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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Zu langer OberschnabelHin und wieder haben Vögel zu lange Krallen oder ihr Schnabel gerät außer Form. Dieses übermäßig starke Wachstum ist allerdings nicht der Normalfall und tritt demnach keinesfalls bei jedem Vogel in Erscheinung. Manche Vögel sind ein Leben lang nicht davon betroffen, andere vergleichsweise häufig. Wenn ein- bis zweimal im Jahr der Schnabel und die Krallen gekürzt werden müssen, besteht nicht unbedingt Grund zur Sorge. Doch der Gesundheitszustand des Vogels sollte im Auge behalten werden und nicht einfach nur ein Wetzstein angeboten werden.

Warum es so wichtig ist, auf die Gesundheit zu achten, lässt sich leicht anhand von Vögeln erklären, bei denen das Kürzen von Krallen und/oder Schnabel häufiger fällig ist: Vor allem bei Wellensittichen, aber auch bei einigen anderen Ziervogelarten steckt oft eine organische Erkrankung wie ein Leberproblem hinter dem verstärkten Wachstum des Schnabels und der Krallen. Es ist also keineswegs so, dass die Tiere ihre Krallen und den Schnabel zu wenig abwetzen. Kein gesunder Wellensittich muss seinen Schnabel regelmäßig wetzen, damit er nicht zu lang wird. Nur wenn etwas Grundlegendes nicht stimmt, kommt es zu dem verstärkten Wachstum. Vogelhalter sollten deshalb gemeinsam mit einem vogelkundigen Tierarzt die eigentliche Ursache des vermehrten Schnabel- und/oder Krallenwachstums abklären und nicht nur die Symptome kosmetisch behandeln, indem wieder und wieder der Schnabel und/oder die Krallen gekürzt werden.

Es ist aber nicht so, dass immer zwangsläufig ein Leberproblem hinter verstärktem Schnabel- und Krallenwachstum steckt. Auch ein Befall mit Grabmilben kann zu einem vermehrten und vor allem schiefen Schnabelwachstum führen. Hier muss unbedingt gegen die Milben vorgegangen werden. Bei Wellensittichen kann außerdem die Viruserkrankung PBFD hinter einem vermehrten oder gestörten Krallen- und Schnabelwuchs stecken. Die Fülle möglicher Auslöser zeigt, wie wichtig eine exakte Diagnosestellung durch einen erfahrenen Tierarzt ist, um das Problem "übermäßiges Wachstum von Krallen und Schnabel" dauerhaft in den Griff zu bekommen.

Neben der Behandlung der Ursache ist aber auch das Kürzen von Krallen und Schnabel wichtig. Denn für einen betroffenen Vogel können sich ansonsten massive Probleme und Risiken ergeben. Ist der Schnabel zu lang, kann das Tier ab einem gewissen Punkt nur noch unter großen Schwierigkeiten selbstständig Nahrung zu sich nehmen. Im schlimmsten Fall könnte der Vogel sogar verhungern. Auch ist die Gefiederpflege mit einem zu lang gewordenen Schnabel oft nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

Zu lange Krallen sind häufig die Ursache für Zerrungen der Beine und Zehen. Denn sind die Krallen zu lang, bleiben die Tiere oft an Stoffschlaufen oder anderen Gegenständen hängen. Während sie versuchen, sich selbst zu befreien, zerren sie ihre empfindlichen Sehnen und Muskeln. Es kann in sehr gravierenden Fällen sogar vorkommen, dass Krallen ausgerissen werden und die Vögel an dem daraus entstehenden Blutverlust sterben.

Es ist somit wichtig, zu lange Krallen oder Schnäbel zu kürzen. Dabei ist aber Vorsicht geboten. Beide Körperpartien bestehen aus Hornsubstanz, die nur bis zu einem bestimmten Bereich schmerzunempfindlich und nicht durchblutet ist, weshalb Laien niemals selbst Hand anlegen sollten. Lediglich sehr erfahrene Tierhalter können es sich zutrauen, die Krallen und auch den Schnabel zumindest ein kleines Stück weit zu kürzen, allerdings im Idealfall erst dann, wenn sie sich das Vorgehen von einem fachkundigen Tierarzt zuvor zeigen lassen haben und stets ein wirksamer Blutstiller bereitliegt, während die Korrekturmaßnahmen vorgenommen werden.

