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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Viele Menschen wissen, dass größere Papageienvögel aufgrund unterschiedlicher Ursachen dazu neigen, sich unter bestimmten Umständen selbst die Federn
auszurupfen. Früher glaubte man, das Thema Federrupfen würde nur Großpapageien und Kakadus betreffen, allerdings weiß man heute, dass kleinere Papageienvögel
wie Wellen- und Nymphensittiche ebenso hiervon betroffen sein können. Ist ihnen diese selbstzerstörerische Angewohnheit erst einmal in Fleisch und Blut übergegangen,
lassen sie sich nur schwer wieder davon abbringen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die eigentliche Ursache für das Verhalten nicht aufgedeckt wird.
Deshalb ist es wichtig, eine "Rupferkarriere" gleich zu Beginn zu erkennen und den Auslöser für die Selbstzerstörung zu suchen, um den Vogel beispielsweise durch Änderungen in den Haltungsbedingungen, der Nahrungszusammensetzung oder durch den Einsatz von Medikamenten vom Federrupfen abzubringen. Es ist nicht ratsam, das Federrupfen auf die leichte Schulter zu nehmen, denn es kann zu noch schlimmerer Selbstzerstörung führen, der sogenannten Automutilation. Hierbei beißen sich die betroffenen Vögel ihre Haut auf und können im schlimmsten Fall verbluten. Die schrecklichen Folgen des Federrupfens zeigt das ergreifende Gedicht von Marie Safarovic
(bitte hier klicken).
 Warum werden Vögel zu Federrupfern?
Einer der häufigsten Gründe, weshalb sich ein Vogel selbst die Federn ausrupft, ist Stress. Dieser Begriff ist allerdings sehr weitläufig und bedarf einer näheren Erläuterung. In diesem Kapitel finden Sie Informationen über einige typische psychische Stressfaktoren, die bei Wellensittichen und anderen Vögeln zum Federrupfen führen können.
Allerdings kann das Ausrupfen der eigenen Federn ebenso durch eine organische Ursache bedingt sein, also beispielsweise durch eine Lebererkrankung.
Federrupfer erkennen
Viele Vogelhalter glauben zunächst nicht, dass ihr Tier ein Federrupfer sein könnte, wenn sie Lücken in seinem Gefieder entdecken. Nur selten gelingt es anfangs, Federrupfer auf frischer Tat zu ertappen, zumal die Vögel ihre Federn zu Beginn ihrer "Rupferkarriere" meist nur vereinzelt und quasi nebenbei während der täglichen Gefiederpflege ausreißen. Wer wird schon misstrauisch, wenn bei der ausgiebigen Pflege des Gefieders plötzlich ein, zwei Federn rieseln? Das ist beispielsweise bei Wellensittichen durchaus normal, denn sie verlieren auch zwischen den Mauserzeiten gelegentlich die eine oder andere Feder.
Bei Federrupfern häuft sich dieser vermeintlich normale Federausfall jedoch, bis sich mit der Zeit kahle Stellen entwickeln.
Einige Vögel rupfen nur eng begrenzte Bereiche ihres Körpers und sind dadurch nicht auf den ersten Blick als Federrupfer zu erkennen. Häufig werden die Federn an den Flanken ausgerupft. Liegen die Flügel darüber, kann man nicht sehen, dass sich der Vogel seine Federn ausgerissen hat. Der rechts gezeigte Wellensittich hat sich einen schmalen Federstreifen direkt unterhalb der Kehle ausgerupft. Dass er dort kahl war, sah man nur bei bestimmten Kopfhaltungen. Auch die weißen Bereiche im Deckgefieder wiesen auf seine Rupfertätigkeit hin.
Bei einer derart leichten Ausprägung des Federrupfens ist es in der Tat nicht leicht zu erkennen, dass die betroffenen Vögel ihr Federkleid selbst zerstören.
Organische Ursachen für das Federrupfen
Das Gefieder eines Vogels ist in der Haut verankert. Das lebende Gewebe kann durch unterschiedliche Einflüsse erkranken. Leidet ein Vogel etwa unter einem stark juckenden Ekzem oder einer anderweitigen Hautveränderung, so könnte dies den Grund für das Federrupfen darstellen. Das Foto rechts zeigt ein trockenes, schuppiges Ekzem am Flügel und Rücken eines Wellensittichs.
