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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Zwar wünscht sich jeder Vogelhalter, seine Tiere mögen immer gesund und munter
sein. Trotzdem kann es geschehen, dass ein Vogel erkrankt. Dann ist es wichtig, dass er
von einem möglichst erfahrenen Tierarzt untersucht wird. In einem solchen Fall drängt sich natürlich
sofort die Frage auf, welche Untersuchungsmöglichkeiten einem Tierarzt bei einem so
kleinen Geschöpf wie einem Vogel überhaupt zur Verfügung stehen. In diesem
Kapitel finden Sie kurze Beschreibungen der gängigen Untersuchungsmethoden, die fachkundige Tierärzte normalerweise beherrschen.
Genaues Betrachten
Ein guter Tierarzt wird einen erkrankten Vogel erst einmal beobachten. Wie bewegt sich der Vogel
im Käfig? Befindet er sich auf der Stange oder auf dem Boden? Hält er sich mit
dem Schnabel am Gitter fest? Wippt er beim Atmen mit dem Schwanz? Hat er die Augen
geschlossen? Ist sein Gefieder stark aufgeplustert? - Diese und viele weitere Aspekte sollte
ein Tierarzt bei einer ersten Beurteilung des Gesundheitszustandes eines Vogels klären,
indem er das Tier im Käfig aufmerksam betrachtet. Manche Tierärzte stellen dem
Patientenbesitzer darüber hinaus gleichzeitig gezielte Fragen über den Vogel, was
immer gut ist.
Abtasten
Um eine innere Erkrankung erkennen zu können, also beispielsweise einen durch eine
Entzündung geschwollenen Kropf oder
eine aufgrund einer Infektion vergrößerte
Niere, ist es wichtig, den Vogel mit den Händen abzutasten. Hierfür muss der
Vogel eingefangen und mit dem Fixiergriff ruhig gestellt werden.
Bei der Untersuchung besonders bissiger Vögel ziehen manche Tierärzte beim Einfangen
Handschuhe an, was ihnen keineswegs zu verübeln ist, denn vor allem Papageienvögel können
übel zubeißen! Bei der Tastuntersuchung selbst sollte der Tierarzt den Handschuh aber wieder abstreifen, um mehr Feingefühl in den Fingern zu haben. Wird die Tastuntersuchung ordnungsgemäß durchgeführt, verursacht sie in aller Regel keine Schmerzen. Es sei denn, der Arzt ertastet eine schwere Verletzung. Dies kann kurzfristig schmerzhaft für den betroffenen Vogel sein.
Achtung:
Viele Vögel schreien unablässig, wenn sie vom Tierarzt
untersucht und in der Hand gehalten werden. Dies ist in aller Regel ein reines
Protestgeschrei, der Arzt fügt ihnen nur in seltenen Fällen bei der Untersuchung Schmerzen zu, so dass kein
Grund zur übermäßigen Sorge besteht.
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Abhören
Mit einem Stethoskop, also dem Instrument, das vielen Ärzten um den Hals baumelt
und dessen beide obere Enden sie sich in die Ohren stecken, können Tierärzte
Vögel abhören. Sie können mit Hilfe eines Stethoskops unter anderem die
Herztöne kontrollieren oder nach Atemgeräuschen lauschen, die zum Beispiel mit
Erkältungskrankheiten einhergehen.
Die Abbildung rechts zeigt diesen Vorgang, bei dem ein schwer krankes Wellensittich-Männchen auf Atemgeräusche untersucht wurde. Das Abhören ist für einen Vogel normalerweise nicht schmerzhaft.
Temperatur messen
In seltenen Fällen ist es erforderlich, die Temperatur eines Vogels zu messen.
Hierfür verwenden Tierärzte ein Fieberthermometer, das sie dem zu untersuchenden
Vogel in die Kloake, also die hintere Körperöffnung,
einführen. Hierbei erleiden die Tiere normalerweise keine Schmerzen.
Überprüfung des Geruchs
Manche Vogelkrankheiten gehen mit einer Veränderung des Geruchs der Tiere einher.
Zum Beispiel riechen Vögel, die an einer Trichomonadeninfektion leiden, oftmals leicht
fischig aus dem Schnabel. Wenn ein Tierarzt also seine Nase an einen Vogel hält, so ist
das kein Humbug, er kann anhand des Geruchs durchaus etwas über den Gesundheitszustand
des gefiederten Patienten herausfinden.
