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zum Tierarzt ersetzen!
Leberstörungen treten bei Wellensittichen relativ
häufig auf, was unter anderem darin begründet liegt, dass die
kleinen Australier zu einer Verfettung dieses Organs neigen. Auch
einige andere Vögel können an Lebererkrankungen leiden, diese
treffen keineswegs ausschließlich Wellensittiche. Außerdem kann nicht nur
eine Leberverfettung zu einer Schädigung des Organs führen,
Entzündungen oder Tumoren kommen als Auslöser ebenfalls in
Frage. Die anfänglichen Symptome eines Leberproblems richtig zu
deuten, ist nicht leicht, denn sie sind sehr vielgestaltig. Deshalb
wird eine Leberstörung oft erst dann als solche erkannt, wenn das
betroffene Tier bereits längere Zeit darunter leidet und die
Erkrankung weit fortgeschritten ist. Die Diagnose wird in aller Regel
dadurch erschwert, dass andere Erkrankungen ebenfalls zu den zu
beobachtenden Symptomen führen können.
Mögliche Symptome
Ein sehr typisches Symptom für eine Leberfunktionsstörung
ist ein übermäßig starkes Schnabelwachstum, das mit
einer Deformation des Schnabels und oft mit einer Verfärbung
des Schnabelhorns einhergeht. Bei einigen Vögeln verfärben
sich mit der Zeit darüber hinaus die Krallen extrem dunkel, vor allem an den
Spitzen.
Außerdem weisen viele Vögel, die an einer Leberstörung
leiden, ein stumpfes und struppiges Gefieder auf, das insgesamt
betrachtet jedoch normalerweise intakt ist und keine Lücken hat. Ebenso
kann es geschehen, dass das Gefieder aufgrund eines Leberproblems zu
lang oder in der falschen Farbe nachwächst, siehe Kapitel
über abnormes Gefiederwachstum. Das Foto unter diesen Zeilen zeigt ein weiteres Phänomen, das bei einer Leberstörung am Gefieder zu erkennen sein kann: dunkle Verfärbungen im Federkiel oder in der Federfahne.

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Liegt eine Schnabelverformung
in Kombination mit schief gewachsenen, struppigen Federn vor, könnte der
betroffene Vogel an einer Viruserkrankung wie beispielsweise PBFD leiden.
Ein deformierter Schnabel, der mit Krusten bedeckt ist, ist hingegen oft ein Symptom für einen
Befall mit Grabmilben.
Dies zeigt, wie schwierig es für den Laien ist, die Ursache
für eine Schnabeldeformation sicher zu erkennen. Deshalb sollte man einen Vogel, dessen
Schnabel einen übermäßig starken Wuchs aufweist, unbedingt
von einem vogelkundigen Tierarzt untersuchen lassen.
Wellensittiche mit zu langen Schnäbeln infolge von Lebererkrankungen
Weitere Lebererkrankungen, die zu einem gestörten Allgemeinbefinden sowie einem
deformierten Schnabel führen können, sind beispielsweise
Leberverfettungen, Leberzirrhosen oder
Lebertumoren. Um bei dieser Bandbreite möglicher Ursachen den wahren
Grund für die Symptome herauszufinden, bedarf es einer Untersuchung durch einen
fachkundigen Tierarzt.
Viele Leberstörungen lassen sich daran erkennen, dass die
betroffenen Vögel Kot mit veränderter Form, Konsistenz und
Farbe ausscheiden. Der Kot von Wellensittichen, die an einer
Leberstörung oder -erkrankung leiden, ist oftmals
grünlich gefärbt und zeigt einen gelben Urinanteil, der
zerlaufen ist. Die nebenstehende Abbildung demonstriert deutlich, wie gelb der
völlig zerlaufene Urinanteil aufgrund der Leberstörung
gefärbt ist. Doch der Kot muss nicht in jedem Fall so
verfärbt sein, es kann auch bei normaler Kotbeschaffenheit und
-färbung eine Leberstörung vorliegen.
Andere Symptome, die infolge einer schweren Lebererkrankung
auftreten können, sind Benommenheit, Lähmungen,
plötzliche Fehlsichtigkeit, Zittern und
Orientierungsstörungen. All diese Symptome können ein Zeichen
dafür sein, dass die Leber nicht mehr richtig arbeitet, weshalb der Organismus
nicht ausreichend entgiftet wird. Somit wird der Körper mit verschiedenen
giftigen Substanzen überschwemmt, die das
Nervensystem schädigen. Die Symptome treten oft sehr
plötzlich auf, weil sich mit der Zeit der Anteil der
schädlichen Stoffe im Körper langsam steigert und der Vogel
ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit diesen Substanzen zurecht kommt.
