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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Großflächiger Gefiederverlust kommt bei Wellensittichen und
anderen Vögeln während einer normal verlaufenden
Mauser für gewöhnlich nicht vor. Weist ein Vogel
größere Lücken im Gefieder oder gar kahle Stellen an
seinem Körper auf und sind diese nicht innerhalb weniger Tage
oder maximal Wochen mit neuen Federn bedeckt, könnte neben dem
Federrupfen die Virusinfektion "PBFD"
als Ursache für die Befiederungsstörung in Frage kommen.
Hinter der Abkürzung PBFD verbirgt sich eine Erkrankung mit dem
englischen Namen "Psittacine Beak and
Feather Disease" (Psittacine
Circovirus Disease); im Deutschen wird sie auch "Feder- und
Schnabelkrankheit der Papageien" genannt. Diese durch ein Circovirus
hervorgerufene Infektionskrankheit kommt hauptsächlich
bei Großpapageien und Kakadus, aber auch bei Wellensittichen und
anderen Sittichen vor. Infektionsfälle sind aus aller Welt
bekannt und die Krankheit tritt bei einigen Ziervogelarten relativ häufig auf.
Symptome
Die Symptome der PBFD sind nicht eindeutig, sondern äußerst vielfältig. Ein typisches
Krankheitsbild existiert demnach nicht. Grundsätzlich gilt jedoch, dass
eine Infektion mit Circoviren nach dem Ausbruch der Krankheit
Wachstumsstörungen der Federn hervorruft. Diese zeigen sich
zunächst normalerweise darin, dass die Federn verdreht
oder "schief" nachwachsen und später meist symmetrisch, also
auf beiden Körperseiten nach und nach ausfallen. Bei manchen Vogelarten
ändert sich darüber hinaus die Farbe der Federn.
In vielen Fällen verändert auch das Schnabelhorn seine
Beschaffenheit, siehe Foto rechts. Meist ist
nur der Oberschnabel betroffen, das Schnabelhorn verfärbt sich bei
vielen Vögeln gräulich oder dunkel, außerdem wird es
porös und brüchig. Manche Vögel leiden unter
Rissen und Kerben im Oberschnabel, die meist von den Seiten ausgehen. Bei anderen
Vögeln splittert das Schnabelhorn sehr leicht ab. Seltener ist das Krallenhorn
von der Krankheit betroffen, aber auch hier kann es zu Wachstumsstörungen
und Deformationen sowie Veränderungen in der Beschaffenheit kommen.
Dies sind die sichtbaren Auswirkungen der Erkrankung. Unsichtbar für
das menschliche Auge bleibt die Schwächung des Immunsystems, die
eine sehr große Gefahr für die erkrankten Vögel darstellt.
Verlauf der Krankheit
Man unterscheidet grob vereinfacht formuliert zwischen akuten und chronischen
Verläufen, der Übergang zwischen diesen beiden Formen ist fließend und es finden
sich deshalb viele unterschiedliche Verlaufsformen. Man kann jedoch sagen, dass
Altvögel, die an PBFD erkranken, meist chronische Verläufe zeigen, also eine
schleichende Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes. Hierbei
verschlechtert sich der Gefiederzustand infizierter Tiere stetig bei
jeder Mauser, bis sich ein Anblick bietet, der die Vermutung nahe legt, der Vogel sei ein Federrupfer.
Darüber hinaus wächst der Schnabel in den meisten Fällen
überdurchschnittlich schnell und zudem oft schief oder
missgestaltet, was für den Laien ein relativ leicht erkennbares
Merkmal der PBFD ist, jedoch auch auf einen Leberschaden zurückzuführen sein kann.
Ist die chronische Krankheit weit fortgeschritten, sind die meisten Vögel
fast am gesamten Körper nackt, sie verlieren dabei auch das
Kopfgefieder, was auf alle Fälle gegen eine Selbstverstümmelung wie
das Federrupfen spricht, weil sich Vögel aus anatomischen Gründen nicht das eigene Kopfgefieder
ausreißen können.
Auf der unbefiederten Haut bilden sich bei vielen Vögeln nach einiger Zeit
weiße, schorfige Beläge. Hierbei handelt es sich um Entzündungsherde, da
die nackte Haut äußerst empfindlich ist und durch kleinste Verletzungen
Bakterien wie Staphylokokken in sie eindringen können. Außerdem bilden sich
relativ häufig sogenannte Federbalgzysten, siehe Abbildung rechts.
