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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Im Verdauungstrakt von Ziervögeln können sich sogenannte Giardien (Giardia spp.)
einnisten. Es handelt sich bei diesen winzigen Parasiten um Protozoen,
also tierische Einzeller. Diese Krankheitserreger sind
birnenförmig und nur wenige Mikrometer groß; ein Mikrometer
ist ein hunderttausendstel Meter. Eine Abbildung eines solchen
Krankheitserregers ist in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia zu sehen.
Bei Ziervögeln werden Giardien vor allem im
Zwölffingerdarm gefunden. In Europa treten Giardien-Infektionen
bei Ziervögeln nicht besonders häufig auf, trotzdem
können sie vereinzelt vorkommen. Unter den verschiedenen
Vogelarten sind Wellensittiche selten betroffen.
Symptome
Viele
infizierte Vögel zeigen keine auffälligen Symptome, und das
sogar über einen längeren Zeitraum. Erst wenn ein sehr
starker Befall vorliegt, sind die Tiere matt, abgeschlagen, müde
und sie leiden unter schweren Durchfällen. Der Kot von
Wellensittichen verfärbt sich grünlich, ist schleimig und
riecht streng. In vielen Fällen erinnert der Geruch an faule Eier.
Auch bei anderen Vogelarten ist eine Veränderung des Kotes zu
beoabachten. Nebenstehend ist ein Foto typischer Giardien-Kothaufen zu
sehen, die Fäkalien stammen von einem infizierten Wellensittich.
Erkrankte Vögel verweigern nicht selten die Nahrungsaufnahme und
magern rasch stark ab.
Übertragungsweg (Ansteckung)
Da es sich bei Giardien um Darmparasiten handelt, werden sie über
den Kot ausgeschieden. Gerät ein anderer Vogel mit dem Kot in
Kontakt und nimmt diesen oral (mit dem Schnabel) auf, gelangen die
Krankheitserreger in seinen Körper. Giardien lieben ein
feucht-warmes Klima. Deshalb können sie lange Zeit auf feuchtem
Futter, zum Beispiel Koch- und Keimfutter, sowie auf Frischkost
wie Obst und Gemüse überleben. Auch in Wassernäpfen und
Badeschalen können sie einige Zeit überleben, dort sogar
mehrere Wochen. Die Vögel können sich demnach beim Trinken
des Wassers infizieren.
Nachweis der Krankheitserreger
Der Nachweis der Krankheitserreger erfolgt mit Hilfe eines Mikroskops.
Untersucht wird eine frische Kotprobe. Ist der Vogelkot erst einmal
vollständig getrocknet, sind die Erreger normalerweise nicht mehr
nachweisbar.
Therapie
Es ist wichtig, dass ein möglichst fachkundiger Tierarzt - am
besten ein Facharzt für Ziervögel - die Tiere untersucht.
Solche Ärzte wissen am besten, welche Schritte einzuleiten sind,
um den gefiederten Patienten möglichst rasch zu helfen. Mitunter
gesellen sich zu den Giardien noch weitere Krankheitserreger wie
Bakterien, so dass ein entsprechender Therapieansatz gewählt
werden muss. Giardien werden mit Mitteln gegen Parasiten, sogenannten
Antiparasitika, behandelt. Typische Medikamente sind in Deutschland zum
Beispiel Dimetridazol, Metronidazol und Ronidazol. Diese werden
über einen festgelegten Zeitraum jedem infizierten Vogel zweimal
täglich direkt in den Schnabel eingegeben. Meist dauert die
Therapie zehn Tage.
Es gibt auch die Möglichkeit, größere
Vogelbestände mit einem Präparat zu behandeln, das direkt in
das Trinkwasser gegeben wird. Hierbei besteht jedoch theoretisch die
Möglichkeit, dass einzelne Tiere zu wenig trinken und somit nicht
sämtliche Giardien abgetötet werden. Deshalb ist die orale
Verabreichung der Medikamente die sicherere Lösung.
Wichtige Hygienemaßnahmen
Weil Giardien auf feuchtem Untergrund lange Zeit überleben und
ansteckend bleiben, muss während einer Therapie eine
gründliche Reinigung des Vogel-Zubehörs erfolgen. Stangen,
Spielzeug und auch der Käfig oder die Voliere
sind täglich mit heißem Essigwasser zu säubern,
außerdem empfiehlt sich die Verwendung eines Dampfreinigers.
Dieser erzeugt sehr heißen Wasserdampf, für die Vögel
besteht deshalb Verbrühungsgefahr. Sie dürfen sich
während der Reinigung des Käfigs nicht in selbigem befinden!
Sämtliche gereinigten Zubehörgegenstände müssen
sehr gut durchtrocknen, denn die Giardien können in einer feuchten
Umgebung weiterhin überleben.
Besonderes Augenmerk sollte auf die Futter- und
Trinknäpfe sowie auf die Badeutensilien gelegt werden. Diese
müssen einmal täglich sehr heiß gereinigt werden und
sollten dann mindestens 24 Stunden, besser 48 Stunden komplett
durchtrocknen. Deshalb ist es sinnvoll, mehrere Näpfe und
Badeschalen zur Verfügung zu haben, damit immer ein Satz zum
Gebrauch bereitsteht, während die anderen Zubehörteile
durchtrocknen. Bei der Verwendung von Metallnäpfen können
diese auch bei mindestens 100 Grad Celsius für eine halbe Stunde
im Backofen getrocknet werden.
Darüber hinaus ist es sinnvoll, den Boden des Käfigs oder der Voliere nicht mit der üblichen Einstreu
zu bedecken, sondern stattdessen Zeitungspapier zu verwenden. Dieses
ist mindestens zweimal täglich auszutauschen, damit die Vögel
nicht mit ihrem eigenen Kot in Berührung kommen können.
Heilungschancen
Je eher die Erkrankung erkannt wird, desto höher sind die Chancen
auf eine rasche Genesung. Während der Therapie kann es allerdings
einige Tage dauern, bis das Medikament voll anschlägt, siehe auch
der Erfahrungsbericht über eine Giardien-Infektion bei Wellensittichen.
Wichtig ist, die Therapie nicht zu früh abzubrechen, weil es einem
Tier vermeintlich besser geht und es keinerlei Symptome mehr zeigt. Die
Behandlung muss unbedingt regelmäßig durchgeführt
werden und ist bis zum vom Tierarzt verordneten Ende fortzusetzen.
Anderenfalls besteht die Gefahr, dass es zu einem Rückfall kommt.
Ähnliche Erkrankungen
Durchfall
kann ebenso durch Bakterien verursacht werden. Außerdem werden
feuchte Kotballen beim Wellensittich vom Laien häufig für
Durchfall gehalten, obwohl es sich in Wahrheit um eine Erkrankung der Nieren handelt, die den nassen Kot verursacht. Deshalb ist in jedem Fall ein fachkundiger Tierarzt zu Rate zu ziehen.
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