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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Halskrause bei einem WellensittichAufgrund unterschiedlicher Ursachen kann es erforderlich sein, einem Vogel eine Halskrause anzulegen. Diese medizinischen Hilfsmittel, die auch als Halskragen bezeichnet werden, sollen das Tier daran hindern, bestimmte Körperregionen mit dem Schnabel zu erreichen und sich selbst zu verletzen. Häufig werden Halskrausen angelegt, wenn ein Vogel eine Verletzung hat, die er nicht aufbeißen soll. Eine solche Verletzung kann zum Beispiel eine Operationswunde sein. Ebenso kann es geschehen, dass nach einem Knochenbruch eine Körperpartie eines Vogels bandagiert werden muss. Weil viele Vögel eine solche Bandage binnen kürzester Zeit selbst entfernen würden, legt man ihnen eine Halskrause an, damit sie die entsprechende Körperpartie nicht mehr erreichen können.

Mitunter kommt es aber auch vor, dass sich Vögel selbst die Federn ausreißen ("Federrupfen"), weshalb ihnen dann eine Halskrause angelegt wird, damit sie ihr Federkleid nicht weiter traktieren können. Einige Vögel gehen sogar so weit, sich nach dem Ausreißen des Gefieders die Haut blutig zu beißen. Dieses Verhalten wird von Tierärzten als Automutilation bezeichnet, im normalen Sprachgebrauch ist von Selbstverstümmelung die Rede. Wird gegen das Federrupfen und die Selbstverstümmelung eine Halskrause angelegt, so sollte dies nur als eine begleitende Therapiemaßnahme angesehen werden. Denn hinter dem Rupfen und den gegen sich selbst gerichteten Verletzungen steckt meist eine organische Ursache, beispielsweise ein schwerer Leberschaden. Ein fachkundiger Tierarzt (siehe Liste Externer Link) sollte eine genaue Diagnose stellen, um einem betroffenen Tier zu helfen.

Unmittelbar nach dem Anlegen einer Halskrause reagieren die meisten Vögel regelrecht schockiert. Häufig ist zu beobachten, dass die Tiere sich auf den Boden des Käfigs begeben und unkoordiniert wirkende Bewegungsabläufe vorführen. Sie versuchen, den Fremdkörper loszuwerden und bewegen sich vor und zurück, seitwärts, drehen sich um ihre Achse - ganz so, als würden sie Tango tanzen. Auch kann es vorkommen, dass sich Vögel auf den Rücken drehen oder Purzelbäume schlagen. Für den Halter ist es belastend, sich dies tatenlos anzuschauen. Aber er sollte sich vor Augen führen: Die Gewöhnung tritt rasch ein, in den meisten Fällen beruhigen sich die Tiere nach ein bis zwei Stunden merklich und haben sich nach einem Tag an die Krause gewöhnt.

Halskrause nach Operation
Diese Halskrause musste nach einer Operation angelegt werden.

Häufig müssen Vögel eine Halskrause nur vorübergehend tragen, bis zum Beispiel eine Operationswunde verheilt ist. Jedoch kann es ebenfalls sein, dass sich die Vögel über einen längeren Zeitraum oder gar dauerhaft mit einer Halskrause arrangieren müssen, damit sie sich nicht selbst verstümmeln. Ist dies der Fall, sollte man dem Vogel spätestens alle zwei bis drei Wochen eine Pause gönnen, damit er sein Gefieder pflegen und ausgiebig baden kann. Man entfernt ihm dann die Krause für ein bis zwei Stunden und beaufsichtigt ihn in dieser Zeit ständig. Das heißt, man sollte den Raum nicht verlassen, nicht einmal, um sich eine Tasse Kaffee aus der Küche zu holen. Der Vogel könnte diese kurze Zeitspanne nutzen, um sich etliche Federn auszureißen oder sich blutig zu beißen. Sollte der Vogel ein solches Verhalten unter Aufsicht seines Halters während der "Krausenpause" zeigen, muss sofort eingegriffen werden. Die Krause ist dann umgehend wieder anzulegen.

Wichtig:
Eine Halskrause darf nicht auf den Kropf drücken und diesen nach unten schieben. Die Folge dessen wäre, dass die Verdauung gestört wird. Im schlimmsten Fall können die Körner aus dem Kropf nicht mehr richtig in den Magen wandern, es kommt zu Fäulnis und dadurch zu einer schweren Infektion des Kropfes. Außerdem leidet der Vogel in einem solchen Fall Hunger.

