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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Das Gefieder eines Vogels kann aufgrund unterschiedlicher Ursachen plötzlich in
einer veränderten Form wachsen oder nicht mehr nachwachsen. Zu den typischen bei Wellensittichen und anderen Vögeln auftretenden Gefiederveränderungen gehören:
Diese Gefiederstörungen entstehen infolge einer Reihe unterschiedlicher Erkrankungen. Eine genaue Ursachenklärung durch einen auf die Behandlung von
Vögeln spezialisierten Tierarzt ist unumgänglich, um dem betroffenen Vogel
gegebenenfalls mit Medikamenten helfen zu können.
In diesem Kapitel werden einige mögliche Ursachen für die einzelnen oben genannten
Gefiederstörungen aufgezeigt. Diese Erläuterungen sollen als ein Leitfaden für
die Ursachenforschung dienen und keinesfalls den Gang zum Tierarzt ersetzen!
Zu kurz nachwachsende Federn
Zu kurz nachwachsende Federn können bei einem Alt- oder Jungvogel gleichermaßen
auftreten. Dies geschieht beispielsweise dann, wenn der betroffene Vogel unter einem Nährstoffmangel leidet. Stehen dem Körper nicht ausreichend
viele Nährstoffe (Vitamine, Aminosäuren, Mineralstoffe und Spurenelemente) während
der Bildung neuer Federn zur Verfügung, wachsen oft verkürzte Federn nach. Eine
ausgewogene Ernährung und eine gezielte Therapie, bei der dem Vogel die fehlenden
Nährstoffe zugeführt werden, sorgen meist bei der folgenden Mauser für ein normales Federwachstum.
Manche Federn erscheinen zu kurz, weil sie in den silbrigen Hülsen stecken bleiben.
Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Stockmauser. Diese kann auch dann eintreten,
wenn der Vogel im Vorfeld lange Zeit schwer erkrankt war und sein
gesamter Organismus durch die Krankheit geschwächt wurde. Mit Hilfe einer artgerechten,
ausgewogenen Ernährung und hochwertigen Futterergänzungsmitteln wie Korvimin oder
AviConcept lässt sich der Zustand regulieren, so dass nach der folgenden
Mauser meist normale Federn nachwachsen.
Ferner sollte in Erwägung gezogen werden, dass es sich um eine Virusinfektion handeln könnte, die das Wachstum zu kurzer Federn
verursacht. In Frage kommen hierbei sowohl Polyomaviren
(Französische Mauser) als
auch Circoviren (PBFD). Beide Erkrankungen sind nicht
heilbar und erfordern unterschiedliche Maßnahmen, um dem Vogel das Leben mit der
Krankheit zu erleichtern.
Zu lang nachwachsende Federn (bei nestjungen und jungen Vögeln)
Küken und Nestlinge, bei denen die Federn unaufhörlich länger werden, nennt man Featherduster. Dass die Federn so extrem lang werden und ständig
weiter wachsen, entzieht dem Körper viel Energie, wodurch sich eine Schwächung des
Immunsystems ergibt und die betroffenen Tiere meist recht schnell sterben. Die Lebenserwartung
eines Featherdusters liegt bei maximal einem Jahr; die meisten betroffenen Wellensittiche
sterben im Alter von wenigen Wochen. Eine Heilung dieser Art der Gefiederstörung ist
nicht möglich. Weitere Informationen über Featherduster finden sich in einem
umfangreichen Erfahrungsbericht in der Birds-Online-Rubrik über gehandicapte Vögel
sowie im Kapitel innerhalb dieser Unterrubrik.
Zu lang nachwachsende Federn (bei erwachsenen Vögeln)
Sind Altvögel davon betroffen, dass die Federn plötzlich nach einer Mauser zu
lang nachwachsen, obwohl dies zuvor nie der Fall gewesen ist,
steckt oft eine Lebererkrankung hinter dieser Gefiederstörung.
In aller Regel ist diese Leberstörung gravierend, es handelt sich also nicht "nur" um
eine Fettleber, sondern meist um einen Tumor oder Ähnliches. Hierdurch wird das
Gefiederwachstum dahingehend gestört, dass die Federn erheblich zu lang nachwachsen
und sich zudem oft auch verfärben, siehe unten.
