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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Vögel, die in menschlicher Obhut leben, sollten von ihrem Halter optimal versorgt werden. Das heißt, sie sollten nicht nur die bestmögliche Nahrung erhalten, sondern auch Gesundheitsaspekte sollten nicht vernachlässigt werden. Dazu gehört die Vorsorge, um dem Entstehen von Erkrankungen vorzubeugen. In den Themenbereich der Vorsorge fallen einige Maßnahmen, die in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Hygiene ist das A und O
Je sauberer das Umfeld eines Vogels ist, desto weniger Krankheitserregern ist er ausgesetzt. Deshalb sollten der Käfig oder die Voliere, das Spielzeug und das Fütterungszubehör stets sauber gehalten werden. Kot, der Futter und Trinkwasser verunreinigt oder an den Näpfen haftet, ist eine typische Übertragungsquelle für eine Reihe von Erkrankungen. Am besten ist es, Metallnäpfe zu verwenden und gleich mehrere Sätze zu kaufen. Nach dem Gebrauch, also nach einem Tag, sollten die Näpfe mit sehr heißem Wasser gründlich gewaschen werden. Dann sollten sie mindestens 24, besser 48 Stunden komplett durchtrocknen. In dieser Zeit kommen dann die anderen Napfsätze zum Einsatz. Dieses auf den ersten Blick umständlich erscheinende System ist für die Vögel sinnvoll, denn so lässt sich die Ausbreitung einer Reihe von Krankheitserregern vorbeugen, darunter beispielsweise Trichomonaden.

Auch Sand und Einstreu sollten regelmäßig gewechselt werden. Dies gilt auch für in einem Napf zum Fressen angebotenen Sand und Grit (Verdauungssteinchen). Durch Feuchtigkeit und den Kontakt mit dem Schnabel der Vögel können sich im Sand oder Grit Bakterien ausbreiten, auch Schimmel kann sich dort einnisten. Für das bloße Auge ist dies meist unsichtbar. Alle vier Wochen, oder noch besser alle 14 Tage, sollte deshalb ein Wechsel des Grits und/oder Sandes stattfinden.

Küssen verboten
Viele Vogelhalter bekunden ihre Zuneigung zu ihren Tieren, indem sie ihnen einen Kuss auf den Bauch oder den Flügel drücken. Diese an sich zärtliche und schöne Geste kann für die Vögel jedoch sehr gefährlich werden, denn im menschlichen Speichel ist eine Reihe von Bakterien enthalten. Diese können bei Vögeln mit einem schwachen Immunsystem zu schweren Infektionen - mitunter sogar mit Todesfolge - führen.

Zudem sollte Vorsicht walten, wenn ein Halter unter einer Erkältungskrankheit leidet. Zwar werden diese Infektionen bei Menschen meist durch Viren übertragen, die Vögeln normalerweise nichts anhaben können. Doch es gibt auch bakterielle Erkrankungen des Atmungssystems der Menschen, die von Erregern verursacht werden, die auf Vögel übergehen können. Bei Husten, Schnupfen und Co. sollte deshalb ein Sicherheitsabstand zu Vögeln gehalten werden, um eine Ansteckung der Tiere zu vermeiden.

