Im Bereich der sogenannten
Bürzeldrüse
kann es bei Wellensittichen und anderen Vögeln zu unterschiedlich gearteten, mehr oder minder gravierenden Hautveränderungen kommen. Meist zeigen sich an der Drüse
Schwellungen, die aufgrund verschiedener Faktoren entstehen können. Sämtliche dieser
Ursachen erfordern eine jeweils ganz spezielle Behandlung, so dass unbedingt ein Tierarzt
aufgesucht werden sollte, um eine sichere Diagnose zu stellen und die notwendigen Behandlungsschritte
einzuleiten. In diesem Kapitel finden Sie einige kurze Beschreibungen typischer Ursachen, die
zu Veränderungen der Haut um die Bürzeldrüse führen können.
Bürzeldrüsenverstopfung
Die Bürzeldrüse ist ein Organ, welches eine ölige Substanz, das sogenannte Gefiederfett, produziert. Mit diesem Sekret pflegt ein Vogel bei der täglichen Gefiederpflege
seine Federn. Aufgrund unterschiedlicher Ursachen kann die Bürzeldrüse
verstopfen. Ist das Fett zum Beispiel zu dickflüssig, kann der Vogel es nicht mehr
vollständig aus der Drüse entnehmen, es verhärtet zusehends und verstopft
letztlich die Öffnung. Leidet ein Vogel an einer
Gefiederstörung und
hat er fast keine Federn mehr, muss er nur sehr wenig oder gar kein Fett entnehmen, was ebenfalls zu einer Verstopfung
und darüber hinaus mitunter zu einer Entzündung der Drüse führen kann. Auch aufgrund
anderer Ursachen - zum Beispiel extremer körperlicher Schwäche über einen längeren
Zeitraum - kann die Bürzeldrüse verstopfen. Denn ist ein Vogel allgemein geschwächt, stellt er meist seine Gefiederpflege ein und entnimmt der Drüse kein Fett.
Eine verstopfte
Bürzeldrüse sollten regelmäßig (vom Tierarzt) entleert werden, damit
sich keine Entzündung bilden kann.
Um das Fett aus der Drüse zu bringen, darf es nicht einfach ausgedrückt werden, wie es beispielsweise bei einem Pickel im Gesicht eines Menschen häufig praktiziert wird. An der Bürzeldrüse könnte dieses Drücken zu Quetschungen und zu schweren Entzündungen im umliegenden Gewebe führen. Das Bürzeldrüsensekret muss durch vorsichtiges Massieren mit sanftem Druck nach und nach aus der kleinen Öffnung geschoben werden. Achtung, bei vielen Vögeln riecht das Sekret, welches sich in einer verstopften Bürzeldrüse befindet, recht unangenehm.
Bürzeldrüsenentzündung
Ist die Bürzeldrüse verstopft, besteht die Gefahr, dass Bakterien in das
verhärtete Sekret sowie in das Gewebe eindringen und zu einer Entzündung der gesamten
Körperregion führen. Im Innern der Drüse bildet sich Eiter, der nicht abfließen
kann, weshalb eine solche Entzündung meist mit einer enormen Schwellung der
Bürzelgegend einhergeht. Die Haut ist oft straff gespannt, weil sie aufgrund der
Eiteransammlung unter Druck steckt. Außerdem ist das Gewebe normalerweise stark gerötet,
siehe Foto rechts. Grob vereinfacht gesprochen, handelt es sich bei einer Entzündung
der Bürzeldrüse quasi um einen sehr großen Pickel, der für den betroffenen
Vogel recht schmerzhaft ist. Es ist wichtig, so rasch wie möglich einen Tierarzt
aufzusuchen, damit dieser die Eiterkammer entleeren und reinigen kann, denn allein schon
dadurch, dass der Druck abgebaut wird, erleidet der Vogel weniger Schmerzen.
Meist wird nach der Entleerung eine antibiotische Salbe aufgetragen, aber auch das Verabreichen einer Spritze oder eines Antibiotikums in den Schnabel sowie über das Trinkwasser kann in einigen Fällen erforderlich sein. Solche
Entzündungen sind recht leicht zu heilen, sofern man sie rechtzeitig behandelt.
Bürzeldrüsengeschwür
Da das Gewebe rund um die Bürzeldrüse sehr aktiv ist, kann es dort leicht zu Hautveränderungen in Form von Geschwüren und kleineren gutartigen Wucherungen kommen. In der Abbildung unten ist ein solches Bürzeldrüsengeschwür im Frühstadium zu sehen, rechts ist eine solche Hautveränderung in einem fortgeschrittenen Stadium zu erkennen. Je nachdem, wie groß solche Geschwüre sind und an welcher Stelle in der Nähe der Bürzeldrüse sie entstehen, muss der Tierarzt sie mit einem kleinen Schnitt entfernen oder zunächst zum Absterben bringen. Hierfür stehen ihm unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung, die Ihnen Ihr Tierarzt sicher gern erläutern wird.
Bürzeldrüsentumor
Die wohl schlimmste Veränderung an der Bürzeldrüse
stellt das Entstehen eines Tumors dar. Meist wuchern Bürzeldrüsentumoren sehr rasch und müssen deshalb
durch einen Tierarzt operativ entfernt werden. Solche Operationen finden
in aller Regel unter Vollnarkose statt, was für einen betroffenen
Vogel je nach seiner Gesamtverfassung nicht ganz ungefährlich sein kann. Aber einen Vogel aufgrund dieser
potenziellen Gefahr nicht operieren zu lassen, wäre ebenso töricht wie
verantwortungslos.
Abgesehen davon dass Tumoren, die nicht entfernt werden, den Tieren permanent Schmerzen verursachen, können sie platzen. Der damit einhergehende Blutverlust ist meist tödlich! Wird zu lange gewartet und der Eingriff aufgeschoben, kann die Wucherung so stark wachsen, dass eine Operation zu einem späteren Zeitpunkt mit einem sehr großen Risiko für den Vogel verbunden ist. Wie sehr die Situation eskalieren kann, zeigt der sehr tragische Fall des Wellensittich-Männchens Manni, der in einem separaten Kapitel nachzulesen ist.
Die Fotos unter diesen Zeilen zeigen einen Vogel, der an einem großen Tumor litt und der erfolgreich operiert werden konnte.
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