Genau
wie die Haut des Menschen, ist auch diejenige der Vögel ein Organ,
das stark durchblutet ist und sich ständig regeneriert. Durch
Verletzungen oder andere Einflüsse können sich bei den Tieren
verschiedene Hauterkrankungen bilden. Daran ändert auch die
Tatsache nichts, dass die Haut dieser Tiere fast überall unter
ihrem Gefieder verborgen ist. Vögel können an
unterschiedlichen Stellen des Körpers aufgrund verschiedener
Ursachen Geschwüre entwickeln. Relativ häufig leiden übergewichtige
Vögel unter sogenannten Ballengeschwüren, die sich aus Druckstellen an den Füßen bilden.
Sind Vögel aus irgendeinem Grund nicht mehr dazu in der Lage, auf den Füßen zu stehen, so legen
sie sich gern bäuchlings auf Stangen oder glatte Unterlagen, wodurch sehr schmerzhafte
und schlecht heilende Druck- oder Liegegeschwüre
auftreten können. Im Bereich der Bürzeldrüse kann es
ebenfalls zur Entstehung von Geschwüren kommen, solche
Veränderungen werden im entsprechenden Kapitel beschrieben.
Das Foto rechts zeigt ein Geschwür an der
Kloake. Dem betroffenen Wellensittich-Weibchen
sind vor dem Entstehen des Geschwürs in der Bauchhöhle verwachsene Eier operativ
entfernt worden. Danach bildete sich die Hautveränderung, die vom Vogelhalter ständig genau
beobachtet werden musste, denn derlei geschwollen, verschrumpelte Hautbereiche können
leicht aufreißen und sich entzünden. Wie bei jeder anderen Art von Geschwür,
muss unbedingt mit dem Tierarzt abgestimmt werden, wie die betroffene Hautpartie zu pflegen
und zu behandeln ist.
Unter einem Abszess
versteht man eine Eiteransammlung in einer neu entstandenen
Körperhöhle. Abszesse können ohne eine (sichtbare)
äußere Ursache entstehen. Am Vogelkörper finden sie
sich an allen erdenklichen Stellen, so dass man sie mitunter leicht
übersieht, weil sie vom Federkleid verdeckt werden. Oft
müssen Abszesse mit einem Antibiotikum sowie mit Hilfe einer
Operation behandelt werden. Der rechts gezeigte Vogel litt unter einem
Abszess am Flügel, das aufgeschnitten und mit mehreren Stichen
genäht werden musste. Wichtig ist, dass die betroffenen Tiere nach
einer Operation eine Schmerztherapie erhalten. Lässt man ein Abszess nicht vom Tierarzt behandeln
oder operativ entfernen, kann der erkrankte Vogel daran sterben!
Vergleichsweise
häufig treten bei Wellensittichen Abszesse im Stirnbereich direkt
oberhalb der Nase auf. Anfangs sind sie unter den Federn nicht gleich
zu erkennen, wenn sie nur langsam wachsen. Manche Abszesse füllen
sich jedoch so schnell mit Eiter, dass sie innerhalb weniger Tage oder
gar Stunden enorm anschwellen. Aufgrund dieser Schwellung werden die
Federn verdrängt oder sie fallen aus - die Wölbung und die
gespannte Haut werden sichtbar, siehe Foto rechts.
Ein Fallbeispiel für die Bildung eines Abszesses im Bereich der Stirn ist die Geschichte
des unten gezeigten Wellensittich-Weibchens
Medea.
Der Vogel litt an einer virusbedingten Gefiederstörung
(Französische
Mauser), die jedoch höchstwahrscheinlich nicht mit der
Abszessentstehung in Zusammenhang stand.
Bild Nr. 1 zeigt Medea im Profil, wie sie
normalerweise aussah. Über Nacht bildete sich über ihrer Wachshaut die in Bild
Nr. 2 gezeigte Schwellung. Zunächst war sie hart, die Haut nicht gerötet oder
anderweitig verfärbt. Der Bereich war nicht sonderlich druckempfindlich. 24 Stunden später, also am
nächsten Morgen, schimmerte flüssiger Eiter durch die Haut, was in Bild Nr. 3 zu
sehen ist. Bild Nr. 4 zeigt die Schwellung, wie sie nach 48 Stunden aussah. Deutlich ist
eine große Menge flüssigen Eiters unter der Haut zu erkennen, die Schwellung
war sehr druck- und schmerzempfindlich und weich.
Wenige Minuten nach dem Entstehen dieser Aufnahme wurde der Vogel vom Tierarzt behandelt.
