Bei sehr vielen Wellensittichen bildet im Laufe ihres Lebens eine
Fettgeschwulst, die man auch Lipom nennt. Dabei handelt es sich um eine Geschwulstbildung, die meist an Bauch oder Brust in Erscheinung tritt, aber auch an anderen Bereichen des Körpers auftreten kann. Die Ursache dafür, dass Wellensittiche mehr als viele andere Vogelarten zur Entstehung solche Geschwülste neigen, ist angeboren. Von Natur aus ist der Körper des Wellensittichs darauf programmiert, Fettreserven für magere Zeiten anzulegen, weil diese Vogelart in freier Natur nicht immer Futter in großen Mengen vorfindet. Aus diesem Grund sind viele in menschlicher Obhut gehaltene Wellensittiche
übergewichtig, denn ihnen steht meist permanent zu viel Futter zur Verfügung, darüber hinaus bewegen sich etliche Tiere zu wenig. Die Vögel setzen Fett an und werden insgesamt dick. In zahlreichen Fällen
wuchert zusätzlich zu den "Speckrollen" eine Fettgeschwulst, wenn
der betroffene Vogel hierzu neigt.
Achtung:
Lipome sind keineswegs nur bei übergewichtigen Tieren zu beobachten. Sie entstehen zuweilen auch bei normalgewichtigen bis schlanken
Vögeln!
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Ein Lipom erkennt man, indem man den Vogel im Profil, also von der
Seite, betrachtet. Sitzt er auf einer Käfigstange,
steht bei einem Vogel mit einem Lipom beispielsweise im Bauch- oder Brustbereich ein "Rettungsring" vor, der in extremen
Fällen bis zu einem Drittel des Körpergewichts ausmachen kann.
Die Fettgeschwulst ist rund oder knollig geformt, hat eine weiche und
elastische Konsistenz und wächst über Monate langsam heran. Das
umliegende Gewebe ist scharf von der Wucherung abgegrenzt, was selbst für
den Laien leicht zu erkennen ist. Häufig ist durch die dünne Haut eine gelbliche Färbung zu erkennen, denn das durchscheinende Fettgewebe ist gelb gefärbt. Kleine Lipome werden oft vom Gefieder verdeckt, größere ragen aus dem Federkleid hervor. In der Abbildung rechts ist ein Wellensittich-Weibchen
zu sehen, dem im Kloakenbereich ein relativ großes Lipom gewachsen ist.
Über der Geschwulst spannt sich
die Haut, was dem Vogel Beschwerden wie Juckreiz verursachen kann. Ist
dieser Juckreiz besonders stark, pickt sich der Vogel den betroffenen Bereich seines Körpers unter Umständen blutig. Oft verhornt die sich daraufhin neu bildende Haut und wird schwartig, es wachsen keine
Federn mehr nach. Wellensittiche, bei denen sich ein Lipom gebildet hat, können meist
nur noch schlecht fliegen, da sie zu schwer sind.
Ist die Geschwulst hart und verursacht sie dem Vogel Schmerzen, handelt
es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine bösartige
Wucherung, also um das, was umgangssprachlich als ein Tumor bezeichnet wird. Wenn man es ganz genau nimmt, sich Lipome eigentlich ebenfalls Tumoren, es handelt sich bei ihnen um Fetttumoren. Inwieweit sie zu einem bösartigen Tumor entarten können, muss der behandelnde Tierarzt beurteilen, denn bösartig ist ein weitläufiger Begriff. Auch wenn ein Lipom kein Krebs ist, kann es doch so groß werden, dass es die Funktion lebenswichtiger Organe einschränkt, weil es zu viel Platz im Körper einnimmt.
Manche gutartigen
Geschwülste und Lipome lassen sich relativ problemlos operativ entfernen, was vor allem dann sinnvoll ist, wenn von dem Lipom eine Gefahr für den betroffenen Vogel ausgeht. Das Foto rechts zeigt einen Wellensittich, an dessen Brust sich ein Lipom gebildet hatte. Durch eine unsanfte Landung kann ein solches Lipom platzen, was zu schweren Blutungen führt. Deshalb ist es oft ratsam, eine derartige Fettgeschwulst operativ zu entfernen.
