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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Wellensittiche und viele andere Vögel leiden zuweilen unter äußeren Parasiten (Ektoparasiten), die sich von lebenden und abgestorbenen Hautschüppchen ernähren: die sogenannten Grabmilben
(Knemidokoptes spp.). Es kommen hauptsächlich zwei Arten vor,
die jeweils unterschiedliche Körperregionen besiedeln. Bei Wellensittichen und bei einer Reihe anderer Ziervögel ist meist vor allem die Kopfregion betroffen, dies gilt insbesondere für den Schnabel und die Wachshaut sowie die
Augenlider. Darüber hinaus können die Beine und Füße von den Milben angegriffen werden. In sehr schweren Fällen breiten sich die Parasiten außerdem in der Kloakengegend aus. Im Folgenden werden die beiden hauptsächlich vorkommenden Arten beschrieben und es werden Fallbeispiele von verschieden starken Infektionen aufgezeigt.

Schwerer Befall des Schnabels und der Wachshaut (Nase)
Kalkbeinmilben
Die sogenannte Kalkbeinmilbe trägt den lateinischen Namen
Knemidokoptes mutans. Wie es der Name bereits vermuten lässt, besiedelt diese
Milben vorzugsweise die Füße und Beine (Ständer) der Vögel. Besonders häufig tritt ein Befall
mit dieser Milbenspezies bei Kanarienvögeln in Erscheinung, aber auch andere Vogelarten,
darunter Wellensittiche, können betroffen sein. Kalkbeinmilben-Männchen haben einen
kugelförmigen Körper, dessen Länge 0,25 Millimeter beträgt; die Weibchen sind 0,5 Millimeter lang. Die winzigen Insekten graben sich in die Haut ihres Wirtstieres ein
und pflanzen sich dort fort, das heißt, sie legen ihre Eier in der Haut ab.
Symptome eines Befalls mit Knemidokoptes mutans
Wie bereits erwähnt, sind bei einem Befall mit der Kalkbeinmilbe
(Knemidokoptes mutans) in aller Regel lediglich die Beine betroffen. Diese Milbenart nistet sich nicht
im Schnabelhorn ein. Die Beinhaut eines erkrankten Vogels wird trocken, sehr schuppig und
trägt anfangs weiße Beläge, die später zu borkigen Krusten heranwachsen.
Knemidokoptes mutans scheidet Stoffwechselprodukte aus, die die Haut stark reizen
können. Als Folge treten Juckreiz, Schwellungen und oftmals Hautausschläge auf, allein
schon die Anwesenheit der Milben in der Haut führt zu massiven Beschwerden beim
Vogel. Da die meisten Vögel Ringe an den Beinen tragen, können durch Milben
verursachte Schwellungen zu extrem gefährlichen Abschnürungen führen!
Bei einem schweren Milbenbefall ist es deshalb oft sinnvoll, den Fußring von einem Tierarzt entfernen zu lassen, um ein Absterben des Fußes zu verhindern.

Schwerer Befall mit Räudemilben am Schnabel und an den Beinen
Räudemilben oder Schnabelräude
Von einer Schnabelräude spricht man dann, wenn ein Befall mit
Grab- oder Räudemilben (Knemidokoptes plae) vorliegt. Die Weibchen
dieser Milbenart sind rundlich geformt und messen etwa 0,4 Millimeter x 0,3 Millimeter.
Genau wie die Kalkbeinmilben sind sie für das bloße Auge unsichtbar. Anders
als die Kalkbeinmilbe befällt Knemidokoptes plae nicht nur die Beine, sondern
auch den Schnabel, die Wachshaut, die Augenlider und die Kloakengegend. Bei Wellensittichen zeigt sich ein Befall mit Knemidokoptes
plae anfangs vor allem in der Kopfgegend. Meist nimmt ein Befall mit Knemidokoptes plae
dort seinen Ursprung und breitet sich später auf die Beine und die Kloakengegend aus.
Symptome eines Befalls mit Knemidokoptes plae
Liegt ein Befall mit Knemidokoptes plae vor, so ist dies für den betroffenen
Vogel meist mit starkem Juckreiz verbunden, sofern nicht nur das Schnabelhorn von
den Milben besiedelt wird. Im Anfangsstadium ist ein Befall mit Räudemilben oft
kaum zu erkennen und er wirkt sich vergleichsweise harmlos auf den Allgemeinzustand des
erkrankten Vogels aus.
