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  Schwere Kopfverletzung Immer wieder geschieht es, dass Vögel verunglücken, sich verletzen oder bei kleinen Streitigkeiten mit einem Artgenossen den Kürzeren ziehen. Dabei treten unterschiedliche Arten von Verletzungen auf, die nicht alle gleichermaßen gefährlich für den betroffenen Vogel sind. Wichtig ist es jedoch, genau darauf zu achten, wie viel Blut ein verwundeter Sittich verliert. Da ein Wellensittich nur über rund vier Milliliter Blut in seinem Körper verfügt, kann ein Blutverlust, der einige Tropfen übersteigt, unversehens zu einer tödlichen Bedrohung für das Tier werden. Wellensittiche geraten in Lebensgefahr, wenn sie etwa 0,4 Milliliter Blut verlieren, das entspricht lediglich rund zehn Tropfen! Insbesondere, wenn es sich um ein altes oder durch eine Krankheit beziehungsweise durch eine schwere Mauser geschwächtes Tier handelt, kann selbst ein geringer Blutverlust gravierende Folgen nach sich ziehen.

Die in diesem Kapitel beschriebenen Maßnahmen beziehen sich auf einen leichten (ein Tropfen) bis mittelschweren (zwei bis drei Tropfen) Blutverlust bei einem starken, gesunden Wellensittich. Verliert ein Vogel eine größere Menge Blut (drei bis vier Tropfen), so müssen andere Schritte eingeleitet werden, die im Kapitel über das Stillen von Blutungen beschrieben werden.

Schnittwunden
Diese Art von Verletzungen ziehen sich die meisten Wellensittiche an den Füßen zu, da die Haut dort nicht durch ein dichtes Federkleid geschützt ist. Leichte Schnittverletzungen, bei denen unter Umständen ein paar Hautschuppen abgelöst worden sind, bluten meist kaum. Dennoch ist es wichtig, die Blutung zu stillen, damit sie erst gar nicht zur Gefahr für den Vogel werden kann.

Schnittwunde am Kopf Schnittwunden unter den Federn kommen vergleichsweise selten vor, sind jedoch sehr tückisch, da man sie meist erst spät bemerkt. Hier besteht leichter die Gefahr des Verblutens, da eine von Federn verdeckte große Wunde erheblich weniger auffällig ist als eine Verletzung an den unbefiederten Füßen. Lediglich durch Bluttropfen auf dem Boden oder ein mitunter leicht verschmiertes Gefieder ist eine solche Wunde oft zu erkennen, nicht immer ist das Gefieder blutverschmiert. Typischerweise zeigt sich bei einer sehr leicht blutenden Schnittwunde, die unter den Federn liegt, ein länglicher, schmaler Bereich im Gefieder, der mit Blut durchtränkt ist. In der Abbildung in diesem Absatz ist eine kleine Verletzung dieser Art direkt oberhalb des Auges des Vogels zu sehen.

Verletzungen der Wachshaut (Nase)
Verletzte Wachshaut eines Katharinasittichs Die weiche Haut an der Nase ist empfindlich und Vögel können sich dort leicht verletzen. Allerdings sind nicht alle Vogelarten gleichermaßen anfällig für solche Verletzungen. So ist beispielsweise die Wachshaut der Katharinasittiche (siehe Foto rechts) extrem sensibel. Bei diesen Vögeln blutet die Nasenhaut sogar aufgrund kleiner Wunden, die bei anderen Vogelarten kaum zu einer nennenswerten Blutung führen, relativ stark. Wer sich nicht sicher ist, ob der eigene Vogel zu einer Art gehört, deren Nase im Fall einer Verletzung zu stärkeren Blutungen neigt, sollte gemeinsam mit einem Vogel-Facharzt das Thema besprechen und sich von dem Mediziner eine Einschätzung über das mögliche Risiko von Blutungen geben lassen.

