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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Wellensittich mit Trichomonaden-Infektion Unter den möglichen Verursachern gesundheitlicher Probleme wie schwerem Erbrechen spielt ein Erregertyp aus der Gruppe der Parasiten bei Vögeln eine besondere Rolle: die sogenannten Trichomonaden, auf Lateinisch als Trichomonas gallinae bezeichnet. Es handelt sich bei diesen Krankheitserregern um Geißeltierchen, also Einzeller, die sich eigenständig und aus eigener Kraft fortbewegen können. Sie sind sehr klein (8 x 14 µm) und gehören bezogen auf die Krankheitserreger bei Vögeln zu den Endoparasiten, also im Inneren des Körpers vorkommenden Parasiten. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße sind sie für das bloße menschliche Auge unsichtbar, unter einem Mikroskop mit hoher Auflösung kann man sie hingegen leicht erkennen. Tierärzte sprechen bei einer durch diese Krankheitserreger verursachten Erkrankung, die vor allem bei Wellensittichen vergleichsweise häufig auftritt, von einer sogenannten Trichomoniasis.

Trichomonaden besiedeln die Kropfschleimhaut der Vögel, indem sie durch kleinste Wunden, die unter anderen Umständen keine schwerwiegenden Folgen nach sich ziehen, in das Gewebe ein. Sie bilden gelbliche Beläge und führen zu massiven Schleimhautreizungen, die vor allem dann besonders gravierend ausfallen, wenn die Trichomonaden tiefer ins Gewebe gelangen und dort schwere Schädigungen verursachen. Aus den Schleimhautreizungen entwickeln sich meist Entzündungen, bei denen weitere Krankheitserreger ins Spiel kommen. Zum Beispiel besiedeln oft Bakterien die durch die Trichomonaden bereits stark gereizte Schleimhaut. Das Resultat ist eine heftige Infektion des Kropfes, die unbehandelt zum Tode durch Verhungern führt.

Symptome
Ein typisches Symptom eines Befalls mit Trichomonaden ist das Erbrechen von Futter, das mit klebrigem Schleim vermischt ist. Mitunter bildet sich im Kropf ein zäher, durchsichtiger Schleim, der in großen Mengen ganz ohne Futterbeimengungen hervorgewürgt wird. Manche Vögel würgen jedoch weder Schleim noch Futter hoch, sondern führen nur "trockene" Würgebewegungen aus. Auch häufiges Niesen in Kombination mit trockenen Würgebewegungen oder dem Auswürgen von Schleim und Futter kann bei manchen betroffenen Vögeln beobachtet werden.

Kranker Wellensittich Hinzu kommt, dass durch den Trichomonaden-Befall eine Verengung des Kropfausgangs entstehen kann, die zu einer starken Schwellung des Kropfes führt. Hierdurch entsteht in manchen Fällen eine permanente Kurzatmigkeit, weil der geschwollene Kropf auf das Atmungssystem drückt. Insgesamt wirken erkrankte Vögel matt, apathisch und sie schlafen überdurchschnittlich viel. Ihr Gefieder ist meist stark aufgeplustert. Aus der Schnabelhöhle verströmen sie einen fauligen bis fischigen Geruch, den man deutlich wahrnehmen kann, wenn man am Schnabel des Vogels riecht. Allerdings ist dieser Geruch nicht in jedem Fall vorhanden, es treten auch Infektionsverläufe ohne Geruchsbildung auf.

Übertragungswege
Trichomonaden sind hochgradig infektiös, das heißt, sie übertragen sich rasch von einem Tier auf dessen Artgenossen. Sie besiedeln nicht nur den Kropf, sondern kommen ferner im Rachen und Schnabel des betroffenen Vogels vor und gelangen ins Trinkwasser, wenn das Tier trinkt. Im Trinkwasser können sie rund 24 Stunden überleben. Jeder Vogel, der von infiziertem Wasser trinkt, schluckt die Krankheitserreger und zieht sich selbst einen Befall mit Trichomonaden zu. Ein weiterer Infektionsweg ist die Partnerfütterung bei Altvögeln oder das Füttern der Jungtiere im Nest. Mit dem hochgewürgten Nahrungsbrei werden Trichomonaden an den Partner oder das Jungtier weitergegeben.

