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Erfahrungsbericht von Gaby Schulemann-Maier
Gesunde, flugfähige Vögel stürzen nur selten, weshalb die Wahrscheinlichkeit,
dass sie sich den Oberschenkelknochen brechen, relativ gering ist.
Flugunfähige Vögel
sind hingegen ständig in Gefahr, sich einen Knochenbruch
zuzuziehen, weil sie relativ häufig abstürzen. Auch Vögel
mit fehlenden Krallen können
ein erhöhtes Risiko in Bezug auf
Knochenbrüche
haben.
Weil gehandicapte Vögel meist mit dem Bauch voran fallen und sich in der Luft
zur einen oder anderen Seite drehen, prallen sie mit einem Bein zuerst auf. Dieses
Bein fängt beim Aufprall den Großteil des Impulses ab, so dass es leicht zu
einem Knochenbruch kommen kann. Sehr häufig ist dann der Oberschenkel
betroffen - insbesondere bei alten Vögeln (älter als etwa zwölf Jahre),
bei denen die Knochen deutlich brüchiger sind als bei jüngeren Artgenossen.
Einen solchen Sturzunfall erlitt auch mein Wellensittich
Umbriel,
dessen Geschichte als Fallbeispiel für dieses Kapitel dient.
Sturz im hohen Alter mit gravierenden Folgen
Umbriel hat sein Leben im bildlichen Sinne immer auf der Überholspur gelebt. Ständig
war er aufgedreht und voller Energie, was ihn ab einem gewissen Punkt plötzlich sehr
rasch altern ließ. Er büßte aufgrund dieser einigermaßen früh
einsetzenden Altersschwäche
seine Flugfähigkeit ein, als er etwa neun Jahre alt war. Hinzu kam, dass er seit
etwa seinem fünften Lebensjahr schlecht sehen konnte, weil er auf einem Auge
stark fehlsichtig war.
Ob eine Unachtsamkeit aufgrund seiner Fehlsichtigkeit oder eine Bruchlandung nach einem
missglückten Flugversuch zu dem harten Aufprall geführt hatte, der Umbriels Leben
verändern sollte, ließ sich im Nachhinein nicht mehr herausfinden. Ende 2004
fand ich den Vogel eines Abends auf dem Boden liegend vor, er konnte sich kaum noch
bewegen und litt unter Schmerzen. Als ich ihn abtastete, bemerkte ich einen Bruch im
Bereich seines linken Oberschenkels. Leider konnte auch der Tierarzt nichts dagegen
tun, es hieß Abwarten, ob Umbriel nach der Abheilung überhaupt noch laufen
können würde.
Heute weiß ich, dass unter bestimmten Umständen eine Operation möglich gewesen wäre, allerdings kannte ich damals meinen heutigen Vogel-Spezialarzt noch nicht, der eventuell hätte helfen können.
Nach etwa einer Woche, die umbriel fast ausschließlich auf dem Bauch liegend verbracht hatte,
begann er damit, stark hinkend zu gehen. Er trainierte sein langsam heilendes Bein und
konnte sich nach weiteren drei Wochen wieder einigermaßen flott durch das Vogelzimmer
bewegen, wenn auch nach wie vor hinkend. An seiner linken Flanke stand der leider trotz
aller Bemühungen schief verheilte Knochen ein wenig heraus, siehe Foto rechts.
Bei betagten Vögeln, deren Knochen porös sind, heilen
solche Brüche schlecht und meist nicht gerade zusammen.
Fortbewegung gehbehinderter Vögel nach einem Oberschenkelbruch
Seit er sich den Oberschenkelbruch zugezogen hatte, lief Umbriel nicht mehr im eigentlichen Sinne, er hüpfte stattdessen seitlich. Dieses
Hüpfen war das einzige, was er mit seinem schiefen Bein in Sachen "Gehbewegungen"
ausführen konnte. Es sah mühsam aus, aber er konnte trotz allem recht gut klettern,
so dass ihn die Schiefstellung im Bein nicht allzu sehr zu behindern schien. Außerdem
war er bald wieder so fröhlich wie zuvor geworden, nachdem die Schmerzen erst einmal
nachgelassen hatten, die ihn aufgrund der Knochenverletzung einige Tage gepeinigt haben.
Entspanntes Sitzen
Da seine Beine seit dem Knochenbruch asymmetrisch, also schief waren, saß Umbriel am
liebsten auf einem schrägen Untergrund. Sein Lieblingsplatz war ein steil emporragender
Ast, auf den er sich regelrecht legte, siehe Foto rechts. Auf diesem Ast befand sich das schräg
stehende linke Bein in einer höheren Position als das gesunde rechte. An diesem Ast konnte sich der Vogel so gut festhalten, dass er sein Gefieder putzen konnte, ohne das Gleichgewicht zu verlieren, wie es auf ebenen Flächen leicht passierte. Rund um den Ast habe ich Korkplatten ausgelegt, damit Umbriel nicht hart aufschlugt, falls er doch einmal stürzte, denn gelegentlich kletterte er recht weit am Ast empor.
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