Das Foto oben rechts zeigt einen Wellensittich, bei dem während einer Mauser insbesondere die
Dunen, die normalerweise unter dem Deckgefieder versteckt liegen, zu lang nachwuchsen. Der
Vogel war zudem matt und schläfrig, außerdem verfärbte sich sein Gefieder
von Türkis-Blau nach Gelb. Ein Lebertumor wurde in diesem Fall als Ursache für
die Gefiederveränderung genannt.
Stumpfes Gefieder ohne Glanz
Wächst nach einer Mauser das Gefieder glanzlos und stumpf nach oder verändert es
sich ohne vorherigen Federausfall dahingehend, liegt meist ein Nährstoffmangel vor. Auch das Fehlen von Licht (Tageslicht, Sonneneinstrahlung) kann dazu
führen, dass das Gefieder seinen Glanz verliert. Viele lang andauernde, schwere Krankheiten lassen das
Federkleid ebenfalls stumpf werden.
Löchrige, ausgefranste Federn
Weisen einzelne Federn Löcher auf und wirken sie darüber hinaus stark ausgefranst,
stecken meist Parasiten hinter der Gefiederstörung. Bei Wellensittichen treten sie zwar
selten auf, aber Federlinge sind typische Verursacher löchriger Federn. Auch Federmilben können bei den Vögeln zu schweren Gefiederstörungen führen. Weitere Informationen
über diese im Gefieder infizierter Vögel lebenden Insekten finden Sie
in der Gesundheits-Unterrubrik über Parasitenbefall.
Geringe Federfestigkeit, brüchige Federn
Brechen die Federn leicht ab, sind sie aufgrund einer verringerten Festigkeit nicht
stabil genug, um bis zur nächsten Mauser zu halten. Meist steckt ein Mangel
an Nährstoffen hinter dieser Art der Gefiederstörung. Werden die Federn vom
Körper des Vogels gebildet, ohne dass die dafür notwendigen Nährstoffe in
ausreichender Menge vorliegen, wachsen oft sehr brüchige Federn nach.
In manchen Fällen äußern sich Virusinfektionen wie die Französische Mauser oder PBFD ebenfalls in brüchigen Federn. Es ist deshalb
dringend erforderlich, die Ursache für das Abbrechen der Federn durch einen erfahrenen
Tierarzt klären zu lassen.
Wichtig:
Wenn hin und wieder eine einzelne Feder abbricht, dann ist dies nicht
weiter Besorgnis erregend, weil dies zum normalen Verschleiß gehört. Auch können
durch einen Flugunfall, zum Beispiel eine unsanfte Landung, Federn abbrechen, was ebenfalls
normalerweise kein Grund zur Sorge ist. Durch einen Kampf zweier Wellensittiche können
ebenfalls Federn abbrechen, was in aller Regel nicht weiter schlimm ist. Alarmierend ist die Situation hingegen dann, wenn
mehrere Federn ohne äußere Gewalteinwirkung abbrechen oder wenn nach jeder
Mauser eine große Zahl der neuen Federn innerhalb kürzester Zeit abbricht.
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"Linien" und Streifen in den Federn
Zeigen sich in den nachwachsenden Federn während der Mauser Bereiche aus, die durchscheinend
und "dünn" wirken, könnte es sich um sogenannte Stresslinien oder Hungerlinien handeln. Diese entstehen,
wenn der Vogel während des Gefiederwachstums bzw. -wechsels hungert oder an einem Nährstoffmangel leidet. Solche Stresslinien sind meist parallel zueinander angeordnet und sie verlaufen
mitten über die Feder, also quer, siehe Foto unter diesen Zeilen.
Wichtig:
Ein ähnliches Muster entsteht in einer Feder,
wenn ein Vogel in diese hinein beißt. Der Schnabelabdruck hinterlässt dann
eine Fehlstelle in der Feder, die einer Stresslinie ähnelt.
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In sich verdrehte Federn
Wachsen bei einem Wellensittich die Federn nach der Mauser in sich verdreht, also verdrillt
nach, wird dies in nahezu allen Fällen durch eine ansteckende Virusinfektion
namens PBFD verursacht. Ein Tierarzt sollte mit Hilfe
eines Tests (einer Laboruntersuchung einer Feder- oder Blutprobe) klären lassen,
ob diese Erkrankung bei einem betroffenen Vogel vorliegt.