Wellensittiche haben eine relativ robuste Wachshaut, aber auch sie kann unter bestimmten Umständen verletzt werden. Je nach Größe der Wunde, ist die Blutung mehr oder minder stark und muss gegebenenfalls von einem Tierarzt behandelt werden. In den meisten Fällen sind Verletzungen der Wachshaut bei Wellensittichen jedoch eher harmlos, weil die Wunden nur oberflächlich sind, siehe Foto unter diesen Zeilen.

Verletzte Wachshaut

Eine typische Situation, in der eine Verletzung an der Nase entsteht, ist zum Beispiel ein Aufprall durch einen Flug gegen eine Fensterscheibe, einen Spiegel oder ein anderes Hindernis. Hierbei entstehen oft Platzwunden an der Nase, die normalerweise schnell von allein aufhören zu bluten. Ein Eingreifen des Halters ist bei kleinen Sickerblutungen, die innerhalb weniger Minuten von allein stoppen, nur in den seltensten Fällen nötig. Achten Sie jedoch unbedingt darauf, ob der Vogel eventuell zusätzlich aus der Nase blutet (aus den Nasenlöchern, siehe unten), denn in diesem Fall hat er sich eventuell eine schwere Verletzung zugezogen und muss zum Tierarzt gebracht werden.

Gravierende WachshautverletzungWenn sich zwei Wellensittiche streiten, zielen sie mit ihren Schnabelhieben häufig auf den Kopf des Gegners. Trifft ein solcher Biss die Wachshaut, kann es zu erheblichen Verletzungen kommen. Das Foto rechts zeigt ein Wellensittich-Weibchen, bei dem neben dem rechten Nasenloch während einer Beißerei mit einem Artgenossen ein Stück Wachshaut aufgerissen worden ist. Solche Wunden sollten vom Halter versorgt werden, hier muss meist ein Blutstiller zum Einsatz kommen. Ideal ist blutstillende Watte geeignet, flüssige Blutstiller könnten in die Nase laufen und die empfindlichen Schleimhäute reizen.

Sehr schwere Wachshautverletzung Bedauerlicherweise kommt es gelegentlich vor, dass sich zwei Vögel während einer Streitigkeit regelrecht ineinander verbeißen. Erwischt einer der Kontrahenten die Wachshaut des Gegners, kann diese teilweise abgerissen werden. Die Folge sind sehr schwere Verletzungen der Nase mit erheblichem Blutverlust. Der Halter sollte umgehend eingreifen, weil der verwundete Vogel unter Umständen verbluten könnte. Auch besteht die Gefahr, dass das Blut nach innen läuft und das Tier daran im ungünstigsten Fall erstickt. Rechts ist ein Wellensittich-Weibchen zu sehen, das von einer Artgenossin schwer verletzt worden ist. Teile der Wachshaut wurden im Kampf abgerissen, die Blutung war sehr stark. Nach der Abheilung blieb bei dem Tier die normalerweise unter der Wachshaut verborgen liegende Nase des Vogels ungeschützt zurück, die Wachshaut wuchs nicht nach, weil sie zu stark geschädigt worden ist, siehe Fotos unten.

Zerstörte Wachshaut nach der Heilung   Zerstörte Wachshaut nach der Heilung

Nasenbluten
Nasenbluten bei einem Wellensittich Nasenbluten, bei dem das Blut aus dem Inneren der Nase sickert, tritt meist in Verbindung mit einer Verletzung der Wachshaut oder nach einem Kollisionsunfall auf. Es lässt sich nicht vom medizinischen Laien behandeln. Dem betroffenen Vogel hilft es nicht, wenn man ihm einen Blutstiller von außen auf die Nase gibt, weil die eigentliche Verletzung damit meist nicht erreicht werden kann. Wichtig ist, dass die Nasenlöcher durch die sich mit der Zeit bildenden Blutkrusten nicht verstopfen, weil der Vogel sonst nicht mehr frei atmen könnte. Mit einem Zahnstocher kann eine Blutkruste, die ein Nasenloch verstopft, vorsichtig entfernt werden. Sickert weiterhin Blut aus der Nase, sollte unbedingt sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Wichtig ist, dass beim Hantieren mit einem Zahnstocher äußerste Vorsicht waltet, denn rutscht der Tierhalter ab, kann er die empfindliche Wachshaut des Vogels mit der Holzspitze verletzen oder im schlimmsten Fall gar ein Auge des Tieres treffen. Wer sich nicht zutraut, seinen Vogel sicher mit der Hand zu fixieren, um die Nasenlöcher von einer Blutkruste zu befreien, sollte sicherheitshalber einen Tierarzt aufsuchen.

