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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Normale Französische MauserDie Französische Mauser ist eine Krankheit, die bei Wellensittichen und einigen anderen Vögeln bereits in einem sehr frühen Lebensstadium ausbrechen kann. Häufig äußert sich die Erkrankung darin, dass bei jungen Vögeln, deren Gefieder gerade erst vollständig ausgewachsen ist, plötzlich die Schwung- und Schwanzfedern ausfallen. Manche Tiere verlieren dadurch ihr gesamtes Großgefieder, wohingegen andere Glück im Unglück haben und nur vereinzelte Federn einbüßen. Meist ist das Kleingefieder nicht von der Krankheit betroffen. In einigen Fällen werden jedoch auch Missbildungen am Körpergefieder beobachtet.

Ein Großteil der betroffenen Vögel bleibt zeitlebens flugunfähig, da das Großgefieder später gar nicht oder stark ausgedünnt nachwächst. Weil viele der an der Französischen Mauser erkrankten Vögel nicht fliegen können, nennt man sie Renner und die Gesundheitsstörung wird analog dazu auch als Rennerkrankheit bezeichnet. Manche Literaturquellen sprechen im Zusammenhang mit diesem krankhaften Federverlust alternativ von Hopsern und der Hopserkrankheit. Die Flugunfähigkeit ist aber nicht für jeden betroffenen Vogel ein endgültiges Schicksal. Es sind Fälle bekannt, in denen erkrankten Tieren im Erwachsenenalter sämtliche Federn nachwuchsen, wodurch die Vögel später flugfähig wurden.

Für Vogelhalter ist es wichtig zu wissen, dass die Krankheit unterschiedliche Erscheinungsformen haben kann. Sie ist vom Laien deshalb durch bloßes Betrachten eines Vogels nur schwer zu erkennen, zumal andere Erkrankungen ähnliche Symptome und Gefiederschäden verursachen können. Somit ist es von großer Bedeutung, eine sichere Diagnose durch einen erfahrenen Vogel-Tierarzt stellen zu lassen. Um im Fall einer solchen Diagnose gut gerüstet zu sein, ist es für Tierhalter hilfreich, die wichtigsten Fakten über die Erkrankung zu kennen. Dieses Kapitel informiert über die Auslöser, die Ansteckungsgefahr und andere Details rund um die Französische Mauser.

Gefiederschäden am Flügel durch Französische Mauser
Gefiederschäden durch Französische Mauser am Flügel eines Wellensittichs

Auslöser der Krankheit und ihre Übertragung
Verursacher der Französischen Mauser sind sogenannte Polyoma-Viren. Bisher ist noch nicht gänzlich geklärt, wie es zu einer Ansteckung mit diesen Viren kommt. Es wird vermutet, dass die Ansteckung sehr wahrscheinlich bereits im Ei erfolgt. Altvögel, die selbst nicht zwangsläufig Symptome zeigen müssen, können die Viren in sich tragen und die Krankheitserreger somit bereits im Nest auf ihre Nachkommen übertragen. Demnach ist es grob fahrlässig, wissentlich mit Wellensittichen zu züchten, die nachweislich an der Französischen Mauser erkrankt sind oder Polyoma-Virenträger sind! Solche Vögel würden die Krankheit auf ihre Nachkommen übertragen und man würde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Generation infizierter Vögel großziehen lassen.

Vögel, bei denen das Gefieder stark geschädigt ist, sind häufig körperlich schwer eingeschränkt, was sich in ihrem Alltag negativ äußern kann. Zwar können flugunfähige Vögel in einem auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmten Umfeld ebenso ein erfülltes Leben führen wie fliegende Artgenossen. Allerdings ist es ethisch fragwürdig, bewusst mit infizierten Tieren zu züchten und somit absichtlich gehandicapten Nachwuchs von ihnen in die Welt setzen zu lassen, zumal die Polyomaviren bei einigen Küken zu tödlichen Infektionen führen können. Bedauerlicherweise sind einige Züchter der Ansicht, das Problem würde überbewertet und die Behinderungen der Vögel seien vernachlässigbar. Andere Vogelzüchter gehen hingegen so weit, erkrankte Jungtiere sofort einschläfern zu lassen, weil sie die Ausbreitung der Krankheit auf diese radikale Weise unterbinden wollen.