Test der Reflexe
Mitunter ist es notwendig, die Reflexe eines Vogels zu testen. Zu den wichtigsten Reflexen
gehört der sogenannte Greifreflex, den ein Tierarzt überprüft, indem
er den Vogel so in einer Hand platziert, dass dessen Füße in die Luft ragen.
Dann drückt er sanft einen Finger gegen einen Fuß und berührt dabei einen
speziellen Punkt, der genau mittig auf der Unterseite des Fußes liegt. Ist der Greifreflex intakt,
schließen sich die Zehen des Vogels sofort um den Finger des Arztes. Auch an den
Flügeln liegen Reflexpunkte, die der Tierarzt testen kann.
Die Bewegung der Pupillen gibt Aufschluss über eventuelle Schädigungen
des Gehirns oder des Sehnervs, die beispielsweise nach einem starken Zusammenstoß mit
einer Fensterscheibe auftreten können. Zwar können Vögel ihre Pupillen bewusst verengen oder erweitern, weshalb es sich nicht im eigentlichen Sinne um einen Pupillenreflex handelt, den ein Arzt überprüft. Wird aber mit einer Taschenlampe vom Tierarzt direkt ins Auge geleuchtet, sollte ein gesunder Vogel seine Pupille zusammenziehen, um nicht geblendet zu werden. Zeigt er diese Reaktion nicht, könnte eine Schädigung des Nervensystems vorliegen.
Abstriche
Bei verschiedenen Erkrankungen ist es sinnvoll, wenn der Tierarzt einen Abstrich nimmt.
Hauptsächlich werden Abstriche im Rachen, im Kropf oder im Bereich der Kloake
entnommen. Zum Entnehmen eines Abstrichs verwendet der Tierarzt einen Tupfer, also etwas,
das einem Wattestäbchen recht ähnlich ist. Die meisten Tupfer sind jedoch deutlich dünner als handelsübliche Wattestäbchen. Die Entnahme eines Abstrichs ist für den gefiederten Patienten unangenehm und je nach Körperregion und vorliegender Krankheit leider auch ein wenig schmerzhaft. Aber die Untersuchungsmethode ist derart wichtig, dass darauf nicht verzichtet werden kann.
Beim Rachenabstrich führt der Tierarzt den Tupfer in den Schnabel
ein und streicht mit der Watte über die Rachenschleimhaut des Vogels. Muss er einen
Kropfabstrich entnehmen, so muss er den Tupfer erheblich weiter durch
den Schnabel in den Körper einführen. Die Untersuchung des Kropfschleims kann lebensrettende Hinweise auf die Art
der vorliegenden Erkrankung geben. Um einen Kloakenabstrich zu entnehmen,
führt der Tierarzt die Watte des Tupfers in die hintere Körperöffnung des
Vogels ein und streicht sie über die Darmschleimhaut.
Sämtliche Arten von Schleimhautabstrichen können auf zweierlei Weise ausgewertet
werden: sofort in der Praxis oder von einem speziellen Labor. In der Praxis kann der
Tierarzt beispielsweise die beim Kropfabstrich gewonnene Probe unter einem
Mikroskop betrachten und auf diese Weise Krankheitserreger wie
Trichomonaden erkennen.
Meist ist es erforderlich, dass die mittels eines Abstrichs gewonnene Probe von einem Labor
untersucht werden muss. In der Fachsprache nennt sich dies eine mikrobiologische
Untersuchung. Damit ist gemeint, dass aus dem Probenmaterial auf einer
Nährlösung die Krankheitserreger herangezüchtet werden, um sie besser
erkennen zu können oder um auszutesten, auf welches Medikament sie besonders
empfindlich reagieren, damit man sie später möglichst wirkungsvoll behandeln kann.
Diese Art der Untersuchung in einem Labor, bei der die Wirksamkeit bestimmter Medikamente
ausgetestet wird, nennt man das Erstellen eines Antibiogramms.
Antibiogramme können auch aus Kotproben, siehe unten, erstellt werden! Mehr zu diesem
Thema siehe Kapitel "Abstriche und Antibiogramme".
Darüber hinaus gibt es noch eine sogenannte histologische Untersuchung.
Hierbei werden Gewebeproben untersucht. In manchen Fällen kann auch eine solche Überprüfung sinnvoll sein, vor allem in Kombination mit einer mikrobiologischen Untersuchung. Die Entnahme von Gewebeproben ist für das betroffene Tier meist unangenehm, manchmal sogar schmerzhaft. Aber wenn ein Arzt diesen Untersuchungsschritt für erforderlich hält, dann hat dies immer seine Gründe und die Probenentnahme ist für das Stellen einer sicheren Diagnose von großer Wichtigkeit.
