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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Augenentzündung bei einem Wellensittich Kleinpapageien und Wellensittiche neigen zwar nicht übermäßig stark dazu, an Augenentzündungen zu erkranken. Dennoch kommen solche gesundheitlichen Probleme bei diesen Vögeln gelegentlich vor. Es gibt verschiedene Augenerkrankungen, die bei den Ziervögen in Erscheinung treten. Für den Laien ist es schwierig, die einzelnen Erkrankungen zu erkennen. Aus dem Grund sollte zur Diagnosestellung grundsätzlich ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. So kann nicht nur sicher festgestellt werden, welche Augenerkrankung im Einzelfall vorliegt, sondern es kann auch eine auf den jeweiligen Vogel abgestimmte Therapie ausgearbeitet werden.

Eine bei Vögeln auftretende Augenerkrankung ist die Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis genannt. Sie äußert sich bei Vögeln durch Schwellungen, wässrige Augen, milchig-eitrigen Ausfluss, Krusten und Borken an den Augenlidern und im umliegenden Gefieder sowie oft durch Brennen oder heftigen Juckreiz.

Entzündetes AugeLeidet ein Vogel an einer Augen- oder Bindehautentzündung, schellen die Augenlider des betroffenen Sehorgans stark an. Mitunter ist die Schwellung so stark, dass der Vogel die Lider nicht mehr öffnen kann. Häufig kratzen sich betroffene Tiere an dem Auge und scheuern den Kopf über Stangen oder andere Gegenstände. Je nachdem, wie stark der Juckreiz oder das Brennen ausgeprägt ist, wird so oft gekratzt, dass die Federn rund um das erkrankte Auge ausgerissen werden. Das geschieht deshalb, weil bei Augen- und Bindehautentzündungen Eiter und wässrige Sekrete austreten, die das umliegende Gefieder verkrusten lassen. Zerrt ein erkrankter Vogel mit den Krallen an diesen Krusten, reißt er sich die Federn gleich büschelweise aus der Haut. Mitunter kommt es jedoch nicht zu einem Federverlust, die Schwellung erweckt lediglich diesen Anschein: Die durch die Entzündung geschwollene Haut rund um das Auge wölbt so sehr auf, dass es nur so aussieht, als habe sich der erkrankte Vogel die Federn ausgerissen.

Auch blutig gekratzte Haut in der Augengegend ist keine Seltenheit, wenn die schützende Federschicht erst einmal fehlt. Diese Wunden können sich ihrerseits entzünden, was zu so starken Schwellungen führt, dass das Gesicht des Vogels vollkommen entstellt ist. In besonders schweren Fällen zerreißen die Vögel mit ihren Krallen beim Kratzen ihre Augenlider. So weit sollte es kein Vogelhalter kommen lassen, denn derart schwere Augenlidverletzungen heilen normalerweise schlecht und es bleiben zeitlebens Narben zurück.

Bei der Behandlung von Bindehautentzündungen und anderer Augeninfektionen kommen bei Vögeln wie beim Menschen Augensalben mit Antibiotika oder Augentropfen zum Einsatz. Ein Tierarztbesuch ist unbedingt erforderlich, denn nur der Arzt kann die notwendigen Medikamente verordnen.

Von einer eigenmächtig eingeleiteten Therapie mit einer selbst ausgewählten Salbe oder mit Augentropfen ist dringend abzuraten. Viele gängige, aus der Humanmedizin bewährte Präparate können bei Vögeln zur Erblindung führen.

Der Gang zum Tierarzt ist zudem aus einem anderen Grund sehr wichtig: Meist entsteht eine Augenentzündung nur dann, wenn der Vogelkörper durch eine weitere Infektion geschwächt ist. Sollte im Körper des Vogels eine weitere Krankheit schlummern, so gilt es, diese rasch zu entdecken.

