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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Aus unterschiedlichen Gründen kann es vorkommen, dass ein Vogel eine Narkose benötigt. Viele Vogelhalter fürchten sich davor, ihre Vögel narkotisieren zu lassen. Ein Grund dafür ist, dass sich hartnäckig einige Vorurteile halten, die aus einer Zeit stammen, in der sich die Tiermedizin noch nicht auf dem heutigen Stand befunden hat und in der eine Narkose für einen Vogel mit sehr großen Gefahren verbunden war. Heute stehen Möglichkeiten zur Verfügung, die es vor einigen Jahren noch nicht gegeben hat, so dass es in vielen Tierarztpraxen inzwischen üblich ist, schonende Narkosen verabreichen zu können. Was es mit der Narkose auf sich hat und was zu beachten ist, erläutert dieses Kapitel.

Die Methode der Narkotisierung
Es gibt verschiedene Methoden, um einen Vogel in einen künstlichen Schlaf zu versetzen. Die unter Tierhaltern bekannteste, aber nicht mehr zeitgemäße Methode ist die, dem Tier eine Spritze (Injektion) mit einem Narkosemittel zu verabreichen. Früher war dies die gängige Methode, heute wird sie von Vogel-Fachtierärzten kaum mehr genutzt.

Bei dieser Methode der Narkotisierung wird dem Vogel eine bestimmte Dosis eines Narkosemittels gespritzt, die das Tier für eine gewisse Zeit in einen künstlichen Schlaf versinken lässt. Die meisten Vögel, die eine Narkose benötigen, sind krank. Das heißt, ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist angeschlagen und sie vertragen das injizierte, also per Spritze verabreichte Medikament oft nicht gut. Kreislaufprobleme treten in vielen Fällen auf, mitunter sogar ein tödlicher Kreislaufschock.

Unter anderem aufgrund dieser möglichen schweren Komplikationen bevorzugen Vogel-Fachärzte eine andere Art der Narkotisierung: die Gasinhalationsnarkose. Hierbei atmet der zu behandelnde Vogel ein Narkosegas ein, das nur so lange eingesetzt wird, wie es der medizinische Grund erfordert. So kann beispielsweise ein chirurgischer Eingriff schneller als zuvor gedacht abgeschlossen sein, die Narkose kann dann schon nach wenigen Minuten beendet werden. Bei einer Injektionsnarkose ist das nicht möglich, der Vogel schläft so lange, bis das Narkosemittel seine Wirkung vollständig verliert. Nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit der sehr genauen Dosierung ist die Inhalationsnarkose deshalb das Mittel der Wahl.

Allerdings erfordert diese Methode der Narkotisierung eine besondere Ausrüstung, die in vielen Kleintierpraxen nicht vorhanden ist, weil man dort nicht auf Vögel als Patienten spezialisiert ist. Vogelhalter sollten deshalb grundsätzlich Tierärzte aufsuchen, die sich auf die Behandlung von Ziervögeln, Exoten und Reptilien spezialisiert haben. Adressen solcher Tierärzte finden Sie auf Welli.net Externer Link.

Wie läuft eine Inhalationsnarkose ab?
Muss ein Vogel mit Narkosegas betäubt werden, so muss er dieses während der Behandlungsdauer permanent einatmen. Das ist nur möglich, indem ihm eine Maske, oder besser gesagt ein kleiner Helm, über den Kopf gestülpt wird. Für einen kurzen Moment hat das Tier sicherlich Angst, wenn dies geschieht. Die Situation ist ungewohnt und erschreckend, aber das Gas wirkt sehr schnell. Binnen weniger Sekunden ist der Vogel narkotisiert und erlebt die Situation somit nicht mehr als bedrohlich. Schmerzhaft ist das Aufsetzen der Maske für einen Vogel normalerweise nicht, sofern er keine Verletzungen im Bereich des Kopfes oder Halses aufweist.

Der Vogel liegt auf einer sterilen Unterlage und kann vom Arzt untersucht oder operiert werden, sobald die Narkose wirkt. Das Foto unter diesen Zeilen zeigt eine narkotisierte Amazone, die einen kleinen "Narkosehelm" trägt. Der Vogel befand sich auf einem Operationstisch und wurde kurze Zeit später mit einem Endoskop untersucht, das durch einen kleinen Schnitt im Bereich des Bauches in den Körper eingeführt worden ist.

