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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!
Kaum ein Tierhalter ist erfreut, wenn ein Schützling erkrankt. Bei Vögeln besteht im Krankheitsfall meist sofortiger Handlungsbedarf, weil sie sehr empfindlich sind und aufgrund ihres raschen Stoffwechsels durch Erkrankungen des Verdauungstraktes schnell in Lebensgefahr geraten. Diesem Problem sind sich viele Tierbesitzer nicht bewusst und sie halten die Situation für weniger dramatisch, als sie tatsächlich ist. Es werden dann vermeintliche "Begründungen" dafür genannt, weshalb ein Tierarztbesuch nicht in Frage kommt. In diesem Kapitel beschäftige ich mich mit einigen häufig genannten Argumenten, die mir in den vergangenen Jahren bei der Beratung von Ziervogelhaltern immer wieder begegnet sind.
"Beim letzten Mal ist die Krankheit auch von allein
weggegangen"
Einige Wochen oder gar Monate ist von der Erkrankung nichts zu bemerken, bis dann plötzlich - meist ohne einen ersichtlichen Grund - dieselben Symptome erneut auftreten. Es ist verführerisch zu denken, dass der Vogel sich beim ersten Mal von selbst wieder erholt hat. Doch genau genommen hätte er schon beim Beginn der Erkrankung von einem Tierarzt untersucht werden sollen, um zu verhindern, dass sie chronisch wird. Treten zum wiederholten Mal Symptome auf, besteht sofortiger Handlungsbedarf. Abwarten kann tödlich sein, denn der Körper des Vogels kommt möglicherweise mit den Krankheitserregern nicht mehr länger aus eigener Kraft zurecht. Ist ihm dies scheinbar einmal gelungen, heißt dies nicht, dass er auch weiterhin stark genug sein wird. Zu bedenken ist hierbei vor allem, dass viele unterschiedliche Erkrankungen bei Wellensittichen und anderen Vögeln recht ähnliche Symptome hervorrufen können. So kann es sich also bei anscheinend gleicher Symptomlage um zwei unterschiedliche Erkrankungen handeln. Mag die erste von allein abgeklungen sein, könnte die zweite im schlimmsten Fall tödlich enden. Insofern sollte auf keinen Fall auf einen Tierarztbesuch verzichtet werden, nur weil ähnliche Symptome zuvor bereits einmal von selbst verschwunden sind.
"Ich habe früher schlechte Erfahrungen mit Tierärzten
gemacht"
Zudem werden oft Kleintierärzte ohne Zusatzausbildung im Bereich Vögel oder Exoten aufgesucht. Dies kann zu Frustrationen führen, weil manche dieser Ärzte mit den empfindlichen Patienten nicht besonders routiniert umgehen können. Es empfiehlt sich deshalb, grundsätzlich einen Vogel-Fachtierarzt aufzusuchen. Woran ein solcher vogelkundiger Tierarzt zu erkennen ist, darüber informiert ein separates Kapitel dieses Internetprojekts.
"Beim letzten Mal ist mein Vogel nach dem Tierarztbesuch
gestorben"
Um solche Situationen zu verhindern, sollten Vögel sehr genau beobachtet werden. Meist lassen sich beginnende Erkrankungen an winzigen Details ablesen. Treten die ersten Warnsignale auf, ist ein sofortiger Tierarztbesuch ratsam, um das Problem abzuklären. So lässt sich Zeit gewinnen und Krankheiten können nicht weit voranschreiten, bevor sie entdeckt werden. Dadurch lässt sich letztlich auch das Risiko minimieren, dass ein Vogel nach einem Tierarztbesuch stirbt. Bedauerlicherweise kommt es zudem mitunter vor, dass Vögel falsch behandelt werden und infolgedessen sterben. Hier liegt oft das Problem vor, dass von den Haltern keine fachkundigen Vogel-Tierärzte aufgesucht werden. Viele Erkrankungen können nicht mit "Aufbauspritzen" oder einem Breitspektrumantibiotikum geheilt werden. Es bedarf einer gründlichen und zielgerichteten Untersuchung, um eine genaue Diagnose zu stellen. Dadurch steigen die Chancen, dass ein Vogel seine Erkrankung überlebt. Verlässliche Partner sind in solchen Fällen Vogel-Fachtierärzte, siehe separates Kapitel.
"Tierärzte können Vögeln doch gar nicht richtig helfen"
Damit eine optimale Untersuchung und Behandlung eines Ziervogels möglich ist, sollte grundsätzlich ein Vogel-Fachtierarzt aufgesucht werden. Diese Ärzte haben sich auf die Behandlung von Vögeln oder Exoten spezialisiert und beherrschen die nötigen Handgriffe, um den zierlichen Lebewesen zu helfen. Woran gute Tierärzte zu erkennen sind, darüber informiert ein separates Kapitel.
"Ein Tierarztbesuch ist viel zu viel Stress für den Vogel"
Je weiter eine Krankheit voranschreitet, desto schlimmer ist der Körper gestresst. Wird dann doch irgendwann ein Tierarztbesuch in Erwägung gezogen, ist dieser zusätzliche Stress für den Vogel eine enorme Belastung. Doch der Tierarztbesuch ist erforderlich, weshalb nach Möglichkeit gleich zu Beginn einer Erkrankung der Weg angetreten werden sollte, um die Gesamtbelastung für den Vogel gering zu halten.
"Nach dem Tierarztbesuch wäre mein Vogel vielleicht nicht mehr zahm"
"Der Weg zum Arzt ist zu weit für meinen Vogel"
Vor allem der Weg zu vogelkundigen Tierärzten ist meist weit, weil diese Mediziner in Deutschland dünn gesät sind. Es gibt etliche Vogelhalter, die ihre Tiere zwei Stunden und mehr pro Strecke transportieren, um zu einem solchen Facharzt zu gelangen. Bei der richtigen Unterbringung sind diese Wege normalerweise keineswegs zu weit für die Tiere.
"Ich habe keine Zeit für einen Tierarztbesuch"
Um dies zu verhindern, sollten vielbeschäftigte Vogelhalter bei Verwandten und Freunden um Hilfe bitten. Oft findet sich auf diesem Wege ein tierlieber Mensch, der einspringt und einen kranken Vogel zum Tierarzt bringt. Auch Tiere, die einen starken Bezug zu ihrem Halter haben, verkraften es in aller Regel, wenn eine andere Person sie zum Tierarzt begleitet. Am besten klärt man schon im Vorfeld mit Verwandten und Freunden ab, wer im Fall der Fälle spontan einspringen würde. Dann ist der Stress nicht so groß, wenn ein Vogel plötzlich erkrankt und möglichst schnell ein Helfer gefunden werden muss.
"Ich habe kein Auto und kann deshalb nicht zum Tierarzt
fahren"
Am besten fragt man bei Verwandten und Freunden nach, ob jemand dazu bereit wäre, einen kranken Vogel zum Tierarzt zu chauffieren. Wird das Spritgeld erstattet und dem Helfer ein Dankeschön wie eine Einladung ins Kino oder auf eine Pizza in Aussicht gestellt, klappt es vielleicht mit dem "Krankentransport". Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum |
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