Da es eine Reihe verschiedener Halskrausenmodelle gibt, sollen im Folgenden die gängigsten Varianten vorgestellt werden. Lea Hausmann von Welli.net hat die Erfahrungen ausführlich zusammengetragen.

Erfahrungsbericht von Lea Hausmann, August 2009

Da ich leider einen hartnäckigen Federrupfer namens Kahlúa besitze (siehe Erfahrungsbericht), bei dem alle Versuche, ihm sein Verhalten abzugewöhnen, scheiterten, habe ich unfreiwillig einige Erfahrungen mit Halskrausen gesammelt. Ich hoffe, dass sie vielleicht anderen Betroffenen helfen können.

Plastikkrause
Mein erster Versuch war eine gängige Kunststoffkrause, wie man sie normalerweise bei Tierärzten erhält; eine Plastikscheibe mit einem Loch für den Hals und einem Spalt, damit die Krause angelegt werden kann. Ich habe leider mit diesem Modell schlechte Erfahrungen gemacht, allerdings gibt es auch viele Vögel, die damit gut zurechtkommen.

Der Vorteil ist, dass mit diesem Kragen auch die gelenkigsten Sittiche Wunden nicht mehr mit dem Schnabel erreichen können.

Der Nachteil ist jedoch, dass die große, sperrige Krause viele Vögel sehr zu stören scheint. Kahlúa konnte damit nur sehr schlecht klettern und fliegen. Außerdem versuchte er immer wieder, das nervige Ding loszuwerden - was ihm beim unserem ersten Versuch auch nach wenigen Sekunden gelang. Es ist daher unbedingt notwendig, den Spalt der Krause nach dem Anlegen sorgfältig mit Klebeband zu fixieren, denn ansonsten ist es für einen Welli ein leichtes, sich den Kragen einfach abzustreifen. Trotzdem bleibt ein Risiko, denn es kann den Vögeln gelingen, eine Kralle zwischen Hals und Kragen zu zwängen und so hängen zu bleiben.

Die Halskrause hat am Hals gescheuertNoch schlimmer war jedoch, dass Kahlúa die Krause mit dem Schnabel oder durch Kratzen mit dem Fuß um den eigenen Hals ein wenig drehen konnte. Wir hatten zwar die scharfkantige Innenseite dick mit Teilen eines Papiertaschentuchs gepolstert und diese mit Klebeband am Kunststoff befestigt. Aber trotzdem scheuerte die Krause am Hals, so dass das Gefieder dort ziemlich ramponiert wurde (siehe Foto rechts) - was Kahlúa als Einladung sah, dort nach dem Abnehmen des Kragens weiter zu rupfen, was er bisher nicht getan hatte. Außerdem zerpflückte er das Papier überall, wo er mit dem Schnabel hinkam, so dass es bald in Fetzen hing und erneuert werden musste.

Ich denke trotzdem, dass man es mit diesem Modell versuchen kann, denn es soll viele Wellis geben, die nach einem Tag Eingewöhnung problemlos mit der Krause leben konnten und nicht versucht haben, sie zu entfernen. Dann treten die geschilderten Probleme vermutlich gar nicht erst auf. Wenn aber der Vogel es schafft, die Krause um den Hals zu drehen, würde ich von diesem Modell abraten, denn bei meinem Welli hat sich das Rupfen dadurch noch verschlimmert.

Moosgummi
Später habe ich überlegt, einen Kragen aus Moosgummi zu basteln, da dieses weicher und leichter ist als Kunststoff. Leider funktionierte das nicht so gut, wie ich gehofft hatte. Zunächst versuchten wir, eine "Röhre" aus dem Material zu biegen und diese um den Hals zu legen, damit Kahlúa nicht mehr rupfen konnte. Allerdings war Isolierband nicht stark genug, um das Moosgummi zu befestigen, und außerdem drückten die unteren Ränder zu sehr auf die Brust. Auch ein Modell ähnlich der Plastikkrause scheuerte, trotz des weichen Moosgummis, immer noch am Hals.

Kugelkragen
Über das Internet entdeckte ich einen kugelförmigen Kragen aus Polycarbonat. Dieses Modell fand ich interessant, da es im Gegensatz zum normalen Plastikkragen nicht so stark zu behindern scheint und außerdem schnabelresistent ist. Zu beziehen sind diese Kugelkragen in diesem Online-Shop Externer Link.