Besonders oft führen Übergewicht und Lebererkrankungen zum Rupfen der Federn. Werden Vögel mit zu fetthaltigem Futter ernährt oder erhalten sie generell zu viel Nahrung bei zu wenig Bewegung, werden sie mit der Zeit immer dicker. Zudem setzen sie Fett im Inneren ihres Körpers an, auch die Leber verfettet. Mit der Zeit leidet das Organ und es kann seine wichtigen Funktionen im Körper nicht mehr erfüllen. Die Folge sind verschiedene Gesundheitsprobleme, darunter häufig das Federrupfen. Es kann auch auftreten, weil zu viel Fett unter der Haut eingelagert wird und diese spannt. Hierbei ist folglich ebenfalls eine falsche, zu reichhaltige Ernährung die eigentliche Ursache für das Federrupfen. Ein fachkundiger Tierarzt sollte deshalb bei einem Federrupfer grundsätzlich die Haut und auch das Blut untersuchen, um etwas über die Leberwerte in Erfahrung zu bringen. Meist muss eine erkrankte Leber mit Medikamenten therapiert werden, zudem ist eine Nahrungsumstellung wichtig, um dem betroffenen Vogel auf die Dauer zu helfen.
Ein weiterer organischer Auslöser kann eine Schwermetallvergiftung sein. Diese kann von einem fachkundigen Tierarzt nachgewiesen werden, indem eine Blutprobe des betroffenen Vogels untersucht wird. Wird eine solche Vergiftung nachgewiesen, muss der Tierarzt abwägen, ob im individuellen Fall eine Entgiftungstherapie sinnvoll sein könnte.
Stressbedingtes Federrupfen
Der großer Teil der Federrupfer leidet an einer psychischen Störung, die durch irgendwie gearteten Stress verursacht wird oder in der Vergangenheit herbeigeführt wurde. Da der Begriff "Stress" stellvertretend für viele negative Aspekte im Leben eines Vogels stehen kann, bedarf er einer genauen Erläuterung.
Ein typischer Stressfaktor kann ein schwelender Konflikt zwischen zwei Individuen innerhalb eines Vogelschwarms sein. So kann beispielsweise ein dominanter Vogel einen unterlegenen Artgenossen so sehr hetzen und jagen, dass dieser in seiner Verzweiflung damit beginnt, sich das Gefieder auszureißen.
Zu wenig Schlaf und Ruhe ist ein Stressfaktor, der die psychische Gesundheit eines Vogels auf eine harte Probe stellt.
Einige Vogelarten reagieren auf eine zu kurze Nachtruhe nicht selten damit, dass sie nervös werden, sich aggressiv oder gar selbstzerstörerisch verhalten und letztlich zu Federrupfern werden. Zudem mögen es Vögel gar nicht, den ganzen Tag auf dem Präsentierteller zu stehen. Unter anderem deshalb sind so viele Papageien und Kakadus, die in Ladenlokalen als "lebende Ausstellungsstücke" die Kundschaft erfreuen sollen, Federrupfer. Diese Tiere können sich nie vor den Blicken Fremder verbergen und haben den ganzen Tag keine Ruhe. Weil ihnen die kleinen Auszeiten fehlen, die sie dringend benötigen würden, sind sie im Dauerstress und werden deshalb nicht selten zu Federrupfern.
Auch Einzelhaltung kann zu schweren Verhaltensauffälligkeiten bis hin zum Federrupfen führen. Tiere, die stark auf Menschen fixiert, also fehlgeprägt sind, leiden darunter, wenn man sich nicht rund um die Uhr um sie kümmert. Geht man also beispielsweise seinem Beruf nach und ist man deshalb täglich einige Stunden außer Haus, kann dies genügen, um den Vogel in eine seelische Krise zu stürzen, die ihn zum Federrupfer werden lässt. Kommt noch Langeweile hinzu, weil sich das Tier allein nicht beschäftigen kann (z. B. wenn Spielzeuge fehlen), werden Einzelvögel rasch zu Federrupfern. Unter anderem aus diesem Grunde ist die Einzelhaltung keine tiergerechte Art, Papageienvögel als Hausgenossen zu pflegen. Bitte lesen Sie zu
diesem Thema auch die Birds-Online-Rubrik gegen Einzelhaltung.
Ein sehr häufiger Auslöser für Stress, der zum Federrupfen führt, ist ein nicht befriedigter Bruttrieb. Viele Vogelhalter versuchen ihre Tiere unter möglichst idealen Bedingungen zu halten, was im Grunde wünschenswert ist. Geraten die Vögel in Brutstimmung und können sie den Trieb nicht befriedigen, kann es geschehen, dass sich dieser permanente Stress negativ auf sie auswirkt und sie damit beginnen, ihre Federn auszureißen. Aber auch sexuelle Frustration kann ein Grund für dieses Verhalten sein. Sie tritt dann auf, wenn ein Vogel über längere Zeit versucht, einen Partner zu finden, dieser aber anderweitig vergeben ist und keine Alternative zur Verfügung steht.
