Im Winter 2005, genau genommen Anfang Dezember 2005, erfuhr ich von zwei Katharinasittichen,
denen es in ihrem damaligen Zuhause nicht besonders gut ging. Eine liebe Bekannte berichtete
über zwei etwa fünf bis sechs Jahre alte Katharinasittiche, die ein
Vogelhalter mit Wellensittichen, von denen einige an der
Französischen Mauser
erkrankt waren, in einer gemeinsamen, kleinen Unterbringung pflegte.
Weil der Mann die Katharinasittiche nicht länger behalten wollte,
standen sie zur Vermittlung und er hatte aus diesem Grunde meine damalige Vereinskollegin um Hilfe
gebeten. Im Vermittlungsforum des VWFD , in dem auch andere Vogelarten angeboten werden
können, veröffentlichte sie eine Annonce und ich tat es ihr kurze Zeit später
im Forum von Katharinasittiche.de
gleich. Ich erhoffte mir davon eine schnellere Vermittlung der Tiere, denn dort sind zahlreiche Katharinasittichfreunde virtuell versammelt.
Rasch wurde dort eine Katharinasittichhalterin auf die Tiere aufmerksam und sie sagte
zu, die beiden Vögel aufzunehmen, obwohl sie in dem Wellensittichschwarm lebten,
in dem die Französischen Mauser ausgebrochen war. Wie sich diese Krankheit auf
Katharinasittiche auswirken könnte, wurde damals natürlich im Forum diskutiert, aber
wir kamen zu keinem Ergebnis, weil uns keine Fallbeispiele bekannt waren, in denen
Katharinasittiche an der Französischen Mauser erkrankt waren. Ich selbst
habe lange Zeit einige ebenfalls an der Krankheit leidende Wellensittiche mit Katharinasittichen
im selben Vogelzimmer gehalten, ohne dass es zu einem Ausbruch der Krankheit bei den
Südamerikanern gekommen wäre.
Wie die anderen Vogelfreunde war ich froh darüber, dass die beiden bedürftigen
Tiere, die ich selbst gern aufgenommen hätte, wenn ich damals genügend Platz gehabt
hätte, bei der Katharinasittichfreundin unterkommen sollten. Der Besitzer der
Vögel erklärte dann jedoch, sie seien bereits anderweitig vermittelt. Deshalb ging die
Interessentin aus dem Katharinasittich-Forum leer aus. Wir freuten uns natürlich trotzdem
alle darüber, dass die beiden Tiere offenbar endlich in ein besseres Umfeld gebracht
worden waren. Wie sich später herausstellen sollte, bestand leider doch kein Grund zur Freude.
Meine schon oben erwähnte ehemalige Vereinskollegin schrieb mir am 17. Mai 2006 eine E-Mail, die
mich entsetzte: Die Frau hatte mehr oder weniger zufällig erfahren, dass die beiden
Katharinasittiche im Winter doch nicht vermittelt worden waren. Wie der Besitzer sagte,
seien sie angeblich von dem Interessenten damals nicht wie vereinbart abgeholt worden und
deshalb habe er die Lust mehr verspürt, die Tiere überhaupt abzugeben. Es ginge den
Vögeln gesundheitlich noch schlechter als zuvor, erklärte mir meine damalige Vereinskollegin.
Deshalb wollten wir uns damit beeilen, die Vögel in ein besseres Zuhause zu bringen.
Mein Vogelschwarm war aufgrund mehrerer Todesfälle in der Zwischenzeit bedauerlicherweise sehr viel kleiner
geworden, ich hatte also genügend Platz, die beiden geschundenen Kreaturen
aufzunehmen. Die Organisation für ihre Rettung begann.
Meine damalige Vereinskollegin überredete den Besitzer der Tiere dazu, sie doch abzugeben. Ich
war sehr froh zu hören, dass ihre Überredungskünste Erfolg gebracht hatten, denn die Vögel waren in der Obhut meiner Bekannten angekommen.
