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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!
Erfahrungsbericht von Isolde Aufschläger Trichomonaden - die Geißel(tierchen) der Wellensittiche
Juli 2005
Wieder zwei Tage vergingen und Sigis Zustand verschlechterte sich erneut. Zwar hatte jede Spritze ihn ein wenig aufgebaut und das Würgen für einen Tag unterdrückt - aber im Nachhinein betrachtet, hat der Vogel wohl nur simuliert.
Ich hatte die Nase von vermeintlich vogelkundigen Tierärzten gestrichen voll
und wandte mich ans
VWFD-Forum Nach den vielen Infos aus dem Forum setzten wir uns also mit Sigi ins Auto und fuhren 125 Kilometer in eine der renommiertesten Vogelkliniken Deutschlands nach München. Dort wurde der Vogel dann richtig untersucht. Kropfabstrich, Kot, alles was dazugehört. Trichomonaden fanden sie allerdings nicht. Sigi blieb erst einmal stationär für weitere Untersuchungen. Röntgen, Differenzialblutbild, Bakteriologie, Mykologie und was weiß ich noch alles. Vorsorglich wurde Calcium EDTA für den Fall einer Zinkvergiftung geben - eine häufige Ursache für sehr viele Symptome. Ich muss wohl nicht eigens dazu sagen, dass es mir das Herz zerrissen hat. Mein kleiner Muck, geretteter Einzelvogel, endlich im Minischwarm - und nun das. Schon wieder zwei magische Tage vergingen, an denen ich immer in der Vogelklinik anrief, um nach Sigi zu fragen - doch nie waren Ergebnisse da. Dann, gegen 19:30 Uhr, erhielt ich einen Anruf der behandelnden Ärztin. Sie hatte etwas gefunden: "Trichomonaden". Es handelte sich um einen massiven Befall - und deshalb waren die Trichos so tief in der Schleimhaut versteckt, dass sie erst beim dritten Abstrich zu erkennen waren.
Doch es war nicht überstanden. Der Befall war so massiv und wir wussten nicht, ob nicht schon innere Organe befallen waren. Dank der Arroganz der anderen Tierärzte, die einfach nicht ehrlich sein konnten. Also rief ich wieder jeden Tag in der Vogelklinik an und war schon froh, wenn ich nicht durchgestellt wurde. Das hieß, dass Sigi noch lebte. Um die Schwere des Befalls vor Augen zu führen, möchte ich auf Sigis Gewicht verweisen. Er war ein leicht moppeliger Vogel und ich glaube, er wog zeitweise 65 Gramm. Täglich gewogen haben wir ihn erst nach der Krankheit. Aber er war ein recht dralles Kerlchen. Eigentlich ist das nicht gut, aber dieser Speck hat Sigi das Leben gerettet: Als die Trichomonaden entdeckt wurden, wog Sigi noch 45 Gramm. Für einen Vogel seiner Größe erheblich zu wenig. Als wir die übrig gebliebenen Vögel, allesamt ohne Symptome, zur Behandlung in die Vogelklinik brachten (wieder 125 Kilometer hin und zurück im August ohne Klimaanlage - eine schlimme Strapaze für die Vögel), durfte ich ihn kurz sehen. Mittlerweile war er vier Tage dort.
Abends erhielt ich dann wieder einen Anruf. Sie hatten noch etwas gefunden:
Megabakteriose. Zwar nur ein leichter Befall, aber nachweisbar. Damals bin ich
fast gestorben. Tja. Sigi nicht.
Eine Woche verging. Das Wochenende verstrich. Sigi war mittlerweile zehn Tage
in der Vogelklinik. Er lebte noch, und ich wollte ihn natürlich nach Hause holen.
Aber das ging nicht. Denn als weitere Sekundärinfektion hatten sich
E-Coli-Bakterien hinzugesellt.
Also wurde ein Antibiogramm erstellt und es hieß, auf das Ergebnisse zu warten. Und dann kam die Horrormeldung: Es gab nur ein Antibiotikum, das gegen diesen E-Coli-Stamm half. Mit 50prozentiger Chance bei so gravierenden Nebenwirkungen, dass die Ärzte es nicht geben wollten. Es war Tag zwölf und der behandelnde Arzt sagte mir, wenn in der nächsten Probe kein E-Coli mehr vorhanden sei, dürfe Sigi nach Hause. Da auch mein Jogo anfing, wässrigen Kot auszuscheiden, brachte ich ihn ebenso in die Vogelklinik. Es war ein Mittwoch. Bei Jogo wurde nichts gefunden, keine Trichomonaden, keine E-Coli-Bakterien, keine Megabakterien. Wir ließen ihn auch röntgen, um sicher zu gehen. Am Freitag setzten wir uns ins Auto und fuhren los. Ich wollte wie so oft von unterwegs aus anrufen, denn hätte ich zu Hause versucht durchzukommen, wäre die Sprechzeit vorbei gewesen, bis wir in München gewesen wären. Nach einem Viertel des Weges hatte ich endlich ein Freizeichen und fragte, ob ich Jogo nach Hause holen dürfte. Die Dame am Telefon hielt kurz Rücksprache und sagte dann: "Sie dürfen beide abholen". Was das für mich bedeutet hat, muss ich nicht sagen. Hieß es doch für mich, Sigi war ok!