Hält man beispielsweise zwei Männchen und ein Weibchen, so kann es geschehen, dass das "übrig gebliebene" Männchen irgendwann zum Federrupfer wird.
Oder aber das Weibchen wird so sehr von den beiden Männchen bedrängt, dass es damit beginnt, sein Federkleid zu zerstören.
"Fremdrupfer"
Mitunter sind an einem Vogel kahle Stellen zu sehen, an denen er sich jedoch nicht selbst die Federn ausgerissen hat. Es kann vorkommen, dass ein Vogel Opfer eines Artgenossen wird, der ihm die Federn ausreißt.
Dies geschieht beispielsweise relativ häufig, wenn ein Vogelweibchen in Brutstimmung ist und ein weiteres Gelege produzieren möchte, während ihr Nachwuchs aus den ersten Eiern noch im Nistkasten sitzt. Einerseits gibt der Instinkt dem Altvogel vor, die Jungtiere großzuziehen, aber er diktiert auch, weitere Eier zu legen - und dafür müsste der Nachwuchs aus dem Nest gejagt werden. In diesem Zwiespalt reißen die Mütter den Jungtieren mitunter die Federn aus. Die Abbildung rechts
zeigt den jungen Wellensittich Lessley, der im Nistkasten von seiner eigenen Mutter aus dem oben genannten Grund am Rücken gerupft
wurde.
Werden sehr junge Wellensittiche, die erst wenige Tage alt sind, von ihren Müttern gerupft, soll laut Aussage einiger Experten ein Nährstoffmangel dahinter stecken. Die Henne hat sich bei der Produktion des Geleges verausgabt und versucht durch den Verzehr der jungen Federn ihres Nachwuchses dieses Defizit auszugleichen - so lautet ein Erklärungsansatz für das Verhalten.
Auch unter Altvögeln kann es geschehen, dass ein Individuum damit beginnt, seine Artgenossen zu rupfen, wobei meist der Partnervogel betroffen ist und dessen Hinterkopf gerupft wird. Hier ist meist Stress ein typischer Auslöser und es ist dringend erforderlich, die Haltungsbedingungen und Schwarmzusammensetzung zu überprüfen und schnellstmöglich zu korrigieren!
"Massen-Rupferei" durch nicht befriedigten Bruttrieb
Ein besonders gravierender Fall einer "Massen-Rupferei" unter ihren Wellensittichen begann im Winter 1999 im Vogelschwarm der Vogelhalterin Dreli. Zuvor waren ihre Tiere fröhlich und kerngesund, einige zeigten sogar über einen längeren Zeitraum deutliche Zeichen von Brutlust, allerdings wollte Dreli nicht züchten. Mit der Zeit begannen nahezu alle Vögel
damit, sich selbst die Federn auszureißen. Später beobachtete Dreli sie dabei, wie sie sich gegenseitig die Federn ausrissen und daran sogar Spaß zu haben schienen. Das Foto rechts
zeigt einen der betroffenen Vögel. Das Weibchen Paula starb leider einige Wochen
nachdem das Bild entstanden war an einer schweren Infektionskrankheit.
Nach langer Ursachenforschung und mehreren dramatischen Todesfällen
in ihrem Vogelschwarm kam Dreli der Ursache für die Massen-Rupferei endlich auf den
Grund: Ihre Tiere waren extrem frustriert, weil sie sich nicht fortpflanzen durften. Sie hatte die Vögel
vorbildlich untergebracht, also mit viel Freiflug und bestem
Futter sowie täglicher Frischkost. Deshalb waren die Wellensittiche in Brutstimmung
geraten, konnten aber aufgrund fehlender Nistgelegenheiten
über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg
nicht zur Brut schreiten. Das Resultat dieses permanenten psychischen Drucks war
verheerend. Weitere Informationen zu dieser für die Halterin, die immer
nur das Beste für ihre Vögel wollte,
äußerst frustrierenden Situation finden Sie auf der
Website von Dreli
Szabo .
Sonstige Auslöser für das Federrupfen
Manche Parasiten, die auf der Haut oder im Gefieder leben, können ebenfalls Juckreiz verursachen und den betroffenen Vogel dazu bringen, seine Federn auszureißen. Allerdings ist der Befall dann meist schon so weit fortgeschritten, dass das gesamte Gefieder des Vogels struppig und stumpf wirkt.
Vogelweibchen, die an einer Legenot leiden, reißen sich häufig das Gefieder rund um die Kloake aus, um zu versuchen, sich in ihrer Not Linderung zu verschaffen.
Was tun, wenn ein Vogel zum Rupfer geworden ist?
