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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Wurm im Kot Im Darm der Wellensittiche sowie zahlreicher weiterer Vogelarten können sich Spulwürmer (Ascaris spp.) einnisten; diese Parasiten werden mitunter auch als Ascariden oder Askariden bezeichnet. Wer seine Vögel in Außenvolieren mit Naturböden hält, sollte sich stets der Gefahr bewusst sein, dass sich die Tiere mit Spulwürmern infizieren können. Die Eier der Spulwürmer lagern im Boden, wo sie bei feuchtem Klima lange Zeit haltbar sind. Bei Hitze, Trockenheit und direkter Sonneneinstrahlung sterben sie schnell ab.

Übertragung
Nehmen die Vögel vom Boden einer mit Spulwurmeiern verseuchten Voliere Nahrung auf, gelangen die Eier leicht in ihren Verdauungstrakt. Im Darm entwickeln sich aus den Eiern die bis zu 35 Millimeter langen Würmer, die ihrerseits weitere Eier produzieren. Mit dem Kot eines infizierten Vogels gelangen die Eier auf den Volierenboden und gefährden damit weitere Vögel, die in derselben Behausung leben.

Symptome
Einen mit Spulwürmern infizierten Vogel erkennt man an gelegentlichen Durchfällen und an enormer Abmagerung. Schaut man sich den Bauch eines erkrankten Vogels genau an, sind stark geschwollene Darmschlingen durch die dünne Haut sichtbar. Auch lassen sie sich leicht ertasten, was bei einem gesunden Vogel nicht üblich ist. In besonders drastischen Fällen kommt es bei den Tieren zum Darmverschluss, weil sich die Würmer verknoten. Dies führt innerhalb kürzester Zeit zum Tode und ist sehr schmerzhaft für die betroffenen Vögel.

Häufig verursacht ein Spulwurmbefall bei Vögeln überdies Probleme mit dem zentralen Nervensystem. Die Würmer scheiden Stoffwechselprodukte aus, die für die Vögel giftig sind. Auf die Dauer wird der Vogelkörper mit diesen Giftstoffen nicht mehr fertig, Nervenschäden sind die Folge. Aufgrund dieser Nervenschäden kann es unter anderem zu Lähmungen oder zum unnatürlichen Verdrehen des Kopfes sowie zu Orientierungslosigkeit, Zittern und Stürzen kommen.

Behandlung
Größenvergleich Sollten Sie einen Verdacht auf Spulwurmbefall hegen, müssen Sie einen Tierarzt zu Rate ziehen. Dieser wird Kotproben parasitologisch untersuchen. Das heißt, er wird sie unter dem Mikroskop untersuchen oder sie an ein Labor senden. Sammeln Sie für diese Untersuchung frische Kotbällchen von einer sandfreien Unterlage ein und geben Sie sie in einen kleinen Kunststoffbeutel, in Frischhalte- oder Alufolie. Falls Würmer oder deren Eier nachgewiesen werden, wird Ihnen der Tierarzt ein Präparat aushändigen, mit dem Sie Ihren gesamten Vogelbestand behandeln müssen, um die Spulwürmer wieder loszuwerden. Nach einiger Zeit muss die Therapie wiederholt werden, um sämtliche im Körper lebenden Larven, also das Zwischenstadium von Ei und Wurm, vollständig abzutöten.

Schlägt die Behandlung an, sterben die Würmer im Vogelkörper ab, wodurch sie sich nicht mehr im Darm festhalten können und mit dem Kot ausgeschieden werden. In der Abbildung oben rechts ist die Größe der ausgeschiedenen Spulwürmer im Vergleich zu einem Lippenpflegestift gut zu erkennen.

Achtung: Auch Vögel in normaler Heimhaltung, also ohne Zugang zu einer Außenvoliere, können an einem Befall mit Spulwürmern leiden! So geschieht es beispielsweise, dass man einen infizierten neuen Vogel in den Bestand setzt, der zuvor weder einige Zeit in Quarantäne gehalten, noch vom Tierarzt auf mögliche Parasiten untersucht worden ist. Der Neuzugang kann zu einer regelrechten Spulwurmepidemie in dem Bestand führen.