Übermäßig lange Krallen sind in diesem Stadium der
Krankheit keine Seltenheit. Nach dem Ausbruch führt PBFD bei Alttieren
in aller Regel nach ein bis maximal zwei Jahren zum Tode, es sind aber auch Fälle
bekannt, in denen Vögel bis zu fünf Jahre und mehr mit der Krankheit gelebt haben.
Die Überlebensdauer hängt maßgeblich davon ab, wie gut das
Immunsystem des erkrankten Vogels noch arbeitet. Deshalb ist es immer sinnvoll, einen
an PBFD leidenden Vogel mit Präparaten und/oder Medikamenten zu behandeln, die das
Immunsystem unterstützen. Welche Wirkstoffe im konkreten Fall angeraten sind, sollte
der Tierhalter im Einzelfall mit einem vogelkundigen Tierarzt und/oder Tierheilpraktiker
klären.
Achtung:
Viele Vögel, die nur noch wenige Federn an ihrem Körper tragen, neigen zu
Erkrankungen und
Veränderungen der Bürzeldrüse,
weil sie das Gefiederfett
nicht mehr in ausreichendem Maße für die Federpflege entnehmen.
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Anders stellt sich der akute Verlauf dar, den meist Jungtiere zeigen.
Sie sterben in aller Regel sehr rasch, da die starken
Gefiederwachstumsstörungen bei ihnen mit einer allgemeinen
Immunschwäche, Durchfall, Erbrechen und Abgeschlagenheit
einhergehen. Unter Jungtieren sind in diesem konkreten Zusammenhang Küken bzw. Nestlinge zu verstehen, die sich
noch im Wachstum befinden. Infizieren sie sich mit Circoviren, also
stecken sie sich beispielsweise bei ihren Eltern an, beträgt die
Inkubationszeit der Krankheit bei ihnen meist nur wenige Wochen (ca.
14 Tage). Der Tod tritt sehr schnell ein, weil die Krankheit ausgesprochen
aggressiv ist.
Neben den genannten Formen existiert eine dritte Variante, die keine echte
Verlaufsform im eigentlichen Wortsinne darstellt. Es ist möglich, dass ein Vogel
Träger des Virus ist, ohne selbst daran zu erkranken. Somit kann dieses völlig
unauffällige und kerngesund wirkende Tier die Krankheit auf Artgenossen übertragen,
ohne selbst jemals krank zu werden und Symptome zu zeigen. Dies macht PBFD zu einer ausgesprochen
tückischen Krankheit, denn sie ist praktisch nicht zu erkennen, wenn ein Vogel
lediglich Träger der Viren ist, ohne erkrankt zu sein.
Übertragungswege
Infizierte Vögel scheiden die Viren über ihren Kot aus. Auch
ihr Gefiederstaub sowie ihr Kropfinhalt sind infektiös. Meist
stecken sich Jungtiere bereits im Nest bei ihren Eltern an, die das
Virus in sich tragen und eventuell selbst noch keine Symptome zeigen. Aber auch
Altvögel können sich durch das Einatmen virushaltiger
Stäube infizieren. Im Falle einer Ansteckung ist die
Inkubationszeit, also diejenige Zeit, bis die Krankheit ausbricht, vom Alter
des Vogels abhängig. Nestlinge erkranken meist nach zwei, maximal
vier Wochen, bei Altvögeln kann es mehrere Monate dauern, bis sich
bei ihnen erste Symptome der PBFD zeigen. Laut Fachliteratur wurden ebenfalls
einige wenige Fälle beobachtet, bei denen die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit
mehrere Jahre betrug. Die durchschnittliche Inkubationszeit wird bei Altvögeln mit
etwa zwei Monaten angegeben.
Nachweis der Krankheit
Absolute Gewissheit darüber, ob ein betroffener Vogel an PBFD
erkrankt ist, liefern nur die Untersuchung einer Blutprobe
oder einer frisch gezogenen, im Idealfall bereits veränderten Federn durch ein klinisches Labor. Das heißt, ein
potentiell infiziertes Tier wird zu einem Tierarzt gebracht, der Blut- und/oder
Federproben entnimmt und diese an das Labor schickt. Normalerweise dauert es zwischen
drei und sieben Tagen, bis das Testergebnis vorliegt.