Sofort bat ich meine Cousine und ihren Mann um Hilfe, die beiden sind selbst Katharinasittichhalter.
Weil ich kein Auto habe, war ich auf sie angewiesen, um die Tiere aus dem Rheinland abzuholen. Selbstverständlich halfen die beiden Tierfreunde, auf sie ist eben immer Verlass. Gemeinsam mit ihnen fuhr ich am 21. Mai 2006 vom Ruhrgebiet ins Rheinland, um die damals noch namenlosen
Sittiche abzuholen. In Anspielung auf eines der
Länder ,
in denen wilde Katharinasittiche in der Natur vorkommen, nannte ich die beiden
Costa und Rica.
Leider war Costas Zustand sehr schlecht, Rica hatte hingegen mehr Glück. Die Vogeldame
war recht gut genährt, das Gefieder war allerdings arg zerschlissen, was auf
zu wenig Platz im Käfig bei ihrem Vorbesitzer hindeutete. Wie Anzeichen der Französischen
Mauser sahen die Gefiederschäden erfreulicherweise ganz und gar nicht aus. Außerdem war Rica
sehr, sehr ängstlich, fast schon panisch. Es bestürzte mich zu sehen, wie entsetzt
mich der Vogel anschaute, wenn ich nur den Wasserspender aus dem Quarantänekäfig nahm,
um ihn zu reinigen. Zum Glück hat sich dies mit der Zeit gelegt und Rica wurde sehr viel mutiger, gelassener und mir gegenüber weniger ängstlich.
Aus dem verschreckten Federbündel ist relativ schnell eine stolze Vogeldame geworden. Rica saß meist erhobenen Hauptes auf einem ihrer Lieblingsäste und trug ihre Lieder vor. Sie hatte ein umfassendes Repertoire an Lauten, die ich zuvor bei keinem anderen Katharinasittich gehört hatte. Was ihre Lieder anging, war sie enorm kreativ und experimentierfreudig. Den anderen Katharinasittichen gegenüber verhielt sie sichmal sehr dominant und dann auch wieder zurückhaltend. Dann saß sie ein wenig abseits, um in Ruhe zu singen. Trotzdem schmuste sie häufig mit ihrem Mann Costa und auch später mit den anderen Männchen Merlin und Tico. Außerdem hat sie sich immer blendend mit ihrer Schwarmgefährtin Bianca verstanden, die beiden haben einander oft gekrault. In den Sommerferien 2006 hatte sie eine kleine Affäre mit einem Wellensittich, der hier zu Gast war. Sie sah ihn und lag ihm zu Füßen - umgekehrt war es übrigens genauso. Ich fand das alles recht ungewöhnlich, aber es schien beiden Vögeln gefallen zu haben. Das Foto in diesem Absatz zeigt sie mit ihrem Urlaubsflirt Flecki.
Ricas Farbmutation nannte sich Oliv. Sie war deutlich dunkler gefärbt, als es beispielsweise der wildfarbene Schwarmgefährte Merlin war. Außerdem hatte Rica eine recht dunkle Schnabelspitze, woran ich sie selbst bei schlechten Beleuchtungsverhältnissen immer sofort erkennen konnte. Zudem ist war daran von ihren Artgenossen zu unterscheiden, dass sie grundsätzlich morgens als erste an den Karottenstückchen nagte, während die restlichen Katharinasittiche Apfelstücke bevorzugten. Am 18. Februar 2009 erlag Rica leider einer schweren Krankheit, die mein Tierarzt und ich bedauerlicherweise trotz diverser Versuche, dem Vogel zu helfen, nicht in den Griff bekommen haben. Danke für die schönen Momente, meine liebe Rica. Ich hoffe sehr, dass es Dir bei mir gefallen hat. Es ist mir eine Ehre, Dich gekannt zu haben.
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