Bei Vögeln können sich aus
unterschiedlichen Gründen Ekzeme und Hautausschläge
bilden. Genau wie beim Menschen, verursachen diese bei den Tieren
extremen Juckreiz, was dazu führt, dass sich die Vögel
an den betroffenen Stellen häufig die Federn ausreißen oder sich blutig kratzen. Um dies und eventuell
entstehende Entzündungen zu verhindern, ist es sinnvoll,
bereits beim ersten Anzeichen eines Ekzems sofort mit dessen
Behandlung zu beginnen. Allerdings ist es wichtig, dass ein
fachkundiger Tierarzt zuvor den Vogel untersucht und
den Grund für das Entstehen des Ekzems herausfindet. Der Arzt spricht bei
manchen Arten von Ekzemen übrigens von einer sogenannten
Dermatitis.
Symptome
Ekzeme erscheinen meist nicht von heute auf morgen. Sie entstehen
vielmehr über einen längeren Zeitraum, der zwischen einigen Tagen bis hin zu einigen Wochen variieren kann. Die
betroffene Hautregion wird in vielen Fällen anfangs unmerklich
rauer und trockener, später beginnt sie
schuppig zu werden und sich unter Umständen sogar abzulösen.
Auch nässende Ekzeme können in Erscheinung treten. Auf der Hautoberfläche bilden sich dann kleine Wasserbläschen oder borkige Krusten. Nicht immer fallen die Federn im
Bereich eines Ekzems aus oder werden von dem Vogel ausgerissen, so dass es oft schwierig ist, die
Hautveränderung zu sehen. Hegt man den Verdacht, dass ein
Vogel an einem beginnenden Ekzem leiden könnte, weil er sich häufiger kratzt, sollte man das Tier
in die Hand nehmen und die Federn an jener Stelle zur Seite
streichen, um die Haut genau betrachten zu können.
Aufgrund des starken Juckreizes reißen sich manche Vögel wie weiter oben erwähnt
selbst die Federn an der Stelle aus, die von der Hautveränderung
betroffen ist. Oft verursachen sie dabei Blutungen, da die durch das Ekzem geschädigte Haut dünn
und empfindlich ist. Einige Tiere belassen es nicht nur beim
Kratzen und Ausrupfen ihrer Federn. Sie beißen in ihrer
Verzweiflung in die juckende Haut und fügen sich selbst
teils schwere Wunden zu. Das Foto rechts zeigt einen Wellensittich mit einem
trockenen, nicht blutig gebissenen Ekzem am Flügel und an der Schulter. Im Bereich des Ekzems sind die Federn ausgefallen und die Haut ist sehr schuppig.
Achtung:
Das Ausrupfen der eigenen
Federn kann bei den Tieren schnell zur schlechten Angewohnheit
werden. Damit ein Vogel nicht dauerhaft zum
Federrupfer wird, sollte
man deshalb rasch etwas gegen Ekzeme unternehmen!
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Mögliche Ursachen
Das Feld der potenziell in Frage kommenden Ursachen für
Ekzeme ist bei Vögeln weit. Ein häufiger Grund
für Hautausschläge sind Pilzinfektionen der Haut.
Oft geht solchen Pilzinfektionen eine Hautverletzung voran,
die schlecht heilt. Ist das Immunsystem eines Vogels
geschwächt, können sich Hefepilze in der nässenden
Wunde festsetzen und ausbreiten. Derlei Hautpilze treten auch beim Menschen auf
und sollten auf alle Fälle schnellstens behandelt werden,
wenn sie bei Vögeln ausbrechen.
Achtung:
Manche Pilzinfektionen können
sich auf den inneren Schleimhäuten ausbreiten! Man spricht
abhängig davon, welcher Bereich des Körpers befallen ist,
von einem Soor oder von einem Darmpilz (vgl.
entsprechendes
Kapitel).
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Sehr häufig werden Hautveränderungen und Ekzeme durch Nährstoffmangel und eine falsche Ernährung ausgelöst. Ist die Kost zu einseitig, erhält der Körper des Vogels nicht genügend Nährstoffe, um gesunde Federn und strapazierfähige Haut zu bilden. Die Folge sind nicht selten juckende Ekzeme. Gerade bei Wellensittichen ist die Leberverfettung aufgrund zu gehaltvoller und zu üppig bemessener Nahrung ein weiterer häufiger Grund für das Entstehen von Ekzemen. Arbeitet die Leber nicht mehr richtig, weil sie durch die Einlagerung von Fett beeinträchtigt ist, wirkt sich das auch auf Haut und Gefieder aus, siehe Kapitel über Leberschäden.