Wellensittich mit Nasenbluten    Wellensittich mit Nasenbluten

(Offene) Quetschwunden
Zu (offenen) Quetschungen kommt es bei zahmen Heimvögeln häufig dann, wenn sie beispielsweise auf einer Tür sitzen und diese geschlossen wird. Die entstehenden Wunden an den Füßen müssen unbedingt so schnell wie möglich von einem Tierarzt behandelt werden, da in den meisten Fällen Blutgefäße beschädigt werden und nicht mehr richtig durchblutete Zehen absterben könnten. Außerdem werden oft die Blutgefäße der Krallen verletzt. Bei kleineren Vogelarten ist der dadurch entstehende Blutverlust meist enorm groß! Der betroffene Vogel verblutet unter Umständen, wenn man nicht schnell genug reagiert. In vielen Fällen tragen Sittiche durch eine schwere Quetschung nicht nur eine offene Wunde davon. Etlichen Vögeln brechen bei einem solchen Unfall die Knochen oder ihre Sehnen werden verletzt beziehungsweise in den schlimmsten Fällen durchtrennt. Knochenbrüche müssen grundsätzlich von einem Tierarzt behandelt werden, und das nach Möglichkeit sofort. Offene Brüche, bei denen Knochenteile aus einer Wunde ragen, führen nicht selten innerhalb kürzester Zeit zu schweren Infektionen, die tödlich verlaufen, wenn sie unbehandelt bleiben.

Das heißt: Ein Vogel, der eine Quetschung erlitten hat, gehört sicherheitshalber so schnell wie möglich in die Hände eines Tiermediziners, der idealerweise über chirurgische Erfahrung verfügen sollte, falls eine sofortige Operation erforderlich ist!

Platzwunden
Platzwunde an der Stirn Leider kommt es gelegentlich vor, dass ein Wellensittich oder ein anderer Ziervogel in der Wohnung gegen einen Spiegel, eine Wand oder eine Glasscheibe fliegt, sei es aus Panik oder aus Unachtsamkeit. Bei einem Zusammenstoß ziehen sich die Vögel meist Platzwunden an der Wachshaut oder am Kopf zu. Solche Platzwunden können wie beim Menschen sehr stark bluten und sind daher nicht selten lebensgefährlich. Stillen Sie die Blutung als Erste-Hilfe-Maßnahme und bringen Sie den Vogel dann zum Tierarzt. Dieser kann feststellen, ob sich der Vogel eventuell obendrein eine Gehirnerschütterung zugezogen hat. Große Platzwunden müssen genäht werden, um zu verhindern, dass sie wieder und wieder aufreißen und erneut zu bluten beginnen.

Wunden durch ausgerissene Federn
Blutender Flügel Im Streit mit Artgenossen oder bei einem Unfall können Vögeln einige Federn ausgerissen werden. Eine einzelne ausgerissene Feder wird kaum eine große Wunde verursachen. Sind es jedoch gleich mehrere Federn, kann der Blutverlust beträchtlich sein. Auch verletzte oder ausgerissene Blutkiele können zu schweren Blutungen führen. Besonders am Flügel oder am Schwanz können die Wunden recht groß sein, da die Schwung- und Schwanzfedern einen breiteren Kiel aufweisen als das übrige Körpergefieder. Sie sollten die Verletzung sehr aufmerksam beobachten und den Vogel gegebenenfalls zum Arzt bringen. In vielen Fällen nagen die Tiere an solchen Wunden und picken sie immer wieder auf. Ist dies der Fall, muss ihnen unter Umständen für einige Tage eine Halskrause angelegt werden.

