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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang
zum Tierarzt ersetzen!
Verletzungen der Sehnen und der
Muskulatur können bei Vögeln relativ leicht entstehen, weil die Tiere sehr agil sind. Bleiben sie beispielsweise mit einer zu langen Kralle in Textilien
hängen, versuchen sie das Bein durch ruckartiges Ziehen zu befreien. Dabei
können sie sich Sehnen und/oder Muskeln zerren. In besonders schweren Fällen kann
es sogar zu Sehnenabrissen oder Muskelrissen kommen. Letztere müssen von einem
vogelkundigen Tierarzt in aller Regel bei einer Operation behandelt werden; auch Zerrungen
sollten vom Tierarzt untersucht und versorgt werden.
Ursachen
Mögliche Ursachen für Muskel- oder Sehnenverletzungen sind Zusammenstöße
während des Fluges, Rangeleien unter Artgenossen oder - wie bereits weiter oben
beschrieben - das Hängenbleiben mit der Kralle zum Beispiel in Textilien. Auch mit
den Fußringen können Vögel an verschiedenen Gegenständen
hängen bleiben. Das rechts gezeigte Wellensittich-Männchen hatte Probleme mit seinem
Fußring und versuchte sich selbst aus der misslichen Lage zu befreien. Es gelang ihm,
den Ring so weit nach oben zu schieben, dass er die Blutzufuhr stark beeinträchtigte. Hierbei
fügte sich Pitti selbst eine Zerrung seiner Sehnen sowie innere Gewebeverletzungen zu,
der Fuß schwoll stark an. Glücklicherweise bemerkte sein Halter die Notsituation
rasch, so dass dem Vogel durch einen Tierarzt geholfen werden konnte.
Woran erkennt man eine Sehnen- oder Muskelverletzung?
Verletzungen der Muskulatur oder der Sehnen betreffen in den meisten Fällen eines der Beine, aber auch die Flügel können betroffen sein. Bei einer Flügelverletzung
meiden die betroffenen Tiere das Fliegen, meist hängt die erkrankte Schwinge herab. Ist
ein Bein betroffen, so wird es zum Bauch gezogen und geschont, siehe Foto rechts.
Beim Laufen humpelt der Vogel aufgrund der durch die Verletzung verursachten Schmerzen stark.
Manche Tiere geben jammernde Laute von sich, wenn sie laufen oder gar klettern müssen. Auch kann es
vorkommen, dass Vögel, die an einer Verletzung im Bein leiden, Äste nicht mehr
umgreifen können. Oft schwellen erkrankte Beine an bestimmten Stellen stark an, siehe
Foto ganz oben.
Der folgende Film zeigt einen Katharinasittich, der sein linkes Bein schont und ins Gefieder gezogen hat. Als er zu laufen beginnt, humpelt er beim ersten Schritt merklich. Videolink: bitte hier klicken (Dateiformat avi mit DivX-Kompression , 954 kB); der Link funktioniert nur bei bestehender Internetverbindung!
Behandlungsmöglichkeiten
Vögel, die an einer Zerrung oder an einer Verletzung ihrer Muskulatur leiden, müssen
unbedingt von einem vogelkundigen Tierarzt behandelt werden! Anderenfalls
können nicht mehr heilbare Lähmungen, Versteifungen oder Bewegungsstörungen entstehen. In besonders
komplizierten Fällen muss ein betroffener Vogel operiert werden. Meist reicht es jedoch aus,
dem Tier Medikamente zu verabreichen, die die Heilung des verletzten Gewebes
fördern. Eine Ruhigstellung des betroffenen Körperteils ist fast nie sinnvoll, da
es dadurch zu Versteifungen kommen kann. Eine Schmerztherapie hat sich in vielen Fällen als ausgesprochen
hilfreich erwiesen, da die Vögel dadurch an Lebensqualität gewinnen und nicht in
eine Schonhaltung verfallen, die zu Komplikationen wie Versteifungen oder Bewegungsstörungen
führen kann.
Bei schweren Verletzungen kann die Schmerztherapie allerdings dazu führen, dass die erkrankten Vögel die verwundeten Körperteile zu früh zu stark belasten, was die Heilung enorm verzögern oder den Gesundheitszustand verschlechtern könnte.
Als ergänzende Maßnahme zur vom Tierarzt verordneten Therapie ist es häufig sinnvoll, dem erkrankten Vogel Traumeel über das Trinkwasser einzugeben. Dieses homöopathische Präparat unterstützt die Heilung und kann auch von den Artgenossen aufgenommen werden. Pro Tag sollte man eine halbe bis ganze Tablette ins Trinkwasser geben. Auch eine alkoholfreie Traumeel-Lösung ist in Apotheken erhältlich (fünf bis zehn Tropfen pro Tag ins Trinkwasser träufeln). Bitte lassen Sie sich vom Tierarzt und vom Apotheker über die Dosierung im individuellen Fall beraten.
Weitere Hilfe für den erkrankten Vogel
Leidet ein Vogel beispielsweise an Schmerzen im Bein, kann das Stehen auf normalen Stangen auf die Dauer anstrengend für ihn sein, denn er schont die verletzte Extremität. Die einseitige Belastung kann auf die Dauer zu Hautreizungen der Fußsohle am gesunden Bein führen, wodurch schmerzhafte Druckstellen oder Ballengeschwüre entstehen können. Um dies zu vermeiden und dem Vogel den Alltag zu erleichtern, sollte man ihm gepolsterte Sitzstangen oder Liegebrettchen bzw. Ruheplattformen anbieten. Weitere Informationen und Bauanleitungen für diese Hilfsmittel finden Sie in der Birds-Online-Rubrik über gehandicapte Vögel.
Linktipp: Möchten Sie sich mit mir und anderen Vogelexperten sowie mit Wellensittichhaltern über Vogelkrankheiten austauschen? Dann besuchen Sie das Krankheiten-Forum von .
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