist unter dem Flügel Ekzeme, die jedoch erheblich größer werden können und so den Flügel unbrauchbar werden lassen.
Vögel, die wie das auf dieser Seite gezeigte Tier an einer schweren Hauterkrankung leiden, die die Flügel betrifft, verlieren oft großflächig ihre Federn. Einerseits führen die Hautveränderungen dazu, andererseits kommt es vor, dass sich die Vögel aufgrund des Juckreizes ihr Gefieder stellenweise ausreißen. Häufig finden sich auf der Haut der erkrankten Vögel kleine Wunden, die bei Flugversuchen und den damit verbundenen Bruchlandungen leicht aufplatzen und stark bluten können.
Man muss entsprechend oft erste Hilfe leisten, damit das
Tier nicht aufgrund einer Blutung stirbt. Deshalb sollte man unbedingt
ausreichende Mengen eines
Blutstillers
im Haus haben und wissen, wie man ihn am Vogel anzuwenden hat. Es ist daher
im Sinne des Vogels, über eine vollständig ausgestattete
Hausapotheke
zu verfügen.
Ihr Tierarzt berät Sie diesbezüglich sicher gern.
Ferner ist es sinnvoll, sich damit auszukennen, wie man am Vogel
erste
Hilfe leistet, um dessen Zustand so weit zu stabilisieren, dass man ihn lebend
zum Tierarzt bringen kann, falls er viel Blut verloren hat und sein Kreislauf kurz vor dem Zusammenbruch steht. Um den Juckreiz eines erkrankten Vogels zu
lindern, sind einige Salben und Tinkturen erhältlich, aus denen der behandelnde Tierarzt ein auf den Patienten abgestimmtes Präparat auswählt.
Was sonst noch zu beachten ist
Um Vögeln, deren Haut vor allem an den Flügeln durch eine Erkrankung angegriffen ist, das Leben so angenehm wie
möglich zu gestalten, sollte man stets auf eine ausgewogene,
vitaminreiche Ernährung achten. Frisches
Obst
und
Gemüse
sollten ebenso auf dem täglichen Ernährungsplan stehen wie
Küchenkräuter,
Saaten und
Frischkost aus der
heimischen Natur. Was Ihrem Vogel nicht nur schmeckt, sondern darüber hinaus
ausgesprochen gesund ist, können Sie in der
Ernährungsrubrik
von Birds Online nachlesen.
Jeder Vogel benötigt mindestens einen Artgenossen in seiner Nähe,
um sich rundherum wohl zu fühlen. Für aufgrund einer Hauterkrankung flugunfähige Tiere gilt dies ganz besonders. Der Juckreiz wird für sie meist erträglicher, wenn sie durch ihre Artgenossen davon
abgelenkt werden. Intakte Sozialstrukturen innerhalb eines Vogelschwarms
sowie ein liebevoller gefiederter Partner sind die beste Medizin, wenn
sich ein kranker Vogel einmal etwas schlechter als an anderen Tagen
fühlt.
Selbst wenn ein an einer Hautkrankheit leidender Vogel nicht mehr fliegen kann,
sollte man ihm unbedingt mindestens einmal am Tag die Möglichkeit
bieten, den Käfig zu verlassen. Bewegung in Form von
Klettern und Laufen hält die Tiere fit und stärkt
ihr Immunsystem. Hervorragend geeignet für
flugunfähige Vögel sind Kletterbäume und Vogelspielplätze,
die man auf den Boden stellt und die eher in die Breite als in die Höhe gehen (so kann der Vogel nicht so tief stürzen, wenn er abrutscht). Auch sollte der Boden gut gepolstert werden, falls das Tier abstürzt. Je weicher der Untergrund ist, desto geringer ist die Gefahr, dass am erkrankten Flügel eine blutende Wunde entsteht. Denken Sie zudem daran, dem Futter und Wasser außerhalb des Käfigs anzubieten, damit der gehandicapte Vogel die Nahrung leicht erreichen kann.
Wenn sich der Vogel zu sehr quält
Bedauerlicherweise existiert bislang keine Möglichkeit, die meisten schweren Hauterkrankungen bei Vögeln
zu heilen. Mit der Zeit zerstören solche Erkrankungen immer mehr Hautgewebe
an den Flügeln sowie im Bürzelbereich der Tiere. Da der
Juckreiz dadurch permanent zunimmt, steigt die Gefahr, dass sich der
Vogel selbst blutig kratzt. Die Anzahl der Blutkrusten wächst, das Tier leidet zunehmend an Blutarmut und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man den Vogel
von seinen Leiden erlösen sollte.
Für Vögel, die an einer sehr schweren Form einer nicht heilbaren Hautkrankheit leiden, wird das Leben im weit fortgeschrittenen
Stadium der Erkrankung zur Qual. Man sollte sie nicht aus falsch
verstandener Tierliebe oder purem Egoismus ihrem Schicksal überlassen.
Ihr Tierarzt wird Sie sicher gern dahingehend beraten, wann der
richtige Zeitpunkt gekommen sein wird, Ihr Tier
einschläfern zu lassen.
Linktipps: Möchten Sie sich mit anderen Vogelhaltern über gehandicapte Tiere austauschen? Dann besuchen Sie das Forum von .
Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche
bietet Jasmin Störk auf ihrer
Webseite .
|