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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Wellensittiche sind von Natur aus ausgesprochene Hochleistungs- und Langstreckenflieger, die ein besonders effizientes Atmungssystem benötigen, um ihren Körper während des Fluges mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Auch andere Vogelarten sind zum Vollbringen fliegerischer Höchstleistungen geboren. Neben den Lungen, die zum Sauerstoffaustausch dienen, verfügen Vögel deshalb über sogenannte Luftsäcke, die im Körper liegen und unter anderem als Sauerstoffreservoirs fungieren. Diese Luftsäcke sind es, die eine optimale Sauerstoffversorgung bei geringem Gewicht maßgeblich unterstützen.

Nicht nur unter Anstrengung wie beim Fliegen sind die Luftsäcke für die Atmung der Vögel somit von enormer Bedeutung. Auch während der Ruhephasen dienen sie den Tieren zur Sauerstoffversorgung. Aus diesem Grunde verursachen Erkrankungen der Luftsäcke schwerwiegende Atemprobleme, die sogar zum Tode führen können.

Neben der durch Bakterien herbeigeführten Luftsackentzündung und Luftsackrissen infolge von Unfällen existiert eine weitere, ernst zu nehmende Erkrankung dieser Atmungsorgane. Da es sich um Hohlräume im Körper des Vogels handelt, eignen sie sich für bestimmte Parasiten als idealer Lebensraum. Mit ihrer Körpergröße von lediglich 0,7 Millimeter ist die Luftsackmilbe (Sternostoma tracheacolum) für das menschliche Auge praktisch unsichtbar. Im feuchtwarmen Milieu der Luftröhre sowie der Luftsäcke fühlen sich diese winzigen Insekten besonders wohl und gedeihen üppig, sofern man nicht mit Medikamenten gegen sie vorgeht.

Achtung:
Immer wieder ist zu hören, dass Tierärzte einen Befall mit Luftsackmilben zunächst nicht erkannt haben, weil sie davon ausgegangen sind, dass diese Parasiten bei australischen Sittichen, zu denen auch die Wellensittiche gehören, ausgesprochen selten auftreten. Diese Lehrbuchmeinung galt früher einmal, sie ist aber bedauerlicherweise inzwischen nicht mehr korrekt. Leider ist die Ansteckungsrate unter australischen Sittichen in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen und Luftsackmilben treten bei Wellensittichen und Co. beileibe nicht mehr so selten auf wie einst.

Symptome
Im Anfangsstadium einer Infektion hören die Tiere fast unmerklich auf zu singen, dann pfeifen sie immer weniger und klingen schließlich regelrecht heiser. Im weiteren Verlauf der Infektion stellen sich erhebliche Atemprobleme ein, die mit Schwanzwippen aufgrund des enormen Kraftaufwandes beim Atmen einhergehen. Vor allem nachts und bei Anstrengung - also beispielsweise beim Fliegen - kommt es zu knackenden, ächzenden Atemgeräuschen, die manchmal in ein asthmatisches Pfeifen übergehen (siehe Klangbeispiel eines erkrankten Wellensittichs, wav-Datei, 282 kB).

Erkrankte Tiere keuchen mitunter minutenlang, weil sie kaum Luft bekommen. Ferner versuchen sie gelegentlich, die sie quälenden Parasiten loszuwerden, indem sie heftig würgen. Dabei schütteln die Tiere den Kopf unmittelbar nach den Würgbewegungen, weshalb es den Anschein hat, sie würden an Erbrechen infolge einer Infektion des Verdauungstraktes leiden. Bei einem Befall mit Luftsackmilben tritt jedoch kein Schleim hervor, es handelt sich um trockenes Würgen. Im Endstadium der Krankheit ist der Vogel zu schwach zum Atmen und stirbt unter Qualen, da er an den Milben erstickt, die oft in so großer Zahl die Luftröhre bevölkern, dass sie diese vollständig verstopfen.