Achtung:
In manchen Fällen zeigt sich eine Infektion mit der gefährlichen PaPapageienkrankheit durch eine Bindehautentzündung. Sollte sich der Vogel extrem schlapp fühlen und neben der Augenentzündung Atemwegsprobleme zeigen, sollten Sie das Tier zu seiner und Ihrer eigenen Sicherheit unbedingt auf Psittakose untersuchen lassen.

Leidet einer Ihrer Vögel an einer Augenentzündung, sollten Sie ihn sicherheitshalber von seinen Artgenossen isolieren, denn es besteht mitunter die Gefahr einer Ansteckung. Den Boden des Krankenkäfigs sollten Sie nicht mit Sand bedecken, da der feine Sandstaub das erkrankte Auge erheblich reizen könnte. Besser ist es, den Boden mit Zeitungs- oder Küchenpapier zu bedecken, weil es nicht staubt. Die meisten Vögel genießen eine Bestrahlung mit einem Infrarot-Dunkelstrahlerahler, wenn sie an einer Bindehautentzündung oder anderweitigen Augenentzündung leiden.

Verklebtes Gefieder rund um die Augen kann man bei zahmen Vögeln vorsichtig reinigen. Verwenden Sie hierfür ein Wattestäbchen, das Sie mit klarem Wasser angefeuchtet haben. Damit können Sie die verklebten und verkrusteten Federn betupfen und durch sehr vorsichtiges Reiben reinigen. Lösen sich die Krusten dadurch nicht, reiben Sie lieber nicht weiter, um das Auge nicht noch mehr zu reizen.

In vielen Internetforen wird dazu geraten, die Augen mit Kamillentee zu spülen. Dieser Rat kann gefährlich sein, denn Kamille greift unter bestimmten Umständen die Schleimhäute an und kann zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Vogels führen. Sprechen Sie solche Therapieschritte immer mit dem behandelnden Tierarzt ab.

Hornhautödem bei einem WellensittichWichtig: Leidet ein Vogel nicht nur unter einer Augenentzündung, sondern trübt sich gleichzeitig auch das Auge ein, sollte unbedingt mit dem Tierarzt darüber gesprochen werden. In manchen Fällen handelt es sich bei dieser Eintrübung - das Auge sieht milchig aus - um ein Ödem in der Hornhaut. Wird es rasch mit den richtigen Augentropfen behandelt, kann es sich zurückbilden und dem Vogel bleibt eine Seheinschränkung erspart. Bildet sich die Trübung nicht zurück, ist das Sehvermögen des Vogels dauerhaft stark eingeschränkt. Bedauerlicherweise ist jedoch nicht jede Eintrübung des Auges behandelbar. Steckt kein Hornhautödem dahinter, sondern eine andere Ursache wie etwa Grauer Star, bleibt die milchige Stelle im Auge und der Vogel kann deshalb schlecht sehen.

Ähnliche Erkrankungen
Augenzubildung bei einem WellensittichLiegt eine starke Schwellung unterhalb eines Auges vor und ist hierbei das Lid nicht betroffen, könnte es sich bei der Erkrankung um eine Nasennebenhöhlenentzündung handeln. Bitte lesen Sie zudem auch die Kapitel über Gerstenkörner und Augentumoren. Auch Verletzungen der Augenlider oder Erkrankungen der Nickhaut (drittes Augenlid) können zu enormen Schwellungen und Rötungen führen. Außerdem kann es vorkommen, dass sich im Auge oder in der Augenhöhle Zysten sowie andere Wucherungen (Zubildungen) entwickeln. Auch Tumoren können vorkommen. Bei dem in diesem Absazt gezeigten Vogel hat sich im Auge eine Zubildung entwickelt, die zu einer starken Schwellung geführt hat. Was wie eine Augenentzündung ausgesehen hat, hat eine Operation nach sich gezogen, bei der dem erkrankten Wellensittichweibchen leider das Auge entfernt werden musste.

Erfahrungsbericht
Wie stark eine Augenentzündung das Wohlbefinden eines Vogels dauerhaft beeinträchtigen kann, verdeutlicht die dramatische Leidensgeschichte der Vogeldame Cindy.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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