Unter sterilen Bedingungen wurde das Abszess geöffnet und der Eiter wurde entfernt.
Anschließend wurde die Wunde desinfiziert. Bild Nr. 5 zeigt Medea kurz nach dem
Eingriff. Die Wunde heilte komplikationslos ab, eine weitere Eiterbildung trat nicht auf,
ist jedoch in anderen Fällen bei Abszessen dieser Größe durchaus bereits
vorgekommen.
Was geschehen kann, wenn ein Abszess an der Stirn nicht
erkannt und nicht behandelt wird, zeigt mein folgender
Erfahrungsbericht, der das Schicksal des Wellensittich-Weibchens Bayda
beschreibt.
Erfahrungsbericht: Riesiges Abszess an der Stirn
Ende Juni 2006 wurde im Tierheim meines damaligen Wohnortes ein Wellensittich
abgegeben, der eine merkwürdige Wucherung an der Stirn aufwies. Diese Wucherung wurde für einen Tumor oder ein Lipom
gehalten. Die behandelnde Tierärztin war nicht auf Vögel
spezialisiert und ließ die Stirnbeule deshalb in Ruhe, weil sie
den Wellensittich nicht zu stören schien. Trotzdem musste der
Vogel operiert werden, weil sich an seinem linken Flügel eine
große Federbalgzyste und an seinem Bürzel ein Tumor befanden. Der Eingriff glückte und ich übernahm den Vogel in meine Obhut, um ihn gesund zu pflegen.
Eigentlich
hatte ich das Tier wieder abgeben wollen, damit es vom Tierheim
vermittelt werden könnte. Aber ich entschied jedoch, dass ich den
Vogel behalten würde, weil ich Bayda während der Pflegezeit
sehr lieb gewonnen hatte. Sie lebte sich gut in meinem Vogelzimmer ein
und die Beule an ihrer Stirn schien ihr keine weiteren Probleme zu
bereiten. Einige Wochen später bildete sich an ihrem Flügel
erneut eine Schwellung, die mit einer gelben Flüssigkeit
gefüllt war. Bayda musste operiert werden. Der nicht auf die
Behandlung von Vögeln spezialisierte Tierarzt meinte, es
könnte Tumormaterial gewesen sein, aber auch dickflüssiger
Eiter, der sich in der Beule am Flügel befunden hatte.
Kaum hatte sich Bayda von dem erneuten Eingriff erholt, ging
es ihr etwa drei Wochen später plötzlich sehr schlecht. Sie
wirkte matt und die Beule an ihrer Stirn schien ein wenig gewachsen zu
sein. Auch an ihrem Bürzel bildete sich erneut eine große
Wucherung. Ich entschied, Bayda diesmal von einem Vogel-Facharzt
untersuchen zu lassen. Dr. Straub stellte fest, dass die Beule an der Stirn ein riesiges Abszess war, das prall mit Eiter gefüllt war. Damit Bayda keine Blutvergiftung
erleiden würde - der Eiter hätte jederzeit in den
Blutkreislauf gelangen können -, musste sie sofort operiert
werden. Die Aussichten auf Erfolg waren gering, weil sowohl die
Wucherung am Bürzel als auch das Abszess sehr groß waren.
Dennoch
wagten wir es, denn ein Weiterleben wäre mit beiden
veränderten Körperpartien nicht möglich gewesen. Der
Arzt erklärte, er würde Bayda nicht aus der Narkose
erwachen lassen, falls sich herausstellen sollte, dass ihr Leben nicht
zu retten sei. Am 10. Oktober 2006 fand der Eingriff stattundwährend ich um ihr Leben bangte, gelang es dem Arzt, Bayda
erfolgreich zu operieren. Sie verlor sehr viel Blut und er
erklärte später, im Abszess habe extrem viel Eiter gesteckt.
Lange wäre es ohne den erneuten Eingriff nicht mehr gut gegangen
und sie wäre sehr wahrscheinlich an einer Blutvergiftung
gestorben.
Am
11. Oktober konnte ich Bayda nach Hause holen. Sie war recht agil und
ich war erstaunt darüber, denn sie hatte am Vortag immens viel
durchgemacht. Glücklicherweise hatte sie schon Stunden nach der
Operation großen Appetit, so dass wir guter Dinge waren, sie
gerettet zu haben. In den darauf folgenden sieben Tagen wurde sie
antibiotisch behandelt (jeden Morgen einen Tropfen Baytril in den
Schnabel), die Wunden heilten komplikationslos ab und sie war wenige
Tage nach der Operation wieder ganz die Alte. Hätte der Eiter
ihren Organismus bereits weiter durchdrungen, wäre der
chirurgische Eingriff zu spät gekommen.