Achtung: Man darf sowohl am Schnabel als auch an den Krallen niemals zu viel Horn abschneiden. Die Hornsubstanz ist im Bereich des Schnabels und auch innerhalb der Krallen von feinen, vom Laien mitunter kaum bis gar nicht erkennbaren Blutgefäßen durchzogen ist. Werden diese Blutbahnen verletzt, kann der daraus entstehende Blutverlust im Einzelfall so gravierend sein, dass er zum Tod des Vogels führt. Hinzu kommt, dass der Schnabel auf einem knöchernen Kern sitzt, der sehr schmerzempfindlich ist, sofern er verletzt wird.

Krallen kürzen
Wellensittich mit dunklen KrallenDie in den Krallen verlaufenden Blutgefäße kann man bei vielen Vogelarten normalerweise einigermaßen gut erkennen, wenn man sie gegen helles Licht betrachtet. Hat ein Vogel jedoch sehr dunkle Krallen, ist es erheblich schwieriger und man sollte lieber weniger abschneiden, als versehentlich ein Blutgefäß zu verletzen, siehe Abbildung in diesem Absatz, der Vogel hat extrem dunkle, fast schwarze Krallen.

Doch wann ist das Kürzen überhaupt erforderlich? Beim Einschätzen dieses Sachverhalts ist ein gutes Augenmaß vonnöten. In diesem Kapitel finden Sie einige Fotos, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung behilflich sein sollen. Die folgenden Abbildungen zeigen Krallen von Wellensittichen, deren Länge genau richtig ist. Hier ist kein Kürzen erforderlich:

Krallen in der richtigen Länge    Krallen in der richtigen Länge    Krallen in der richtigen Länge

Auf den folgenden Abbildungen sind Krallen zu sehen, die zu lang sind. Das kleine Foto unten rechts zeigt eine Kralle, die sogar so lang ist, dass sie schräg gewachsen ist, wodurch sie sich über den benachbarten Zeh gelegt hat:

Zu lange Krallen    Zu lange Krallen

Blutende KralleZum Kürzen der Krallen kleiner Vögel, darunter Wellensittiche, eignet sich meist ein handelsüblicher Nagelknipser recht gut. Die Krallen können jedoch splittern, so dass man stets eine Nagelfeile parat haben sollte, um eventuelle Unebenheiten sofort behandeln zu können. Auch ein blutstillendes Mittel sollte griffbereit liegen, da man sich nie sicher sein kann, ob man nicht eventuell doch versehentlich ein Blutgefäß trifft oder eines durch das Absplittern von Krallenhorn beschädigt wird.

Normalerweise fügt man einem Vogel beim Schneiden der vorderen Bereiche der Krallen keine Schmerzen zu. Es ist mit dem Kürzen der Fingernägel bei uns Menschen zu vergleichen. Aber: Nur wer seinen Vogel sicher mit der Hand fixieren kann, sollte selbst die Krallen seines Tieres schneiden. Ihr Tierarzt wird Ihnen gern behilflich sein und die "Pediküre" gegen ein paar Euro Gebühr durchführen, falls Sie nicht dazu in der Lage sind, Ihren Vogel sicher festzuhalten oder falls Ihre Hände vor lauter Aufregung zu sehr zittern. Sollten Sie sich der Aufgabe gewachsen fühlen, den Vogel sicher halten zu können und zudem eine ruhige Hand haben, beachten Sie bitte die folgenden Hinweise zur Schnittführung beim Kürzen der Krallen:

Schema zum richtigen Krallenschneiden

Den Schnabel eines Vogels kürzen
Deutlich zu langer OberschnabelEin ausgesprochen heikles Thema für den Laien ist das Kürzen des Schnabels, weil die meisten Ziervögel ständig zubeißen und man sie im Kopfbereich nur schwer fixieren kann. Sogar manche Tierärzte haben mitunter Schwierigkeiten, wenn sie einem Vogel den Schnabel kürzen möchten. Problematisch ist es, wenn man zu viel Schnabelhorn abschneidet und den knöchernen inneren Bereich des Schnabels verletzt. Die sofort einsetzende Blutung kann so schwer sein, dass die verletzten Blutgefäße mittels großer Hitze verödet werden müssen, um das Tier vor dem Verbluten zu bewahren. Darüber hinaus kann es beim Kürzen des Schnabels zu schweren Verletzungen der Zunge kommen, wenn man mit dem Nagelknipser oder der Zange verrutscht.

