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  Beidseitiges Ballengeschwür Manche Ziervögel, darunter viele Wellensittiche, sind anfällig für eine bestimmte Form der Hautveränderung auf der Unterseite der Füße. Betroffene Vögel leiden unter schmerzhaften Entzündungen und Geschwüren, die sich an dieser Stelle bilden. Diese so genannten Sohlen- oder Ballengeschwüre oder im Spätstadium auch Ballennekrosen genannten Hautveränderungen können in besonders drastischen Fällen so gravierende Ausmaße annehmen, dass der erkrankte Fuß amputiert werden muss. Deshalb ist es wichtig, dass solche Veränderungen der Haut bereits im Frühstadium erkannt werden, denn sie gehen aus Druckstellen hervor, die man in aller Regel relativ leicht behandeln kann.

Wie entstehen Ballengeschwüre?
Beidseitiges Ballengeschwür Eine der möglichen Ursachen für diese Hautveränderungen sind ungeeignete Sitzstangen. Ist das Holz zu hart (wie beispielsweise gedrechseltes Buchenholz), ist es zu glatt oder sind die Stangen zu gleichförmig (gängige Kunststoffstangen), führt dies zu extrem starken, punktuellen Belastungen der Fußunterseite. Das heißt, es werden permanent dieselben Stellen unter den Füßen belastet, so dass sich mit der Zeit Druckstellen bilden, siehe Foto rechts. Die gereizten Hautpartien entzünden sich leicht, da sie wund gescheuert werden - schließlich kann der Vogel nicht umhin und muss immer auf den Füßen stehen. Sind die Sitzstangen obendrein mit Sandpapierüberzügen umhüllt, scheuert dieses die überreizten Fußsohlen innerhalb kürzester Zeit wund. Solche Sandpapiermäntel gehören zum tierschutzwidrigen Zubehör und haben in einem verantwortungsvoll geführten Vogelbesitzer-Haushalt keine Daseinsberechtigung. Zur Vorbeugung solcher punktuellen Belastungen sollten im Käfig grundsätzlich nur Naturäste als Sitzstangen angebracht werden. Weitere Informationen über verwendbare Holzarten finden Sie in der Hölzerliste.

Ballengeschwür Neben der punktuellen Belastung durch ungeeignete Sitzstangen spielt ferner oft Übergewicht eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Druckstellen und später Ballengeschwüren. Je mehr Druck auf den Fußgelenken lastet, desto stärker wird die Haut darunter durch das Stehen mechanisch beansprucht. Zu dicke Vögel sind daher besonders stark gefährdet, Ballengeschwüre zu entwickeln. Am besten sorgt der Tierhalter für eine ausgewogene, nicht zu fettreiche Ernährung und viel Bewegung, um Verfettung vorzubeugen.

Behandlung von Druckstellen
BallengeschwürHaben sich unter den Füßen eines Vogels Druckstellen gebildet, sind diese als leichte Rötungen zu erkennen. Das Foto rechts zeigt eine noch relativ schwach ausgeprägte Druckstelle. In diesem Stadium lassen sich wunde Füße leicht mit einer Lebertran-Zink-Salbe oder einer reinen Lebertransalbe (siehe Link) behandeln. Diese Salbe wird nach Möglichkeit zweimal täglich dünn auf die gereizte Haut gestrichen. Man kann auch Sitzstangen oder Schaukeln dünn damit bestreichen, was vor allem abends sinnvoll ist, weil der Vogel dann nachts auf der Salbe steht. Während der Behandlungsdauer sollte kein Sand auf den Käfigboden gestreut werden, weil dieser an der Salbe haften bleiben würde und zu noch schlimmeren Hautreizungen führen könnte. Außerdem müssen die Stangen mindestens einmal täglich gründlich gereinigt werden, wenn sie mit Salbe bestrichen werden. Wichtig ist zudem, dass das Gefieder des Vogels bei der Salbenbehandlung nach Möglichkeit nicht verkleben sollte.

Normalerweise verschwinden Druckstellen mit Hilfe von einer pflegenden Hautsalbe innerhalb weniger Tage oder maximal einer Woche. Sollte sich die Rötung nicht zurückbilden oder gar größer werden, muss unbedingt ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, weil es sich dann unter Umständen um eine beginnende Entzündung handelt, die entsprechend therapiert werden muss.

Behandlung von Ballengeschwüren
Ballengeschwür Haben sich aus anfangs noch harmlosen Druckstellen bereits Ballengeschwüre gebildet, ist es wichtig, diese rasch zu erkennen und zu behandeln. Damit sie abheilen können, müssen sie fachmännisch versorgt werden - mit welcher Methode, hängt allerdings von der Schwere der Entzündung in den Geschwüren ab. Ist ein Geschwür nur oberflächlich, betrifft es also lediglich die obere Hautschicht, handelt es sich meist um eine nur leicht infizierte Druckstelle. In einem solchen Fall reicht normalerweise das regelmäßige Einreiben mit einer vom Tierarzt ausgewählten antibiotischen Hautsalbe aus. Auch hierbei können die Stangen benetzt werden und es sollte während der Behandlungsdauer kein Sand auf dem Käfigboden liegen.

Sind tiefere Gewebeschichten von der Entzündung betroffen, wird die Behandlung deutlich komplizierter. Damit die Infektion nicht weiter fortschreiten und das Knochengewebe befallen kann, muss der Tierarzt ein entzündetes, tief reichendes Ballengeschwür unter Narkose aufschneiden und reinigen. Anschließend wird der Vogel mit einer antibiotischen Hautsalbe und oft zusätzlich mit einem Antibiotikum behandelt, das ihm gespritzt oder einige Tage lang in den Schnabel eingegeben wird. Die Behandlung ist nicht angenehm für den Vogel, aber sie ist erforderlich, um Schlimmeres zu vermeiden.

Liegt ein sehr gravierendes Ballengeschwür vor, durch das Bakterien tief ins Unterhautgewebe und von dort aus in die Knochen wandern konnten, besteht kaum eine Chance auf eine Abheilung der Entzündung. Viel mehr droht hier die Entstehung einer tödlichen Blutvergiftung, so dass schnelles Handeln gefordert ist. In solch schweren Fällen ist die Amputation des betroffenen Fußes bedauerlicherweise oft die einzige Möglichkeit, das Leben des erkrankten Vogels zu retten.

Vögel arrangieren sich mit einer solchen Behinderung nach einer Eingewöhnungszeit in aller Regel recht gut, sofern nur ein Bein betroffen ist. Wie man Vögel mit amputierten Gliedmaßen das Leben angenehmer gestalten kann, können Sie im entsprechenden Kapitel in der Rubrik über gehandicapte Vögel nachlesen.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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