Zunächst bilden sich feine Krusten und später borkige Beläge, die bei Wellensittichen meist in den
Schnabelwinkeln und auf dem Schnabel selbst, aber auch auf der Wachshaut zu sehen sind. Sie wirken anfangs wie ein heller,
weißer Belag (siehe Foto in diesem Absatz), der mit der Zeit immer dicker und krustiger
wird. Das Schnabelhorn wird zusehends
poröser, weil die Grabmilben winzige Gängen graben. Ist die Haut an den
Augen, an den Beinen oder rund um die Kloake ebenfalls betroffen, geht dies mit starkem
Juckreiz einher. Der Vogel wirkt unruhig und kratzt sich ständig.
Hinzu kommt, dass durch den Befall der Gesichtshaut sowie der Haut rund um die Kloake die Federn ausfallen. Bei einigen Tieren werden die Federfollikel dauerhaft geschädigt, so dass auch nach einer erfolgreichen Vertreibung der Milben an diesen Stellen kein Gefieder mehr nachwächst.
Schreitet der Befall unbehandelt weiter fort, ergeben sich
in aller Regel schwere Komplikationen, die für einen betroffenen
Vogel nicht nur äußerst schmerzhaft sind, sondern sogar tödlich
sein können! In besonders schweren Fällen perforieren die
Milben den Schnabel so stark, dass er zunächst völlig schief (deformiert) nachwächst und letztlich abbricht. Der betroffene Vogel kann entweder sofort am schweren Blutverlust sterben oder er verhungert qualvoll, weil er sich nach dem Schnabelbruch nicht mehr selbstständig ernähren kann.
Deshalb ist es grob fahrlässig, bei einem Verdacht auf einen Befall mit
Grabmilben nicht umgehend einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.
Die rechts verlinkte Bildersammlung ist nichts für zarte Gemüter! Sie zeigt einen Vogel, bei dem seit längerer Zeit ein Grabmilbenbefall vorgelegen hat, durch den beide Schnabelhälften schief wuchsen und zudem porös wurden. Der Besitzer des Vogels hat den Ernst der Lage nicht erkannt und den Schnabel selbst schneiden wollen, wobei große Teile des Oberschnabels abgerissen sind. Das Wellensittich-Weibchen hat unsägliche Qualen durchlebt und konnte nicht mehr fressen. Enorm geschwächt gelangte sie in die Hände einer erfahrenen Vogel-Pflegerin, verstarb dann jedoch bedauerlicherweise sehr rasch infolge ihrer schweren Verletzung. Diese Fotos sind entstanden, als der Vogel bereits tot war, so dass das Tier beim Fotografieren keinem Stress ausgesetzt war.
Vergleichsweise unbekannt bei Vogelhaltern ist im Zusammenhang mit einem Grabmilbenbefall ist zudem die Tatsache, dass nicht nur der Schnabel, sondern auch die
Wachshaut
(obere Schicht der Nase) der Wellensittiche und anderer Vögel von den Parasiten vollständig zerstört werden
kann. Deshalb soll an dieser Stelle mit Hilfe eines Fallbeispiels darüber
informiert werden, welch gravierende Folgen ein unbehandelter Befall mit Grabmilben haben kann.
Das in diesem Absatz gezeigte Wellensittich-Weibchen Happy hat einen entsetzlichen Leidensweg
hinter sich. Ihre einstige Besitzerin hat sie nicht zum Arzt gebracht, obwohl sie
"seltsam" ausgesehen hat. Da Happy aber weiterhin auf der Stange saß, gefressen
hat und gelegentlich auch einen Ton von sich gegeben hat, sah die ehemalige Halterin keine
Veranlassung, einen Tierarzt aufzusuchen.
Als Happy von einer aufmerksameren Tierfreundin übernommen wurde, war ihre Wachshaut von den Grabmilben bereits nahezu vollständig
aufgelöst worden. Die darunter liegenden empfindlichen Bereiche der Nase, die bei
einem gesunden Wellensittich von der Wachshaut vor Verunreinigung und Stößen
geschützt werden, liegen bei Happy seitdem frei. Das Infektionsrisiko ist daher
hoch und die jetzige Besitzerin des Vogels muss ständig Sorge dafür tragen,
dass sich Happy nicht an der Nase verletzt. Die zerstörte Wachshaut wird nicht mehr
nachwachsen, dem Vogel bleiben an den Seiten der Nase nur noch kleine Reste der schützenden Hornhaut.