Haut eines Katharinasittichs, dem Federn ausgerissen worden sindWerden die Federn großflächig ausgerissen, kann es vorkommen, dass sich ein Stück Haut mit den Federn löst. Hierbei können starke Blutungen auftreten. Außerdem kommt es meist in den Tagen nach dem Ausreißen der Federn zu einer Verfärbung der Haut. Dabei handelt es sich meist um einen "blauen Fleck", also einen Bluterguss (Hämatom). Die Haut ist dann sehr druckempfindlich und bedarf unter Umständen besonderer Pflege, bis die Federn wieder nachgewachsen sind. Am besten ist in einem solchen Fall mit einem fachkundigen Tierarzt zu besprechen, ob und wie die Haut behandelt werden sollte. Das Foto in diesem Absatz zeigt den Rücken eines Katharinasittichs, dem großflächig Federn ausgerissen worden sind.

Bisswunden
Bisswunde am Kopf In einer Gruppe von Vögeln kommt es immer wieder zu kleinen oder größeren Meinungsverschiedenheiten; vor allem bei der Vergesellschaftung nicht sonderlich gut verträglicher Vogelarten kann dies häufiger geschehen und mitunter fatale Folgen haben. Unter Wellensittichen werden bei einem Konflikt nicht immer nur Drohgebärden vorgetragen, sondern auch die spitzen Schnäbel kommen zum Einsatz. Bisswunden können heftig bluten und erfordern sofortiges Eingreifen des Vogelhalters. Ich selbst habe bereits mehrfach bei meinen Vögeln zum Blutstiller greifen müssen, um sie vor dem Verlust von allzu viel Blut zu bewahren. Besonders aggressiv verhalten sich brutlustige Vogelweibchen. Sie attackieren einander und verbeißen sich in ihre jeweilige Kontrahentin. Deshalb ist von einer Koloniebrut bei Wellensittichen und vielen anderen Vogelarten abzuraten, weil es zu blutigen Kämpfen und schwersten Verletzungen kommen kann.

Bisswunde am Bein Die meisten Bisswunden finden sich im Kopfbereich oder an den Beinen, siehe Foto oben und Abbildung rechts. Seltener finden sich Wunden am übrigen Körper oder gar an der Zunge, siehe weiter unten. Gehen Sie unbedingt mit einem Vogel, der tiefe Bisswunden aufweist, zu einem Tierarzt. Dies gilt insbesondere bei Verletzungen im Bereich des Kopfes, der Augen sowie der Zunge und des Halses, da starke Schwellungen, wie sie bei Entzündungen oft auftreten, mitunter erhebliche Komplikationen verursachen. Vor allem eine stark geschwollene Zunge kann zum Tod durch Ersticken führen!

Schwere Kopfverletzung Abbildung rechts: Bei einem Streit mit einer Artgenossin zog sich mein Wellensittich-Weibchen Elara eine großflächige und tiefe Kopfwunde zu. Ihr wurde ein Loch in die Kopfhaut gebissen und der Schädel lag an jener Stelle vollkommen frei. Das Foto rechts zeigt sie etwa zwei Wochen nach der Beißerei. Anfangs überlebte sie diese Verletzung trotz des hohen Blutverlustes. Einige Wochen später erlag sie jedoch einer starken Niereninfektion, an der sie höchstwahrscheinlich deshalb litt, weil ihr Immunsystem infolge des hohen Blutverlustes geschwächt worden war.

Nahezu verheilte Kopfverletzung Nach drei Wochen waren Elaras Wunden weitestgehend verheilt. Auch die deutlich kleinere Wunde oberhalb der Nase hatte sich fast geschlossen. Noch immer war eine Blutkruste auf der Wachshaut (Nase) zu sehen. Das Kopfgefieder wirkte stellenweise gelb, weil es von den längst abgefallenen Blutkrusten sowie der antibiotischen Salbe verfärbt war. Als das Foto entstand, war die tödliche Infektion, die sich in Elaras Nieren ausbreitete, leider noch nicht zu erkennen, sie brach erst einige Tage später aus und tötete den Vogel binnen kurzer Zeit.

