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Achtung: Das Lesen
dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt
ersetzen!
Bei
Papageienvögeln und vor allem bei Wellensittichen ist hin und
wieder ein Erbrechen beziehungsweise Hochwürgen von
Körnern und anderen Nahrungsbestandteilen zu beobachten. In
manchen Fällen sind die erbrochenen Körner relativ
trocken, mitunter sind sie mit klarer Flüssigkeit vermengt
oder mit zähem, gelblichem Schleim vermischt. Auch kann es
vorkommen, dass Vögel lediglich Schleim erbrechen, dessen
Farbpalette von bräunlich-gelb bis hin zu weiß oder
gar durchscheinend-klar reichen kann. Unterschiedliche Ursachen
führen Wellensittichen und anderen Papageienvögeln
zum Erbrechen. Häufig wird in diesem Zusammenhang von einer
"Kropfentzündung" gesprochen, was jedoch im Grunde genommen
eine viel zu starke Verallgemeinerung ist, denn oftmals ist nicht der
Kropf selbst der Ort, an dem die Ursache für das Erbrechen zu
suchen ist. Demnach ist es falsch, in diesem Zusammenhang von einer
Entzündung des Kropfes, also einer Kropfentzündung,
im eigentlichen Wortsinne zu sprechen.
In diesem Kapitel finden Sie Erklärungen
für typische Ursachen, die bei Vögeln zum Erbrechen
von Körnern und Schleim führen können, die
allerdings nicht alle zu den Infektionskrankheiten gehören. Um
eine bessere Übersichtlichkeit zu wahren, werden diese
Ursachen trotzdem in der Unterrubrik über
Infektionskrankheiten aufgeführt, weil sie mit dem Symptom
Erbrechen in engem Zusammenhang stehen und oft leider viel zu ungenau
als Kropfentzündung bezeichnet werden.
Mögliche
Gründe für Erbrechen
Dies sind die beim Wellensittich besonders häufig auftretenden
Ursachen für das Hochwürgen von Körnern
beziehungsweise Erbrechen. Im Folgenden werden sie näher
beschrieben. Bei etlichen anderen Vogelarten treten einige der oben
genannten möglichen Ursachen für Erbrechen nicht oder
nur extrem selten in Erscheinung!
Linktipp: Bei
Youtube finden Sie ein Video, das einen Wellensittich
zeigt, der sich aufgrund einer bakteriellen Infektion des Kropfes
heftig übergeben musste. Selbstverständlich hat der
Halter den Vogel nach dem Entstehen der Aufnahmen einem fachkundigen
Tierarzt vorgestellt. Hier geht es zum Video .
Normale, nicht krankhafte
Partnerfütterung
Bei
den Papageienvögeln gehört es zum normalen
Verhaltensrepertoire, dass vor allem männliche Tiere Futter
aus dem Kropf hoch würgen und es ihrer Partnerin oder einem
gleichgeschlechtlichen, engen Freund übergeben. Diese
Partnerfütterung wird mitunter auch vom Weibchen praktiziert.
Sie ist ein wichtiges Element des Zusammenlebens der Wellensittiche und
dient einerseits der Festigung der Paarbindung, andererseits
üben die Vögel damit quasi die
Futterübergabe für den Fall einer Jungenaufzucht.
Denn während das Weibchen ein Gelege und später die
Jungtiere in einer Nisthöhle wärmt, muss das
Männchen Futter für seine Partnerin und die Familie
herbeischaffen, das es im Kropf zwischenlagert und nach dem
Hochwürgen der Partnerin beziehungsweise den Jungtieren
übergibt. Bei dieser Art des vermeintlichen Erbrechens handelt
es sich somit nicht um das Symptom einer Erkrankung. Dieses Verhalten
ist normal und schadet den Tieren unter normalen Umständen
nicht.
Permanente mechanische Reizung
Leider werden nach wie vor viele Wellensittiche nicht artgerecht
gehalten, das heißt, sie fristen ihr Dasein als
Einzelvögel. In den meisten Käfigen solcher
Einzelvögel finden sich Spiegel oder Plastikvögel.
Beides zählt zum tierschutzwidrigen
Zubehör, weil es der Gesundheit der Tiere schaden
kann. Insbesondere einzeln gehaltene Wellensittich-Männchen
sehen in ihrem Spiegelbild einen vermeintlichen Partner, der sich ihnen
zuwendet. Sie wollen ihn füttern (siehe Beschreibung der
Partnerfütterung) und würgen deshalb
Körnchen hoch. Das Spiegelbild nimmt die Körner
jedoch nicht an, also schlucken sie sie wieder ab, denn es
wäre eine Verschwendung nahrhafter Ressourcen, sie
auszuspucken. Kurze Zeit später wird ein erneuter
Fütterungsversuch unternommen, der wieder scheitert und so
weiter.