Eine weitere Ursache für Ekzeme ist lang andauernder psychischer Stress. Dieser kann seinerseits
viele unterschiedliche Ursachen haben. Häufige Umgebungswechsel
führen beispielsweise bei manchen Vögeln, die auf Züchterausstellungen vorgeführt werden, zu
Hautveränderungen. Bei im Haus gehaltenen Vögeln kann
ein falscher Käfigstandort verheerende gesundheitliche Folgen haben. Finden die Vögel
aufgrund der wenig optimalen Unterbringung keine Ruhe, leidet
ihr Immunsystem, was zu Hautproblemen führen kann. Auch
ein schwelender Konflikt mit einem Schwarmmitglied führt gegebenenfalls zu psychischem Stress
und damit zu Ekzemen.
Da Wellensittiche und andere Vögel sehr empfindsam sind, kann man
oft nur mutmaßen, was sie psychisch unter Druck setzt. Die Suche
nach der Ursache ist mitunter schwierig, aber man sollte die
Mühen im Sinne der Gesundheit des erkrankten Vogels nicht
scheuen. Unter Umständen müssen die Haltungsbedingungen
oder die Schwarmzusammensetzung radikal geändert werden, um ein Ekzem dauerhaft zum Verschwinden
zu bringen.

Permanenter psychischer Stress ist mit großer Wahrscheinlichkeit
der Auslöser für eine schwere Hauterkrankung, die nicht
nur Wellensittiche, sondern vor allem Unzertrennliche heimsucht.
Diese normalerweise nicht heilbare Krankheit, bei der die Tiere von schweren, im späteren Verlauf der
Krankheit tödlichen Ekzemen geplagt werden, nennt man
EMA-Syndrom.
Doch nicht jedes schwere Ekzem ist automatisch das EMA-Syndrom, es
kommen auch andere Verläufe vor.
Hormonstörungen, die mitunter eine
Folge unerkannter, chronischer
Nierenerkrankungen
sind, können unter anderem zu trockener Haut und Federausfall
führen.
Funktioniert die Niere nicht einwandfrei, kann zudem das Blut nicht vollständig entgiftet werden. Oft geschieht es dann, dass die betroffenen Vögel Ekzeme entwickeln, weil ihr Körper die Giftstoffe über die Haut auszuscheiden beginnt.
Leider sind in manchen Fällen die Ursachen für
juckende Hautveränderungen durch einen normalen Kleintierarzt nicht ergründbar. Deshalb ist es wichtig, einen auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Fach-Tierarzt aufzusuchen. Solche Fachärzte verfügen in aller Regel über die nötigen Kenntnisse, um gründliche Ursachenforschung zu betreiben. Hierbei ist die Hilfe des Patientenbesitzers gefragt, denn er sollte den Arzt genau über alle wichtigen Details der Haltung und Ernährung
des Vogels unterrichten. Dies hilft dem Tierarzt, das Problem einzugrenzen und eine Lösung zu finden.
Ursachenforschung durch den Tierarzt
Um herauszufinden, ob ein Ekzem gegebenenfalls durch Keime wie Pilze hervorgerufen wird,
die die Haut besiedeln, kann der behandelnde Tierarzt Gewebeproben entnehmen. Vor allem bei
trockenen Ekzemen reicht es in aller Regel aus, wenn einige Gewebeschüppchen von der
oberen Hautschicht abgeschabt werden. Dies ist für den Vogel mit keinen oder nur
geringen Schmerzen verbunden, die unmittelbar nach der Probenentnahme wieder abklingen.
In besonders schweren Fällen muss mit einem Skalpell ein Stück der erkrankten Haut
entfernt werden. Hierbei ist es oft erforderlich, die entstandene Wunde mit einem Verband
davor zu schützen, vom Vogel benagt zu werden. Bedauerlicherweise ist diese Methode zur Probengewinnung
für den betroffenen Vogel vorübergehend recht unangenehm. Aber ein unbehandeltes
Ekzem, das den Vogel über Wochen oder gar Monate plagt, ist dagegen mit weitaus mehr
Unannehmlichkeiten verbunden! Das Foto in diesem Absatz zeigt das Wellensittich-Weibchen
Polito, das nach einer solchen Probenentnahme am Hals einen Verband tragen musste.
Die entnommenen Gewebeproben werden vom Tierarzt entweder sofort unter dem Mikroskop untersucht
(meist nur abgeschabte Hautstücke) oder aber an ein Labor geschickt, das weitere
Untersuchungen durchführt. Das Labor bestimmt meist, welches Medikament
zur Behandlung gegebenenfalls vorhandener Keime wirksam ist.
Darüber hinaus kann eine Untersuchung einer Blutprobe mitunter sinnvoll sein. Hierdurch kann der Tierarzt herausfinden, ob die Leber- und Nierenwerte im Normbereich liegen oder ob gegebenenfalls dort die Ursache für die Entstehung eines Ekzems zu suchen ist.
Wo treten Ekzeme auf?
Prinzipiell können Ekzeme überall am Körper eines
Vogels auftreten. Einige Stellen sind jedoch geradezu
prädestiniert für krankhafte Hautveränderungen.
