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Zu zweit ist es schöner!Wellensittiche gehören heute in Deutschland zu den am weitesten verbreiteten Heimvögeln. Etwa in den 1960er Jahren sind die ersten Vögel ihrer Art als Haustiere in deutsche Haushalte gelangt. Pucki, Hansi und Peterle - das sind damals besonders populäre Namen für die quirligen Heimvögel gewesen - haben jedoch oft ein eher jämmerliches Dasein gefristet, wenn man die Haltungsbedingungen nach dem heutigen Kenntnisstand im Bereich artgerechter Vogelpflege beurteilt. Nahezu keinem Wellensittich ist es damals vergönnt gewesen, sein Leben mit einem Artgenossen zu verbringen. Die Tiere sind als Familienmitglieder aufgenommen und ohne Zweifel von den meisten Haltern sehr geliebt worden. Dabei sind sie aber leider häufig allzu sehr vermenschlicht worden, was nicht zuletzt an ihrem teils recht beachtlichen Sprachtalent gelegen haben dürfte.

Niemand krault so gut wie ein ArtgenosseÜber die negativen Aspekte der Einzelhaltung ist damals nicht nachgedacht worden. Bis in die 1980er Jahre hinein hat zudem in fast jedem Wellensittichbuch gestanden, dass man die zierlichen Vögel ohne Probleme einzeln halten könne, wenn man ihnen einen Spiegel und einen Kunststoffvogel in den Käfig setzt, falls man einmal keine Zeit fürs Spielen hat. Heute ist der Kenntnisstand über die Bedürfnisse der Wellensittiche erheblich besser und man weiß, dass das, was früher als empfehlenswert angesehen worden ist, aus Sicht der Wellensittiche sehr schlechten Haltungsbedingungen gleichgekommen ist. Spiegel und Kunststoffvögel gelten heute als tierschutzwidrigen Zubehör, denn sie können Wellensittiche - und auch eine Reihe anderer Ziervögel - regelrecht krank machen. Denn durch Spiegel und Plastikvögel wird häufig der Fütterungstrieb geweckt. Weil die vermeintlichen Artgenossen das hochgewürgte Futter aber nicht annehmen, schlucken die Wellensittiche es herunter, um es bald darauf wieder hochzuwürgen. Durch dieses häufige Hochwürgen des Futters wird die empfindliche Schleimhaut in Kropf und Rachen stark gereizt und schwere Entzündungen, oft mit Todesfolge, können dadurch entstehen. Anstelle eines Spiegels oder eines Kunststoffvogels benötigen Wellensittiche mindestens einen Artgenossen, um wirklich glücklich zu sein.

Ein flirtendes WellensittichpärchenObwohl schon lange bekannt ist, dass die Einzelhaltung von Wellensittichen und anderen Papageienvögeln nicht tiergerecht und damit völlig unangebracht ist, gibt es nach wie vor zahllose Vögel in Einzelhaltung. Viele Halter einzelner Wellensittiche reagieren überdies gereizt oder genervt, wenn man versucht, sie auf den Missstand in ihrer Vogelhaltung aufmerksam zu machen. "Mein Vogel leidet nicht, es geht ihm gut!" - Das ist der wohl häufigste Satz, der in diesem Zusammenhang fällt. Schließlich zwitschert das Tier und erscheint dem Menschen fröhlich.

Doch entspricht es tatsächlich der Wahrheit, dass sich ein Einzelvogel in der Obhut des Menschen rundum wohlfühlt? Prüft man diese Art der Haltung einmal ganz objektiv und ohne Vorbehalte, ergibt sich ein komplexes Bild. Lesen Sie hierzu bitte das Kapitel "Was ist artgerechte Wellensittichhaltung?".

Schon gewusst?
In der Schweiz ist die Einzelhaltung "sozial lebender Tiere" seit dem 1. September 2008 gesetzlich verboten. Nachzulesen ist dieses Verbot hier: Link Externer Link. Allerdings hat dieses Gesetz auch seine Schattenseiten, denn wer nach wie vor heimlich Ziervögel einzeln hält, traut sich beispielsweise im Krankheitsfall oft nicht, einen Tierarzt aufzusuchen. Denn dann würde die gesetzeswidrige Einzelhaltung auffliegen, was negative Folgen für den Halter nach sich ziehen würde. Manche Halter von Einzelvögeln unterlassen es dann lieber, einen Tierarzt aufzusuchen und ihre Vögel geraten dadurch unnötig in Lebensgefahr. Somit kann ein Gesetz gegen Einzelhaltung auch negative Aspekte für die Vögel mit sich bringen.
 
 
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