Wir fuhren also mit einem kranken Vogel nach Hause. Sigi blieb mit Jogo im Quarantänekäfig und ich bangte um ihn. Sein Gewicht betrug nur noch 42 Gramm, das Brustbeinchen trat spitz hervor und sein Gefieder war stumpf und grau. Ich stellte den Käfig ab und ging kurz in die Küche, um frisches Wasser zu holen. Als ich ins Wohnzimmer zurückkam, saß mein ehemals dicker Wutz an der Hirse und fraß. Etwa eine Woche war alles ok und Sigis Zustand besserte sich durch Jogos Fürsorge (Sigi hatte sich nur kraulen lassen, wenn er krank war) täglich. Wir gaben Bird Bene-Bac zum Aufbau der Darmflora, täglich Keimfutter, Vitamine, Frischfutter und Amynin für die Leber. Eine andere Chance hatten wir nicht. Sigi schien sich zu erholen, bis er nach etwa neun Tagen wieder würgte. Also haben wir ihn eingepackt und in die Vogelklinik gebracht. Die Trichomonaden waren wieder da. Das ganze von vorn. Wieder alles desinfiziert, abgekocht, ausgewaschen, in den Backofen gesteckt.
Als ich ihn ein halbes Jahr später wegen eines Hodentumors erlösen lassen musste, waren auch die Ärzte in der Klinik sehr bedrückt. Sie sagten mir: "Das hätte niemand gedacht, dass der sich noch mal so gut erholt". Ich selbst behaupte, Sigi war nie glücklicher als nach seiner Erkrankung. Wir ließen natürlich regelmäßig die Kröpfe unserer Vögel per Abstrich kontrollieren und gaben auch eine Trichomonadenanreicherung bei allen vieren in Auftrag. Um so sicher wie möglich zu gehen, denn eine letztendliche Gewissheit bietet auch das nicht. Aber es blieb ruhig. Trinkwasserhygiene, ja, Hygiene insgesamt, eine gesunde und ausgewogene Ernährung - ich dachte, dann bleiben meine Vögel glücklich und gesund.
Juni 2006
Also habe ich in der Vogelklinik den Notdienst verständigen und bin wieder nach München gefahren, an einem Sonntag. Dreifacher Satz, Hurra. Wir sind mittlerweile schon Stammkunden in der Vogelklinik. Wenn man im Wartezimmer mit "Oh Gott" begrüßt wird, ist man entschieden zu oft dort. Jedenfalls fand auch die Notfallärztin keine Trichomonaden, der Verdacht auf Pilze stand im Raum. Wieder zwei Tage vergingen und dann das vernichtende Urteil: Trichomonaden. Die Biester hatten ein Jahr geschlafen, sich in einem Vogel verkrochen, um jetzt mit aller Gewalt erneut mein Leben zu zerstören.
Es ist jetzt drei Tage her, dass ich sie wieder zu den anderen in die Voliere gelassen habe. Als Dankeschön bekam ich gestern wieder einen dicken Schleimfaden und Körner um die Ohren gespuckt. Wir sind nicht wieder in die Vogelklinik gefahren, weil es so heiß war und wir mittlerweile auch eine vogelkundige Tierärztin in der Nähe gefunden haben. Sie machte einen Abstrich, fand aber nichts. Was, wie wir wissen, so aussagekräftig ist wie ein Kaffeesatz. Wir behandeln jetzt weiter gegen Trichomonaden, haben allerdings das Medikament gewechselt (Metronidazol). Ich kann abschließend nur sagen, dass ich mit allem gerechnet habe. Wir hatten Zink, Megabakterien, E-Coli-Bakterien. Aber Trichomonaden? Wo waren die denn nach einem Jahr hergekommen? Keine hohe Trinkwasserhygiene (wir haben eine Batterie aus zwölf Edelstahlnäpfen, drei Keramiknäpfen, einem Tonnapf und zwei großen Edelstahlnäpfen, zwei Badeschalen und wechseln alles durch), keine Vitaminversorgung, keine Käfigreinigung hat geholfen. Es gibt einen Neuzugang, aber der wurde in der Klinik so gründlich untersucht, auch bei der Vorbesitzerin, dass ich ihn als Quelle eigentlich nicht ansehen kann.
Was wir tun können?
Und beten, dass wir diesmal endgültig siegen werden.
Nachtrag: Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum |
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