Stichverletzungen
Die Wohnung ist ein Abenteuerspielplatz, der Vögeln während des Freiflugs zuweilen gefährlich werden kann. Stichverletzungen, die beispielsweise infolge einer Landung auf einem Kaktus entstehen, sind leider keine Seltenheit und gehören in die Hände eines Tiermediziners. Nur er kann feststellen, wie tief die Verletzung tatsächlich ist und kann entsprechende Behandlungsschritte bis hin zu einer gegebenenfalls nötigen Operation einleiten.

Alle blutenden Stichverletzungen sollten vom Besitzer genau beobachtet werden. Hört die Blutung nicht innerhalb etwa einer Minute von allein auf, müssen Sie zum Blutstiller greifen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier. Wie bereits weiter oben beschrieben, ist es in den meisten Fällen nötig, den Vogel zum Tierarzt zu bringen. Auch ist es wichtig, die Wunde beim Abheilen zu kontrollieren, damit sich nicht unbemerkt eine Entzündung im Vogelkörper ausbreiten kann. Achten Sie später, wenn die Wunde bereits abgeheilt ist, genau auf das Verhalten Ihres Vogels. Ein hoher Blutverlust bedeutet stets extremen Stress für das Immunsystem der Vögel und kann Wochen später noch zu Sekundärinfektionen führen. Sie senken dieses Risiko, wenn Sie Ihren Vogel von einem Tierarzt behandeln lassen.

Schwillt nach einer Stichverletzung ein Bereich des Körpers enorm stark an und wirkt er wie ein Ballon, könnte eine Verletzung eines Luftsacks vorliegen. Selbst wenn nur wenig Blut fließt, muss ein Tierarzt aufgesucht werden, um die Luftsackverletzung zu behandeln.

Verletzungen der Krallen
Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem ausführlichen separaten Kapitel.

Verletzungen der Zehen und Füße
Schwere ZehenverletzungVor allem durch Beißereien mit Artgenossen, aber auch durch Hängenbleiben oder Quetschungen kann es bei Ziervögeln zu sehr schweren Verletzungen der Zehen und Füße kommen. Leider geschieht es zum Beispiel unter Wellensittichen relativ häufig, dass die Tiere einander bei Streitigkeiten gezielt in die Füße beißen und dabei im schlimmsten Fall ganze Zehenglieder abtrennen. Das Foto rechts zeigt ein Wellensittich-Weibchen, das sehr wahrscheinlich von einem anderen Weibchen schwer verletzt worden ist. Zwei Zehen sind teilweise abgetrennt, bei einem Zeh hängt noch ein Teil des Knochens am Stumpf, das Fleisch wurde vom Knochen gerissen.

Blutiger FußSolche Verletzungen bluten oft stark und müssen schnellstmöglich medizinisch versorgt werden. Häufig müssen die Gefäße durch Hitzeeinwirkung vom Tierarzt verödet werden, damit der betroffene Vogel nicht verblutet. Sollten Sie einen Ihrer Vögel mit einer derart gravierenden Verletzung vorfinden, ist Eile geboten. Das Tier sollte auf dem schnellsten Wege zum Arzt gebracht werden, denn abgesehen davon, dass es verbluten könnte, sind offene Stümpfe regelrechte Einfallstore für Krankheitserreger, die im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Blutvergiftung führen.

Nachdem der verletzte Vogel durch einen Tierarzt medizinisch versorgt wurde, muss dafür gesorgt werden, dass die Wunden nicht verschmutzen (keinen Vogelsand in den Käfig geben!) und der Vogel sie nicht benagt. Gegebenenfalls muss vorübergehend eine Halskrause angelegt werden. Eine Schmerztherapie ist häufig sinnvoll, besprechen Sie dies bitte mit dem behandelnden Tierarzt.