Weil die chronisch verlaufende Infektion mit Polyoma-Viren nicht bei allen Wellensittichen zum Ausbruch der Rennerkrankheit führt, tritt die Französische Mauser oftmals wie aus dem Nichts in Zuchtbeständen auf. Man sieht es einem Polyoma-Viren tragenden Vogel mitunter nicht an, dass er infiziert ist, denn wie bereits weiter oben erwähnt verlieren nicht alle Tiere ihr Gefieder oder es wächst im Laufe der Zeit wieder nach. Wer ganz sicher sein möchte, sollte deshalb vor dem Züchten seinen gesamten Vogelbestand oder zumindest die Zuchttiere auf eine versteckte Infektion mit Polyomaviren untersuchen lassen.

Ist eine Ansteckung zwischen Altvögeln möglich?
PuckiWie groß die Ansteckungsgefahr tatsächlich ist, die von einem Rennervogel für seine erwachsenen Artgenossen ausgeht, ist nicht vollständig geklärt. Manche Tierärzte gehen davon aus, dass infizierte Altvögel gesunde Artgenossen anstecken können. Bei diesen Altvögeln komme es nicht zu einem Federausfall, aber sie seien fortan Träger der Viren, lautet die Vermutung. Würden diese infizierten Vögel Nachwuchs großziehen würde sich der Kreis schließen und die schlüpfenden Jungvögel wären mit hoher Wahrscheinlichkeit infiziert - so lautet zumindest die Theorie.

Eine andere Meinung ist die, dass eine Ansteckung zwischen Altvögeln nur sehr selten erfolgt oder nicht möglich ist. Es gibt Experten, die davon ausgehen, dass sich nur Jungtiere anstecken können, und das dann für gewöhnlich im Nest durch den Kontakt zu ihren die Viren tragenden Eltern.

Bedauerlicherweise stehen für beide Theorien endgültige Beweise aus, sodass man als Vogelhalter sehr genau abwägen muss, ob man bewusst einen infizierten Vogel aufnimmt und zu gesunden Tieren gesellt oder nicht. Denn falls die erste These korrekt ist, könnte ein einziger infizierter Vogel einen gesamten Bestand anstecken und somit für die Zucht untauglich werden lassen. Ist man hingegen nur einfacher Halter von Wellensittichen und möchte mit seinen Tieren nicht züchten, würde es keine infizierten Jungtiere geben, was man bei der Entscheidungsfindung bedenken sollte.

Eine Empfehlung, wie die Haltung von Rennervögeln zu handhaben ist, kann und will ich an dieser Stelle nicht geben. Jeder Vogelhalter muss für sich selbst entscheiden, wie wichtig ethische Aspekte sind und ob es überhaupt gefiederten Nachwuchs geben soll. In meinem Vogelschwarm, der überwiegend aus gehandicapten Vögeln besteht, habe ich schon öfter Renner mit Nichtrennern vergesellschaftet. Bisher hat sich nie ein Krankheitsausbruch bei einem Altvogel gezeigt und auch wenige Wochen alte Wellensittiche, die jedoch bereits voll ausgewachsen waren, als sie in meine Obhut gelangten, zeigten nach dem Kontakt mit den Rennervögeln keine Symptome der Krankheit.

Ist die Französische Mauser heilbar?
Bislang ist keine Therapie bekannt, mit der sich die Französische Mauser heilen lässt. Rennervögeln, denen extrem brüchige Federn wachsen, kann man lediglich durch die Verabreichung von Aufbaupräparaten wie zum Beispiel Korvimin oder AviConcept und durch eine erhöhte Kieselsäurezufuhr helfen. Neu entstehende Federn werden dadurch mit Nährstoffen versorgt und wachsen meist kräftiger nach. Mehr Informationen zum Thema "Ernährung während der Mauser" finden Sie hier.

