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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte
niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!
Wie
Menschen können auch Vögel an Gicht erkranken. Bei dieser Krankheit,
die von Medizinern als Urikopathie bezeichnet wird, handelt es sich um
eine Purin-Stoffwechselerkrankung. Purine gehören zu den Substanzen,
die Nukleinsäure bilden, also eines der vier Basis-Biomoleküle des
menschlichen und tierischen Organismus. Im Körper werden die aus der
Nahrung stammenden Purine zu Harnsäure abgebaut und normalerweise über
die Nieren ausgeschieden.
Ist der Purin-Stoffwechsel gestört, funktioniert dieser Stoffabbau
nicht mehr reibungsfrei und die Harnsäure kann nicht vollständig über die
Nieren ausgeschieden werden. Sie sammelt sich deshalb im Blut. Wird eine
bestimmte Konzentration überschritten, kristallisiert die Harnsäure aus.
Es bilden sich Harnsäurekristalle, sogenannte Urate. Diese Kristalle
können sich in Gelenken und im Gewebe anlagern, daraus entstehen
unterschiedliche Beschwerden und Varianten der Gicht.
Man
unterscheidet bei der Gicht, die meist in Schüben auftritt, zwei
verschiedene Formen der Krankheit: die Gelenkgicht und die
Eingeweidegicht, also die Nieren- und Viszeralgicht. Welche Form vorliegt,
hängt unter anderem davon ab, wo sich die Harnsäurekristalle im Einzelfall
abgelagert haben. Bei Vögeln tritt meist die Gelenk- und Nierengicht in
Erscheinung, häufig ruft eine Kombination aus beidem die Beschwerden
hervor. Die Krankheit kann akut oder chronisch auftreten. Der Unterschied
ist, dass bei einem akuten Schub plötzliche Beschwerden auftreten, bei
einer chronischen Form das Krankheitsbild hingegen lange Zeit konstant
schlecht bleiben kann.
Symptome der Nierengicht
Meist sind bei dieser Form der Gicht zunächst keinerlei Symptome zu
erkennen. In seltenen Fällen neigen betroffene Vögel zu
Nierenerkrankungen
wie Infektionen. Manche Tiere trinken ein wenig mehr als gesunde
Artgenossen und ihre Kotballen können dadurch geringfügig flüssiger sein
als dies normalerweise der Fall ist. Jedoch bleibt die Nierengicht häufig
ohne Symptome und wird erst dann nachgewiesen, wenn ein plötzlich
verstorbener Vogel obduziert wird.
Symptome der Viszeralgicht
Von dieser Form der Gicht sind sogenannte seröse Häute betroffen. Unter
seröser Haut versteht man ganz stark vereinfacht formuliert jene Häute,
die die inneren Organe umgeben. Ein typisches Beispiel hierfür ist der
Herzbeutel. Symptome sind bei der Viszeralgicht, die häufig gemeinsam mit
der Nierengicht in Erscheinung tritt, in aller Regel nicht zu beobachten.
Sie ist erst am toten Vogel durch eine Obduktion feststellbar.
Symptome der Gelenkgicht
Von
dieser Krankheit sind bei Vögeln meist die Gelenke der Zehen betroffen. Es
bilden sich Knoten unterschiedlicher Größe an und in den Gelenken. Diese
Verdickungen schimmern gelblich bis weiß durch die Haut und sie heben sich
vom umgrenzenden Bereich des Fußes ab. Weil sich die Gelenke entzünden,
sind die Zehen und Füße in vielen Fällen heiß, geschwollen und dunkelrot
bis violett verfärbt. Es dauert für gewöhnlich einige Zeit, bis sich
Gichtknoten bilden. Doch in seltenen Fällen können sie in weniger als zwei
Tagen entstehen.
Gichtknoten und Entzündungen der Gelenke sind sehr schmerzhaft und die
Vögel entlasten die Füße, so gut es geht. Zeigt nur ein Fuß Gichtknoten an
den Zehengelenken, wird er meist in Schonhaltung ins Gefieder gezogen.
Sind beide Füße betroffen, legen sich die Vögel häufig bäuchlings hin und
belasten so die schmerzenden Gliedmaßen nicht mehr allzu stark mit ihrem
eigenen Körpergewicht.
Im
weiteren Verlauf der Krankheit werden die Gelenke steif und es kann sogar
geschehen, dass Zehen absterben und abfallen. Aufgrund einer
Durchblutungsstörung und dem damit verbundenen Absterben der Nerven spüren
die Vögel davon häufig kaum etwas. Dennoch sollte man einen absterbenden
Zeh von einem Tierarzt behandeln lassen, denn hieraus kann sich im
schlimmsten Fall eine tödliche
Blutvergiftung
entwickeln. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen von Gelenkgicht schwer
gezeichneten Fuß eines Wellensittichs. Der innere, vordere Zeh ist infolge
der schweren Erkrankung bereits abgestorben und amputiert worden. Deutlich
sind verschiedenfarbige Bereiche an den Zehen erkennbar und in der
Fußmitte erhebt sich ein großer geschwollener Gichtknoten. Einen
Erfahrungsbericht über eine plötzlich auftretende Gelenkgicht finden Sie
hier.
Wie wird Gicht nachgewiesen?
Mit
Hilfe einer Blutuntersuchung lässt sich der Nierengicht auf die Spur
kommen, denn bei erkrankten Vögeln ist der Hahnsäurespiegel in dieser
Körperflüssigkeit erhöht. Dies ist allerdings erst dann der Fall, wenn die
Krankheit bereits in einem fortgeschrittenen Stadium ist. Die Gelenkgicht
ist hingegen meist mit dem bloßen Auge zu erkennen, weil die Gelenke
typische Schwellungen und Knoten aufweisen. Auf Röntgenaufnahmen kann man
in manchen Fällen die Eingeweidegicht erkennen; immer funktioniert diese
Nachweismethode jedoch nicht.
