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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Dieser Wellensittich hat sich übergebenUnter den Infektionskrankheiten, die Wellensittiche und andere Ziervögel betreffen können, gibt es eine, die relativ häufig in Erscheinung tritt und über die Jahre unterschiedliche Namen erhalten hat. Heute bezeichnet man diese Erkrankung als Macrorhabdiose, zuvor war die Bezeichnung Megabakteriose gebräuchlich und auch als Going-Light-Syndrom (GLS) ist diese Erkrankung nach wie vor bekannt. Alle genannten Bezeichnungen beschreiben dieselbe heimtückische Erkrankung, bei der die infizierten Vögel in der Akutphase stark an Gewicht verlieren, was auf Englisch "going light" heißt und somit den zuletzt genannten Namen der Erkrankung erklärt. In diesem Kapitel erfahren Sie, wodurch die Krankheit verursacht wird, wie man sie behandelt und was sie so tückisch macht.

Wie eingangs erwähnt, sind Wellensittiche relativ häufig von dieser Infektionskrankheit betroffen, sie wurde jedoch auch schon bei anderen Vogelarten wie beispielsweise Katharinasittichen beobachtet. Die Macrorhabdiose ist ansteckend und verläuft oft schubweise, sodass ein erkranktes Tier vorübergehend beschwerdefrei sein kann. In manchen Fällen wird dann leider Umständen fälschlicherweise angenommen, es handle sich um einen kerngesunden Vogel, der von seiner vorherigen Unpässlichkeit geheilt ist. Darin liegt ein sehr großes Risiko, denn wenn ein unbemerkt an der Erkrankung leidendes Tier neu in einen Vogelschwarm einzieht, kann es seine neuen Schwarmgefährten anstecken, obwohl es selbst nicht krank aussieht. Dies ist noch ein Grund mehr, weshalb Vogelhalter mit der Macrorhabdiose vertraut sein sollten.

Typische Symptome einer akuten Macrorhabdiose
Kranker Wellensittich mit HeißhungerWährend eines Schubes, also während einer akuten Krankheitsphase, wirkt der betroffene Vogel offenkundig krank. Das Ruhebedürfnis ist hoch, die Körpertemperatur zu niedrig und das Gefieder ist deshalb meist stark aufgeplustert - so versuchen die Tiere, sich möglichst warm zu halten.

Ganz typisch für einen akuten Schub der Macrorhabdiose ist Folgendes: Ein hiervon betroffener Vogel frisst übermäßig viel und verliert dabei dennoch zusehends an Gewicht. Der Grund dafür ist, dass sein erkrankter Verdauungstrakt die Nahrung nicht mehr richtig verwerten kann. Viele Vögel, die einen Schub ihrer Megabakterien-Infektion durchlaufen, leiden unter schwerem Erbrechen. Das heißt, sie würgen Schleim sowie unverdaute Körner empor. Darüber hinaus finden sich bei vielen erkrankten Vögeln unverdaute Körnchen im Kot. Obwohl man sie häufig am Fressnapf sieht und annehmen könnte, sie würden genügend Nahrung zu sich nehmen, verhungern die Vögel mit der Zeit, weil der Körper zu wenig Energie aus der Nahrung aufnehmen kann.

Ursache der Erkrankung
Verantwortlich für die oben genannten Symptome sind gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand sogenannte Megabakterien (kurz als Megas bezeichnet), die sich im Verdauungstrakt des Vogels ansiedeln. Anders als es der Name der Krankheitserreger vermuten lässt, handelt es sich bei ihnen nicht um große Bakterien, sondern um Hefepilze. Erst im Jahr 2004 sind sie gründlich untersucht worden. Dabei hat man erkannt, dass es sich bei den bis dahin noch als Megabakterien bezeichneten Organismen um eine noch nicht beschriebene Hefepilz-Spezies handelt, die seinerzeit ihren noch heute gebräuchlichen wissenschaftlichen Namen erhalten hat: Macrorhabdus ornithogaster. Im Englischen werden diese Erreger als "Avian Gastric Yeast" (AGY) bezeichnet. Von ihrem wissenschaftlichen Namen leitet sich zudem die Bezeichnung "Macrorhabdiose" ab, mit der ein Befall mit diesen Erregern bezeichnet wird.

