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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Charly ist schwer krankNiemand kennt ein Tier so genau wie der Vogelhalter selbst. Sollte Ihnen eine Abweichung im gewohnten Verhaltensmuster oder in der Körperhaltung Ihres Vogels auffallen, könnte dies auf eine schleichende oder beginnende Verschlechterung seines Gesundheitszustandes hindeuten. Ist ein Vogel nicht zahm, ist es allerdings häufig nicht ganz so leicht zu erkennen, ob er krank ist oder nicht, sofern sich die Erkrankung noch im Anfangsstadium befindet. Es gilt also: Sie sollten das Tier möglichst genau beobachten, denn Vögel überspielen ihre angeschlagene Gesundheit oft, vor allem Wellensittiche sind die "geborenen Schauspieler".

Aber beachten Sie dabei, dass viele Vögel sich unbehaglich fühlen, wenn sie intensiv beobachtet werden. Bei Raubtieren befinden sich die Augen nebeneinander vorn im Gesicht, was auch der Augenposition bei uns Menschen entspricht. Ängstliche Vögel haben deshalb oft instinktiv Angst davor, von einem Wesen mit vorn im Gesicht angeordneten Augen permanent direkt angeschaut zu werden. Weniger verunsichernd ist es für Vögel, wenn man sie indirekt anschaut, also den Kopf ein wenig abwendet und nur mit den Augen in ihre Richtung blickt. So können Sie Ihre Tiere genau betrachten, ohne ihnen Angst einzujagen.

Doch worauf sollten Sie achten, um Erkrankungen zu erkennen? Dieses Kapitel informiert Sie über einige wichtige Details.

Bloß keine Schwäche zeigen!
Entkräfteter WellensittichLeidet ein Wellensittich oder ein anderer Ziervogel an einer beginnenden Erkrankung oder einer allgemeinen Schwächung, wird er versuchen, seinen sich verschlechternden Zustand so lang wie möglich durch perfektes "Schauspielern" zu verbergen. Dieses Verhalten ist Vögeln angeboren und wird ihnen durch ihren Überlebensinstinkt diktiert. In freier Wildbahn erbeuten Fressfeinde wie Greifvögel vor allem die schwachen und kranken Individuen eines Schwarms oder einer Gruppe. Deshalb ist es für ein kränkelndes Schwarmmitglied von größter Wichtigkeit, sich möglichst unauffällig zu verhalten und keine Schwäche zu zeigen.

Auch in Menschenobhut gehaltene Ziervögel beherrschen diese "Schauspielkunst" hervorragend. Der entsprechende Instinkt ihrer wilden Vorväter ist nicht verloren gegangen, obwohl die Heimtiere in Gefangenschaft leben und die Gefahren der Natur nie kennen gelernt haben. Oft erkennt man eine Erkrankung deshalb bedauerlicherweise erst dann, wenn es schon fast zu spät für das Tier ist. Seien Sie deshalb stets wachsam und nehmen Sie nichts auf die leichte Schulter. Je eher Sie im Fall einer Erkrankung Ihres Vogels handeln, desto größer sind meist die Heilungs- und Überlebenschancen!

Seltsam, das macht er doch sonst nie ...
Schwer kranker Wellensittich auf dem KäfigbodenSobald Ihnen dieser Gedanke durch den Kopf geht, sollten Sie sich in höchster Alarmbereitschaft befinden. Schläft ein Vogel beispielsweise plötzlich nachts nicht mehr auf einem Bein stehend, könnte das auf eine beginnende Erkrankung hindeuten. Ein weiteres Beispiel für den Anfang einer Krankheit ist oftmals eine Veränderung der aufgenommenen Nahrungs- und Wassermenge. Trinkt der Vogel erheblich mehr als sonst, könnte unter anderem ein Nierenproblem, zum Beispiel eine Infektion, die Ursache sein. Oder aber Ihr Vogel frisst mehr als üblich, wird jedoch dabei ohne ersichtlichen Grund stetig dünner. Dann liegt meist eine Erkrankung des Verdauungssystems vor.