Die Erscheinungsformen der Französischen Mauser
Harmlose Form der RennerkrankheitDie Französische Mauser tritt in verschiedenen Ausprägungen in Erscheinung. Relativ harmlos war die Rennerkrankheit bei dem auf dem Foto rechts gezeigten Wellensittich ausgeprägt. Dem Vogel fehlten lediglich einige Schwungfedern sowie die beiden langen Schwanzfedern. Seine Steuerfedern waren hingegen vollständig vorhanden und auch das Kleingefieder zeigte keine Lücken. Der Vogel war deshalb bedingt flugfähig. Zwar konnte das junge Weibchen beim Fliegen nicht an Höhe gewinnen. Setzte man es aber an einen erhöhten Platz im Vogelzimmer, konnte das Weibchen unfallfrei nach unten segeln, wenn es einen tiefer gelegenen Ast aufsuchen wollte. Der Abwärtsflug war kontrolliert und der Vogel konnte aufgrund der vollständig vorhandenen Steuerfedern sogar die Flugrichtung ändern.

Typische Erscheinungsform der Französischen MauserDie am häufigsten zu beobachtende Ausprägung der Erkrankung zeigt sich wie folgt: Das Kleingefieder ist intakt, wohingegen die großen Schwung- und Schwanzfedern fehlen. Das heißt, die betroffenen Vögel wirken sehr klein und aufgrund der fehlenden Federn an den Flügeln sind sie vollständig flugunfähig. Oft sind die Federn zerzaust, sofern es sich um Tiere handelt, die sich mit ihrem Schicksal nicht abgefunden haben und ständig versuchen, trotzdem umher zu fliegen. Dabei stürzen sie und de Zustand ihres Gefieders leidet darunter.

Extreme Französische MauserNormalerweise fehlen bei Rennervögeln die Schwung- und Schwanzfedern, es kommt aber auch eine besonders starke Verlaufsform vor, bei der die betroffenen Vögel mit der Zeit nahezu sämtliche Federn verlieren. Das rechts gezeigte Wellensittichweibchen litt an einer derart stark ausgeprägten Form der Französischen Mauser, dass ihm mit der Zeit nahezu alle Federn ausgefallen sind. Anfangs fehlten ihm nur die Schwung-, Schwanz- und Steuerfedern, kurz vor seinem Tod war das Tier nahezu vollständig unbefiedert. Der Vogel war zeitlebens gänzlich flugunfähig und konnte nur hopsen, wobei er mit den Flügeln schlug, was jedoch keine rechte Wirkung zeigte. Im Winter muss der Raum, in dem der Vogel lebte, immer mindestens 20 Grad Celsius warm sein, damit sich das überwiegend nackte Tier nicht erkältete. Bei der Virusinfektion PBFD ist ein solches Bild für gewöhnlich typisch, allerdings sind sämtliche Testes auf diese Erkrankung bei dem hier gezeigten Wellensittich negativ ausgefallen, wohingegen die Tests auf Französische Mauser positiv waren.

Extreme Form der französischen MauserDie Abbildung rechts zeigt einen weiteren sehr extremen Fall der Französischen Mauser. Der schwer gehandicapte Wellensittich hat sich mit einem Weibchen zusammengetan und häufig angekuschelt, wie es auf dem Foto zu sehen ist. Es wirkte beinahe, als würde sich der nackte Wellensittich bei seiner Partnerin wärmen, denn er kuschelte vor allem dann, wenn er selbst nicht sonderlich aktiv war. Der Vogel lebte in einem geräumigen behindertengerechten Käfig, in dem er sich nicht verletzen konnte. Auch seine Partnerin war aufgrund einer Behinderung flugunfähig.

 
 
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