Bisher haben die Forscher noch nicht sicher ergründen können, ob allein die Anwesenheit der Megabakterien im Körper eines Vogels für den Ausbruch der Erkrankung verantwortlich ist oder ob weitere Faktoren, zum Beispiel eine bakterielle Sekundärinfektion (zusätzliche Zweitinfektion), eine entscheidende Rolle spielen könnten. Die Angaben in der medizinischen Fachliteratur sowie die Erfahrungsberichte von Vogelhaltern sind in diesem Punkt recht widersprüchlich.

Megabakterienbefall = kranker Vogel?
GLS-PatientinFakt ist: Ein Vogel, in dessen Körper mit Hilfe einer entsprechenden Untersuchung Megabakterien nachgewiesen wurden, ist nicht automatisch in Lebensgefahr, denn die Krankheit muss nicht zwangsläufig zum Ausbruch kommen. Ist sie jedoch tatsächlich ausgebrochen und wird sie nicht rechtzeitig erkannt, verläuft sie meist relativ schnell tödlich, obwohl inzwischen durchaus Behandlungsmöglichkeiten existieren. Der Krankheitserreger lässt sich beispielsweise mit dem Medikament Ampho-Moronal, das über einige Zeit oral, also in den Schnabel, eingegeben werden muss, im Zaum halten. Dem Voranschreiten der Erkrankung kann so häufig Einhalt geboten werden. Über die Dosierung scheint jedoch unter den vogelkundigen Tierärzten nach wie vor keine Einigkeit zu bestehen. Ferner ist die Behandlungsdauer oft höchst unterschiedlich. Ich selbst habe meine betroffenen Tiere immer vier Wochen lang mit dem genannten Medikament behandelt. Eine endgültige Heilung habe ich damit allerdings leider in keinem Fall erzielen können. Ich konnte lediglich bewirken, dass die Erkrankung nicht weiter voranschreitet und somit in eine Ruhephase übergeht. Doch irgendwann kam es bedauerlicherweise stets wieder zu erneuten Schüben, die dann oft trotz sofortiger Behandlung tödlich endeten.

Erbrechen kann auch andere Ursachen haben
Muss sich ein Vogel häufig übergeben und behält er sein Futter nicht bei sich, ist er nicht zwangsläufig an einer Macrorhabdiose erkrankt. Eine anderweitige Erkrankung des Kropfes könnte ebenso hinter den Beschwerden stecken. Befinden sich unverdaute Körner im Kot, gilt Ähnliches. Nicht immer sind Megabakterien dafür verantwortlich, es könnte alternativ eine schwere Darmentzündung vorliegen.

Für Vogelhalter bedeutet dies, dass ein Vogel, bei dem der Verdacht besteht, er könnte an einer Macrorhabdiose erkrankt sein, umgehend von einem Tierarzt gründlich untersucht werden sollte, um Sicherheit zu erlangen. Und selbst wenn eine andere Diagnose gestellt wird, ist dies für das erkrankte Tier wichtig, denn für gewöhnlich sind alle Erkrankungen, die zu Erbrechen oder unverdauten Körnern im Kot führen, dringend behandlungsbedürftig.

Nachweis der Macrorhabdiose
Um einen Befall mit Macrorhabdus ornithogaster nachzuweisen, muss der Tierarzt Proben untersuchen. Das heißt, er wird entweder einen Abstrich aus dem Kropf oder der Kloake beziehungsweise beides unter einem Mikroskop untersuchen. Oder aber er wird eine Kotprobe mit dem Mikroskop betrachten. Bei entsprechend starker Vergrößerung kann man die nur 40 µm langen und 2 µm breiten Erreger sehen. Doch Achtung: Die Erreger lassen sich nicht immer im ersten Versuch nachweisen. Oft sind mehrere Untersuchungen notwendig, um sie zu entdecken.

Übertragung der Erreger
Wie bereits weiter oben erwähnt, ist die Erkrankung ansteckend. Man geht davon aus, dass sich junge Wellensittiche wahrscheinlich schon im Nest infizieren, sofern ihre Eltern den Erreger in sich tragen. Die Altvögel würgen Futter aus dem Kropf hervor, um ihren Nachwuchs damit zu ernähren. Mit dem Futterbrei gelangen die gefährlichen Hefepilze in den Körper der Wellensittichküken.

