Über die Hälfte der in Deutschlands Stuben gehaltenen
Wellensittiche ist zu dick. Dies rührt vor allem von permanent
zugänglichem und erheblich zu
energiehaltigem Futter bei gleichzeitigem Bewegungsmangel her.
Tierärzte sprechen von adipösen Wellensittichen,
was nichts anderes heißt, als dass die Vögel in einem hohen Maß übergewichtig sind.
Wie beim Menschen, bezeichnet man die Fettleibigkeit in der tiermedizinischen
Fachsprache auch als "Adipositas".
Bei einem
normalgewichtigen
Wellensittich sollte in der Mitte der Brust
und des Bauches ein feiner Streifen im Gefieder sichtbar sein
- das sogenannte Brustbein
-, und die Brustmuskulatur sollte im Idealfall kräftig
ausgebildet sein, sie wölbt sich aber für gewöhnlich nicht hervor. Bei dem rechts gezeigten
Wellensittich sind pralle, runde Fettpolster rechts und links des Brustbeinkamms
zu erkennen, der als senkrechte Einkerbung mittig über Brust und Bauch verläuft.
Vor allem dort, wo das Gefieder die Stange berührt, ist diese Einkerbung gut
zu erkennen. Rechts und links von ihr wölbt sich das Gefieder aufgrund des
darunter liegenden Fettgewebes.
Normale Stubenvögel ("Hansi-Bubis") sollten etwa 35 bis 40 Gramm wiegen,
Standardsittiche dürfen
rund 15 Gramm mehr auf die Waage bringen, also etwa ein
Gewicht von 55 Gramm. Was gesund und zu den jeweiligen Körperproportionen
passend ist, muss jedoch im Einzelfall entschieden werden, eine pauschale Regel
existiert nicht. An den oben genannten Gewichtsangaben sollten Sie sich dennoch grob
orientieren. Wollen Sie in Erfahrung bringen, wie viel Ihr Vogel
wiegt, verwenden Sie eine Brief- oder Küchenwaage, die auf ein Gramm
genau misst, und bestreut Sie diese mit Körnern. Dann stellen Sie die Waage
auf Null und lassen den Sittich hinauf klettern, damit er
dort fressen kann. So können Sie bequem sein
Gewicht ablesen, ohne den Vogel zu verängstigen oder gar einfangen
zu müssen. Sollten Sie trotzdem nicht sicher sein, ob der
Sittich zu den Schwergewichten gehört, wird Sie Ihr Tierarzt
sicher gern beraten.
Stellen Sie bei Ihrem Vogel Übergewicht fest, sollten Sie umgehend
etwas dagegen unternehmen. Dicken Vögeln geht es meist nicht
sonderlich gut. Viele von ihnen haben wunde Stellen oder Geschwüre
unter den Füßen, sogenannte
Ballengeschwüre, siehe Foto rechts.
Vor allem an Brust und Bauch, aber auch an anderen Körperstellen bilden sich sogenannte
Lipome. Dabei handelt es sich um gutartige
Fettgeschwülste, die jedoch so groß werden können, dass sie
den Vogel qualvoll und langsam umbringen. Noch gefährlicher als
diese von außen leicht sichtbaren "Rettungsringe" ist die Organverfettung, weil sie auf den ersten
Blick vom Laien praktisch nicht zu erkennen ist. Sind die Tiere zu dick,
spielen ab einem gewissen Punkt ihre inneren Organe aufgrund massiver Verfettung nicht
mehr mit. Der Vogel erkrankt schwer
(Leberstörung,
Herzschwäche, etc.) und stirbt schließlich.
Um einem Wellensittich zu seinem Normalgewicht zu verhelfen, ist es
mit einer Umstellung seiner Ernährung allein nicht getan. Das Tier benötigt dringend
Bewegung, anderenfalls kann der Körper das in seinem Inneren eingelagerte Fett
nicht abbauen. Sowohl die Diät als auch ein eventuelles Bewegungstraining müssen unbedingt mit einem fachkundigen Tierarzt abgestimmt werden, niemals sollte eine Gewichtsreduktion in Eigenregie durchgeführt werden! Wer glaubt, mit dem im Zoofachhandel angebotenen
Diätfutter könnten Vögel leicht zum Abspecken gebracht werden, der irrt. Viele diese Futtermischungen sind nicht empfehlenswert. Tierärzte können sinnvolle Ernährungsratschläge
geben oder gegebenenfalls die Umstellung auf spezielle Kost, sogenannte Extrudate, anordnen. In vielen Fällen ist aber eine ausgewogene Ernährung das Mittel der Wahl, um einen übergewichtigen Vogel abspecken zu lassen. Lesen Sie zu diesem Thema bitte die
Ernährungsrubrik an,
in der Sie viele Tipps finden, unter anderem auch ein Kapitel über
gesundes
Diätfutter.
Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum von .
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