Kotproben entnehmen
Um zum Beispiel bei Durchfallerkrankungen den Erregerstamm
nachweisen zu können oder einen Befall mit inneren Parasiten wie Spulwürmern zu erkennen, ist es oft sinnvoll, eine Kotprobe an ein Labor zu senden.
Hierfür müssen entweder vom Vogelhalter oder vom Tierarzt Kotproben vom
Käfigboden entnommen werden. Es ist wichtig, dass der Kot frisch ist und dass kein
Sand oder anderweitige Verunreinigungen an ihm haften.
Federuntersuchungen
Es mag rabiat erscheinen, aber gelegentlich ist es vonnöten, dass eine Federuntersuchung
von einem Labor durchgeführt wird, um beispielsweise Krankheiten wie
PBFD nachzuweisen. Federn, die ins Labor geschickt
werden müssen, sollten eine ausreichende Menge frischen Blutes enthalten. Deshalb
werden solche Federn vom Tierarzt gezogen, das heißt dem Vogel wird eine Feder ausgerissen
- für das Tier ist dies kein angenehmes Unterfangen, aber es ist manchmal
erforderlich.
Blutuntersuchung
Vögel verfügen nur über eine sehr geringe Blutmenge.
Daher ist eine Blutabnahme bei ihnen schwierig, aber sie ist keineswegs unmöglich und in vielen Fällen notwendig. Wenn ein Tierarzt behauptet, man könne Vögeln grundsätzlich kein Blut abnehmen, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen Vogel-Facharzt. Denn es stimmt einfach nicht, dass eine Blutentnahme gar nicht möglich ist. Zwar kann es in Einzelfällen sein, dass der Zustand eines Vogels es nicht zulässt, doch normalerweise kann ein erfahrener Vogel-Tierarzt einem Vogel für eine Untersuchung entnehmen.
Um einem Vogel Blut abzunehmen, verwendet der Tierarzt eine Spritze mit einer
spitzen Kanüle (Nadel), er geht also ganz ähnlich vor wie Humanmediziner, wenn
sie uns Menschen Blut abnehmen müssen. Typische Stellen für die Blutentnahme sind die Unterseite des Flügels und die Halsvene, siehe Foto rechts.
Zu bedenken ist in jedem Fall, dass die Prozedur für den Vogel anstrengend ist. Viele Tiere sind anschließend einige Zeit ein wenig desorientiert oder so geschwächt, dass sie sich nur schwer auf den Beinen halten können. Der Tierbesitzer sollte sich nicht zu sehr erschrecken, wenn sein Vogel einige Minuten auf dem Käfigboden kauert oder gar ein wenig taumelt. Der Organismus muss sich zunächst an den Blutverlust gewöhnen, meist geht es den Patienten nach einigen Minuten Ruhe wieder etwas besser. In einigen Fällen kann es aber leider geschehen, dass ein Vogel aufgrund der Blutentnahme stirbt. Dies kommt meist dann vor, wenn das Tier dermaßen schwer erkrankt ist, dass eine Heilung nur schwer möglich wäre.

Das Foto zeigt Erythrozyten (rote Blutkörperchen) eines Vogels
Röntgenuntersuchung
Unter anderem bei Verdacht auf Knochenbrüche
oder Tumoren ist das Anfertigen einer Röntgenaufnahme
sinnvoll. Je nachdem, wie die Praxis ausgestattet ist und wie geschickt der Tierarzt im Umgang
mit Vögeln ist, muss der gefiederte Patient hierfür mit einem Narkose- oder
Beruhigungsmittel ruhig gestellt werden. Manchen Ärzten gelingt das Röntgen eines
Vogels ohne jede vorherige Behandlung mit einem Medikament sowie ohne Betäubung. Dies ist unbedingt vorzuziehen! Röntgenuntersuchungen
sind für Vögel durchaus mit ein wenig Stress verbunden. Aber wenn ein
Tierarzt diese Untersuchungsmethode vorschlägt, so hat dies sicher seine Richtigkeit und
er wird es sich sehr gut überlegt haben, denn kein Arzt röntgt einen Patienten
ohne Grund.
Das Röntgenbild rechts zeigt einen Wellensittich, der übergewichtig ist, dessen Leber geschwollen ist und bei dem die Luftsäcke verdichtet sind.
Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum von .
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