Von vielen Tierärzten werden die Symptome deshalb häufig
entweder für die Folgen einer Vergiftung
aufgrund äußerer Ursachen oder für eine
Schlaganfall-ähnliche
Erkrankung gehalten.
Film zum Thema:
Das hier verlinkte Video zeigt einen Wellensittich, der aufgrund
einer Leberentzündung an
neurologischen Störungen leidet.
Dadurch ist er wackelig auf den Beinen, er hat jedoch höchstwahrscheinlich keine Schmerzen.
Sein Gefieder im Gesicht ist von der Medikamentengabe verklebt. Da es
sich um einen zahmen Vogel handelt, hat ihn das Anfertigen der Aufnahme
nicht verängstigt und auch die Nähe seiner Gefährten hat
ihn mehr beruhigt als der Aufenthalt im Krankenkäfig isoliert von
seinen Freunden. Zu der Aufnahme geht es hier: avi mit DivX-Kompression , 1,99 MB.
Diagnose
Um eine Lebererkrankung sicher diagnostizieren zu können, sollte
der behandelnde Tierarzt ein Röntgenbild anfertigen und
eine Blutuntersuchung durchführen. Dadurch
lassen sich die Leberwerte bestimmen. Die Blutentnahme ist bei
Wellensittichen und anderen Vögeln entgegen anders lautender Aussagen
normalerweise möglich, siehe auch Kapitel über
Untersuchungsmethoden beim Tierarzt. Allerdings kann
es sein, dass der Allgemeinzustand eines Tieres im Einzelfall aufgrund einer schweren
Erkrankung sehr schlecht ist. Dann ist keine sofortige
Blutuntersuchung möglich, ohne das Leben des Tieres zu riskieren.
Nur den Kot zu untersuchen, reicht jedoch meist nicht aus, eine Blutuntersuchung
ist langfristig gesehen zur Diagnosestellung erforderlich.
Behandlung
Leberfunktionsstörungen infolge einer Leberverfettung lassen sich
mit Hilfe einer speziellen Diät unter Einbeziehung
nährstoffreicher Futterzusatzstoffe in den Ernährungsplan oft
lindern, aber meist nicht heilen. Wichtig ist, dass übergewichtige
Tiere sanft abnehmen
sollten. Zudem ist für gewöhnlich eine dauerhafte Ernährungsumstellung
erforderlich. Einige Hinweise hierzu finden Sie im Kapitel über
die Ernährung bei Lebererkrankungen. Auf alle Fälle sollte der Behandlungsplan von einem erfahrenen Vogel-Tierarzt erstellt werden, siehe Adressliste .
Andere Lebererkrankungen wie etwa Entzündungen lassen
sich in aller Regel ebenfalls mit bestimmten Futtermittelzusätzen
und Leberschutzpräparaten behandeln. Es kommen dabei zum Beispiel
Medikamente zum Einsatz, die Mariendistel enthalten. In manchen
Fällen kann es sinnvoll sein, Mariendistelpulver
über das Futter zu geben, was jedoch mit dem behandelnden Tierarzt
abgesprochen werden sollte. Darüber hinaus brauchen die erkrankten
Vögel Aminosäuren (zum Beispiel enthalten in Amynin),
Vitamine und Mineralstoffe. Leberfunktionsstörungen infolge eines
Tumors werden ähnlich therapiert.
Wie lang die Behandlung durchgeführt werden muss, ist von
Fall zu Fall verschieden und sollte vom Tierarzt individuell abgestimmt
werden - genau wie die zum Einsatz kommenden Medikamente. Manche
Vögel sind nach vier Wochen wieder weitestgehend beschwerdefrei,
andere müssen zeitlebens durch eine Leberschutztherapie
unterstützt werden. Eine Behandlung eines vermeintlich an einer Leberstörung
erkrankten Vogels auf eigene Faust ist nicht ratsam.
Erfahrungsbericht
Die Birds-Online-Leserin -DINI- (Nadine) hat einen
Erfahrungsbericht verfasst, der einen recht
typischen Verlauf einer Leberstörung wiedergibt.
Linktipp
Lebererkrankungen und Lebertumore - ein häufiges Problem, Artikel von
Dr. Martina Schmoock
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