Unter erwachsenen Wellensittichen kann es ebenfalls sehr leicht zu einer gegenseitigen Ansteckung kommen. Bei ihnen gelangen die Hefepilze von einem zum anderen Vogel, wenn die Tiere miteinander schnäbeln oder ihren Partner mit hochgewürgtem Körnerbrei füttern. Wahrscheinlich können sich die Erreger zudem über das Trinkwasser verbreiten und auch infizierter Kot gilt als Ansteckungsquelle.

Gibt es einen Schutz vor der Macrorhabdiose?
Es ist davon auszugehen, dass ein infiziertes Tier, das in einen Vogelschwarm kommt, seine Artgenossen anstecken kann. Um das Risiko zu minimieren, sollte jeder neue Vogel vor der Vergesellschaftung mit seinen Artgenossen einige Zeit in Quarantäne gehalten und von einem fachkundigen Tierarzt im Rahmen einer Eingangsuntersuchung auf Krankheitserreger überprüft werden. Stellt sich dabei heraus, dass ein neuer Vogel den Erreger Macrorhabdus ornithogaster in sich trägt, ist guter Rat oft teuer.

Viele Vogelhalter, die mit einer solchen Situation konfrontiert sind, möchten dann gern in Erfahrung bringen, ob sie das Tier mit ihren anderen Vögeln vergesellschaften können und eine Übertragung der Hefepilze auf bestimmte Weise unterbinden können. Viele Experten gehen davon aus, dass dies trotz größtmöglicher Hygiene nicht möglich ist. Zumindest derjenige Vogel, mit dem sich das infizierte Tier fest verpaart, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit angesteckt.

Was tun, wenn man infizierte Tiere im Vogelschwarm hat?
Weil die Krankheit oft geraume Zeit inaktiv ist und so unbemerkt in einen Vogelschwarm Einzug halten kann, sind Vogelhalter nach der Diagnosestellung oft - völlig zurecht - zutiefst um ihre Vögel besorgt. Hat sich der Erreger eingeschlichen, sind neben dem Vogel, der Symptome zeigt, sehr wahrscheinlich bereits weitere Artgenossen infiziert. Um den Organismus der Vögel, die den Hefepilz in sich tragen, zu stärken, sollte auf möglichst wenig Stress, eine größtmögliche Hygiene und auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

Umfassende Informationen zur Fütterung eines gefiederten Patienten, der an einem akuten Schub der Macrorhabdiose leidet, finden Sie im entsprechenden Kapitel in der Ernährungs-Rubrik von Birds Online.

Chronisch erkrankte Tiere, die gerade keinen Schub erleiden, sollten hochwertige Nahrung mit vielen Nährstoffen serviert bekommen. Lassen Sie sich von Ihrem vogelkundigen Tierarzt hierzu ausführlich beraten. Er wird Ihnen die für Ihre Tiere passenden Ernährungstipps geben und möglicherweise zusätzlich bestimmte Nahrungsergänzungsmittel empfehlen können.

Und eine der wohl wichtigsten Maßnahmen, die man als Halter von "Mega-Vögeln", wie die infizierten Tiere häufig in Internetforen genannt werden, durchführen sollte, ist das regelmäßige Wiegen der gefiederten Patienten. Überprüft man regelmäßig, also am besten mehrmals pro Woche, das Gewicht seiner Tiere, bemerkt man eine Gewichtsabnahme oft sehr viel schneller, als wenn man die Vögel einfach nur beobachtet.

Ansäuern des Trinkwassers: einst empfohlen, heute wird abgeraten
Früher ging man davon aus, dass die Krankheitserreger in einem sauren Milieu nicht überleben können. Deshalb wurde in den vergangenen Jahren häufig dazu geraten, das Trinkwasser der Vögel anzusäuern und so zu unterbinden, dass die Pilze darin überleben und im ungünstigsten Fall auf andere Vögel übertragen werden können. Außerdem ging man davon aus, dass mit Apfelessig angesäuertes Trinkwasser im Verdauungstrakt der Vögel die Erreger der Macrorhabdiose abtöten würde. Doch neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. Deshalb sollte man vom Ansäuern des Trinkwassers lieber absehen.