Hat ein Vogel erst einmal mit der Selbstverstümmelung begonnen, sind viel
Einfühlungsvermögen und Geduld nötig, um ihn davon wieder abzubringen. Oft ist es bedauerlicherweise nicht mehr möglich, den Vogel dazu zu bringen, das Rupfen zu unterlassen. Sie sollten
auf alle Fälle einen vogelkundigen Tierarzt zu Rate ziehen, der abklärt, ob gegebenenfalls eine organische Ursache hinter dem Federrupfen steckt. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es sinnvoll, mit Hilfe eines geschulten Tierpsychologen oder Verhaltensberaters, der sich mit Papageienvögeln auskennt, die Gründe für die Verhaltensauffälligkeit aufzudecken. Denn nur dann, wenn man sie kennt, kann man die Probleme lösen und gegebenenfalls vorliegende Fehler in den Haltungsbedingungen beseitigen.
Um das Federwachstum anzukurbeln und gegebenenfalls die Haut zu pflegen, kann der Tierarzt unterschiedliche Aufbaupräparate (zum Beispiel Biotin, Korvimin oder AviConcept) verordnen. Es ist ratsam, das Federwachstum auf diesem Wege zu unterstützen. Mitunter wird als radikale Methode das Anlegen einer Halskrause vorgeschlagen, was vor allem bei verhaltensgestörten Papageienvögeln, die sich die Federn aufgrund von Stress ausreißen, zu einer weiteren Verschlechterung des psychischen Allgemeinzustandes führen kann. Eine Halskrause sollte deshalb nur dann angelegt werden, wenn sie das Leben des betroffenen Vogels retten soll, weil er sich beispielsweise nicht nur die Federn ausreißt, sondern selbst Bisswunden zufügt.
Wichtig ist, dass ein Federrupfer keine Langeweile verspürt - auch dann nicht, wenn er in einem Vogelschwarm gehalten wird. Bieten
Sie ihm viel Abwechslung an, also zum Beispiel
Spielzeuge und viele Klettermöglichkeiten. Außerdem
sollten Sie dem Vogel verschiedene Obst- und
Gemüsesorten servieren, denn der Geschmack der frischen Kost
stimuliert die Sinne und wirkt somit gegen Langeweile. Darüber hinaus sollte sich das Tier seine
Körner "erarbeiten" müssen. Dafür eignen sich
verschiedene Hirsesorten sowie Hafer in der Rispe. Ebenso geeignet
sind selbst gebackene Knabberstangen, die im Zoofachhandel angebotenen
Leckerbissen sind meist erheblich zu zuckerhaltig. Rezepte für selbst gemachte Leckereien finden Sie in der Ernährungsrubrik von Birds Online.
Ähnliche Erkrankungen
Mitunter rupft ein Vogel sich sein Gefieder nicht aus, an seinem Körper bilden sich aber trotzdem kahle Stellen. Eine Reihe unterschiedlicher Ursachen kommt hierfür in Betracht.
Ist der Legedarm eines Weibchens entzündet, bildet sich im Bereich der Kloake eine Schwellung, die als kahle Hautstelle sichtbar ist, siehe Foto rechts. Ferner kommt es bei Weibchen in Brutstimmung zur Entstehung eines kahlen Bereichs am Bauch, der als Brutfleck bezeichnet wird. Die nackte Haut ist dort besonders gut durchblutet und gewährleistet eine optimale Wärmung des Geleges während der Brut. Die Größe des Brutflecks ist individuell verschieden. Normalerweise verschwindet der Brutfleck nach der Jungenaufzucht von allein wieder.
Auch einige Tumorerkrankungen oder Lipome können dazu führen, dass die Haut straff gespannt wird, sich verändert und beim Vogel ein unangenehmes Gefühl entstehen lässt. Um ihm zu begegnen, reißt er sich die Federn an der entsprechenden Stelle aus.
Häufig fallen die Federn jedoch von allein aus, weil die Haut so straff gespannt ist.
Eine besonders aggressive, durch Viren hervorgerufene Gefiedererkrankung namens PBFD kann im fortgeschrittenen Stadium dazu führen, dass erkrankten Vögeln die Federn am Kopf und am Rumpf ausfallen, nachdem zuvor das Großgefieder bereits verloren gegangen ist. In extremen Fällen sind betroffene Vögel völlig nackt.
Allerdings steckt hinter großflächigem Federausfall nicht unbedingt eine PBFD-Erkrankung. Mitunter ist es eine Hormonstörung, die zum Verlust des Federkleides führt.
Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum von .
Dieses Kapitel auf Türkisch bei muhabbetkusu.org
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