Inkubationszeit
Zwischen der eigentlichen Ansteckung mit den Milben und dem Auftreten erster Symptome können Monate vergehen! Sollten Sie jedoch einen Vogelschwarm seit mehr als einem Jahr ohne Kontakt zu anderen Vögeln halten, so ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass es sich um eine Infektion mit Luftsackmilben handelt, wenn Ihre Tiere Atemprobleme aufweisen. Dennoch sollten Sie die Vögel von einem fachkundigen Tierarzt untersuchen lassen, denn auch mit anderen Erkrankungen der Atemwege ist nicht zu spaßen.

Übertragung
Luftsackmilben übertragen sich durch starkes Röcheln durch die Luft auf unmittelbar in der Nähe sitzende Vögel. Ferner ist das Trinkwasser einer der Hauptübertragungswege. Falls ein Vogel des Bestandes an einem Befall mit Luftsackmilben leidet, ist es daher ratsam, sämtliche Tiere zu behandeln. Sehr wahrscheinlich haben sie sich über das Trinkwasser bei dem kranken Artgenossen angesteckt. Reinigen Sie die Trinkgefäße während einer Behandlung besonders sorgfältig. Über einen schlecht gereinigten Trinknapf kann es trotz einer Behandlung mit Medikamenten immer wieder zu einer erneuten Ansteckung der Vögel kommen.

Behandlung
Eine Behandlung einer Luftsackmilbeninfektion ist auf eigene Faust nicht möglich, erkrankte Vögel sterben über kurz oder lang, wenn man sie nicht zum Tierarzt bringt! Um die Milben zu töten, träufelt der Tierarzt infizierten Vögeln ein Medikament (Antiparasitikum) in den Nacken beziehungsweise zwischen die Schulterblätter, welches in den Vogelkörper eindringt und für die Milben ein Kontaktgift darstellt. Diese Behandlung sollte je nach Stärke des Befalls mehrfach durchgeführt werden. Oft wird wie folgt therapiert: Am ersten, fünften und neunten Tag des Behandlungszeitraums wird je ein Tropfen des Medikaments in den Nacken geträufelt. Dies ist jedoch nicht die einzige mögliche Behandlungsmethode, auch andere Dosierungen oder Zeitabstände zwischen den einzelnen Medikamentengaben können vom Tierarzt angeordnet werden. Eine leichte Besserung stellt sich meist schon innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Behandlung mit dem Medikament ein.

Führen Sie niemals Behandlungen in Eigenregie durch, auch wenn Sie eventuell ein entsprechendes Antiparasitikum im Haus haben. Es muss immer eine genaue Untersuchung durch einen Tierarzt erfolgen, bevor eine Therapie begonnen wird. Alles andere könnte für den betroffenen Vogel tödliche Folgen haben!

Was kann man sonst noch tun?
Um einem erkrankten Vogel bei der Genesung zu helfen, sollten Sie dafür sorgen, dass er sich nicht übermäßig anstrengen muss. Fliegen sollte daher so lange tabu sein, bis die Atmung durch die Milben nicht mehr nennenswert beeinträchtigt wird. Je gleichmäßiger der Vogel atmet, desto leichter fällt ihm die Sauerstoffaufnahme und somit belastet ihn das Fliegen dann auch nicht über alle Maßen.

Ist der Vogel sehr schwach, können Sie ihm eventuell mit einer Wärmetherapie etwas Gutes tun. Schauen Sie, wie der gefiederte Patient auf die Infrarotstrahlung reagiert. Wenn es ihm gut tut, können Sie die Wärmelampe mehrere Stunden am Stück in seiner Nähe aufstellen - aber bitte nur unter Aufsicht, da ansonsten Verbrennungsgefahr besteht.

Klären Sie mit Ihrem Tierarzt ab, in wie weit ein Dampfbad zum Inhalieren für Ihren Vogel in Frage kommt. Sollte der Tierarzt grünes Licht geben, stellen Sie eine Schüssel mit dem von ihm empfohlenen Inhalationsmittel in der Nähe des geschlossenen Käfigs auf.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

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