Problematisch ist hierbei,
dass auf die Testergebnisse nicht hundertprozentig Verlass ist. Ein Vogel, der
negativ getestet wurde, kann dennoch mit PBFD infiziert sein. Mitunter scheiden
infizierte Vögel vorübergehend keine Viren aus, so dass ein Test, der exakt in
einer solchen Zeitspanne durchgeführt wird, ein negatives Resultat liefert, obwohl
der Vogel Circoviren in sich trägt. Auch ist es denkbar, dass die ausgerissene Feder
nicht genügend genetisches Material trug und der Test deshalb fälschlicherweise
negativ ausgefallen ist.
Deshalb sollte man im Zweifelsfall nach drei
Monaten erneut einen Test durchführen lassen, wenn man mehr Gewissheit erlangen
möchte. Allerdings kann hierbei genau dasselbe Phänomen eintreten. Rein
statistisch gesehen, geschieht es selten, dass man zwei falsche Testergebnisse erlangt.
Dennoch besteht immer ein gewisses Restrisiko - wie übrigens bei nahezu allen Krankheitstests.
Um ein falsch-negatives Ergebnis aufgrund fehlenden
genetischen Materials auszuschließen, kann man einen Test in
Auftrag geben, der zugleich das Geschlecht des Vogels ermitteln soll.
Wenn keine Geschlechtsbestimmung anhand der Federprobe möglich
ist, dann ist folglich nicht genug Material vorhanden, mit dessen Hilfe
Rückschlüsse auf das Geschlecht möglich sind und mit dem
Circoviren nachgewiesen werden können. Der Test ist zwar teurer
als ein reiner PBFD-Test, aber man kann auf diese Weise falsch-negative
Testergebnisse aufgrund fehlenden genetischen Materials sofort
erkennen.
Behandlung und Impfprophylaxe
Steht die Diagnose PBFD fest, sollte man infizierte Vögel umgehend
aus einem Tierbestand entfernen. Sämtliche Vögel, bei
denen der Verdacht besteht, sie könnten sich infiziert haben,
müssen ebenfalls sofort aussortiert werden, um die verbleibenden
Vögel nicht zu gefährden. Die Behausung der Vögel (Käfig oder Voliere)
und alle Gegenstände, mit denen sie in Berührung gekommen
sind, müssen desinfiziert werden.
Erkrankte Vögel müssen mit anderen infizierten
Artgenossen gehalten werden. Kann man dies selbst nicht, sollte man die
Tiere in einen bereits infizierten Bestand geben. Über
Internetforen lassen sich Halter von PBFD-positiven Vogelschwärmen
finden und oft sind diese Tierfreunde bereit, weitere Vögel
aufzunehmen. Von einer Einzelhaltung eines infizierten Vogels ist
unbedingt abzuraten! Es findet sich erfahrungsgemäß immer
ein Platz in einem infizierten Vogelschwarm, wenn man sich die
Mühe macht, danach zu suchen.
Zeitlebens muss man im Bedarfsfall die
Krallen und Schnäbel der erkrankten Vögel schneiden sowie dem Auftreten von Sekundärinfektionen
möglichst vorbeugen. Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung zur
Stärkung des Immunsystems ist dringend erforderlich. Eine Heilung
ist nicht möglich und derzeit ist in Deutschland bedauerlicherweise keine
Impfprophylaxe erhältlich.
Ähnliche Erkrankungen
Zwar sind die mit einer fortschreitenden PBFD-Infektion einhergehenden Gefiederstörungen
mit einem Blick zu erkennen. Dennoch ist es in aller Regel nicht möglich, einen
betroffenen Vogel als an PBFD erkrankt zu identifizieren, denn es treten ähnliche
Erkrankungen in Erscheinung:
Vergleich PBDF/Französische Mauser in moderater Form
Links ein PBFD-erkrankter Vogel, rechts ein Vogel mit
Französischer Mauser
Vergleich PBDF/Französische Mauser/Hormonstörung in extremer Form
Links ein PBFD-erkrankter Vogel, in der Mitte ein Vogel mit
Französischer Mauser,
rechts ein Vogel mit einer starken Hormonstörung
Linktipp: Möchten Sie sich mit mir
und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über
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