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Welche Wunder geschehen können, wenn sich die Wege zweier Vögel kreuzen, die das Pech
gepachtet zu haben schienen, zeigt die Geschichte von Helene und Orpheus. In einer
Hamburger Vermittlungsstelle für Wellensittiche des
Vereins der Wellensittich-Freunde Deutschlands
trafen sie erstmals aufeinander und es war geplant, dass sich ihre Wege später wieder
trennen würden. Aber alles kam anders, und am Ende wurde daraus eine zauberhafte
Liebesgeschichte, die nur dank der tatkräftigen Unterstützung des
VWFD
Helenes Albtraum
Voller Tatendrang verließ Helene, die damals einen anderen Namen trug, als Junghenne den Nistkasten und erkundete von kräftigen Flügelschlägen getragen fliegend ihr Zuhause. Ihr Instinkt muss sie beim ersten Anblick der Katze in Alarmbereitschaft versetzt haben, aber weil der Fressfeind ständig in der Nähe war, stumpfte ihre Angst vermutlich rasch ab. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem sie wie schon so viele Male zuvor durch die Wohnung flog und die Anwesenheit der Katze ignorierte. Sie drehte fliegend ihre Runden, als sie plötzlich und unerwartet ein Hieb am Flügel traf und zu Boden stürzen ließ. Der Jagdinstinkt der Katze war erwacht, er hatte die ganze Zeit verborgen in ihr geschlummert, obwohl die Besitzer der Tiere dies nicht für möglich gehalten hatten. Mit ihren scharfen Krallen hatte die Katze den Wellensittich im Flug erwischt und ihm den Flügel gebrochen. Der Vogel schleppte sich flugunfähig und blutend über den Boden, um sich in Sicherheit zu bringen. Wie durch ein Wunder entkam Helene der Katze, deren nächster Hieb sehr wahrscheinlich tödlich gewesen wäre. Die Tierhalter pflegten den verletzten Sittich, der Flügel blieb aber leider für immer unbrauchbar.
Vogelmann auf Irrwegen
Irgendwann wurden die Vögel der Frau zuwider und sie schenkte sie einem Mann: ihrem Ex-Freund! Dieser wusste nicht einmal, was Wellensittiche sind und behandelte die beiden Tiere wie zwei tote Gegenstände, ohne dabei auch nur im Geringsten an ihnen interessiert zu sein. In einer Hamburger Zoohandlung erzählte er deren Besitzer von den beiden "Dingern" (Originalzitat!), die ihm einfach nur lästig waren. Der Inhaber des Zoogeschäftes war erschüttert. Er war ein guter Mensch und arrangierte kurzerhand die Adoption der beiden unglücklichen Vögel. In der privaten Voliere des Zooladen-Besitzers angekommen, fand die blaue Vogeldame unter den mehr als zehn weiteren Wellensittichen schnell ihre große Liebe. Orpheus ging leer aus, obwohl er endlich ein besseres Leben hatte. Kaum hatte er sich in diesem schönen Zuhause mit viel Freiflug und gefiederter Gesellschaft eingelebt, geriet sein Leben aber leider vollends aus den Fugen. Eines Morgens fand der Zooladen-Besitzer den grünen Vogel mit einem herabhängenden Flügel hilflos am Boden sitzend. Es muss in der Nacht zu einem folgenschweren Unfall gekommen sein, der den armen Wellensittich für immer flugunfähig werden lassen hatte.
Die Fahrt in den Süden
Ankunft in Essen
Über den leuchtend gelb-grün gefärbten dritten Sittich, der später den Namen Orpheus bekommen sollte, erzählte mir Natalie Trauriges. Eigentlich hatte er am selben Tag adoptiert werden sollen. Aber die Vermittlung war wenige Stunden zuvor daran gescheitert, dass der neue Besitzer nun doch keinen flugunfähigen Vogel aufnehmen wollte. Dann müsse er bedauerlicherweise wieder nach Hamburg, denn derjenige, der den dritten im Bunde, den grünen Vogel für sich reserviert hatte, hätte nicht auch noch den gehandicapten gelb-grünen Sittich adoptieren können, erklärte mir Natalie. Beim Anblick des verwirrten Vogels, dessen Schicksal so ungewiss war, entschied ich spontan, dass die lange Reise des verschmähten Vogels von Hamburg nach NRW nicht völlig umsonst gewesen sein sollte. Der Gedanke, dass er erneut nach Hamburg gebracht werden würde und dort weiterhin auf eine erfolgreiche Vermittlung würde warten müssen, war wirklich unschön. Deshalb durfte der Vogelmann wie Helene ein Mitglied meines Wellensittichschwarms werden. Tanja, Natalie und ich waren uns anfangs nicht sicher, ob es tatsächlich richtig sein würde, Helene und den wildfarbenen Wellensittich zu trennen und sie stattdessen mit Orpheus in meinen Vogelschwarm einziehen zu lassen. Aber der wildfarbene Wellensittich war bereits jemand anderem versprochen worden und die beiden Turtel-Wellis hatten einander erst auf der Fahrt nach NRW ins Herz geschlossen. Wir trennten also kein harmonisches Paar, das bereits lange Zeit zusammengelebt hatte.
Das perfekte Glück
Es dauerte keine drei Tage, bis auch für mich erste Anzeichen großer Verliebtheit bei beiden Vögeln nicht mehr zu übersehen waren. Eine Woche nach ihrem Einzug ins Vogelzimmer waren Helene und Orpheus ein harmonisches Paar geworden. Sie bekundeten einander ihre Zuneigung vom ersten Tag ihrer festen Beziehung an mit ausgiebigem Kuscheln und Kraulen. Meine spontane Entscheidung, auch Orpheus zu adoptieren, hatte den beiden gefiederten Nordlichtern den Weg ins perfekte Glück geebnet, denn sonst hätten sie einander vermutlich nie wieder gesehen. Übrigens hat auch der wildfarbene Wellensittichmann, der mit Helene und Orpheus im Transportkäfig gesessen hatte, kurz darauf die Frau seines Lebens in einem anderen Vogelschwarm gefunden. |
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