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Erfahrungsbericht von Lea Hausmann, August 2009
Da ich leider einen hartnäckigen Federrupfer namens Kahlúa besitze (siehe Erfahrungsbericht),
bei dem alle Versuche, ihm sein Verhalten abzugewöhnen,
scheiterten, habe ich unfreiwillig einige Erfahrungen mit Halskrausen
gesammelt. Ich hoffe, dass sie vielleicht anderen Betroffenen helfen
können.
Plastikkrause
Mein erster Versuch war eine gängige Kunststoffkrause, wie man sie
normalerweise bei Tierärzten erhält; eine Plastikscheibe mit
einem Loch für den Hals und einem Spalt, damit die Krause angelegt
werden kann. Ich habe leider mit diesem Modell schlechte Erfahrungen
gemacht, allerdings gibt es auch viele Vögel, die damit gut
zurechtkommen.
Der Vorteil ist, dass mit diesem Kragen auch die
gelenkigsten Sittiche Wunden nicht mehr mit dem Schnabel erreichen
können.
Der Nachteil ist jedoch, dass die große, sperrige
Krause viele Vögel sehr zu stören scheint. Kahlúa
konnte damit nur sehr schlecht klettern und fliegen. Außerdem
versuchte er immer wieder, das nervige Ding loszuwerden - was ihm beim
unserem ersten Versuch auch nach wenigen Sekunden gelang. Es ist daher
unbedingt notwendig, den Spalt der Krause nach dem Anlegen
sorgfältig mit Klebeband zu fixieren, denn ansonsten ist es
für einen Welli ein leichtes, sich den Kragen einfach
abzustreifen. Trotzdem bleibt ein Risiko, denn es kann den Vögeln
gelingen, eine Kralle zwischen Hals und Kragen zu zwängen und so
hängen zu bleiben.
Noch
schlimmer war jedoch, dass Kahlúa die Krause mit dem Schnabel
oder durch Kratzen mit dem Fuß um den eigenen Hals ein wenig
drehen konnte. Wir hatten zwar die scharfkantige Innenseite dick mit
Teilen eines Papiertaschentuchs gepolstert und diese mit Klebeband am
Kunststoff befestigt. Aber trotzdem scheuerte die Krause am Hals, so
dass das Gefieder dort ziemlich ramponiert wurde (siehe Foto rechts) -
was Kahlúa als Einladung sah, dort nach dem Abnehmen des Kragens
weiter zu rupfen, was er bisher nicht getan hatte. Außerdem
zerpflückte er das Papier überall, wo er mit dem Schnabel
hinkam, so dass es bald in Fetzen hing und erneuert werden musste.
Ich denke trotzdem, dass man es mit diesem Modell
versuchen kann, denn es soll viele Wellis geben, die nach einem Tag
Eingewöhnung problemlos mit der Krause leben konnten und nicht
versucht haben, sie zu entfernen. Dann treten die geschilderten
Probleme vermutlich gar nicht erst auf. Wenn aber der Vogel es schafft,
die Krause um den Hals zu drehen, würde ich von diesem Modell
abraten, denn bei meinem Welli hat sich das Rupfen dadurch noch
verschlimmert.
Moosgummi
Später habe ich überlegt, einen Kragen aus Moosgummi zu
basteln, da dieses weicher und leichter ist als Kunststoff. Leider
funktionierte das nicht so gut, wie ich gehofft hatte. Zunächst
versuchten wir, eine "Röhre" aus dem Material zu biegen und diese
um den Hals zu legen, damit Kahlúa nicht mehr rupfen konnte.
Allerdings war Isolierband nicht stark genug, um das Moosgummi zu
befestigen, und außerdem drückten die unteren Ränder zu
sehr auf die Brust. Auch ein Modell ähnlich der Plastikkrause
scheuerte, trotz des weichen Moosgummis, immer noch am Hals.
Kugelkragen
Über das Internet entdeckte ich einen kugelförmigen Kragen
aus Polycarbonat. Dieses Modell fand ich interessant, da es im
Gegensatz zum normalen Plastikkragen nicht so stark zu behindern
scheint und außerdem schnabelresistent ist. Zu beziehen sind
diese Kugelkragen in diesem Online-Shop .

Leider passt dieser Kragen Kahlúa nicht, denn
sein Hals ist zu kurz: Es ist nicht möglich, ihm die beiden
Kugelhälften zu schließen, ohne seine Brust zu quetschen.