Weitere unterstützende Maßnahmen gegen Macrorhabdiose
Die Wellensittichhalterin Bettina Buckermann hat im Herbst 2001 Bekanntschaft mit der Macrorhabdiose gemacht. Ihr männlicher Wellensittich Pierrot erkrankte aufgrund einer Infektion mit Macrorhabdus ornithogaster sehr schwer und musste mehrmals tiermedizinisch behandelt werden. Frau Buckermann fasste ihre Erfahrungen für die Leser von Birds Online zusammen:

"Die erste Behandlung in der Klinik war zwar erfolgreich, aber nach neun Wochen trat erneut ein leichter Befall auf. Es folgte eine zweite Behandlung, aber nach bereits fünf Wochen gab es wieder einen leichten Befall. Eine weitere Behandlung war für den sehr munter wirkenden Vogel wegen der Nebenwirkungen zu früh. Da habe ich mir in meiner Not ein Kräuterbuch geschnappt und bin auf Thymian gestoßen, dem eine fungizide (pilztötende) Wirkung nachgesagt wird.

Von diesem Tag an gab es für Pierrot, der mit einem selbst gemischten, leicht bekömmlichen Futterbrei ernährt wurde, täglich 1/2 Teelöffel Thymiantee (2 kleine Teelöffel Kräuter pro 250 ml Wasser) in den Brei. Bei den regelmäßigen Kotproben nahm der Befall ab und verschwand dann nach neun beziehungsweise zwölf Wochen endgültig. Zusätzlich, um eine Verschleimung im Drüsenmagen zu lösen, in der sich die Hefepilze verstecken könnten, habe ich noch 1/2 Teelöffel Anis gemörsert und mit dem Thymian gekocht.

Allerdings muss man aufpassen, dass man nicht zu viel Brei verfüttert. Sonst gibt's Probleme mit (Fett-)Leber und Nieren (hoher Eiweißgehalt des Futters). Da ich Pierrot aber regelmäßig wog, beobachtete und mir Notizen machte, konnte ich schnell aus meinen (zu?) gut gemeinten Methoden lernen.

Der Futterbrei bestand übrigens aus einer erbsengroßen Portion Magerquark (war wohl etwas viel Eiweiß mit der Zeit) und "Kinder-Getreidebrei mit Zwieback" ohne Zucker, dazu die weiter oben genannte Menge Thymian-Anistee. Verfüttert habe ich diesen Brei fingerspitzenweise und mit viel Geduld. Auch heute gibt es immer wieder mal etwas Brei mit Thymiantee, aber nicht mehr täglich."

Frau Buckermann möchte Sie darauf hinweisen, dass es sich bei ihrem Kräuterbrei nicht um das Rezept gegen die Macrorhabdiose handelt. Ferner merkt sie an:

"Wichtig sind die richtigen Dosierungen der Zutaten, vielleicht kann ein Zuviel andere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. Schnell kann Gutes ins Gegenteil schlagen. Es sollte langsam mit wenigen schwach konzentrierten Teetropfen begonnen werden. Ich habe täglich beobachtet und dokumentiert, vor allem die Beschaffenheit des Kots, Pierrots Wohlbefinden, sein Gewicht, etc. Die Ernährung darf außerdem nicht einseitig mit Brei erfolgen, viel frisches Grünfutter und gelegentlich ein wenig hart gekochtes Eigelb und vor allem gekeimtes Futter gab es. Man sollte aufpassen, dass man nicht zu viel Nahrung reicht. Mein Wellensittich hat sehr gut zugenommen - und plötzlich war es deutlich zu viel. Dann hieß es Abspecken, bevor die Organe verfetten. Die Gewichtsabnahme sollte nicht durch Hungern erzielt werden, sondern durch allmählich zunehmende Bewegung."

Wer seinen erkrankten Vögeln keinen Brei anmischen möchte, kann anstelle des Trinkwassers Thymiantee reichen. Darüber hinaus haben einige Vogelhalter gute Erfahrungen mit der Heilwirkung von Lapacho-Tee gemacht. Informationen über diesen Tee aus der Rinde der Lapacho-Bäume lassen sich mit Hilfe von Suchmaschinen im Internet finden.

 
 
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