Erfahrungsbericht: Abszess unter der Wachshaut
Die Birds-Online-Leserin Jana Westerveld hat bei ihrem Wellensittich-Männchen Batman
zweimal die Entstehung eines Abszesses beobachtet. Beim zweiten Mal bildete sich der Eiterherd
direkt unter der Wachshaut
des Vogels. Dies sind ihre Erfahrungen:
1. Abszess
Bevor Batman das Abszess unter der Nasenwachshaut bekam, hatte er bereits ein Jahr
zuvor schon mit einem solchen Abszess zu schaffen, das fast an der gleichen Stelle
entstanden war - allerdings mehr oberhalb der Wachshaut und nicht darunter.
Meine damalige Tierärztin drückte das Abszess aus und holte den Eiter, der sich
darin befunden hatte, heraus und desinfizierte die Wunde. Das Foto rechts zeigt
Batmans erstes Abszess einen Tag vor der Behandlung bei der Tierärztin.
Damals war das Abszess schnell größer geworden und sah im Anfangsstadium lediglich
so aus, als wären Batman über der Wachshaut die Federn ausgefallen. Später
wurde es immer größer und knubbliger. Nach der Behandlung durch die
Tierärztin heilte die Wunde problemlos ab und Batman hatte keine Beschwerden
in dieser Richtung mehr.
2. Abszess
Ungefähr ein Jahr später entdeckte ich eines Tages, dass die eine Seite seiner
Nasenwachshaut dicker geworden war. Man konnte noch nicht großartig etwas erkennen.
Ich beobachtete die Stelle genau und nach ein, zwei Wochen entwickelte sich die
Sache weiter, so dass man langsam erahnen konnte, dass dort vielleicht erneut ein
Abszess entstand. Das Foto rechts zeigt das zweite Abszess in einem sehr frühen
Stadium, es ist knapp oberhalb der Wachshaut über Batmans rechtem Nasenloch
als kleine Veränderung der Haut zu erkennen.
Was mich besonders verwirrte, war, dass sich irgendetwas unter der Wachshaut
entwickelte, denn nach außen hin war nicht immer viel zu erkennen, außer
dass die betroffene Seite "dicker" war und dass sich ganz minimal oberhalb der Wachshaut
eine Veränderung erahnen ließ. Batman kratzte sich seitdem auch vermehrt an der
Stelle und rieb seinen Kopf an Ästen, denn es schien zu jucken. Ansonsten verhielt er
sich weiterhin ganz normal und ohne jede Einschränkung.
Aufgrund eines bevorstehenden Kurzurlaubs, war es mir nicht möglich, mit Batman noch
vor den Ostertagen einen Tierarzt aufzusuchen. Nach meinem Urlaub hatte sich die
Situation mit dem Abszess leider weiter entwickelt. Es war dicker geworden und nach außen hin
war nun auch deutlich zu erkennen, dass etwas unter der Wachshaut "hervorquoll".
Nachdem sich alles so unschön entwickelt hatte, fuhr ich mit dem Kleinen zu
einem vogelkundigen Tierarzt und ließ die Sache untersuchen. Der Tierarzt nahm
den Vogel in die Hand und schaute sich das Abszess genau an. Anfangs vermutete er,
es könne sich auch um einen Tumor handeln. Doch zu meiner Erleichterung
stellte sich heraus, dass es sich bloß um ein wirklich fieses und vereitertes
Abszess handelte, das zum Teil unter der Nasenwachshaut entstanden war.
Wie auch die Tierärztin es ein Jahr zuvor gemacht hatte, drückte er den gesamten
Eiter heraus, was für Batman eine äußerst unschöne und unangenehme Prozedur war,
die leider obendrein ein paar Minuten dauerte. Das Foto in diesem Absatz zeigt Batman nach der
Behandlung. Deutlich ist Blut in seinem rechten Nasenloch und oberhalb seiner
Wachshaut zu sehen.
Da es sich um eine große Entzündung gehandelt hatte, wurde Batman zum
Abschluss noch ein Antibiotikum gespritzt. Die Behandlung mit dem Medikament
musste am übernächsten Tag wiederholt werden. Danach war die Therapie
abgeschlossen und Batman von dem juckenden Ding befreit. Das Foto rechts zeigt Batman
einige Wochen nach der Behandlung. Die Wunde ist ziemlich gut verheilt, die
Verfärbung am Schnabel geht wieder zurück.
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