Narkotisierte Amazone

Wird ein Vogel operiert, muss er einige Minuten narkotisiert bleiben, meist bis zu einer halben Stunde. Weil das Narkosegas den Körper innerlich mit der Zeit auskühlen lässt, werden die Tiere bei Eingriffen, die länger als wenige Minuten dauern, mit einem Hilfsmittel wie einer kleinen Heizdecke gewärmt. So vermeiden Tierärzte einen Kreislaufschock durch Unterkühlung. Außerdem ist das Narkosegas so beschaffen, dass es die Schleimhäute des Atmungssystems nicht austrocknen lässt.

Sobald die Narkose beendet werden kann, entfernt der Tierarzt die Maske vom Kopf des Vogels, dieser wacht in aller Regel innerhalb kurzer Zeit auf. Die oben gezeigte Amazone begann nach etwa 15 Sekunden schon damit, mit den Augen zu blinzeln, nach gut zwei Minuten konnte sogar schon wieder einigermaßen stehen. Wie schnell die Benommenheit nach einer Narkose verschwindet, hängt davon ab, ob ein Vogel operiert worden ist, wie viel Blut er verloren hat und wie seine körperliche Grundverfassung ist. Es kann im Extremfall durchaus Stunden dauern, bis ein Vogel nach einer Narkose wieder alle Sinne beisammen hat.

Spezialfall Kopfoperation
Muss ein Vogel im Bereich des Kopfes operiert werden, können Tierärzte eine abweichende Art der Verabreichung einer Inhalationsnarkose wählen. Weil der Kopf frei zugänglich sein muss, kann keine Maske zum Einsatz kommen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, eine anatomische Besonderheit der Vögel auszunutzen: Sie verfügen über ein komplexes Atmungssystem, das neben der Lunge die sogenannten Luftsäcke umfasst. Diese liegen dicht unter der Haut, weshalb ein kleiner Schnitt an der richtigen Stelle am Rücken gesetzt werden kann, um einen Luftsack zu erreichen. Durch diesen winzigen Schnitt wird ein Röhrchen eingeführt, über das das Narkosegas in das Atmungssystem der Vögel gebracht wird. Der Tierarzt hat so die Möglichkeit, eine Operation im Bereich des Kopfes durchzuführen, ohne von einer Maske behindert zu werden. Der kleine Einschnitt am Rücken heilt normalerweise schnell und komplikationslos und muss nicht genäht werden.

Narkose beim Röntgen?
Viele Tierärzte narkotisieren Vögel, um diese in Ruhe röntgen zu können. Diese Praxis ist nicht zeitgemäß, denn Vögel können ohne Narkose geröntgt werden. Erfahrene Vogel-Fachtierärzte sind hierzu normalerweise problemlos in der Lage. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen müssen sie einen Vogel für das Anfertigen einer Röntgenaufnahme narkotisieren.

Teilt Ihnen Ihr Tierarzt mit, Ihr Vogel müsse unter Narkose geröntgt werden, dann fragen Sie gezielt nach, warum die Narkose erforderlich ist. Gibt der Arzt die Begründung, dass ein Röntgen ohne Narkose nicht möglich sei, so sollten Sie ablehnen und schnellstmöglich einen Vogel-Fachtierarzt aufsuchen, denn Ihr bisheriger Tierarzt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit kein solcher Spezialist.

Narkose beim Einschläfern
Eine Besonderheit stellt die Narkotisierung beim Einschläfern dar. Das Gift, mit dem ein todkranker Vogel eingeschläfert wird, muss meist direkt ins Herz injiziert werden. Es sorgt zwar rasch für einen Herzstillstand, aber es ist davon auszugehen, dass die wenigen Sekunden, die zwischen dem Einstich und dem Tod liegen, für einen Vogel sehr qualvoll und schmerzhaft sind. Um den Tieren diese letzten Qualen vor dem Tod zu ersparen, sollten sie zuvor narkotisiert werden. Hierfür verwenden Tierärzte normalerweise eine Injektionsnarkose, also eine Spritze. Erst wenn der Vogel im Narkoseschlaf liegt, wird er eingeschläfert. Viele Vögel sind so schwach, dass sie keine Giftinjektion mehr benötigen und bereits durch das per Spritze verabreichte Narkosemittel sterben. Die kreislaufschonendere Inhalationsnarkose wird in diesem Fall nicht verwendet, da es ohnehin das Ziel ist, das Tier fachgerecht und ohne Qualen zu töten.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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