Allerdings sollte der zu operierende Vogel vor dem Eingriff körperlich
in möglichst guter Verfassung sein. Je fitter der Vogel ist, desto höher sind seine Heilungs- und Überlebenschancen. Ihr Tierarzt wird mit Ihnen entscheiden,
was das Beste für Ihren Vogel ist, falls sich in seinem
Körper ein Lipom gebildet hat.
Einen bebilderten Erfahrungsbericht über einen erfolgreich operierten Wellensittich können Sie hier nachlesen.
Die Fotos unter diesen Zeilen zeigen einen weiteren Wellensittich, dem erfolgreich ein Lipom operativ entfernt worden ist. Die Fotos sind entstanden, während der Vogel narkotisiert war. Links ist er vor dem Eingriff und rechts unmittelbar danach, also kurz vor dem Aufwachen, zu sehen.
Ist aus bestimmten Gründen keine Operation möglich, weil sich das Lipom beispielsweise an einer ungünstigen Stelle am Körper befindet, kann man dem erkrankten Vogel nicht in jedem Fall helfen. Möglicherweise ist eine Therapie mit Spinnengift (Theranekron bzw. Tarantula) im Einzelfall sinnvoll. Da nicht alle Tierärzte solche Therapien durchführen, um zu versuchen, einen Tumor zum Schrumpfen zu bringen, sollten Sie sich im Zweifelsfall an einen Tierheilpraktiker wenden. Es ist jedoch zu bedenken, dass diese Therapie keinesfalls immer anschlägt!
Flügel-Lipome
Nicht immer müssen oder können Flügellipome operativ entfernt werden. Im Fall des unter diesen Zeilen gezeigten Wellensittichs liegt das Lipom an einer sehr ungünstigen Stelle. Eine operative Entfernung wäre ohne die Zerstörung des Flügels kaum möglich. Deshalb wird ein solches Lipom oft genau beobachtet und zunächst so belassen, wie es ist. Erst wenn es extrem stark wächst oder der Vogel es blutig beißt, werden weitere Schritte unternommen. Oft wird dann eine Teilamputation des betroffenen Flügels versucht, mitunter auch eine komplette Amputation, wenn sich das Lipom weiter oben am Flügel befindet.
Ein Fallbeispiel für eine Operation an einem Flügel-Lipom
Auch an den Flügeln können sich Lipome bilden. Geschieht dies an der Unterseite
eines Flügels, so ist der durch die Wucherung entstehende Druck auf die Flanke für
den betroffenen Vogel mitunter derart unangenehm, dass er das Lipom aufbeißt. In der
nebenstehenden Abbildung ist Wellensittich Maxi zu sehen, nachdem er sich sein
Flügel-Lipom aufgebissen hat. Seiner Besitzerin gelang es glücklicherweise,
die Blutung zu stoppen, bevor Maxi verblutete.
Um den Vogel nicht auch in Zukunft der permanenten Gefahr des Verblutens auszusetzen - es war leider zu
befürchten, dass der Vogel sein Lipom weiterhin benagen würde -, entschied
sich die Vogelhalterin dazu, ihren Sittich operieren zu lassen. Ein auf die Behandlung von Vögeln spezialisierter Tierarzt
entfernte das Lipom mit Hilfe eines Lasers. Die verkohlte Haut am
Flügel ist deutlich zu erkennen, siehe Foto rechts. Aufgrund der starken Hitzeentwicklung
verschließt sich das Gewebe beim Lasern umgehend, der Blutverlust ist gering.
Zudem sterben die meisten Nerven ab, so dass gelaserte Wunden nur geringe bis gar keine
Schmerzen verursachen - zumindest sagen dies viele Tierärzte.
Nach einer Laserbehandlung sollte der Flügel binnen ungefähr 14 Tagen
gänzlich und problemlos verheilen, die Flugfähigkeit bleibt in aller Regel
erhalten. In Maxis Fall bildete sich während der Heilungsphase unmittelbar neben
der Operationsnarbe ein neues, rasch wachsendes Lipom, das zu Spannungen in der Narbe
führte. Zehn Tage nach der Operation begann die gelaserte Stelle wieder stark
zu bluten, siehe Foto rechts. Leider verstarb Maxi kurze Zeit später, obwohl
seine Besitzerin alles Menschenmögliche versucht hatte, um sein Leben zu retten.
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