Kugelkragen

Leider passt dieser Kragen Kahlúa nicht, denn sein Hals ist zu kurz: Es ist nicht möglich, ihm die beiden Kugelhälften zu schließen, ohne seine Brust zu quetschen. Ansonsten ist dieses Modell sicher eine gute Lösung, die es in verschiedenen Größen auch für Großpapageien gibt. Man kann den Kragen übrigens umtauschen, wenn er nicht passt.

(Achtung: Besitzt jemand einen solchen Kragen, der einem Wellensittich passt? Oder ist nur Kahlúa zu klein für diese Sorte Kugelkragen? Rückmeldungen können an den Webmaster von Birds Online geschickt werden, sie werden an die Autorin dieses Erfahrungsberichts weitergeleitet.)

Halswickel
Halswickel bei einem WellensittichSchließlich verhalf ein Notfall zu meiner jetzigen Lösung. Leider rupfte und beknabberte sich mein Welli trotz Behandlung weiter, und eines Tages biss er sich sogar so stark in den Hals, dass er blutete. Zunächst konnte ich die Blutung stillen, aber zwei Tage später biss er die Wunde erneut auf, so dass ich ihm in der Tierklinik einen Verband anlegen lassen musste. Zu meiner Freude hielt ihn das nicht nur vom Knabbern ab, sondern auch weitgehend vom Rupfen seiner Federn. Als ich nach einer Woche den Verband abnahm, war die Wunde am Hals vollständig verheilt, aber da ich einen Rückfall befürchtete und bereits alles versucht hatte, um ihn vom Rupfen abzuhalten, entschied ich, ihm einen neuen Wickel anzulegen. Diesmal machten wir den Verband etwas dicker, so dass Kahlúa nun gar nicht mehr rupfen konnte. Nach kurzer Zeit sind wieder einige Federn nachgewachsen.

Ich würde meinem Vogel das nicht zumuten, wenn ich eine andere Möglichkeit sehen würde, aber das Tragen eines Verbandes ist verglichen mit der Gefahr der Selbstverstümmelung wohl das kleinere Übel. Von allen Halskrausen-Modellen, die ich ausprobiert habe, hat sich der Halswickel für mich als die beste Lösung erwiesen, denn Kahlúa kann damit problemlos klettern, fliegen und fressen. Er versucht zwar immer noch gelegentlich, ihn mit dem Schnabel zu entfernen, allerdings ohne Erfolg, und der Verband kann ihn nicht scheuern.

Um den Kragen anlegen zu können, muss man am besten zu zweit arbeiten, denn es ist schwierig, gleichzeitig zu wickeln und den Vogel festzuhalten. Der Verband muss relativ fest gebunden werden, damit er sich nicht ablösen kann. Trotzdem muss er natürlich locker genug sein, um den Vogel nicht beim Atmen und Fressen zu behindern, vor allem auf den Kropf darf er keinen Druck ausüben. Unmittelbar nachdem wir ihm den dritten Verband angelegt hatten, hat Kahlúa ein paar unverdaute Körner hochgewürgt, ich vermute, dass ihm der Wickel trotz aller Vorsicht auf den Kropf gedrückt hat. Nachdem ich den Verband entfernt und lockerer gebunden hatte, ist das Problem nicht mehr aufgetreten.

Wenn der Verband so dick gewickelt ist, dass der Vogel den Hals nicht mehr stark genug biegen kann, um seine Wunde oder die gerupften Stellen zu erreichen, muss das lose Ende festgeklebt werden. Das geht entweder mit Verbandklebeband, oder, was sich bei uns am einfachsten und effizientesten herausgestellt hat, mit Pflaster. Isolierband haftet meistens nicht stark genug. Es ist sinnvoll, möglichst viel des Verbandmaterials abzukleben, denn sonst kann der Sittich den Stoff unter Umständen wieder herauszerren. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass man keine Federn abklebt, denn diese werden sonst beim Ablösen ausgerissen!

Kalhúa mit seinem Halswickel

Kahlúa gelang es trotzdem nach einer Weile, ein paar Fäden aus dem Verbandstoff zu ziehen. Diese Schlaufen muss man unbedingt abschneiden und gegebenenfalls den Halswickel erneuern, denn sonst kann sich der Wellensittich mit den Krallen darin verfangen. Je dichter der Verbandstoff, desto geringer ist die Gefahr, dass sich die Maschen auflösen lassen. Auch sonst ist es sinnvoll, den Verband regelmäßig zu erneuern.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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