Namen und Synonyme des Räudemilbenbefalls
Trägt ein Vogel Milben der Art Knemidokoptes plae auf seinem Körper,
so spricht man normalerweise von einer Schnabelräude oder ganz
einfach von einer Räude. In manchen Literaturquellen wird die
Erkrankung ferner als Sittichräude oder
Schnabelschwamm bezeichnet. Tierärzte nennen diese Erkrankung meist eine
Knemidokoptesräude. So verwirrend vielfältig die Namen
auch sein mögen, sie bezeichnen alle dieselbe Art von Parasitenbefall. Achtung:
Sind nur die Beine eines Vogels mit Milben besiedelt, so kann es sich sowohl um einen
Befall mit Knemidokoptes plae als auch mit Knemidokoptes mutans handeln!
Ansteckung
Grabmilben werden hauptsächlich im Nistkasten bei der Fütterung beziehungsweise
beim direkten Körperkontakt von den Elterntieren auf ihren Nachwuchs übertragen.
Eine Übertragung von einem erwachsenen Vogel auf einen ausgewachsenen Artgenossen ist
allerdings ebenfalls bereits beobachtet worden, wenn auch eher selten. Deshalb ist bei
Paar- oder Schwarmhaltung von Vögeln im Falle einer Infektion mit Grabmilben
immer Vorsicht geboten. Von der eigentlichen Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome
bei einem infizierten Vogel können Jahre vergehen. Häufig
tritt ein Milbenbefall bei Wellensittichen zwischen dem sechsten und zwölften
Lebensmonat auf, also meist kurz nachdem man das Tier gekauft hat.
Behandlung
Das Wichtigste vorweg: Es existieren mehrere Meinungen unter
Vogelkennern und -haltern sowie Tiermedizinern,
welche Behandlungsmethode die beste und wirksamste ist.
Sowohl ein Befall mit Knemidokoptes mutans als auch mit
Knemidokoptes plae wird normalerweise auf demselben Wege behandelt.
Zur Behandlung eines mit Grabmilben befallenen Vogels
eignet sich laut Aussage vieler Tierärzte und Fachpublikationen
in leichten Fällen Paraffin (auch Paraffinöl genannt) aus der Apotheke.
Anstelle von Paraffin können Sie übrigens auch Oliven- oder Sonnenblumenöl verwenden, es haftet allerdings weniger stark am Schnabel als das Paraffin. Ich selbst habe mit dieser Behandlungsmethode bei sehr leichten Infektionen bisher einige brauchbare Erfolge erzielt, Nachbehandlungen waren nie erforderlich, was jedoch keineswegs die Regel ist! Ist nur der
Schnabel befallen, sollte man gemäß dieser Methode das
Schnabelhorn und die Haut im Schnabelwinkel über einen Zeitraum von
mindestens zwei, besser vier Wochen ein- bis zweimal täglich mit
Paraffin bestreichen. Dafür verwendet man jeweils ein
frisches Wattestäbchen.
Achten Sie unbedingt darauf, dass der
Vogel keine großen Mengen Paraffin oder Öl schluckt, weil er davon Durchfall und andere Verdauungsbeschwerden bekommen
würde.
Auch die Kloakengegend und die Beine kann man mit Paraffin
beziehungsweise Öl behandeln. Die Augenlider sollte man jedoch als Laie nicht mit der öligen Substanz
betupfen, weil der Vogel sonst unter Umständen nichts mehr sehen kann. Die Behandlung
sollten Sie mindestens zwei, eher vier Wochen durchhalten, auch wenn die
borkigen Beläge in aller Regel bereits nach wenigen Tagen abfallen. Paraffin und Öl wirken erstickend auf die Milben, da sich ein feiner Ölfilm über die
Öffnungen der Bohrgänge legt. Dadurch wird den Parasiten die Luft zum
Atmen genommen. Die Behandlung muss lange fortgesetzt werden, damit auch
frisch aus Eiern geschlüpfte Milben sterben. Milbeneier sterben hierdurch jedoch nicht ab. Es besteht somit immer ein Restrisiko,
dass noch Eier in den Bohrgängen oder an der Haut vorhanden sind, die
durch Paraffin oder Öl nicht abgetötet werden. Infolge dessen kann es geschehen,
dass einige Zeit später ein erneuter Befall mit Grabmilben auftritt, sobald die nächste Milbengeneration geschlüpft ist.