Zu diesen Stellen gehören etwa die Flügel, der Hals oder der Brustbereich. Auch an den Ohren Vögel (vgl. Anatomiekapitel) können sich Ekzeme bilden. Die Vogelhalterin
Daniela Brunhofer
sandte mir das nebenstehende
Foto ihres Vogels Sammy, der an einem Ohrekzem litt. Frau
Brunhofer gelang es herauszufinden, wie sie die Beschwerden
ihres Sittichs lindern konnte (siehe unten).
Behandlung von Ekzemen
Kleine, nicht chronische Ekzeme lassen sich mit vom Tierarzt
verordneten Hautsalben meist recht schnell
kurieren. In schwereren
Fällen muss der Tierarzt ein wirksameres Mittel spritzen.
Je nachdem, worin die Ursache für den Hautausschlag liegt, muss
überdies der Auslöser beseitigt werden. Das heißt: Liegt etwa eine Leberverfettung vor, muss die Ernährung umgestellt werden, zudem muss der Vogel meist abspecken und über speziellen Futterzusätze mit Nährstoffen versorgt werden.
Als ergänzende Maßnahme können homöopathische und pflanzliche
Mittel hilfreich sein. Zudem gibt es ein Aloe-Vera-Spray namens "AVIx Soother", das die Heilung der Haut ankurbeln soll. Erhältlich ist es beispielsweise bei Avifood , Futtermittel Jehl , Papageienpark Bochum und Dr. Carlo Manderscheid .
Eine Lichttherapie kann bei der Behandlung
von Ekzemen wahre Wunder bewirken, wie die Vogelhalterin
Daniela Brunhofer zu berichten weiß. Ihr Wellensittich-Männchen Sammy litt an einem stark
juckenden Ohrekzem, das Frau Brunhofer lange Zeit großes
Kopfzerbrechen bereitete:
"Es hat ziemlich lange gedauert, bis wir wussten, was er
eigentlich hat. Zuerst dachte der Tierarzt, dass er an einer
Mittelohrentzündung leidet, da er sich ständig am Ohr gekratzt
und den Kopf so komisch verrenkt und geschüttelt hat. Deshalb hat
er ihn mit Antibiotika behandelt. Als das nicht geholfen hat, hat
er ihm ein Milbenmittel in den Nacken verabreicht, leider auch
ohne Erfolg. Sammy hatte sich inzwischen am Ohr schon blutig gekratzt.
In einem Buch für Ziervogelkrankheiten habe ich dann gelesen, dass
ein Vogel nur an den Ohren Schweißdrüsen besitzt und dass ein Ohr-Ekzem auftreten kann. Daraufhin hat mir
der Tierarzt ein Mittel mit Dermatop und Sulfur fürs Wasser
mitgegeben, woraufhin es auch besser wurde.
Den Durchbruch fand ich allerdings selbst heraus, als ich meine
Piepser an einem sonnigen Nachmittag im März mit auf der Terrasse
hatte. Das Sonnenlicht brachte das Ekzem fast zum Verschwinden.
Ich habe mir dann eine "Arcardia Bird Lamp" gekauft, die ein
ähnliches Spektrum aufweist wie das Sonnenlicht. Seitdem kratzt
sich Sammy fast gar nicht mehr. Man muss schon genau hinschauen,
damit man noch eine kleine Veränderung am Ohr sieht (manchmal
läuft noch ein bisschen Sekret aus dem Ohr)."
Solche Lampen kann man beispielsweise über folgende
Websites beziehen:
Bird-box.de (Rubrik Elektroartikel/Beleuchtung)
oder
FutterKonzept - Tiertechnik - Lampen .
Hier
finden Sie ein Birds-Online-Kapitel über diese
für Vögel wichtigen Lampen, weitere Informationen in
englischer Sprache sind auf den folgenden Internetseiten erhältlich:
Ähnliche Erkrankungen
Einige Krankheiten wie die Xanthomatose,
das EMA-Syndrom oder
Flügeltumoren
verursachen ähnliche Symptome. Nur ein vogelkundiger Tierarzt kann eine
sichere Diagnose stellen, was sehr wichtig ist, um dem erkrankten Tier helfen zu können.
Oft werden Hautveränderungen für Ekzeme gehalten, die durch Parasiten verursacht
werden. Sogenannte
Räude- oder Grabmilben
können die Haut an den Füßen
und an den Augen massiv schädigen. Anfangs kratzt sich ein betroffener Vogel
häufig an diesen Stellen und die Veränderungen der Haut können tatsächlich
leicht mit einem Ekzem verwechselt werden. Allerdings sind diese Körperbereiche, also
die Augen, die Beine und vor allem die Gegend rund um den Schnabel sowie Schnabel und Nase
selbst, typische Aufenthaltsorte für Grabmilben. Auch die
Kloakengegend
können diese Parasiten befallen. Bilden sich schorfige Ablagerungen auf der Haut eines Vogels und kann man im Schnabelhorn
winzige Bohrgänge erkennen, so handelt es sich bei dem vermeintlichen Ekzem sehr wahrscheinlich
in Wahrheit um einen Milbenbefall.
Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum von .
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