Farblich veränderte Federn
Hierbei muss man unterscheiden, wann die Farbveränderung auftritt und wie viele
Federn betroffen sind. Bei Jungvögeln, die ihre erste Mauser durchlaufen, kann es
zu mehr oder minder stark ausgeprägten Farbveränderungen kommen. Eine Umfärbung infolge der Jugendmauser ist bei einigen
ganz bestimmten Farbschlägen der Wellensittiche ganz normal. So erscheinen beispielsweise anfangs
zartgrau gefärbte Vögel, deren Köpfe hellgelb gefärbt waren, nach der
Mauser eher olivgrün und der Kopf ist leuchtend gelb gefärbt. Auch blaue Vögel
mit zartgelben Köpfen können nach der ersten Mauser völlig verändert
aussehen. Sie sind dann am Körper grün bis türkis gefärbt und die
Kopffedern sind leuchtend gelb. Man nennt den Farbschlag dieser Vögel Europäisches
Gelbgesicht Mutation II (EGG II). Eine Umfärbung ist hierbei genetisch bedingt und
wird nicht von einer Krankheit verursacht.
Verfärbt sich das Gefieder eines älteren Vogels, also eines Wellensittichs, der
älter als ein Jahr ist, dann steckt meist eine Krankheit hinter diesem Phänomen.
Vor allem bei afrikanischen Papageien, zum Beispiel bei Unzertrennlichen, kann es
infolge einer PBFD-Erkrankung zu einer partiellen Umfärbung kommen. Manchmal sind sogar nur vereinzelte Federn
betroffen.
Einige Vogelarten nehmen mit der Nahrung Farbstoffe auf, die sich im
Gefieder einlagern. Werden diese Farbstoffe nicht zugefüttert, ändert sich die
Farbe. Diese Art der Umfärbung ist beispielsweise bei roten Kanarienvögeln zu
beobachten. Wellensittiche nehmen keine Farbstoffe über das Futter zu sich und lagern
diese grundsätzlich nicht im Gefieder ein. Bei ihnen kann eine Umfärbung also nicht
mit einem Mangel an über das Futter zugeführten Farbstoffen liegen. Aber
eine generelle Mangelernährung, also ein Nährstoffmangel,
kann bei Wellensittichen durchaus zu einer leichten Farbveränderung führen.
Sehr häufig sind Lebererkrankungen für eine Umfärbung des Gefieders verantwortlich. Unter diesem Absatz sind einige
Fotos des Wellensittichs Pauli zu sehen, bei dem ein Lebertumor für eine auffällige
Umfärbung verantwortlich war. Sein Gefieder wuchs zudem struppig nach, die Dunen
waren viel zu lang, siehe oben.
Von links nach rechts: Pauli vor der Umfärbung mit türkis-blauem Gefieder,
Pauli während der Umfärbung und Pauli am Ende der Umfärbung mit gelbem Gefieder.
Bei Graupapageien kann es infolge einer Fehlernährung und aufgrund eines Leberproblems zu einer Verfärbung der Federn kommen, die von vielen Haltern nicht richtig gedeutet wird: Den Tieren wachsen in dem Bereich, der normalerweise graue Federn trägt, rote Federn. Bedauerlicherweise halten viele Tierhalter dies für eine "Laune der Natur" und finden die roten Federn oft sogar sehr hübsch. Doch was hübsch aussieht, ist leider bei Graupapageien oft ein Alarmsignal, das auf schwerwiegende Probleme mit den inneren Organen hinweisen kann. Das Foto rechts zeigt einen Graupapagei, dem rote Federn im Bereich des Bauches und der Brust gewachsen sind. Oft sind bei hiervon betroffenen Graupapageien auch Schnabel und Haut sehr schuppig, der Tierarzt nennt dies eine Hyperkeratose. Aufgrund eines Nährstoffmangels wird zu viel Hornsubstanz gebildet.
Darüber hinaus kann es bei Leberstörungen zu Verfärbungen der Federkiele und -fahnen kommen. Dies sind die inneren Bereiche der Federn, die normalerweise hell gefärbt und in vielen Fällen durchsichtig sind. Betrachtet man die Federn von unten, sind dunkle, farbliche Einlagerungen in Federkiel und/oder Federfahne zu sehen. Die Abbildung unter diesen Zeilen zeigt das Phänomen.

