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Home > Vögel mit Handicap > Missgestaltete Gliedmaßen: Pino - ein harter Start ins Leben | |||
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Erfahrungsbericht von
Susann Blum
Bereits am Abend vor dem Schlupftag hörte ich das Piepsen aus dem Ei und war erleichtert, da das Küken bereits vier Tage überfällig war. Am nächsten Morgen stellte ich bei der Nistkastenkontrolle fest, dass das Küken immer noch im Ei lag. Das Ei wies aber ein großes Loch an einer Seite auf, durch das man das Küken im Ei gut sah. Besorgt wartete ich eine Stunde ab und schaute dann nochmals nach.
In der Zwischenzeit weiß ich mit einiger Sicherheit, wie es dazu kam. Berichten zufolge findet man hin und wieder tote Küken, die noch im Ei sind, genau mit dieser großen Lochöffnung auf der Seite. Diese Küken hatten eine Fehlstellung im Ei und die Mutter versuchte, ihren Nachwuchs zu befreien. Die Küken selbst können kein solches Loch im Ei herstellen. Die Mutter schafft das nicht immer, so dass manche Küken früher oder später im Ei sterben. Meine Henne war vermutlich übereifrig und zupfte so lange am Ei und leider auch am Küken herum, bis es ganz aus dem Ei herausgekommen war. Möglicherweise klebte das Küken auch ein wenig am Innern des Eis fest, da der Schlupf unnatürlich lange dauerte.
Aber auch oder gerade weil das so war, durfte ich mich nicht nur in der Freude wälzen, dass Pino gegen jedes Gesetz der Logik lebte, sondern musste mich ernsthaft mit dem Gedanken auseinander setzen, was aus diesem Vogel in Zukunft werden würde. Ich kontaktierte viele Vogelfreunde, die sich sehr engagierten und mir mit Rat zur Seite standen. Dabei kam auch die sehr deutliche Aufforderung, nicht weiter egoistisch zu handeln und dem Leiden so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten. Meine Überlegung war folgende: Ein flugunfähiger Wellensittich wird ein glückliches Leben führen können, denn er kann ja klettern. Ein Wellensittich mit einer Fußbehinderung wird ein glückliches Leben führen können, denn er kann ja fliegen. Pino aber wird flug- sowie flatterunfähig sein und an einem Fuß keine Greif- und damit Klettermöglichkeit haben. Ein Wellensittich, der nur einen Schnabel und einen Fuß zur Verfügung hat, zudem nicht einmal Flattern und somit bei Stürzen nicht reagieren kann ... Würde das ein glückliches oder zumindest lebenswertes Leben sein? Zudem war er seinerzeit unterentwickelt. Sein vier Tage jüngerer Bruder wirkte damals neben ihm wie ein Kraftprotz.
Auch auf die guten Zusprüche von anderen Vogelfreunden, die für das junge Vogelleben sprachen, wollte ich mich nicht ganz stützen. Es ist einfach gesagt, denn wer könnte schon so ein hilfloses lebendes Geschöpf töten? Aber ich hatte die Verantwortung und muss die Konsequenzen tragen.
Ich begann, mit dem jungen Tier zu üben; setzte Pino immer wieder auf meinen Finger, obwohl er die Hand als Sitzplatz so gern mochte. Er musst das Ausbalancieren lernen und Sicherheit gewinnen.
Zudem ist die Stelle, an welcher der Flügel abgerissen ist, sehr dünnhäutig. Das führt dazu, dass er sich bei unvorsichtigem Verhalten mitunter Schürfwunden zuzieht, die ein wenig bluten, aber ohne Behandlung wieder verheilen. Das sei aber nicht weiter schlimm, so der Tierarzt. Ansonsten sei es ein gesunder und eben - wundervoller - Vogel. Und das kann ich nur bestätigen.
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