Andere Haustiere fernhalten
Eine der größten Gesundheitsgefahren für Ziervögel geht von anderen Haustieren aus. Hunde und Katzen mögen zwar an die gefiederten Mitbewohner gewöhnt sein, doch in bestimmten Situationen bricht plötzlich doch oft der Jagdinstinkt durch - nicht selten mit fatalen Folgen für den betroffenen Vogel. Bissverletzungen sind oft tödlich oder führen zu lebenslangen Behinderungen. Aber auch kleinste Wunden können es in sich haben. Im Speichel der Säugetiere sind krank machende Bakterien enthalten. Vor allem Katzenspeichel ist gefährlich, er enthält sogenannte Pasteurellen. Gelangt der Säugetierspeichel durch eine Verletzung in den Organismus eines Vogels, kann dies rasch zum Tod durch eine Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Wellensittichfuß nach HamsterbissVon kleinen Nagetieren wie Hamster oder Meerschweinchen gehen ebenfalls Gefahren aus. Einerseits können sie Vögel beißen, siehe Foto rechts. Auf diese Weise können sie nicht nur Speichel übertragen, sondern auch zur Entstehung von Behinderungen beitragen - etwa wenn ein Stück eines Vogelfußes abgebissen wird. Andererseits enthält ihr Speichel Bakterien, die für Vögel problematisch werden können. Weil viele Ziervögel gern am Futter von Nagetieren naschen, kann darüber eine Übertragung von Krankheitserregern stattfinden. Deshalb sollte man kleine Heimtiere und Ziervögel grundsätzlich trennen und nicht am selben Futterplatz fressen lassen.

Entwurmung von Tieren aus Außenvolieren
Ziervögel, die in einer Außenvoliere gehalten werden, können sich bei Kontakt mit dem Kot von Wildvögeln leicht mit Spulwürmern infizieren. Diese inneren Parasiten können zu schweren gesundheitlichen Komplikationen bis hin zum tödlichen Darmverschluss führen. Deshalb ist es sinnvoll, den Kot der Vögel aus Außenvolieren mindestens zweimal im Jahr von einem Tierarzt auf Spulwurmeier überprüfen zu lassen. Werden Eier nachgewiesen, sollten die Vögel unter Anleitung eines erfahrenen Tierarztes entwurmt werden.

Regelmäßig das Gewicht überprüfen
Bei einigen Vögeln kann es sinnvoll sein, sie regelmäßig zu wiegen. Es gibt Tiere, die unter einer chronischen Erkrankung der Verdauungsorgane leiden, darunter etwa das Going-Light-Syndrom. In Absprache mit dem Tierarzt sollte festgelegt werden, bei welchem Vogel eine regelmäßige Gewichtskontrolle sinnvoll ist. Wie man einen Vogel wiegt, wird im entsprechenden Kapitel erläutert.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Tierarzt
Eine Reihe von Ziervögeln tendiert dazu, bestimmte Erkrankungen zu entwickeln. So ist es beispielsweise bei vielen größeren Papageien, darunter Graupapageien, oft der Fall, dass sie an einer Aspergillose erkranken. Wellensittiche hingegen neigen zur Verfettung und zu Leberstörungen. Diese und weitere gesundheitliche Störungen sollten so früh wie möglich erkannt werden. Deshalb ist es ratsam, Vögel mindestens einmal im Jahr routinemäßig einem fachkundigen Tierarzt zur Kontrolluntersuchung vorzustellen.

Ältere Vögel sollten in kürzeren Abständen tierärztlich überprüft werden. So ist es beispielsweise bei Wellensittichen, die über zwölf Jahre alt sind, oft sinnvoll, sie alle halbe Jahre zur Vorsorgeuntersuchung zu bringen. Zwar bedeutet ein Tierarztbesuch immer auch ein wenig Stress für die Tiere, aber eine unentdeckte Erkrankung, die ungehindert voranschreiten kann, ist für ihren Organismus weitaus schlimmer.

Impfungen für Vögel?
Häufig stellen sich vor allem Neulinge in der Vogelhaltung die Frage, ob ihre Tiere regelmäßig geimpft werden müssen, wie es bei Hunden und Katzen der Fall ist. Die Frage lässt sich ganz einfach mit einem Nein beantworten. Für Vögel gibt es keine (vorgeschriebenen) Schutzimpfungen. Gegen bestimmte Erkrankungen, die vor allem Zuchtgeflügel betreffen, gibt es Impfseren. Diese sind in der Heimtierhaltung in Deutschland aber praktisch nicht im Einsatz.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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