Ist bei einem Vogel die Augengegend mit Milben befallen oder leidet er insgesamt an einer starken Besiedlung mit diesen winzigen Parasiten, sollten Sie ihn auf jeden Fall
zu einem Tierarzt bringen. Dasselbe gilt für sehr ängstliche Vögel, für die das zweimalige tägliche Einfangen über einen Zeitraum von einem Monat viel zu viel Stress bedeuten würde. In solchen Fällen wird ein Medikament eingesetzt, das
den Wirkstoff Ivermectin enthält. Viele Tiermediziner greifen auf Präparate namens
Ivomec oder Stronghold zurück.
Das entsprechende Antiparasitikum wird dem gefiederten Patienten in den Nacken
geträufelt ("Spot-On-Methode") oder in besonders schweren Fällen
mit einer Spritze verabreicht. Auf die Nackenhaut aufgebracht, dringt es
durch die Hautschichten, gelangt in den Organismus des Vogels, lagert sich
in dessen Haut sowie im Schnabelhorn ein und vergiftet auf diese Weise die
nimmersatten Milben.
Wie weiter oben beschrieben, sollte man jedoch zusätzlich mit Paraffin oder Öl einige Tage lang die Krusten aufweichen und dann vorsichtig lösen, was dem Vogel einen Teil des unangenehmen Juckreizes nimmt.
Es sei jedoch zusätzlich erwähnt, dass das Kontaktgift auch für Vögel
unter Umständen nicht ganz ungefährlich ist. Manche Wildvögel beispielsweise sterben selbst
aufgrund einer sehr geringen Dosis! Der Organismus und das Immunsystem eines behandelten Vogels
leiden unter dem Gift zwar in aller Regel nicht übermäßig stark,
aber es besteht grundsätzlich ein Risiko, dass der Vogel aufgrund des
Ivermectins in seinem Körper stirbt, falls es beispielsweise erheblich zu hoch dosiert wird.
Je länger man die Behandlung hinauszögert, desto schlechter ist oft der Allgemeinzustand und dadurch könnte die Gefahr einer Unverträglichkeit steigen. Gehen Sie unbedingt frühzeitig zum Tierarzt, damit
es erst gar nicht so weit kommt, dass ein Vogel zu sehr geschwächt ist, um die Therapie zu überleben! Darüber hinaus ist es von größter Bedeutung, sich ganz exakt an die Verordnung des Tierarztes zu halten, um den zu behandelnden Vogel nicht in Gefahr zu bringen. In den meisten Fällen werden mit Milben
befallene Tiere mehrmals im Abstand einiger Tage oder Wochen mit einem Ivermectin-Präparat behandelt.
Darüber, ob nur mit Milben infizierte Vögel oder alle Tiere eines Schwarms, also auch die Artgenossen, bei denen nichts zu sehen ist, therapiert werden müssen, herrscht unter Tierärzten keine Einigkeit.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, behandelt seinen gesamten Vogelbestand, der mit den infizierten Tieren Kontakt hatte.
| Wichtiger Hinweis: Da Grabmilben nur auf den Vögeln leben,
ist es nicht erforderlich, den Käfig mit einem Antimilbenspray zu behandeln.
Solche Produkte sind meist hochgradig giftig und schaden den Vögeln, falls sie damit in Kontakt kommen. Grabmilben
sind für den Menschen ungefährlich, es besteht keine
Ansteckungsgefahr. |
Ähnliche Erkrankung: Schnabelpilz
Werden Vögel unter hygienisch schlechten Bedingungen gehalten oder ist ihr Immunsystem
über längere Zeit nicht voll funktionstüchtig, kann es zu einer Infektion mit
Pilzen im Bereich des Schnabels kommen. Ein solcher Pilzbefall äußert
sich darin, dass das Schnabelhorn entweder aufweicht oder eine schwammartige Beschaffenheit
annimmt. Ferner kann es zu Farbveränderungen kommen. Schnabelpilzbefall sieht einem
Befall mit Räudemilben zumindest anfangs relativ ähnlich. Deshalb ist es wichtig, dass ein erfahrener Vogel-Facharzt rasch eine genaue Diagnose stellt.
Schnabelpilze lassen sich mit entsprechenden Medikamenten normalerweise leicht behandeln und es bleiben kaum Schäden am Schnabelhorn zurück, sofern sich die Erkrankung im Anfangsstadium befindet.
Jedoch kommen Schnabelpilze relativ selten vor.
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