Sherlock mit blutigem OberschnabelAuf dem Foto in diesem Absatz erkennt man deutlich den sehr kurz geschnittenen Oberschnabel eines Wellensittichs. Hier wurde versehentlich zu stark gekürzt, was leider sehr schnell geschehen kann. Der Sittich begann zu bluten, aber der Tierarzt, dem das Missgeschick unterlaufen war, stoppte die Blutung rasch. Es war glücklicherweise nicht nötig, dass die Wunde mit einem Thermokauter, also vereinfacht gesprochen mit einem "medizinischen Lötkolben", verödet werden musste. Achtung: Manche Vögel mit einer solchen Schnabelverletzung beginnen erneut zu bluten, wenn sie Futter zu sich nehmen. Sollte dies der Fall sein und sollte die Wunde wieder und wieder zu bluten beginnen, ist es ratsam, sie von einem Tierarzt noch einmal gründlich versorgen zu lassen.

Doch davon einmal abgesehen, dass das Kürzen des Schnabels mit großen Gefahren verbunden sein kann, muss der Halter erst einmal in der Lage dazu sein, einen zu langen Schnabel überhaupt zu erkennen. Nur dann können weitere Schritte eingeleitet werden, darunter der Gang zum Tierarzt, um die Schnabellänge korrigieren zu lassen.

Wann ist der Schnabel zu lang?
Extrem langer OberschnabelFür den Laien ist es oft nicht leicht zu erkennen, wann ein Schnabel zu lang ist und gekürzt werden muss. Leider ist zudem der Irrtum verbreitet, das Kürzen des Schnabels sei eine Pflegemaßnahme, die bei jedem Vogel regelmäßig durchgeführt werden muss. Dem ist nicht so, der Schnabel muss nur dann geschnitten werden, wenn er tatsächlich zu lang ist. Eine grobe Faustregel zum Erkennen eines zu langen Oberschnabels ist dies: Wenn der Schnabel von seiner Wurzel bis zur Spitze mehr als doppelt so lang ist wie die Höhe der Nase (Wachshaut), beginnt er bei den meisten Vögeln zu lang zu werden und man sollte sicherheitshalber einen Tierarzt kontaktieren. Einige Vögel haben übrigens von Natur aus recht kurze Oberschnäbel. Die Grafiken weiter unten verdeutlichen die Faustregel.

Schnäbel mit normaler Länge
Schnäbel mit normaler Länge

Zu lange Schnäbel
Zu lange Schnäbel

→ Weitere Fotos zu langer Schnäbel

Dremel zum Kürzen des Schnabels verwenden?
In manchen Internet-Foren wird empfohlen, den Schnabel mit einem Dremel zu kürzen. Hiervon ist Laien unbedingt abzuraten! Die Gefahr, mit dem Dremel zu verrutschen und die Zunge zu verletzen oder zu viel Schnabelhorn zu kürzen und den Knochenkern zu beschädigen, ist zu groß! Außerdem sind beim Kürzen des Schnabels die Augen des Vogels in Gefahr, denn ein leichtes Abrutschen kann verheerende Folgen haben, wenn ein Auge dabei verletzt wird. Aus all diesen Gründen sollte ein erfahrener Tierarzt das Kürzen des Schnabels vornehmen, auch wenn dies mit Kosten verbunden ist.

Vorsicht bei Grabmilbenbefall!
Tödlicher Schnabelbruch durch GrabmilbenbefallNiemals sollte bei einem Befall mit Grabmilben der Schnabel eines Vogels in Eigenregie gekürzt werden! Das Schnabelhorn ist in einem solchen Fall häufig porös und kann unter dem Druck der Zange oder des Nagelknipsers großflächig zerbrechen beziehungsweise splittern. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen Wellensittich, dessen Schnabel von Milben stark durchlöchert und deformiert war. Bei dem Versuch, den viel zu langen und schief gewachsenen Schnabel zu kürzen, hat sein Besitzer den Oberschnabel zu weiten Teilen abgerissen, es ist nur noch der knöcherne Kern übrig geblieben, der obendrein verletzt worden ist. Der Vogel hat dabei sehr wahrscheinlich extrem starke Schmerzen erlitten. Das Wellensittich-Weibchen war anschließend nicht mehr dazu in der Lage, eigenständig Nahrung zu sich zu nehmen. Um das Leben des Vogels zu retten, wurde das Tier in die Hände einer erfahrenen Vogelpflegerin gegeben. Doch diese konnte das Weibchen trotz all ihrer Bemühungen nicht retten, der Wellensittich starb aufgrund der schweren Schnabelverletzung.

 
 
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