Bei verpaarten Vögeln fällt es besonders leicht auf, wenn sich ein normalerweise sehr verschmustes Individuum immer öfter von seinem Partner abwendet und in Ruhe gelassen werden möchte. Mausert das Tier gerade, könnte dies ein Grund für das geänderte Verhalten sein. Dennoch ist es sinnvoll, sehr genau hinzuschauen, da sich körperliches Unwohlsein unter anderem in einem verstärkten Ruhebedürfnis äußert. Allerhöchste Alarmbereitschaft sollte bestehen, wenn ein Vogel nicht mehr dazu in der Lage ist, sich auf einer Stange zu halten und sich auf dem Käfigboden in eine Ecke kauert, siehe Foto in diesem Absatz. Ein Tier, das plötzlich ein solches Verhalten zeigt, ist vermutlich schwer krank.

Vom Energiebündel zum Dauerschläfer
Sprüht Ihr Vogel normalerweise geradezu vor Energie, sollten Sie sich ernsthafte Sorgen um ihn machen, sofern er plötzlich aus einem für Sie nicht erkennbaren Grund überdurchschnittlich viel schläft. Ein am Tag häufig schlafender Vogel leidet entweder an einer bislang nicht entdeckten Krankheit oder er findet nachts kaum Ruhe, weil sein Käfig unter Umständen mit Blut saugenden Milben bevölkert ist oder an einem viel zu unruhigen Ort platziert worden ist. Anhand der Verteilung der Kotballen im Käfig können Sie nächtliche Schlafstörungen beispielsweise aufgrund eines eventuell vorliegenden Milbenbefalls erkennen.

Kranker Wellensittich

Plötzliche Zutraulichkeit
Zutraulich aufgrund einer ErkrankungEine ungewohnte Zutraulichkeit wie zum Beispiel vermehrtes Schmusen oder gar das Schlafen in der Hand des Halters beziehungsweise das überdurchschnittlich häufige Ankuscheln an eine Bezugsperson können ebenfalls ein früh auftretendes Erkennungsmerkmal für eine gegebenenfalls entstehende Erkrankung darstellen. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen altersschwachen Wellensittich, der am liebsten in einer wärmenden Hand schlief, als er vorübergehend an einer schmerzhaften Erkrankung (ein Knochenbruch) litt.

Fühlt sich ein Vogel, der niemals schlechte Erfahrungen mit Menschen gesammelt hat und ihnen vertraut, aufgrund einer Erkrankung unwohl, so sucht er eventuell oft ihre Nähe, um in seinem geschwächten Zustand Schutz und Wärme zu erhalten. Obwohl man als Vogelhalter dazu neigt, solche plötzlich auftretenden Vertrauensbeweise auf den ersten Blick als rührend und niedlich zu empfinden, sollte man sie unbedingt hinterfragen und den Vogel sehr aufmerksam beobachten. Gegebenenfalls könnte dies sein Leben retten, sofern man eine Krankheit im Anfangsstadium entdeckt.

Ist der dick!
Aufplustern bei KrankheitPlustert ein Vogel sein Gefieder ständig auf und wirkt er den ganzen Tag kugelrund, ohne dabei zu zwitschern oder Interesse an seiner Umgebung zu zeigen, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit eine beginnende oder chronische Krankheit dahinter. Ein matt wirkender Vogel ohne Glanz in den Augen, dessen Gefieder extrem aufgeplustert ist und der sich von seinen Schwarmmitgliedern absondert, fühlt sich so krank, dass er nicht einmal mehr sein Gebrechen überspielen kann. Es ist höchste Eile geboten, ein Tierarztbesuch sollte keine Minute länger aufgeschoben werden!

Auffälligkeiten in der Körperhaltung
Schwer kranker WellensittichBei Wellensittichen sowie bei anderen Ziervögeln hilft ein genauer Blick auf die Gefiederstellung und Körperhaltung, um daraus Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand ziehen zu können. Hierfür ist es allerdings erforderlich, einen geübten Blick zu entwickeln und seine Tiere und deren Gewohnheiten im Detail zu kennen.