Durch das wiederholte Hochwürgen der
Körner wird die Schleimhaut mit der Zeit vereinfacht
formuliert wund. Dadurch kommt es zunächst zu einer
sogenannten Kropfreizung, die Übelkeit verursachen kann, denn
wunde Haut und Schleimhaut verursacht Schmerzen. Weil die normale
Umgebung immer krank machende Keime enthält, die das
Immunsystem des Vogels normalerweise in Schach halten kann, bilden
diese wunden Stellen eine Eintrittsöffnung für eine
Besiedlung mit Bakterien und anderen Keimen. In der wunden Schleimhaut
kann es zu einer entzündlichen Reaktion kommen, so dass die
Fütterung eines Spiegels oder aber eines Plastikvogels
tatsächlich zu einer bakteriellen oder anderweitigen
Entzündung im Kropf führen kann.
Wellensittiche haben eine ausgesprochene Vorliebe
für das Benagen aller erdenklichen Gegenstände.
Schlucken sie Fremdkörper wie beispielsweise Plastiksplitter
ab, können sich diese im Kropf festsetzen und die empfindliche
Schleimhaut verletzen. Durch diese mechanische Reizung kann es
ebenfalls zu einer lokalen Entzündung kommen, die zu schwerem
Erbrechen führt.
Vergiftung, Futterunverträglichkeit
Weil Wellensittiche gern und häufig nagen, kann es geschehen,
dass sie beispielsweise eine für sie unverträgliche
oder giftige Zimmerpflanze
oder andere giftige Gegenstände wie etwa eine Duftkerze
anknabbern. Im Kropf kann es infolgedessen zu einer schweren Reizung
der Schleimhäute kommen, was zum Erbrechen führen
kann. Nicht immer liegt in einem solchen Fall jedoch ein
entzündlicher Prozess vor.
Auch Futterunverträglichkeiten können
zum Erbrechen führen. Beim Verzehr einer gängigen
Körnermischung sowie von Obst und Gemüse ist dies
normalerweise nicht zu beobachten. Nascht aber ein Wellensittich von
den Speisen, die für Menschen gedacht sind, kann dies zu einer
Unverträglichkeit führen. Fetthaltige oder stark
gewürzte Speisen können bei Vögeln zu
massiven Verdauungsstörungen bis hin zu Vergiftungen
führen, Erbrechen ist hierbei nur ein mögliches
Symptom. Deshalb sollten Vögel kein "Menschenfutter" essen!
Bakterielle Infektion der Kropfschleimhaut
Unter
bestimmten Umständen können Bakterien, die dem
Vogel normalerweise nichts anhaben, zu einer Entzündung der
Kropfschleimhaut sowie der Schleimhaut der Speiseröhre
führen. Entzündete Haut schwillt an, weil sie
stärker durchblutet wird. Sie schmerzt, ist gerötet
und heiß. Liegt eine solche durch Bakterien hervorgerufene
Entzündung der Kropfschleimhaut vor, erbricht der Vogel
Körner und oft recht große Mengen Schleim. Meist ist
das Kopfgefieder nach dem Erbrechen verklebt, weil der Vogel versucht,
den am Schnabel klebenden Schleim wegzuschleudern und dieser im
Kopfgefieder landet. Mitunter ist jedoch kein Schleim im Gefieder zu
finden, weil er recht flüssig ist und vom Vogel komplett
weggeschleudert wird. In der Umgebung des Vogels kleben dann
Flüssigkeitstropfen, die meist mit Körnern
durchmischt sind, an Gitterstäben (siehe Foto unten),
Wänden und anderen
Gegenständen.

Erbrochene Körner am Käfiggitter
Pilzinfektion des Kropfes
Nicht
nur Bakterien gehören zu den krank machenden Keimen,
auch Pilze können die Kropfschleimhaut angreifen, falls diese
vorgeschädigt ist. Besiedeln Hefepilze die Schleimhaut,
spricht man von einer sogenannten Candidiasis, siehe entsprechendes
Kapitel. Solche Pilzinfektionen können zu teils
heftigem Erbrechen führen. Auch Schimmelpilze können
sich im Kropf eines Vogels einnisten, typischerweise treten Pilze aus
der Gattung Mucor auf diese Weise in Erscheinung.