Ansonsten ist dieses Modell sicher eine gute Lösung, die es in
verschiedenen Größen auch für Großpapageien gibt.
Man kann den Kragen übrigens umtauschen, wenn er nicht passt.
(Achtung: Besitzt jemand einen
solchen Kragen, der einem Wellensittich passt? Oder ist nur
Kahlúa zu klein für diese Sorte Kugelkragen?
Rückmeldungen können an den Webmaster von Birds Online
geschickt werden, sie werden an die Autorin dieses Erfahrungsberichts
weitergeleitet.)
Halswickel
Schließlich
verhalf ein Notfall zu meiner jetzigen Lösung. Leider rupfte und
beknabberte sich mein Welli trotz Behandlung weiter, und eines Tages
biss er sich sogar so stark in den Hals, dass er blutete. Zunächst
konnte ich die Blutung stillen,
aber zwei Tage später biss er die Wunde erneut auf, so dass ich
ihm in der Tierklinik einen Verband anlegen lassen musste. Zu meiner
Freude hielt ihn das nicht nur vom Knabbern ab, sondern auch weitgehend
vom Rupfen seiner Federn. Als ich nach einer Woche den Verband abnahm,
war die Wunde am Hals vollständig verheilt, aber da ich einen
Rückfall befürchtete und bereits alles versucht hatte, um ihn
vom Rupfen abzuhalten, entschied ich, ihm einen neuen Wickel anzulegen.
Diesmal machten wir den Verband etwas dicker, so dass Kahlúa nun
gar nicht mehr rupfen konnte. Nach kurzer Zeit sind wieder einige
Federn nachgewachsen.
Ich würde meinem Vogel das nicht zumuten, wenn ich
eine andere Möglichkeit sehen würde, aber das Tragen eines
Verbandes ist verglichen mit der Gefahr der Selbstverstümmelung
wohl das kleinere Übel. Von allen Halskrausen-Modellen, die ich
ausprobiert habe, hat sich der Halswickel für mich als die beste
Lösung erwiesen, denn Kahlúa kann damit problemlos
klettern, fliegen und fressen. Er versucht zwar immer noch
gelegentlich, ihn mit dem Schnabel zu entfernen, allerdings ohne
Erfolg, und der Verband kann ihn nicht scheuern.
Um den Kragen anlegen zu können, muss man am besten
zu zweit arbeiten, denn es ist schwierig, gleichzeitig zu wickeln und
den Vogel festzuhalten. Der Verband muss relativ fest gebunden werden,
damit er sich nicht ablösen kann. Trotzdem muss er natürlich
locker genug sein, um den Vogel nicht beim Atmen und Fressen zu
behindern, vor allem auf den Kropf darf er keinen Druck ausüben.
Unmittelbar nachdem wir ihm den dritten Verband angelegt hatten, hat
Kahlúa ein paar unverdaute Körner hochgewürgt, ich
vermute, dass ihm der Wickel trotz aller Vorsicht auf den Kropf
gedrückt hat. Nachdem ich den Verband entfernt und lockerer
gebunden hatte, ist das Problem nicht mehr aufgetreten.
Wenn der Verband so dick gewickelt ist, dass der Vogel
den Hals nicht mehr stark genug biegen kann, um seine Wunde oder die
gerupften Stellen zu erreichen, muss das lose Ende festgeklebt werden.
Das geht entweder mit Verbandklebeband, oder, was sich bei uns am
einfachsten und effizientesten herausgestellt hat, mit Pflaster.
Isolierband haftet meistens nicht stark genug. Es ist sinnvoll,
möglichst viel des Verbandmaterials abzukleben, denn sonst kann
der Sittich den Stoff unter Umständen wieder herauszerren.
Allerdings muss darauf geachtet werden, dass man keine Federn abklebt,
denn diese werden sonst beim Ablösen ausgerissen!

Kahlúa gelang es trotzdem nach einer Weile, ein
paar Fäden aus dem Verbandstoff zu ziehen. Diese Schlaufen muss
man unbedingt abschneiden und gegebenenfalls den Halswickel erneuern,
denn sonst kann sich der Wellensittich mit den Krallen darin verfangen.
Je dichter der Verbandstoff, desto geringer ist die Gefahr, dass sich
die Maschen auflösen lassen. Auch sonst ist es sinnvoll, den
Verband regelmäßig zu erneuern.
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