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  Home > Meine Katharinasittiche > Merlin - der fröhliche Schreihals, † 18.08.07
     
  Merlin im Porträt Als er zu mir gelangte, war der wildfarbene Katharinasittichmann völlig verstört und er reagierte geradezu panisch, wenn sich ihm ein Mensch auf weniger als zwei Meter näherte. Was ihm in der Obhut seines ehemaligen Besitzers Schreckliches widerfahren war, konnte er leider nicht in Worte fassen. Sein geradezu panisches Verhalten, welches er in der ersten drei Jahren in meinem Vogelzimmer an den Tag legte, sprach jedoch Bände. Es zeugte von viel Leid und Angst, Merlin scheint in der Vergangenheit furchtbare Dinge erlebt zu haben, die ihn und seine damalige Partnerin Nimue gleichermaßen betroffen haben. So, wie er beispielsweise auf erhobene Hände reagierte, vermute ich, dass beispielsweise nach ihm geschlagen wurde. Auch scheint er oft gegen seinen Willen gegriffen und festgehalten worden zu sein. Mit der Zeit wurde er zusehends gelassener, wenn ich mich im Vogelzimmer aufhielt. Nach drei Jahren war es so, dass ich mich ihm bis auf wenige Zentimeter nähern konnte. Er blieb ruhig und entspannt, sofern ich mich langsam bewegte und meine Hände nicht in seine Nähe hielt. Das versetzte ihn nach wie vor in Angst und Schrecken.

Merlin am FuttertellerSein seelisches Leid schrie er seit seinem Einzug buchstäblich aus sich heraus. Er war das, was in der Fachsprache als "Schreier" bezeichnet wird. Viele Papageienvögel, die traumatische Erlebnisse durchlebt haben, entwickeln typische Verhaltensauffälligkeiten. Eine davon ist permanentes monotones Schreien. Leider legte Merlin dieses Verhalten auch nach seiner Eingewöhnung in meinem Vogelzimmer gelegentlich an den Tag. Bis an sein Lebensende hat er nie ganz damit aufgehört, obwohl er in meiner Obhut ein sorgenfreies Leben in einem kleinen Katharinasittichschwarm hatte führen können. Die seelischen Wunden müssen sehr tief gewesen sein ... Wer einmal gehört hat, wie laut Katharinasittiche trotz ihrer vergleichsweise geringen Körpergröße schreien können, der weiß sicher, wie wenig begeistert ich von seinem Gekreische war, wenn er seine "dollen fünf Minuten" hatte. Noch dazu waren seine Rufe in diesen Phasen besonders schrill. Selbst seine Artgenossen wichen ihm aus, wenn er wieder einmal einen seiner "Kreischanfälle" bekam. Oft schüttelten sie sich sogar, weil ihnen das Geschrei offenkundig auch nicht behagte.

Merlins schöner RückenAber Merlin wurde glücklicherweise alles in allem sehr viel zugänglicher und ließ später außer mir auch fremde Menschen bis zu einem bestimmten Punkt an sich heran. Besonders spannend schien er es zu finden, wenn ich seine normalen, arttypischen Lautäußerungen nachahmte. Dann schaute er mich mit seinen großen dunklen Augen neugierig an und kam an guten Tagen manchmal sogar ein Stück näher. Es gab jedoch auch Tage, da wurde ihm meine Anwesenheit zu viel. Dann drohte er mir, indem er mit dem Schnabel knirschte und dabei mit den Schwanzfedern fächerte. Ganz geheuer schienen ihm Menschen zeitlebens nicht zu sein, weil seine schlechten Erfahrungen zu gravierend gewesen sein müssen. Deshalb ließ ich immer Merlin entscheiden, wie nah ich an ihn heran durfte und wann es Zeit war, dass ich mich zurückzog. Indem ich auf die Signale achte, die er mir sendete, konnte ich ihm vermitteln, dass ich ihn respektiere und gegebenenfalls auch zurückwich, wenn er es wünschte.