Eine weitere Pilzart, die den irreführenden
Namen Megabakterien trägt, kann sich im Vogelkörper
ansiedeln. In Kropfabstrichen sind diese Pilze nicht immer
nachzuweisen, aber sie können dennoch vorhanden sein und
Verdauungsbeschwerden wie Durchfall und Erbrechen führen. Eine
genaue Beschreibung der sogenannten Megabakteriose und des damit eng
verbundenen Going-Light-Syndroms finden Sie im entsprechenden Kapitel.
Parasitenbefall des Kropfes
Neben Bakterien und Pilzen können auch Parasiten, die sich
unter anderem im Kropf ansiedeln, zu starkem Erbrechen führen.
Besonders häufig treten bei Wellensittichen die sogenannten
Trichomonaden auf. Diese Geißeltierchen verursachen
Erbrechen, Abmagerung und eine "Verkäsung" des Kropfes, weil
sie gelbe Beläge auf der Schleimhaut bilden. Wie man einen
Befall mit Trichomonaden erkennt und wie man ihn behandelt, beschreibt
ein separates Kapitel.
Gehirnerschütterung und Erkrankungen
des zentralen Nervensystems
Im Kopf des Vogels sind das Gehirn und das zentrale Nervensystem
angesiedelt, letzteres erstreckt sich auch bis ins Rückenmark.
Dieses Nervensystem ist unter anderem für die Steuerung
verschiedener Körperfunktionen, für den
Gleichgewichtssinn und viele weitere Dinge zuständig. Bei
einer Kopfverletzung oder Erkrankung des zentralen Nervensystems kann
es zu schwerem Erbrechen kommen. Wer einmal an einer Gehirnerschütterung
gelitten hat, kennt die Übelkeit, die von
Schwindelgefühlen begleitet wird. Genau dieselben Empfindungen
durchleben auch Vögel, die an einer Kopfverletzung oder
Gehirnerschütterung leiden.
Darüber hinaus können einige
Giftstoffe, die von den Vögeln oft über den Schnabel
aufgenommen werden, das zentrale Nervensystem beeinträchtigen
und so zu Erbrechen führen. Ferner können
Nierenfehlfunktionen zu einer schleichenden Vergiftung
des Körpers führen, die das zentrale Nervensystem
angreift und somit dazu führt, dass der betroffene Vogel
Körner erbricht.
Tumoren an inneren Organen
Woran es liegt, dass so viele Wellensittiche an Tumoren
erkranken, die sich im Bereich der inneren Organe bilden,
darüber sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig. Fakt
ist jedoch, dass zahlreiche Tiere im Laufe ihres Lebens beispielsweise
an einem Leber- oder Nierentumor erkranken. In beiden Fällen
kann es unter anderem dadurch, dass der Körper nicht richtig
entgiftet wird, zum Erbrechen kommen. Hinzu kommt, dass durch einen
Tumor im Körper so viel Raum eingenommen wird - man spricht
von einem Volumenverdrängungsprozess -, dass er auf den
Verdauungstrakt drückt und dadurch Erbrechen verursacht.
Was tun bei Erbrechen?
Beobachten
Sie, dass Ihr Vogel Körner und Schleim hoch
würgt, sollten Sie ihn umgehend
zum Tierarzt bringen, um die Ursache für das
Erbrechen klären zu lassen. Halten Sie das Tier unterwegs
warm, denn es friert, falls es an einer bakteriellen oder anderweitigen
Infektion leidet. Ihr Arzt wird Ihren Vogel genau untersuchen und
gegebenenfalls einen Abstrich aus dem Kropf entnehmen sowie unter
Umständen weitere Untersuchungen (zum Beispiel
Röntgen) anordnen. Es ist immer sinnvoll, einen vogelkundigen
Tierarzt aufzusuchen, also einen Tierarzt, der sich auf die Behandlung
von Vögeln spezialisiert hat. Die meisten
Kleintierärzte kennen sich mit der Behandlung von
Vogelkrankheiten nicht gut genug aus, um weniger gängige
Ursachen für das Erbrechen bei Ziervögeln
herauszufinden.
Was ist beim
Füttern zu beachten?
Leidet Ihr Vogel an wiederholtem Erbrechen, sollten Sie neben der
medikamentösen Behandlung einige Regeln bei der
Fütterung beachten. Welche dies im Detail sind, erfahren Sie hier.
Besprechen Sie die besondere Ernährung unbedingt mit dem
behandelnden Tierarzt!
Linktipp:
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Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann
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Dieses Kapitel auf Türkisch bei
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