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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Fixiergriff für Wellensittiche Erkrankt ein Vogel, so ergibt sich daraus in den meisten Fällen die Notwendigkeit, das Tier in die Hand nehmen zu müssen. Ist der Vogel sicher fixiert, so kann man ihn abtasten und - sofern man darin geübt ist - Organveränderungen feststellen, man kann Verletzungen behandeln oder aber dem Tier ein Medikament in den Schnabel eingeben.

Damit das Abtasten und vor allem das Verabreichen von Medikamenten in den Schnabel für den Vogel gefahrlos vonstatten gehen können, ist es wichtig, die richtige Grifftechnik zu kennen. In der nebenstehenden Abbildung ist zu sehen, wie man einen Vogel festhalten sollte. Hierbei ist dringend zu beachten, dass man einem auf diese Weise fixierten Tier auf gar keinen Fall den Brustkorb und den Bauch zusammendrücken sollte. Anderenfalls droht das Tier zu ersticken! Auch das Ausüben von Druck auf die Kehle ist tabu!

Der Griff muss gerade so fest sein, dass sich das Tier nicht daraus befreien kann und dennoch so locker, dass der Vogel keinerlei Schmerzen erleidet und uneingeschränkt atmen kann. Besonders wichtig ist es, den Kopf sicher zu fixieren, damit der Vogel einerseits nicht beißen kann und damit er andererseits so in der Hand liegen bleibt, dass eine Medikamentenverabreichung in den Schnabel problemlos erfolgen kann. Je mehr Bewegungsfreiheit der Vogel dabei hat, desto größer ist die Gefahr, dass man mit der Pipette oder Spritze abrutscht und das Tier im schlimmsten Fall am Auge verletzt.

Fixier-Druckpunkt seitlich am Kopf Im Bereich des Kopfes sollten Daumen und Mittelfinger ein Stück hinter dem Schnabel leichten Druck ausüben, siehe rote Markierung in der nebenstehenden Abbildung. Der Zeigefinger sollte leichten Druck auf den Oberkopf ausüben, wie es in der Abbildung oben zu sehen ist. Liegt der Kopf des Vogels zwischen den genannten Fingern, muss der Druck vorsichtig so angepasst werden, dass das Tier keinen Bewegungsspielraum mehr hat. Achtung, die Federn verrutschen leicht unter den Fingern, so dass sich der Vogel unter Umständen doch "freistrampeln" kann!

Wichtig ist, dass die Beine und Füße des Vogels frei liegen und nicht um einen Finger gelegt werden können. Man mag es kaum glauben, aber so mancher Vogel bringt enorm viel Kraft auf und stemmt einen um seinen Körper gelegten Finger problemlos beiseite. Entweder liegen die Beine unterhalb des kleinen Fingers, siehe Abbildung oben, oder aber man fixiert die Beine vorsichtig zwischen dem Ringfinger und dem kleinen Finger, wenn man beispielsweise die Füße mit einer Salbe behandeln muss. Diese Art der Fixierung sollten nur Profis anwenden, da die Beinknochen unter zu starkem Druck sehr leicht brechen können!

In manchen Fällen muss der Nacken eines Vogels frei zugänglich sein, ohne dass sich das Tier zur Wehr setzen kann. Dies ist zum Beispiel dann erforderlich, wenn aufgrund eines Parasitenbefalls ein Kontaktgift auf die Nackenhaut aufgetragen werden muss. Der oben gezeigte Fixiergriff scheidet für diese Zwecke aus, weil der Nacken des Vogels von der Hand bedeckt wird. Deshalb muss das Tier auf eine andere Weise fixiert werden, für die eigentliche Behandlung ist dann jedoch die Anwesenheit einer zweiten Person unumgänglich, weil man den Vogel nur mit zwei Händen sicher fixieren kann. Die folgende Fotomontage demonstriert den Griff an meinem Steiff-Wellensittich:

Fixiergriff

Komplikationen
Viele Vögel beginnen lauthals zu protestieren, wenn man sie mit der Hand fixiert. Das Gekreische sollte Sie jedoch nicht verunsichern und man sollte möglichst zügig die notwendige medizinische Behandlung durchführen, sofern außer den schrillen Unmutsäußerungen keine weiteren Alarmsignale auftreten.

Nicht selten erleiden mit der Hand fixierte, scheue Vögel eine Schreck- oder Schockmauser, bei der sie auf einen Schlag sämtliche die Schwanzfedern und häufig auch etliche kleine Federn verlieren. Diese Komplikation ist vergleichsweise harmlos, die Federn wachsen innerhalb weniger Tage oder spätestens nach einigen Wochen wieder nach.

Bei weitem gefährlicher sind Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System. Das Festhalten eines Vogels kann bei dem Tier zu Herzrasen oder Schockzuständen beziehungsweise im schlimmsten Fall zu einem tödlichen Schreckzustand führen. Sollte der fixierte Vogel in der Hand apathisch werden, plötzlich schwer und stoßweise atmen oder die Augen verdrehen, so muss man den Vogel umgehend loslassen, da er sich in akuter Lebensgefahr befindet!

Immer schön ruhig bleiben
Ziervögel beobachten ihre Umgebung sehr genau. Egal, ob die Tiere zahm sind oder nicht, so können sie feinste Stimmungsschwankungen bei ihnen vertrauten Menschen wahrnehmen. Während Sie einen Vogel in der Hand halten, sollten Sie selbst möglichst ruhig und gelassen sein. Empfinden Sie Angst, überträgt sich diese häufig auf den Vogel. Sprechen Sie sanft mit dem Tier und versuchen Sie es zu beruhigen, indem Sie selbst Ruhe ausstrahlen.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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