Dieses Foto ist Public Domain, 100% gemeinfrei und es darf kostenlos überall veröffentlicht werden
Kahle Stellen und nicht nachwachsende Federn
Das Gefieder eines gesunden Vogels sollte lückenlos und glatt sein. Verschiedene Ursachen
können jedoch dazu führen, dass sich kahle Stellen bilden, die mehr oder minder groß
sind. Ob Grund zur Sorge besteht oder nicht, hängt davon ab, wie groß die
unbefiederten Stellen sind und ob sich innerhalb einer gewissen Zeitspanne von allein wieder
neue Federn bilden.
Eine typische harmlose Ursache für kleine kahle Partien ist die Mauser, also der
natürliche Gefiederwechsel. Meist entstehen im Bereich des Kopfes vorübergehend
kleine unbefiederte Bereiche, wenn ein Vogel besonders stark mausert, siehe Foto rechts.
Die Abbildung zeigt einen Wellensittich, dessen kahle Hautpartien seitlich am Kopf bereits mit kurzen, noch in den
silbrigen Hülsen steckenden neuen Federn bedeckt sind. Normalerweise verschwinden diese
kahlen Stellen innerhalb weniger Tage oder maximal binnen drei Wochen wieder.
Gelegentlich streiten sich zwei Vögel so sehr, dass sie einander beißen. Hierbei
reißen sie sich zuweilen einige Federn aus, wodurch kahle Stellen entstehen können.
In aller Regel bilden sich innerhalb weniger Tage neue Federn. Leider entwickeln manche
Vögel aufgrund traumatischer Erfahrungen oder durch permanenten Stress eine schlechte und
ausgesprochen selbstzerstörerische Angewohnheit: Sie rupfen sich selbst die Federn aus.
Man spricht bei ihnen von sogenannten Federrupfern. Die kahlen Stellen bleiben
so lange nackt, bis der Vogel sich nicht mehr selbst die Federn ausreißt. Achtung, auch
stark juckende Hautveränderungen wie Ekzeme können dazu führen, dass sich Vögel selbst die Federn ausreißen, es muss
also nicht grundsätzlich eine psychische Störung hinter dieser Selbstverletzung
stecken.
Im Kopfbereich rund um den Schnabel und die Wachshaut, aber auch rund um die Augen sowie die
Kloake können
die Federn ausfallen und über längere Zeit ausbleiben, wenn ein schwerer Befall mit Räudemilben (Grabmilben) vorliegt. Die Milben schädigen die Haut und zerstören die Federwurzeln.
Wird ein massiver Räudemilbenbefall über lange Zeit unbehandelt belassen, kann es
zu einer dauerhaften Schädigung des Federwuchses im Gesicht oder rund um die Kloake
des Vogels kommen, so dass diese Körperpartien bei dem betroffenen Tier zeitlebens kahl bleiben.
Die Viruserkrankung PBFD stellt ebenfalls eine mögliche
Ursache für unbefiederte Stellen am Körper dar. Oft ist der Kopf betroffen, bei manchen
Vögeln nur das Gesicht und in anderen Fällen der gesamte Körper. Kaum eine
andere krankheitsbedingte Gefiederstörung ist so individuell verschieden in ihrer
Erscheinungsform wie PBFD, siehe Fallbeispiele bei
Altvögeln. Bei dauerhaft bleibenden kahlen Stellen am Körper, die von Mauser zu
Mauser größer werden und mit anderen Symptomen wie in sich verdrehten Federn oder mit Farbveränderungen einhergehen,
werden sehr wahrscheinlich von PBFD verursacht. Dies sollte unbedingt möglichst rasch
von einem vogelkundigen Tierarzt überprüft werden.
Auch die Französische
Mauser in extremer Form kann zu dauerhaft kahlen Körperpartien führen. Darüber
hinaus sind mitunter Hormonstörungen für großflächige
nackte Stellen verantwortlich. Hormonstörungen betreffen häufig das Gefieder im Brust-
und Bauchbereich, aber auch der Rest des Körpers kann hierdurch stellenweise oder ganz
kahl sein. Das Foto rechts zeigt ein Wellensittich-Weibchen, das aufgrund einer schweren
Hormonstörung unter Gefiederproblemen leidet.
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