![]() |
||||
|
|
Home > Vögel mit Handicap > Missgestaltete Gliedmaßen: Rachitische Beine | |||
Unter dem Namen Rachitis versteht man eine Erkrankung, die durch einen Mangel an Kalzium
und anderen Mineralstoffen und/oder durch eine Unterversorgung mit den Vitaminen D3 und
B während der Wachstumsphase verursacht wird. Erhält ein Nestling eine unzureichend
große Menge dieser Stoffe, so schwellen seine Gelenke an und die Knochen können
nicht richtig aushärten. Bei manchen Jungvögeln sind auch die Krallen und der
Schnabel betroffen, sie härten jedoch oft später nach.
Unter dem eigenen Körpergewicht geben die zu weichen Beinknochen nach und verbiegen sich. In den meisten Fällen kommt dadurch eine Fehlstellung der Füße zustande, bei der die Zehen nach innen weisen. Ein typisches Beispiel einer solchen Fußfehlstellung ist in der Abbildung unter diesen Zeilen zu sehen:
Therapiemöglichkeiten
Ist ein Vogel jedoch bereits einige Monate alt oder noch älter, ist eine Therapie ausgesprochen schwierig oder gar unmöglich, weil sich die Knochen bereits in der anatomisch falschen Position verfestigt haben (dies geschieht nach dem Erreichen der vollen Körpergröße). Da eine Heilung oder Verbesserung der Situation in nahezu allen Fällen bedauerlicherweise nicht im Bereich des Möglichen liegt, bleibt dem Vogelhalter nur die Option, dem gehandicapten Vogel das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Hierfür muss er allerdings die Probleme und besonderen Bedürfnisse derart gehandicapter Tiere kennen.
Probleme im Vogel-Alltag
Häufige Stürze aufgrund nicht an die Behinderung angepasster Sitzmöglichkeiten sollten unbedingt vermieden werden. Die schiefen Beinknochen können beim Aufprall sehr leicht brechen, auch andere Knochen im Körper des Vogels sind durch die Rachitiserkrankung in Mitleidenschaft gezogen und deshalb nicht selten besonders brüchig. Darüber hinaus besteht die Gefahr der Entstehung von Prellungen oder Luftsackrissen aufgrund von Stürzen, so dass für adäquate Sitzmöglichkeiten gesorgt werden sollte. Ferner ist es sinnvoll, den Boden des Käfigs eines Vogels, der zu Stürzen neigt, zu polstern. Gut geeignet als Postermaterial sind beispielsweise kleine Zierkissen, die man mit Küchenpapier bedecken und so vor einer Verschmutzung durch Kot schützen kann. Auch während des Freiflugs benötigt ein Vogel, dessen Beine schief sind, sichere Landeplätze, auf denen er sich ausruhen kann, ohne einer permanenten Sturzgefahr ausgesetzt zu sein. Senkrechte Gitterstäbe an Käfigen und Volieren sind sogar für kerngesunde Vögel kaum zum Klettern geeignet. Ein guter Käfig enthält an mindestens zwei Seiten waagerechte Gitterstäbe, damit sich darin wohnende Vögel leicht kletternd fortbewegen können. Vögel, deren Beine verdreht sind, können an senkrechten Gitterstäben in aller Regel keinen Halt finden, sie stürzen ab oder halten sich lediglich mit dem Schnabel an einem der wenigen waagerechten Verbindungsstäbe fest, was sehr anstrengend ist. Käfige mit überwiegend senkrecht angeordneten Gitterstäben sollte man als Halter eines Vogels mit rachitischen Beinen deshalb gegen behindertengerechte Modelle mit waagerechten Stäben austauschen, um einer Sturzgefahr vorzubeugen.
Ferner ist den meisten Vögeln, deren Beine aufgrund einer Rachitiserkrankung missgestaltet sind, eine Paarung mit einem Artgenossen nicht möglich. Ein betroffenes Männchen kann auf dem Rücken seiner Partnerin keinen Halt finden; einem erkrankten Weibchen ist es hingegen kaum möglich, den Rücken so weit durchzubiegen, dass die Kloake in der für eine erfolgreiche Paarung korrekten Position ausgerichtet ist. Zum Einsatz in der Zucht sind Vögel mit rachitischen Beinen deshalb denkbar schlecht geeignet. Die Kräfte zehrende Eiproduktion würde bei einem betroffenen Weibchen zudem sehr wahrscheinlich zu einer massivem Verschlechterung der Knochenstruktur führen, weil der Körper bei der Bildung der Eierschale sehr viel Kalzium benötigt, das ihm selbst während des Wachstums gefehlt hat. Deshalb sollte man solche Weibchen auf keinen Fall brüten lassen.
Häufige Begleiterkrankungen
Druckstellen oder Entzündungen dieser Art müssen sehr genau überwacht werden. Es ist sinnvoll, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen und mit ihm einen Behandlungsplan abzustimmen. Die Haut muss täglich kontrolliert und gepflegt werden, damit entzündliche Prozesse gestoppt oder im Idealfall an ihrer Entstehung gehindert werden, denn schwere Ballengeschwüre können im schlimmsten Fall eine Amputation des Fußes erforderlich werden lassen! Manche Vögel, deren Beine verbogen sind, legen sich gern auf den Bauch, weil ihnen das Stehen in der anatomisch nicht vorgesehenen Position schwer fällt. Durch dieses ständige Liegen können am Bauch so genannte Liegegeschwüre entstehen, in der Fachsprache nennt man eine solche wunde Hautstelle Dekubitus. Sie sind sehr gefährlich, weil sie schlecht heilen, ausgesprochen schmerzhaft sind und oft zu schwersten allgemeinen Infektionen (Blutvergiftung) führen. Deshalb ist es wichtig, die Entstehung solcher Liegegeschwüre bereits im Keim zu ersticken, indem man dem betroffenen Vogel weiche Unterlagen zum Ausruhen anbietet, siehe unten. Sollet sich dennoch eine Druckstelle am Bauch oder an der Brust bilden, sollte man so schnell wie möglich einen Tierarzt zu Rate ziehen.
Hilfsmittel für rachitische Vögel
Die meisten Vögel nehmen darüber hinaus sehr gern Sitzbrettchen und Ruheplattformen aus Kork an. Dieses Material ist im Zoofachhandel erhältlich, meist findet es sich in der Aquaristik- und Terraristik-Abteilung. Kork lässt sich mit der Säge leicht bearbeiten und dann zwischen den Gitterstäben des Käfigs befestigen. Gern schlafen Vögel, deren Beine schief sind, bäuchlings liegend auf Korkplattformen. Kot lässt sich unter fließendem Wasser mit Hilfe einer Nagelbürste leicht von den Sitzbrettchen entfernen. Die Fotos unter diesen Zeilen zeigen zwei unterschiedlich große Korkplattformen.
Linktipps: Möchten Sie sich mit anderen Vogelhaltern über gehandicapte Tiere austauschen? Dann besuchen Sie das Forum
|
||||
|
Sämtliche Inhalte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Bilder-, Video-, Tondatei- und Textdiebstahl werden rechtlich verfolgt. |
||||