|
Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Vogelweibchen können genau wie Menschen an einer Entzündung der
Eileiter leiden. Zwar tritt diese gesundheitliche Komplikation
selten auf, doch wenn es zu einer solchen Entzündung kommt, brauchen
die erkrankten Vögel umgehend eine zielgerichtete tiermedizinische
Versorgung, damit sie nicht sterben. Die Eileiter eines Vogels
können sich aufgrund unterschiedlicher Ursachen entzünden. Meist geht einer
solchen Infektion eine Phase voran, in der das Weibchen sehr viele Eier
gelegt hat. Hinzu kommt dann häufig eine Schwächung des Immunsystems, sie kann
beispielsweise von einer starken Mauser oder massivem Stress herrühren.
Gelangen Bakterien in den Organismus, können sie sich im Körper unter
bestimmten Umständen vermehren und dann zum Beispiel im Bereich der Eileiter zu einer lokalen Entzündung führen. Ein typisches Symptom ist
eine Schwellung des Bauchraums, die oft aber für Übergewicht gehalten wird.
Zudem gibt es weitere Erkrankungen, die mit einer solchen Schwellung
einhergehen, darunter eine Legenot
oder eine Hernie beziehungsweise eine
Entzündung des
Legedarms. Wichtig ist also, dass ein
erfahrener Tierarzt eine exakte Diagnose stellt. Nachgewiesen werden kann
eine Eileiterentzündung unter anderem durch Ultraschalluntersuchungen des
Bauchraums. In den meisten Fällen ist eine antibiotische Behandlung des
erkrankten Vogels nötig, mitunter muss der sich im Bauch befindende Eiter
abgesaugt werden. Dies geschieht, indem der Tierarzt den Vogel punktiert. Das
heißt, die Bauchdecke wird vorsichtig mit einer Spritze durchstochen und der
Eiter wird dann abgesaugt. Dies verursacht zwar Schmerzen, doch das Entfernen
großer Eitermengen ist für den erkrankten Vogel überlebenswichtig, zumal die
Flüssigkeit im Körper ebenfalls Schmerzen hervorruft, weil sie viel Platz in
Anspruch nimmt. Einen Erfahrungsbericht über eine Eileiterentzündung, die
bei ihrem Wellensittich Wickie aufgetreten ist, hat die Birds-Online-Leserin
Anja Brodda im Oktober 2011 verfasst: Erfahrungsbericht:
Ein Bericht von Anja Brodda
Irgendwann
haben wir beobachtet, dass Wickie sich öfter als normal mit den Füßchen über
die Kloake gewischt hat. Wir haben uns dabei noch nicht wirklich etwas
gedacht und ihr zunächst nur kurmäßig V22-Tropfen mit ins Trinkwasser
gegeben. Die haben wir vor vielen Jahren von unserer „Haustierärztin“
bekommen. Auf diese Tropfen hat sie immer sehr gut reagiert. Sie fördern die
Konstitution und helfen bei der Federneubildung.
Nach einiger Zeit haben wir dann allerdings bemerkt,
dass sie sich rund um die Kloake die Federn ausrupft und eine Schwellung des
Unterbauches hervortrat. Wir vermuteten eine Legedarmentzündung und sind zu
unserer Tierärztin gefahren, von der wir bis zu diesem Zeitpunkt glaubten und
auch gelesen hatten, dass sie vogelkundig sei. Sie untersuchte Wickie und
stellte dabei fest, dass es sich bei der Schwellung auf keinen Fall um einen
Tumor handeln würde, da das, was sich dort in Wickies Bauch befinden würde,
sich eher flüssig anfühle.
Das hat uns auf der einen Seite beruhigt,
aber auf der anderen Seite hat sie keine genaue Diagnose darüber geben
können, was es denn nun sei. Da die Ärztin eher eine „Frauengeschichte“
vermutete, wie z. B. ein Windei im Legedarm oder eine hormonelle Störung, hat
sie uns zunächst einmal Hormeel-Tropfen gegeben, die wir dem Trinkwasser
zufügen sollten.
