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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Kopfverletzung beim Wellensittich Hand aufs Herz: Gehören Sie zu den Menschen, die jeden Gedanken an einen Unfall ihres Vogels und die damit verbundenen Folgen so gut wie möglich verdrängen, weil diese Vorstellung zugegebenermaßen recht unschön ist? Das mag für Ihren Seelenfrieden vielleicht von Vorteil sein, aber wenn man das Ganze nüchtern betrachtet, ist diese Handlungsweise ihrem Haustier gegenüber grob fahrlässig. Wer die Verantwortung für Ziervögel trägt, der muss stets damit rechnen, dass sich ein folgenschwerer Unfall ereignen kann, der das Leben eines Tieres in Gefahr bringen könnte. Nur wer sich im Vorfeld ausgiebig mit diesem Themenfeld beschäftigt, ist in einer Notsituation dazu in der Lage, die für den verunglückten Vogel lebensrettende erste Hilfe zu leisten.

Deshalb sollten Sie sich unbedingt die Zeit nehmen und sich dazu überwinden, Informationen über die typischen Behandlungsschritte zu sammeln, die nach einem Unfall dringend notwendig sind. Ein Gang zum Tierarzt ist in vielen Fällen nämlich nur dann möglich, wenn man den Vogel zuvor selbst behandelt und seinen Zustand für den Transport stabilisiert hat.

Am besten wäre es freilich, wenn Sie an einem Erste-Hilfe-Kurs für Vögel teilnehmen könnten. Hin und wieder bieten Tierärzte, Tierheilpraktiker, Vereine oder Papageienstammtische solche Veranstaltungen an, bei denen ein Fachreferent - meist ist dies ein auf die Behandlung von Vögeln spezialisierter Tiermediziner oder Tierheilpraktiker - sein Wissen an interessierte Vogelhalter weitergibt. Die Teilnahme an einem solchen Kurs ist in aller Regel recht kostspielig. Aber es lohnt sich dennoch, eine solche Veranstaltung zu besuchen, denn das Leben eines geliebten Heimvogels lässt sich mit Geld kaum aufwiegen.

Eine hervorragende Alternative zu solchen Kursen - und genau genommen eine perfekte Ergänzung dazu - ist die intensive Beschäftigung mit entsprechender Spezialliteratur. Im Arndt-Verlag Externer Link, einem Verlag für Papageien-Fachbücher und Zeitschriften, ist ein außergewöhnlich gutes Buch erschienen, das von einer Tiermedizinerin geschrieben worden ist:

Notfallhilfe für Papageien und Sittiche
Doris Dühr
ISBN 3-9805291-4-2
Preis 24,60 €

Leider ist dieses Buch zurzeit nicht mehr über den Fachhandel erhältlich, weil es vergriffen ist. Derzeit ist noch nicht klar, ob und wann es erneut aufgelegt wird. Man kann lediglich versuchen, es über private Anbieter aus zweiter Hand zu beziehen.

Frau Dühr gibt auf den ersten Seiten ihres hervorragend strukturierten Buches eine Einführung in das Thema "Erste Hilfe", die für all jene, die sich bislang nie damit beschäftigt haben, ein gelungener Einstieg ist. Wichtige Details wie der Fixiergriff werden darin genau erläutert. Ferner klärt das Buch darüber auf, wie eine korrekt bestückte Hausapotheke aussehen sollte, wie man verunglückte oder kranke Vögel am besten unterbringt, und es gibt wertvolle Tipps für den Transport zum Tierarzt.

Den größten Teil des Inhalts bildet der Bereich mit ausführlichen Beschreibungen einzelner Notfallsituationen. Diese Erläuterungstexte sollte man in aller Ruhe lesen und nach Möglichkeit im Falle eines Unfalls eventuell nötige Maßnahmen zumindest im Geiste schon einmal durchgehen. So ist man für den Ernstfall ein wenig besser gerüstet, als wenn man völlig unvorbereitet ist und auf der Suche nach den nötigen Hilfsmitteln panisch durch die Wohnung irrt. Denn eines vermittelt das Buch besonders deutlich: Es ist wichtig, absolute Ruhe zu bewahren, falls sich ein Vogel in einer Notsituation befindet. Man sollte im Idealfall ruhig, zügig und sicher Hand anlegen können, um dem Tier zu helfen.

Einen weiteren wichtigen Hinweis möchte ich zu diesem gelungenen Fachbuch als Ganzes noch bringen. Vor allem das sehr gut ausgewählte Bildmaterial macht das Werk zu einem unentbehrlichen Helfer für Ersthelfer. Aber genau diese Bilder sind es, die für Zartbesaitete unter Umständen problematisch sein können. Die aussagekräftigen Fotos zeigen die schreckliche Wahrheit, was zuweilen kein schöner Anblick ist. Verletzte Vögel sehen schlimm aus, und vermutlich kann man sich nie an einen solchen Anblick gewöhnen. Das Buch hilft jedoch dabei, einiges an Scheu zu überwinden, wenn es auch beim ersten Durchblättern nicht leicht fällt, die Augen beispielsweise angesichts eines in einer Friteuse tödlich verunglückten Wellensittichs nicht abzuwenden.

Frau Dühr geht den richtigen Weg: Sie zeigt bis ins Detail auf, was einen Vogelhalter in einer Notfallsituation erwarten kann und legt damit hoffentlich bei vielen Wellensittichbesitzern den Grundstein für eine solide Wissensbasis in Sachen erster Hilfe.

Bereits seit einigen Jahren ist ein weiteres brauchbares Buch erhältlich, das sich jedoch mit der ersten Hilfe für Vögel im Allgemeinen auseinandersetzt und nicht speziell für Papageien- und Sittichhalter konzipiert wurde:

Erste Hilfe für Vögel
Tim Hawcroft
ISBN 3-89508-539-1
Preis 3,55 EUR

Dieses preiswerte Büchlein sollte neben dem oben erwähnten Fachtitel in keinem gut geführten Vogelhalter-Haushalt fehlen.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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