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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Für einen Vogelhalter ist es oft nicht leicht, einen kranken Vogel zu erkennen. Auch fragen sich viele Tierbesitzer, ob ihre Vögel möglicherweise unter Schmerzen leiden. Da man Vögel nicht danach fragen kann, ob ein Körperteil schmerzt, bleibt nur die Möglichkeit, die Tiere aufmerksam zu beobachten. Denn Vögel, die unter Schmerzen leiden, zeigen häufig typische Verhaltensweisen und Körperhaltungen. Diese zu erkennen, bedarf ein wenig Übung, aber es ist dennoch leicht zu erlernen, wenn man sich intensiv mit seinen Tieren beschäftigt.
Schonung und Ausruhen aufgrund von Schmerzen
Leidet ein Vogel unter Schmerzen, verhält er sich meist ruhig und ruht sich häufig aus. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen Schmerzen in den Extremitäten wie den Flügeln oder den Beinen sowie zwischen allgemeinen Schmerzen innerhalb des Körpers. Tut beispielsweise ein Bein weh, nimmt das Tier die Extremität in die Schonstellung und belastet das Bein nicht. Der Fuß wird ins Gefieder gezogen und beim Gehen und Klettern humpelt das Tier. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen Katharinasittich, dessen rechter Fuß aufgrund einer Verletzung geschmerzt. Das Tier hat das Bein deshalb ins Gefieder gezogen. Häufig legen sich Vögel auf den Bauch, wenn beide Beine oder Füße schmerzen. So können sie ihr Körpergewicht anders verlagern, eine andere Möglichkeit als das Hinlegen bleibt ihnen nicht. Beim Fliegen ist einem Tier, das Schmerzen in den Beinen empfindet, meist nichts anzumerken, aber bei der Landung ist ein deutliches Straucheln und Hinken zu beobachten.
Schmerzende Flügel oder Schultern äußern sich dadurch, dass die betroffene Extremität meist nicht in der normalen Position am Körper gehalten wird. Häufig hängen schmerzende Flügel leicht herab, außerdem meiden die Tiere das Fliegen. Müssen sie dennoch fliegen, dann sind mitunter ächzende Geräusche zu vernehmen, es handelt sich um Schmerzenslaute, also im übertragenen Sinne so etwas wie das "Aua" beim Menschen. Insgesamt bewegen sich Vögel, deren Flügel schmerzen, recht wenig. Auch klettern sie selten, denn hierbei nutzen die Tiere ihre Flügel oft zum Halten der Balance, was ihnen in ihrer misslichen Lage nur noch mehr Schmerzen bereiten würde.
Bei Schmerzen innerhalb des Körpers ist der Vogel insgesamt sehr ruhig, meidet unnötige Bewegungen und schläft viel. Zwar kann er normalerweise problemlos klettern, gehen und fliegen, umgeht diese Anstrengungen aber dennoch so weit wie möglich. Der unter diesen Zeilen abgebildete Vogel leidet an einer Nierenerkrankung, die die Organe anschwellen lässt. Dadurch wird ein Nerv eingeklemmt und das rechte Bein schmerzt, weshalb es in einer Schonhaltung nach oben gezogen wird.
Struppig aufgeplustertes Gefieder
Fühlt sich ein gesunder Vogel wohl und plustert er sein Gefieder auf, ist die Silhouette normalerweise rund. Bei kranken Vögeln oder bei Tieren, die unter starken Schmerzen leiden, ist das Gefieder ebenfalls häufig aufgeplustert, allerdings weist die Silhouette typische Ecken und Kanten auf. Oft wird vor allem der Bereich des Rückens sehr stark aufgeplustert, siehe Foto rechts. Das auf der Abbildung gezeigte Tier litt unter starken Schmerzen in den Füßen und hatte sich zur Schonung der Beine auf den Bauch gelegt. Weitere Details über ein "unrund" aufgeplustertes Gefieder als Anzeichen für massives Unwohlsein bietet das Kapitel "kranke Vögel erkennen".
Die Stellung der Augenlider
Wer Schmerzen hat, kneift mitunter unwillkürlich die Augenlider in typischer Weise zusammen. Das hat vermutlich jeder Mensch schon einmal selbst getan oder bei einem anderen Menschen gesehen. Es mag erstaunen, aber sogar einige Tiere zeigen ein ähnliches Verhalten. Bei Wellensittichen und anderen Vögeln kann man in vielen Fällen anhand der Lidstellung erkennen, ob das jeweilige Tier Schmerzen hat oder nicht. Ist ein gesunder Vogel entspannt und schließt er beim Ausruhen die Augenlider, dann bedecken das Ober- und Unterlid normalerweise
in etwa zu gleichen Teilen das Auge. Sie berühren sich circa in der Mitte und wirken locker und nicht angespannt. Viele Vögel, die unter Schmerzen leiden, ziehen das Unterlid sehr weit hoch, wenn sie das Auge schließen. Auch bei geöffnetem Auge ziehen sie mitunter das Unterlid hoch, es schiebt sich teilweise über das Auge und ist dabei ein wenig faltig (siehe Foto oben). Generell wird die "verkniffene" Augenlidstellung mitunter auch von gesunden Vögeln vorübergehend eingenommen. Das heißt nicht, dass sie Schmerzen haben. Erst dann, wenn die spezielle Augenlidstellung über einen längeren Zeitraum (mindestens mehrere Minuten) und häufiger zu beobachten ist, besteht Grund zu der Annahe, dass ein Vogel unter Schmerzen leidet.
Bei Vögeln mit sehr üppigem Kopfgefieder ist die Stellung der Augenlider in den meisten Fällen nur schwer zu erkennen, deshalb ist sehr genaues Hinschauen gefragt.
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Wellensittich mit typischer
Schmerz-Augenlidstellung |
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Wellensittich mit normaler Augenlidstellung
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