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  Vogel mit EMA-Syndrom und Flügeltumor Wellensittiche und Vögel sämtlicher Arten der Unzertrennlichen (Agapornis spp.) sind typische Vertreter aus der Gruppe der Papageien, bei denen eine überaus unangenehme Hauterkrankung auftreten kann. Man bezeichnet diese spezielle Ekzemform als EMA-Syndrom, bei dem die Abkürzung für "Ekzema Melopsittacus et Agapornis" steht, wobei die beiden lateinischen Ausdrücke für Wellensittiche (Melopsittacus undulatus) und Unzertrennliche stehen. Dieses Ekzem tritt ein- oder beidseitig in Erscheinung und äußert sich durch eine charakteristische Veränderung der Haut in der Achselhöhle und an der Flügelunterseite. In stark ausgeprägten Fällen sind ferner die Partien um den Bürzel, der Rücken, die Leistenbeuge und in einigen wenigen Fällen auch andere Teile des Flügels betroffen.

Verdickter Flügel Die Haut verdickt sich, bildet Beulen aus und es entstehen bräunliche, nässende Krusten. Auch können die Vögel an den Flügeln blutigen Schorf aufweisen. Alle erkrankten Hautpartien sind unbefiedert und sie jucken in vielen Fällen sehr stark, weshalb sich der betroffene Papagei ständig kratzt. Vögel, bei denen das EMA-Syndrom ausbricht, zeigen anfangs kaum Symptome. Viele Patienten werden relativ plötzlich flugunfähig, da ihnen die Schwungfedern ausfallen. Im weiteren Verlauf der Krankheit kann es zu schweren Blutungen bis hin zum Verbluten kommen, wenn sich der Vogel beim energischen Kratzen verletzt. Halter von der Krankheit betroffener Tiere sollten daher unbedingt einen Blutstiller im Haus haben und im Notfall schnell einen fachkundigen Tierarzt erreichen können.

Auslöser der Krankheit
Wellensittich mit EMA-Syndrom Bisher ist nicht vollständig geklärt, wodurch das EMA-Syndrom ausgelöst wird. Wahrscheinlich ist extremer Stress für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich. Vor allem Tiere, die auf Vogelausstellungen gezeigt werden, leiden vergleichsweise häufig an diesen aggressiven Hautekzemen. Zwar erkrankt nicht jeder Ausstellungsvogel zwangsläufig daran, aber unter diesen Tieren ist die Rate ungleich höher als unter Vögeln, die nicht auf Züchterausstellungen präsentiert werden. Das heißt demnach, dass im Einzelfall auch bei paarweise oder im kleinen Schwarm gehaltenen Heimvögeln mit Familienanschluss das EMA-Syndrom ausbrechen kann. Weitere Erklärungsansätze für das Auftreten der Krankheit sind Virusinfektionen oder Allergien der Tiere gegen bestimmte Substanzen, mit denen sie häufig oder gar täglich in Berührung kommen.

Symptome
Bei erkrankten Vögeln können sich erhebliche Komplikationen ergeben, falls sich die betroffenen Hautpartien mit Bakterien und Pilzen (Aspergillus spp., E. coli, Klebsiellen, Streptokokken, Staphylokokken, etc.) infizieren. Daraus können schwere Entzündungen der Haut entstehen, die dem Vogel teils starke Schmerzen bereiten.

Therapie
Schwanz und Kloakenbereich sind auch betroffen Die Aussichten auf Heilung sind bedauerlicherweise ausgesprochen schlecht, weshalb sich eine Therapie schwierig gestaltet. Meist gehen mit dem Ekzem zudem Organschäden an Leber oder Niere einher. Derlei Organprobleme müssen während einer Behandlung berücksichtigt werden und gegebenenfalls ist die Ernährung komplett umzustellen, um die Organe zu entlasten. Bei einem am EMA-Syndrom erkrankten Vogel versuchen die meisten Tierärzte, die möglicherweise in entzündeten Hautregionen vorhandenen Krankheitserreger rasch abzutöten. Dabei kommen oft Breitspektrumantibiotika und Pilzmittel (Antimykotika) zum Einsatz. Von Kortison - auch lokal aufgetragen - wird in manchen Fachbüchern aus unterschiedlichen Gründen abgeraten. Als zusätzliches Mittel aus der Homöopathie setzen Tiermediziner gelegentlich Mezereum sulfur ein.

Ansteckungsgefahr
Bislang wurde in keinem Fall eine Ansteckung von einem Vogel auf einen Artgenossen beobachtet, so dass man keine übermäßige Angst haben muss, wenn ein Wellensittich oder ein Unzertrennlicher des eigenen Vogelbestandes am EMA-Syndrom erkrankt ist.

Sonstiges zur Krankheit
Ein offenes Wort noch zum Schluss: Das EMA-Syndrom ist bislang nicht heilbar. Sollte Ihr Vogel an diesem Hautekzem erkrankt sein, ist es daher von größter Wichtigkeit, genau abzuwägen, ob das Tier überhaupt noch Lebensqualität hat oder sich ab einem gewissen Punkt nur noch quält. So sehr Sie auch an Ihrem Sittich oder Unzertrennlichen hängen sollten, denken Sie in erster Linie an sein Wohlbefinden. Oft ist der Leidensdruck für die betroffenen Vögel unbeschreiblich hoch. Ist dies der Fall, können Sie Ihrem kleinen Freund helfen, indem Sie ihn zum Tierarzt bringen und einschläfern lassen. Ihrem Vogel bleiben dadurch weitere Schmerzen, unerträglicher Juckreiz und unter Umständen ein qualvolles Verbluten aufgrund einer aufgekratzten Wunde erspart.

Ähnliche Erkrankungen
Einige Krankheiten wie die Xanthomatose, Ekzeme oder Flügeltumoren verursachen sehr ähnliche Symptome. Nur ein fachkundiger Vogel-Tierarzt kann eine sichere Diagnose stellen, was sehr wichtig ist, um dem erkrankten Vogel helfen zu können.

Anmerkung zu den Fotos in diesem Kapitel
Das in diesem Kapitel gezeigte Wellensittich-Weibchen Elli litt nicht nur am EMA-Syndrom, sondern obendrein an einem Flügeltumor. Leider war es mir nicht möglich, die Blutung zu stoppen, die entstanden war, als sich Elli ihr Unterflügelekzem sowie den Flügeltumor aufgepickt hatte. Sie verblutete innerhalb kürzester Zeit, obwohl ich sie mit blutstillenden Mitteln zu behandeln versuchte. Ich hatte nicht einmal mehr die Möglichkeit, sie zum Tierarzt zu bringen, weil alles viel zu schnell ging.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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