Plustert ein Vogel aufgrund körperlichen Unwohlseins sein Gefieder stark auf, zeigen sich bestimmte Merkmale in seiner Silhouette. Betrachtet man diese, fallen einige Wölbungen und Kanten an typischen Stellen auf. Bei gesunden Wellensittichen oder anderen Ziervögeln ist die Körperform hingegen in aller Regel rund und harmonisch. Die folgenden beiden Fotos desselben Vogels verdeutlichen diese Unterschiede:

Gesund    Erkrankt

Das rechte Foto ist mit einigen Markierungen versehen, die jene Bereiche markieren, auf deren Aussehen man vermehrt achten sollte. In dieser Abbildung wirkt die Silhouette des Vogels "unrund" und sie weist an mehreren Stellen "Kanten" auf. Dort sind die Federn extrem weit aufgestellt, so dass sich Zwischenräume im Gefieder gebildet haben. Besonders deutlich ist dies am Kopf des Vogels zu erkennen, er ist außerdem zwischen die Schultern gezogen (vgl. aufrechte Kopfhaltung beim ersten Foto), was typisch für körperliches Unwohlsein ist. Die Flügel ragen kantig aus der Silhouette, siehe Pfeil. Im Bereich des Bauches bildet das Gefieder einen Buckel (siehe Pfeil am Rücken). Noch stärker ist die Wölbung im Bereich des Kropfes (1) ausgeprägt. Aber auch an jener Stelle, an der das gelbe Nackengefieder an das grüne Rückengefieder grenzt (2), ist in der Silhouette ebenfalls eine Kante zu sehen.

Die beiden Abbildungen unter diesen Zeilen zeigen noch einmal denselben Vogel aus einer anderen Perspektive. Links ist er gesund, rechts leidet er an einer beginnenden Erkrankung. Achten Sie genau auf die Stellung des Gefieders am Rücken:

Gesund    Erkrankt

Zittrig und kalt
Kranke Vögel haben meist Untertemperatur, also weniger als 41 Grad Celsius, und zittern am gesamten Körper, was am aufgeplusterten Federkleid meist leicht zu erkennen ist. Ob ein Tier tatsächlich friert, können Sie bei einem zahmen Vogel außerdem problemlos feststellen, indem Sie die Temperatur der Füße kontrollieren. Hat das Tier auffallend kalte Füße und wirkt es dabei matt, ist es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit krank.

Je nachdem, woran ein Vogel leidet, atmet er schwer und die Schwanzfedern wippen bei jedem Atemzug sichtbar auf und ab. Beobachten Sie dies bei einem Vogel, könnte eine (beginnende) Infektion der Atemwege die Ursache für die Symptome sein. Aber auch Tiere, die unter Schmerzen leiden oder deren Verdauungssystem erkrankt ist, zeigen mitunter diese gepresste, angestrengte Atmung. Darüber hinaus kann schweres Atmen auftreten, wenn sich im Körper eine Schwellung oder ein Tumor befindet, wodurch zu wenig Platz für die Atmungsorgane zur Verfügung steht.

Ab zum Tierarzt!
Haben Sie festgestellt, dass es Ihrem Vogel offenkundig nicht gut geht, sollten Sie ihn so schnell wie möglich von seinen Artgenossen isolieren, in einem Krankenkäfig unterbringen und umgehend zu einem kompetenten Tierarzt bringen. Woran auch immer Ihr Vogel leiden mag - nur Ihr Tierarzt wird anhand einer Untersuchung des Tieres und Ihrer Beschreibung seines Verhaltens eine sichere Diagnose stellen können. Zögern Sie den Besuch des Tierarztes deshalb nicht unnötig hinaus, da bei den meisten Erkrankungen im Anfangsstadium die größte Chance auf Heilung besteht. Begehen Sie bitte nicht den Fehler, erst einmal in Internetforen nachzufragen, was Sie tun sollen. Ein sofortiger Tierarztbesuch ist in den allermeisten Fällen die beste Wahl!

 
 
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