MerlinIn Bezug auf den Umgang mit den anderen Vögeln meines Schwarms war aus dem verstörten Federbündel relativ bald ein selbstbewusster, munterer Geselle geworden, der seine Lebensfreude von morgens bis abends auslebte. Er kletterte gern und hing dann oft minutenlang kopfüber von einer Schaukel. Oder aber er schmuste stundenlang mit seinen Artgenossen. Mitunter ärgerte er auch die Wellensittiche, oder besser gesagt manche von ihnen. Unter den kleinen australischen Sittichen hatte er einige mehr oder minder enge Freunde gefunden. Die waren davor sicher, von Merlin geärgert zu werden.

Merlins schöner RückenAls Merlin gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Nimue ins Vogelzimmer einzog, musste er sich erst einmal langsam an die Freiheit gewöhnen. Er war so viel Platz nicht gewohnt und reagierte darauf anfangs etwas eingeschüchtert. Einige Monate später starb seine Partnerin leider und er war allein unter Wellensittichen. Das gefiel weder ihm noch mir. Zwar hatte er sich schon vor Nimues Tod sehr eng mit dem Wellensittichmännchen Max angefreundet. Aber ich merkte, dass ihm etwas im Leben fehlte und wollte deshalb unbedingt eine neue Frau für Merlin finden. Einen Katharinasittich aufzutreiben, der wie er ein Abgabevogel aus dem Tierschutz sein sollte, war damals jedoch ausgesprochen schwierig - diese Vögel fanden sich noch nicht allzu häufig in der Privathaltung. Obwohl ich alle Hebel in Bewegung setzte, fand ich keine Partnerin für ihn. Aber dann kam mir die zündende Idee: Ich habe eine Kontaktanzeige ("Eine Frau für Merlin") für den Vogelmann verfasst und sie brachte letztlich den lang ersehnten Erfolg - wenn auch mit tatkräftiger Unterstützung einiger lieber Leute aus dem damals noch existierenden Forum von Katharinasittiche.de. Diesen lieben Menschen habe ich es zu verdanken, dass Anfang Februar 2004 die zauberhafte Bianca bei uns einzog. Sehr schnell wurde sie Merlins Gefährtin - ausgiebiges Kuscheln inklusive. Einige Zeit später zogen dann noch Costa und Rica ins Vogelzimmer ein, mit denen sich Merlin ebenfalls blendend verstand.

Merlin und sein Freund MaxGemeinsam mit seinen drei Artgenossen belagerte Merlin seinen nach wie vor treuen Freund Max, die Vögel kraulten einander und ich wunderte mich immer wieder aufs Neue darüber, wie sehr der Wellensittich in das Sozialgefüge der Katharinasittiche integriert wurde. Das Ganze geschah auf völlig freiwilliger Basis, denn jede der beiden Vogelarten war umgeben von mehreren Artgenossen. Vor allem Merlin, Bianca und Max schmusten sehr ausdauernd miteinander, weshalb ich die drei Vögel oft scherzhaft meine "Kuschelkommune" nannte. In Heft 05/2006 des WP-Magazins Externer Link habe ich einen Artikel veröffentlicht, der von den drei ungleichen Freunden erzählt ("Eine wunderbare Freundschaft: Drei schräge Vögel"). Leider starb Max im Herbst 2006 und ließ seinen traurigen Freund Merlin zurück. Glücklicherweise war er mit den anderen Katharinasittichen eng befreundet, wie es für diese Vogelart üblich ist. Die arteigenen Gefährten gaben ihm Halt und Trost, als er diese Zuwendung besonders nötig hatte.

Merlin beim SingenIm Sommer 2007 erkrankte Merlin sehr schwer. Bereits im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Mein Tierarzt, der auf die Behandlung von Vögeln spezialisiert ist, stellte Merlin regelrecht auf den Kopf und tippte zunächst auf eine Aspergillose als Auslöser für die gelegentlichen Atemprobleme. Diese nahmen Mitte 2007 so extreme Ausmaße an, dass Merlin erneut untersucht wurde. Mykoplasmen wurden als Auslöser für seine Atemnot dingfest gemacht und wir starteten einige Therapieversuche. Leider scheiterten alle, weshalb ich Merlin am 18.08.2007 schweren Herzens gehen lassen musste, weil er kaum noch atmen konnte. Obwohl er mich nie wirklich gemocht hat, habe ich dieses kleine Energiebündel umso mehr geliebt für das, was er war: ein fröhlicher Katharinasittich, der ständig Schabernack im Sinn hatte. Danke für die schöne Zeit, lieber Merlin.

 
 
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