Besonders tückisch ist, dass Trichomonaden vor allem bei Alttieren mit einem kräftigen Immunsystem über längere Zeit in geringer Zahl im Kropf überleben können, ohne zu einem Ausbruch der Erkrankung zu führen. Das heißt, ein gesund wirkender Vogel kann Träger der Parasiten sein und sie auf seine Artgenossen übertragen.

Stresssituationen wie beispielsweise eine starke Mauser, ein Umgebungswechsel, Fehlernährung oder eine irgendwie geartete Erkrankung - hierunter sind unter anderem Verletzungen zu verstehen - schwächen das Immunsystem, so dass es zu einer plötzlichen Massenvermehrung der Trichomonaden im Kropf kommen kann.

Nachweis der Krankheitserreger
Um einen Befall mit Trichomonaden nachweisen zu können, muss ein Tierarzt entweder eine Kropfspülung vornehmen und die ausgeschwemmte Flüssigkeit für eine mikroskopische Untersuchung verwenden. Oder er entnimmt mit Hilfe eines Tupfers (das ist ein steriles medizinisches "Wattestäbchen") eine Schleimprobe aus dem Kropf und mikroskopiert diese.

Therapie
Wurde ein Befall mit Trichomonaden bei einem Vogel nachgewiesen, muss eine Behandlung mit einem wirksamen Antiparasitikum, also mit einem Mittel gegen Parasiten, eingeleitet werden. Oft werden Präparate wie Spartrix oder Chevicol eingesetzt. In aller Regel sind diese Medikamente sehr gut verträglich.

Weil Trichomonaden hochgradig infektiös sind und sich somit leicht von einem Tier auf seine Artgenossen übertragen, muss der gesamte Bestand, behandelt werden. Das bedeutet, jedes Tier ist in die Therapie mit einzubeziehen.

Auch Badegefäße müssen gereinigt werden! Während der Therapie ist es dringend erforderlich, nicht nur medikamentös die Erreger in den Wirtstieren, also im Kropf der Vögel, abzutöten, sondern zudem mit Hilfe von Hygienemaßnahmen die Infektionskette außerhalb der Vogelkörper zu durchbrechen. Alle Trink-, Bade- und Futtergefäße müssen desinfiziert (hierzu bitte den behandelnden Tierarzt befragen) oder sehr heiß ausgewaschen werden. Die Gefäße müssen über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden, besser 36 Stunden vollständig austrocknen! Nur so können Trichomonaden, die die Desinfektionsmaßnahmen und/oder den Kontakt mit dem heißen Wasser überlebt haben, zum Absterben gebracht werden. Diese Hygienemaßnahmen müssen während der gesamten Behandlungsdauer, in der das vom Tierarzt ausgewählte Medikament eingesetzt wird, durchgeführt werden.

Nach dem Abschluss der Behandlung sollte der Tierarzt mit Hilfe eines weiteren Abstrichs den Therapieerfolg kontrollieren.

Achtung:
Immer wieder wird in Internet-Foren der Tipp gegeben, eine Apfelessig-Kur würde einen Trichomonaden-Befall ohne Medikamente stoppen und die Vögel heilen. Dies ist nicht wahr, Apfelessig tötet Trichomonaden nicht ab! Der Tierhalter vergeudet durch diese Hausmittel-Therapie nur wertvolle Zeit, die Gewebeschädigung schreitet weiter voran und der betroffene Vogel(bestand) ist deshalb später im schlimmsten Fall nicht mehr zu retten.

Heilungschancen
Wird ein Trichomonaden-Befall rechtzeitig entdeckt und behandelt, sind die Heilungschancen normalerweise gut. Haben die Krankheitserreger bereits tiefer liegende Gewebeschichten geschädigt, sinken die Überlebenschancen. Deshalb ist es wichtig, einen Befall mit Trichomonaden frühzeitig zu erkennen und rasch zu handeln.

Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum Externer Link von Welli.net.

 
 
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