Verletzungen des Schnabels
Schwere SchnabelverletzungDer Schnabel der Vögel besteht nicht nur aus dem Hornmaterial, das von außen sichtbar ist. Im Innern befindet sich ein gut durchbluteter knöcherner Bereich, der das nachwachsende Schnabelhorn mit Nährstoffen versorgt. Wird das Schnabelhorn verletzt und erstreckt sich diese Wunde bis in durchblutete Schichten oder wird gar der Knochen selbst in Mitleidenschaft gezogen, kann dies zu schweren Blutungen führen. Solche Wunden sind für Vögel äußerst schmerzhaft. Je nach Größe geht von ihnen anfangs einerseits ein permanender Wundschmerz aus, außerdem tut der Schnabel beim Fressen weh. Schnabelverletzungen sollten unbedingt von einem fachkundigen Tierarzt versorgt werden, denn falls die Wunde sich selbst überlassen bleibt, könnte ein Vogel verbluten. Auch könnte der Schnabel abbrechen, und ein Schnabelbruch ist häufig das Todesurteil für den betroffenen Vogel. Der in diesem Absatz gezeigte Vogel hat eine tiefer gehende Schnabelverletzung erlitten, die vermutlich einige Zeit unbehandelt geblieben ist. Dadurch ist das Schnabelhorn unregelmäßig nachgewachsen.

Verletzungen der Zunge
Die Zunge wird bei Vögeln sehr gut durchblutet und enthält viele Nerven. Wird sie verletzt, was zum Beispiel bei einem Kampf zwischen zwei Vögeln geschehen kann, ist die entstehende Blutung meist sehr stark. Zudem schwillt die Zunge häufig enorm an, was zu Atemproblemen führen kann. Vögel, deren Zunge verletzt ist, sollten sicherheitshalber immer schnellstmöglich einem fachkundigen Tierarzt vorstellen! Das Stoppen einer schweren Blutung an der Zunge ist für einen Laien kaum möglich. Darüber hinaus ist es häufig sinnvoll, dem verletzten Vogel ein Schmerzmittel vom Tierarzt geben zu lassen. Denn eine Zungenverletzung geht in aller Regel mit starken Schmerzen einher und die betroffenen Tiere verweigern möglicherweise sogar die Nahrungsaufnahme. In einem solchen Fall muss der gefiederte Patient unter Umständen zwangsernährt werden, was nur erfahrene Tierhalter selbst durchführen können. Es kann deshalb sein, dass ein Vogel, der an einer Zungenverletzung leidet, vom Tierarzt stationär aufgenommen wird, damit das Tier in der Praxis oder Klinik einige Tage lang zwangsernährt werden kann.

Vorsicht beim Eincremen!
Wellensittich nach der GefiederreinigungGegen Hauterkrankungen werden beim Menschen häufig Salben oder Cremes eingesetzt. Dies gilt in vielen Fällen auch bei Hautkrankheiten der Vögel. Doch beim Eincremen der Tiere ist allergrößte Vorsicht geboten, damit das Gefieder nicht verschmutzt. Wer seinen Tieren etwas Gutes tun und die Haut im Krankheitsfall pflegen möchte, verursacht oft großen Schaden am Gefieder, wenn die Salbe oder Creme zu dick aufgetragen wird. Es ist meist ausgesprochen schwierig, verschmierte Federn wieder zu reinigen. Selbst wenn sie ausgewaschen werden können - dies sollte ein Tierarzt übernehmen! -, so sind sie danach meist stark beschädigt und wärmen den Vogel nicht mehr ausreichend. Auch kann es sein, dass die Flugfähigkeit eingeschränkt wird oder ganz verloren geht, wenn Federn durch Salben oder Cremes zu stark verunreinigt worden sind. So weit sollte man es nicht kommen lassen und diese Präparate nur sehr dünn auftragen. Das Foto rechts zeigt einen Wellensittich nach der Gefiederreinigung. Seine Füße sind zuvor von seinem Halter stark eingecremt worden. Anschließend war das Gefieder so stark verschmutzt, dass es in der Tierarztpraxis in einer langwierigen und für den Vogel unangenehmen Prozedur gereinigt werden musste. Die Abbildung unten zeigt einen Nymphensittich nach der aufwendigen Gefiederreinigung in der Tierarztpraxis. Der Vogel ist zuvor von seinem Halter großflächig mit Penatencreme eingerieben worden.

Nymphensittich nach der Gefiederreinigung

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