Inzwischen hatte sich Wickies Zustand allerdings um
einiges verschlechtert. Sie wurde immer ruhiger, plusterte sich auf, und saß
irgendwie krumm auf ihrer Stange. Der Schwanz wirkte wie abgeknickt. Die
Ärztin meinte noch, dass dies sicher eine Schonhaltung wäre, um die Füße zu
entlasten, die auf Grund ihres Alters (damals war Wickie 8 ½ Jahre) auch
schon stark belastet wären. Diese Belastung trete bei älteren Wellensittichen
schon mal auf. Bei einem weiteren Tierärztinnenbesuch nach zehn Tagen, als
sich noch keine Besserung eingestellt hatte, meinte diese dann nur, man
könnte ihr das Hormeel ja weiter geben, es scheine den Vogel ja nicht weiter
zu belasten.
Wickies Zustand verschlechterte sich zusehends. Der Bauch
schwoll immer weiter und sie wurde immer ruhiger. Außerdem wurde sie immer
kurzatmiger. Sie konnte inzwischen auch nicht mehr richtig Kot absetzen und
es blieben dicke Kügelchen an der Kloaken hängen. Heute mache ich mir
Vorwürfe, dass wir nicht schon eher in die Vogelklinik gefahren sind. Nach
einem Anruf dort wurde uns geraten, so schnell wie möglich zu kommen, um
Wickie untersuchen zu können. Trotz ihres vergleichsweise hohen Alters sei
eine Heilung immer noch möglich.
Gott sei Dank haben wir uns dann mit
ihr auf den Weg gemacht. Wickie wurde dort abgetastet und es wurde eine
Ultraschalluntersuchung gemacht. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um
eine Eileiterentzündung handelte. Kaum vorstellbar, welche Schmerzen die
Kleine schon seit langer Zeit haben musste. Sie bekam sofort das Antibiotikum
Baytril über zehn Tage, weil der Arzt es in diesem Fall für sinnvoll hielt.
Allerdings hat sich Wickies Zustand dadurch nicht verbessert.
Bei
einem weiteren Besuch in der Vogelklinik hat sich der dortige Arzt zu einer
Punktion entschieden, wobei sehr vorsichtig mit einer Spritze in den Bauch
gestochen wird. Er hat Wickie unvorstellbare 10 Milliliter eitrig/blutige
Flüssigkeit aus dem Bauch gezogen. Wir hatten große Angst, denn eine Punktion
ist nicht ganz ungefährlich und kann auch leicht zu einem Kollaps führen.
Letztendlich ist aber alles gut gegangen. Wickie war schon immer eine
Kämpfernatur.
Nach unserer Rückkehr ist sie selbst aus dem
Transportkäfig geflogen und war ganz verwirrt, wie leicht sie nun wieder
fliegen konnte. Sie musste noch weitere zehn Tage Baytril nehmen und hat sich
in dieser Zeit bestens erholt. Die Kurzatmigkeit war sofort nach der Punktion
verschwunden, weil die Flüssigkeit im Körper nicht mehr auf die Atmungsorgane
drückte. Eine Nachuntersuchung in der Vogelklinik hat gezeigt, dass alles
wieder o.k. ist. Es könnte zwar sein, dass der Eileiter nun dauerhaft
geschädigt bleibt und sie keine Eier mehr legen könnte,aber das ist uns alles
egal. Wir sind einfach nur froh, dass es Wickie wieder gut geht. Nach einem
halben Jahr waren wir noch einmal zum Check in der Vogelklinik und der
dortige Arzt hat uns noch einmal bestätigt, was wir ohnehin sehen. Wickie ist
inzwischen wieder ein fröhlicher kleiner Welli, der gesund umher springt.
Inzwischen ist die Kleine 9 ½ Jahre alt. Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum von .
|