Behandlung
Leider
sind sämtliche Formen der Gicht bei Vögeln nicht heilbar. Sofern man den
Ausbruch der Krankheit erkennt, was vor allem bei der Gelenkgicht relativ
leicht möglich ist, kann man versuchen, den Verlauf positiv zu
beeinflussen und eine Verschlechterung des allgemeinen
Gesundheitszustandes hinauszuzögern.
Oft wirkt sich die Gabe von Flüssigkeit, zum Beispiel in Form einer
Infusion (Kochsalzlösung), bei einem akuten Schub positiv auf den
Gesundheitszustand des betroffenen Vogels aus, weil die Nieren
durchgespült werden. Auch Vitamin A kann im Einzelfall helfen. Ferner hat
es sich bewährt, den gefiederten Patienten
Tyrodelösung
anstelle von Trinkwasser anzubieten. Wichtig ist, dass die Vögel diese
tatsächlich zu sich nehmen, worauf der Halter sehr genau achten muss. Denn
oftmals schreckt der Geschmack dieser medizinischen Lösung die Tiere ab.
Manchen
Vögeln, die an Gelenkgicht leiden, hat Blutreinigungstee geholfen, er ist
in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich. Diese Therapiemaßnahme sollte
allerdings unbedingt mit dem behandelnden Tierarzt besprochen und niemals
in Eigenregie angewandt werden. Mitunter ist der Einsatz des Medikamentes
Allopurinol sinnvoll, die Dosierung muss von einem
fachkundigen Tierarzt im Einzelfall festgelegt werden.
Leiden die Patienten unter starken Schmerzen, ist oft eine
vorübergehende Schmerztherapie angeraten. Tierärzten stehen einige
Präparate zur Verfügung, die sie bei Vögeln einsetzen können.
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Achtung: Vom Patientenbesitzer durchgeführte
Experimente mit Schmerzmitteln (Analgetika) aus der Humanmedizin
können zu schweren Nierenschädigungen und somit zu einer drastischen
Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Vögel führen.
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Mit
homöopathischen Mitteln lassen sich ebenfalls in einigen Fällen positive
Effekte erzielen. Hierzu sollten Sie sich von einem fachkundigen
Tierheilpraktiker beraten lassen, weil mit der Homöopathie keine
Krankheitsbilder behandelt werden. Viel mehr geht es darum, jedes
Individuum mit den im Einzelfall idealen Wirkstoffen zu versorgen. Aus
diesem Grund lehne ich es ab, an dieser Stelle bestimmte Präparate
pauschal zu empfehlen, weil dies nicht möglich ist.
Bei Gelenkgicht kann es zu schlimmen Schmerzen in den Gelenken kommen.
Traumeel-Salbe, die in der Apotheke frei verkäuflich ist, kann hier unter
Umständen Abhilfe schaffen. Im weitesten Sinne betrachtet, handelt es sich
bei dieser Salbe um ein homöopathisches Mischpräparat. Sie kann ein- bis
zweimal täglich dünn auf die betroffenen Gelenke aufgetragen werden,
sofern der Vogel nicht übermäßig ängstlich ist und Berührungen zulässt,
ohne in Panik zu geraten.
Ernährung bei Gicht
Um den Körper zu entlasten und die Wirkung der Medikamente zu
unterstützen, muss ein gefiederter Gichtpatient eine bestimmte Diät
einhalten, die eiweißarm ist. Im entsprechenden Kapitel der
Ernährungsrubrik erfahren Sie weitere Details zur
Gicht-Diät.
Was Sie sonst noch tun können
Weil
Vögel, die an Gelenkgicht leiden, mit der Zeit immer stärker in ihrer
Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind, sollten Umbaumaßnahmen an der
Käfigeinrichtung erfolgen. Aufgrund steifer Zehen können sich die
Patienten ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr auf Sitzstangen halten
und benötigen
Sitzbrettchen und Liegeplattformen. Auch gepolsterte Stangen nehmen
viele der betroffenen Tiere gern an. Weitere Informationen zu diesen
Hilfsmitteln finden Sie in der Rubrik über
gehandicapte Vögel. Bitte denken Sie ferner daran, den
Käfigboden zu polstern, falls Ihr Patient beim Klettern abstürzt.
Achten Sie außerdem darauf, dass sich keine
Druckstellen oder -geschwüre unter den Füßen des erkrankten Vogels
bilden.
Wenn keine Hilfe mehr möglich ist ...
Ab einem gewissen Stadium verursacht eine Gelenkgicht den betroffenen
Vögeln permanent große Schmerzen. Sie verschwinden nicht mehr und es ist
zudem nicht ratsam, die Vögel ständig mit Schmerzmitteln zu versorgen. Ist
die Bewegungsfähigkeit sehr stark eingeschränkt und leidet ein Vogel nur
noch, so ist der Zeitpunkt gekommen, sich Gedanken über das Einschläfern
zu machen. So hart diese Entscheidung auch sein mag, weil man sein Tier
liebt, umso wichtiger ist es, einen Vogel nicht unnötig leiden zu lassen,
nur weil man selbst nicht loslassen kann. Wann der richtige Zeitpunkt für
diesen schweren Schritt gekommen ist, können Vogelhalter mit dem
behandelnden Tierarzt gemeinsam entscheiden. Außerdem finden Sie in einem
gesondeten Kapitel Hinweise, die Ihnen hoffentlich in der schwierigen
Situation helfen.
Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen
Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten
austauschen? Dann besuchen Sie das
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