Dringender Warnhinweis
In letzter Zeit hat es öfter Probleme bei der Entwurmung von Vögeln gegeben. Es kam zu gehäuften Todesfällen, ganze Vogelschwärme sind in den Tagen nach der Medikamentengabe gestorben. In den meisten Fällen kam ein Medikament namens Panacur zum Einsatz. Unter Tiermedizinern gilt die Ansicht, das Präparat könne nicht überdosiert werden und es sei gut verträglich. Dennoch sind viele Vögel nach der Medikamentengabe gestorben, wie in zahlreichen Internetforen zu lesen ist.

Einige Vogelfreunde, zu denen auch ich gehörte, haben diesbezüglich Überlegungen angestellt, unter welchen Umständen es zu massenhaften Todesfällen kommen könnte. Schlüssig erklären konnten wir die von uns näher betrachteten Fälle leider nicht, zumal wir keine Tierärzte sind. Aufgefallen ist uns jedoch, dass in etlichen Fällen verstorbene Vögel untersucht wurden, wobei enorme Leberschwellungen oder gar -blutungen vorgefunden wurden. Viele der untersuchenden Tierärzte deuteten dies als Anzeichen für eine schwere Vergiftung. Ob diese vom Medikament herrührte oder von den Würmern, die in ihrem Todeskampf große Mengen Giftstoffe ausgeschüttet haben, ist nicht geklärt. Auch eine völlig andere Giftquelle wie zum Beispiel eine Zimmerpflanze käme als mögliche Ursache in Frage.

Außerdem wurde bei einer Reihe von Vögeln nach deren Tod eine schwere Darminfektion mit aggressiven Bakterien festgestellt. Eventuell hat der Wurmbefall die Darmflora geschädigt und so den Bakterien Tür und Tor geöffnet. Diskutiert wurde ferner, ob die Darmwand aufgrund der mechanischen Reizung durch die Würmer eventuell zu durchlässig für das Medikament war und somit zu viel des Wirkstoffs in den Blutkreislauf der Vögel geraten sein könnte. Auch dies wäre eine denkbare Ursache für die zahlreichen Todesfälle.

Bedauerlicherweise ließ sich wie bereits erwähnt nicht abschließend klären, weshalb so viele Vögel nach der Einnahme des Medikaments zur Entwurmung gestorben sind. Fakt ist jedoch, dass beispielsweise Finkenvögel extrem empfindlich auf Panacur reagieren. Wildvogelpfleger aus ganz Deutschland haben über rasch eintretende Krämpfe mit Todesfolge berichtet.

Aufgrund der potenziellen Nebenwirkungen der Medikamente auf eine Entwurmung zu verzichten, ist dennoch absolut nicht zu empfehlen! Viel mehr ist darauf zu achten, dass bei der Therapie die Dosis des Anti-Wurmmittels anhand des Gewichts des zu behandelnden Vogels individuell berechnet wird; so können Überdosierungen verhindert werden. Sollten Ihre Vögel an einer Infektion mit Spulwürmern leiden, so wäre es meiner Meinung nach außerdem sinnvoll, wenn Sie eine Kotprobe oder einen Kloakenabstrich auf Bakterien untersuchen lassen würden. Falls sich zeigt, dass zusätzlich zum Wurmbefall eine Darminfektion vorliegt, sollte diese unbedingt behandelt werden, während Sie die Vögel entwurmen. Denkbar ist auch, dass Sie ergänzend zu einem Tierheilpraktiker Kontakt aufnehmen, um die Wurmkur auf homöopathischem Wege zu unterstützen, indem Sie eine Entgiftungstherapie durchführen. Mit Hilfe der genannten Maßnahmen können Sie wahrscheinlich das Schlimmste verhindern und Ihren Vögeln schneller zu einer vollständigen Genesung verhelfen.

Ähnliche Krankheiten
Infolge einer Reihe weiterer Erkrankungen kann es zu Schwellungen des Unterbauches kommen, die jedoch nicht zwangsläufig durch Parasiten verursacht werden. Beispiele hierfür sind Entzündungen des Darms inklusive Durchfallerkrankungen, Tumorbildung im Bauchraum, ein Bauchdeckenbruch (Hernie) oder eine sogenannte Bauchwassersucht (Aszites) sowie bei weiblichen Vögeln eine Legedarmentzündung. Darüber hinaus kommen weitere mögliche Ursachen in Betracht. Sie alle aufzuzählen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Nur ein erfahrener Tierarzt kann eine sichere Diagnose stellen. Im Fall einer Schwellung des Bauches ist immer Eile geboten, weil der betroffene Vogel meist unter starken Schmerzen leidet.

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